DLG-Wintertagung 2021: Umbau des Wirtschaftssystems ist größte unternehmerische Herausforderung

Verbandsnachrichten Meldung aus den Vereinen und Verbänden

Branche soll Druck in einen positiven Impuls verwandeln – Umbau zu nachhaltiger, ökologisch und ökonomisch tragfähiger und gesellschaftlich akzeptierter Landwirtschaft – neuer Unternehmer-Typ: „Zukunftslandwirt“

(DLG). Zur Eröffnung der DLG-Wintertagung digital 2021, die am 11. Februar online auf der Plattform der EuroTier digital stattfand, hat DLG-Präsident Hubertus Paetow die Branche aufgefordert, dem hohen gesellschaftlichen Druck standzuhalten und diesen als Handelnde auch in einen positiven Impuls umzuwandeln. „In Phasen einer wesentlichen Änderung der Rahmenbedingungen, wie auch immer diese aussehen mögen, ist der Unternehmer insbesondere als Stratege gefragt. Es genügt schon heute nicht