– Dr. Christina Jochim und Dr. Enno Maaß sind neue Bundesvorsitzende der DPtV.
– Die DPtV fordert politische Maßnahmen zur Sicherung der psychotherapeutischen Versorgung.
– Barbara Lubisch und Sabine Schäfer wurden nach 18 Jahren aus dem Vorstand verabschiedet.
Neue Doppelspitze für Deutschlands Psychotherapeuten
Die Deutsche PsychotherapeutenVereinigung (DPtV) hat eine neue Führungsspitze gewählt. Dr. Christina Jochim und Dr. Enno Maaß übernehmen als Bundesvorsitzende die Verantwortung für den größten Berufsverband der Branche. Die Delegiertenversammlung wählte die Doppelspitze gestern in Berlin (Stand: 22. November 2025)*.
Die neuen Vorsitzenden formulieren klare Erwartungen an die Politik und benennen drängende Versorgungsprobleme:
„Psychische Gesundheit ist keine Randnotiz – sie ist ein zentrales Zukunftsthema. Wir bringen fachliche Stärke, praktische Erfahrung und verantwortungsvolle Lösungen ein – und wir erwarten, dass diese Kompetenz in politische Entscheidungen einfließt. Dabei spielen eine Personalstrukturreform in Kliniken, der Schutz des Direktzugangs zur Psychotherapie, eine differenzierte Bedarfsplanung und die Sicherung der Möglichkeit des Berufserwerbs eine zentrale Rolle.“
„Die Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen steht vor großen Herausforderungen, die gemeinsam angegangen werden müssen. Dabei ist und bleibt die Psychotherapie ein unverzichtbares Element effizienter und nachhaltiger Versorgung. Die Psychotherapeutinnen steuern die Versorgung, setzen ihre fachliche Kompetenz bedarfsgerecht ein und stehen bereit, die Herausforderungen anzugehen. Die Politik ist gefordert, weitere Handlungsfelder für Psychotherapeutinnen freizuschalten.“
Der Verabschiedung langjähriger Vorstandsmitglieder galt besondere Aufmerksamkeit. Die Stv. DPtV-Bundesvorsitzenden Barbara Lubisch und Sabine Schäfer wurden nach 18 Jahren aus dem Bundesvorstand verabschiedet (Stand: 22. November 2025)*.
„Barbara Lubisch ist eine der prägendsten Stimmen der Psychotherapie. Ein Thema ragt besonders hervor: die Reform des Psychotherapeutengesetzes. Barbara Lubisch war von Beginn an überzeugt, dass der Berufsstand den Weg eines Approbationsstudiums mit anschließender fachpsychotherapeutischer Weiterbildung gehen muss, um für zukünftige Herausforderungen gut aufgestellt zu sein.“
„Sabine Schäfer engagiert sich seit Jahrzehnten im Gemeinsamen Bundesausschuss. Die Etablierung psychotherapeutischer Sprechstunden, Akutbehandlung und Erweiterung der Gruppenpsychotherapie versetzt psychotherapeutische Praxen heute in die Lage, die ambulante Versorgung psychischer Erkrankungen zu steuern. Als Chefredakteurin der Mitgliedszeitschrift ,Psychotherapie Aktuell‘ (PTA) mit aktuell 38.000 Abonnentinnen hat Sabine Schäfer ein verlässliches, professionelles und fachlich hochrelevantes Organ geschaffen.“*
„Dr. Josepha Katzmann hat den Bundesvorstand mit ihrer kinder- und jugendlichenpsychotherapeutischen Perspektive bereichert.“
Mit 33.000 Psychotherapeutinnen ist die DPtV der größte Berufsverband für Psychologische Psychotherapeutinnen, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen und Psychotherapeutinnen in Ausbildung in Deutschland (Stand: 22. November 2025)*.
Gesetzliche Reformen und Aus- bzw. Weiterbildung
Das Gesetz verankerte im Sozialgesetzbuch V die Verpflichtung, ein spezifisches Qualitätssicherungsverfahren für die ambulante psychotherapeutische Versorgung zu entwickeln – eine Neuerung, die sowohl für Praxen als auch für die Politik neue Herausforderungen mit sich bringt*.
Reform der Psychotherapeutenausbildung 2019
Die Reform markiert einen Systemwechsel: Statt der bisherigen postgradualen Ausbildung führte sie ein direkteres Approbationsstudium mit anschließender fachpsychotherapeutischer Weiterbildung ein. Dieser strukturelle Wandel zielt darauf ab, den Berufsstand besser auf künftige Versorgungsanforderungen vorzubereiten. Die Verankerung verbindlicher Qualitätssicherungsverfahren im SGB V schafft dabei den rechtlichen Rahmen für eine stärker standardisierte und transparente Versorgungsqualität.
Qualitätssicherung in der ambulanten Versorgung
Die neu geschaffenen Qualitätssicherungsverfahren sollen gewährleisten, dass psychotherapeutische Behandlungen in Praxen bundesweit vergleichbaren Qualitätsstandards entsprechen. Diese Entwicklung geht einher mit der Etablierung psychotherapeutischer Sprechstunden, Akutbehandlungen und erweiterter Gruppenpsychotherapie – Instrumente, die Praxen heute befähigen, die ambulante Versorgung psychischer Erkrankungen aktiv zu steuern.
Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) betont in diesem Zusammenhang die Dringlichkeit von Personalstrukturreformen in Kliniken, um dem Fachkräftemangel wirksam zu begegnen. Die Verknüpfung von verbesserter Ausbildungsqualität und gestärkten Klinikstrukturen bildet damit die Grundlage für eine zukunftsfähige psychotherapeutische Versorgung.
Die aktuellen politischen Diskussionen um Direktzugang, differenzierte Bedarfsplanung und Berufserwerbsmöglichkeiten spiegeln wider, wie sehr diese Reformen die Versorgungsrealität prägen. Ohne ausreichend qualifizierte Fachpsychotherapeutinnen und -therapeuten, so die einhellige Expertenmeinung, droht die Versorgung zusammenzubrechen. Die gesetzlichen Neuerungen von 2019 bilden somit den Ausgangspunkt für anhaltende fachpolitische Debatten über die Zukunft der psychotherapeutischen Versorgung in Deutschland.
Aktuelle Versorgungszahlen und Kontroversen
Die Diskussion um die psychotherapeutische Versorgung in Deutschland wird durch unterschiedliche Zahlen zur Fachkräftesituation geprägt. Laut dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) gab es 2025 in Deutschland knapp 40.000 Psychotherapeut*innen (Stand: 2025). Diese wiesen eine ausgeglichene regionale Verteilung auf. Die Versorgungsgrade lagen demnach in fast allen Planungsbereichen über 100 Prozent; lediglich drei Regionen unterschritten diesen Wert*.
Anzahl und regionale Verteilung
Die GKV-Daten zeigen ein grundsätzlich positives Bild der flächendeckenden Versorgung*. Mit einer Zahl von knapp 40.000 Psychotherapeut*innen und Versorgungsgraden, die in der überwiegenden Mehrheit der Planungsbereiche die 100-Prozent-Marke überschreiten, scheint die personelle Grundlage vorhanden zu sein. Die nahezu vollständige Abdeckung aller Regionen deutet darauf hin, dass das Problem der Unterversorgung weniger in der Gesamtzahl der Fachkräfte liegt.
Wo Zahlen auseinandergehen
Die öffentliche Debatte wird jedoch durch abweichende Angaben beeinflusst. Die Diskrepanz zwischen verschiedenen veröffentlichten Zahlen – wie der GKV-Angabe von knapp 40.000 und anderen Quellen, die von geringeren Werten ausgehen – lässt sich oft durch unterschiedliche Erhebungsgrundlagen erklären. Während manche Statistiken die Gesamtzahl aller berufstätigen Psychotherapeut*innen erfassen, beziehen sich andere ausschließlich auf bestimmte Berufsgruppen oder Verbandsmitglieder. Diese methodischen Unterschiede führen zu variierenden Ergebnissen, die eine klare Einschätzung der Versorgungssituation erschweren.
Unterschiedliche Interessen und Praxisfolgen
Die Reformforderungen im psychotherapeutischen Bereich zeigen, wie unterschiedlich die Interessenlagen und Herausforderungen der Akteure im Gesundheitssystem sind. Während Patientinnen und Patienten vor allem schnellen Zugang zu qualitativ hochwertiger Behandlung benötigen, stehen Kliniken und Therapeutinnen vor strukturellen und finanziellen Hürden, die eine optimale Versorgung erschweren.
Klinik- und Versorgungsstruktur
Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) fordert grundlegende Reformen der Versorgungsstrukturen in psychiatrischen Kliniken und Fachabteilungen. Ziel ist es, trotz Fachkräftemangel und demografischem Wandel die erforderlichen Behandlungen sicherzustellen.*
Gleichzeitig diskutiert die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) die Bedarfsplanung im Bereich der psychotherapeutischen Versorgung für Kinder und Jugendliche.*
Für Patientinnen und Patienten bedeuten diese strukturellen Defizite konkret: längere Wartezeiten auf Therapieplätze, eingeschränkte Wahlmöglichkeiten und regional sehr unterschiedliche Versorgungsqualität. Der geforderte Direktzugang zur Psychotherapie bleibt in der Praxis oft Theorie, wenn die personellen Ressourcen für eine zeitnahe Behandlung fehlen.
Ausbildungs- und Förderfragen
Die Verbände der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie (BKJ) mahnen zur ausreichenden Finanzierung aller Weiterbildungsbereiche.* Diese Forderung unterstreicht die Bedeutung einer qualitativ hochwertigen und flächendeckenden Ausbildung künftiger Psychotherapeutinnen.
Die BPtK ergänzt diese Position mit der Forderung nach einer ausfinanzierten Weiterbildung, die den hohen Anforderungen an die psychotherapeutische Versorgung gerecht wird.* Ohne diese Investitionen in die Ausbildung droht der bereits bestehende Fachkräftemangel sich weiter zu verschärfen.
Die Konsequenzen für die Versorgung sind deutlich absehbar: Fehlende oder unzureichend finanzierte Ausbildungsplätze führen mittelfristig zu noch größeren Engpässen in der Patientenversorgung. Kliniken müssen mit unbesetzten Stellen kämpfen, während niedergelassene Therapeutinnen ihre Praxen an die Grenzen der Belastbarkeit bringen. Die verschiedenen Verbände eint daher die Erkenntnis, dass ohne ausreichend qualifizierte Fachkräfte die psychotherapeutische Versorgung langfristig nicht gesichert werden kann.
Ausblick und konkrete Forderungen
Die neue DPtV-Doppelspitze hat mit ihrer Wahl klare Erwartungen an die Gesundheitspolitik formuliert. Doch welche konkreten Schritte müssen jetzt folgen, um die psychotherapeutische Versorgung tatsächlich zu stärken? Fachleute sehen dringenden Handlungsbedarf auf mehreren Ebenen.
Die in Kapitel 1 formulierten Forderungen der neuen DPtV-Spitze finden ihre Entsprechung in aktuellen Fachdiskussionen. So betonen Experten die Notwendigkeit einer umfassenden Reform der Personalstrukturen in Kliniken, um die psychotherapeutische Versorgung auch stationär zu sichern.* Gleichzeitig mahnen Fachpublikationen eine systematische Qualitätssicherung in der psychotherapeutischen Weiterbildung an, die über die reine Wissensvermittlung hinausgeht.*
Vor diesem Hintergrund ergeben sich folgende prioritäre Handlungsfelder:
- Ausfinanzierte Weiterbildungsplätze schaffen — um den Nachwuchsmangel zu bekämpfen und den Berufszugang zu erleichtern*
- Den Direktzugang zur Psychotherapie rechtlich absichern — als zentrales Element niedrigschwelliger Versorgung
- Klinikstrukturen reformieren — durch angemessene Personalbemessung und psychotherapeutische Leitungsfunktionen*
- Weiterbildungsqualität systematisch entwickeln — mit verbindlichen Standards und supervisioneller Begleitung*
Diese Maßnahmen bilden die Grundlage für eine zukunftssichere psychotherapeutische Versorgung, die den wachsenden Bedarf decken und qualitativ hochwertig bleiben kann.
Dieser Beitrag basiert auf einer Pressemitteilung der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung (DPtV).
Weiterführende Quellen:
- „Mit dem Gesetz zur Reform der Psychotherapeutenausbildung von 2019 wurde im SGB V verankert, dass ein spezifisches Qualitätssicherungsverfahren für die ambulante psychotherapeutische Versorgung entwickelt werden muss, was neue Herausforderungen für Praxis und Politik darstellt.“ – Quelle: https://www.psychotherapeutenjournal.de/2025/3/ptj202503.001
- „Die DGPPN fordert Reformen der Versorgungsstrukturen in psychiatrischen Kliniken und Fachabteilungen, um trotz Fachkräftemangel und demografischem Wandel die erforderlichen Behandlungen sicherzustellen.“ – Quelle: https://www.dgppn.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilungen-2025.html
- „Eine eigene Bedarfsplanung für die psychotherapeutische Versorgung von Kindern und Jugendlichen sowie eine ausfinanzierte psychotherapeutische Weiterbildung sind zentrale berufs- und versorgungspolitische Aufgaben zur Nachwuchssicherung.“ – Quelle: https://www.bptk.de/neuigkeiten/entschlossene-politik-im-interesse-psychisch-erkrankter-menschen
- „2025 gab es in Deutschland knapp 40.000 Psychotherapeut*innen mit ausgeglichener regionaler Verteilung; Versorgungsgrade lagen in fast allen Planungsbereichen über 100 %, nur drei unterschritten diesen Wert.“ – Quelle: https://www.gkv-spitzenverband.de/media/dokumente/service_1/publikationen/20250625_PoPa_Psychotherapie_barrierefrei.pdf
- „Ohne ausreichende finanzielle Förderung aller Weiterbildungsbereiche kann die zukünftige psychotherapeutische Versorgung in Deutschland mittelfristig nicht gesichert werden; einheitliche Bundesvorgaben für die Finanzierung sind dringend erforderlich.“ – Quelle: https://www.bkj-ev.de/stellungnahmen/stellungnahme-der-psychotherapieverbaende/
9 Antworten
„Die Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen steht vor großen Herausforderungen.“ Das stimmt so sehr! Wir müssen uns alle anstrengen, um Lösungen zu finden! Glaubt ihr, dass der Direktzugang zur Psychotherapie bald Realität wird?
„Der Schutz des Direktzugangs ist entscheidend“ – ja genau! Es wäre super wichtig für viele Betroffene! Wer hat Erfahrungen damit gemacht? Teile sie bitte mit uns!
„Eingeschränkte Wahlmöglichkeiten“ sind echt frustrierend! Ich hoffe sehr auf positive Veränderungen durch die neue Führung – was denkt ihr darüber? Wie wichtig ist euch der Zugang zur Therapie?
„Psychische Gesundheit ist kein Randnotiz“ – das sollte jeder hören! Die DPtV hat hier eine wichtige Rolle! Was meint ihr, könnten wir mehr Aufmerksamkeit auf Prävention legen? Welche Maßnahmen wären sinnvoll?
Die Verabschiedung von Barbara Lubisch und Sabine Schäfer ist ein großer Verlust für die DPtV. Ihre Arbeit war unschätzbar wertvoll! Wie seht ihr das? Welche Erfolge habt ihr unter ihrer Führung erlebt?
Ja, ich stimme zu! Ihre Reformen haben viel bewirkt. Ich hoffe, dass die neuen Vorsitzenden auf diesem Fundament aufbauen können.
Ich finde es klasse, dass die DPtV neue Vorsitzende hat! Dr. Jochim und Dr. Maaß bringen frische Ideen mit, besonders was die psychotherapeutische Versorgung angeht. Was denkt ihr, wie schnell können wir Veränderungen in der Politik erwarten?
Ich hoffe, dass diese neuen Führungspersönlichkeiten wirklich etwas bewegen können. Ich finde den Punkt zur Personalstrukturreform sehr wichtig. Was denkt ihr, welche konkreten Schritte sollten sie als erstes angehen?
Es ist toll zu sehen, wie engagiert die neuen Vorsitzenden sind! Psychische Gesundheit sollte wirklich im Vordergrund stehen. Ich frage mich, ob wir auch mehr Aufklärung über die psychotherapeutischen Angebote brauchen.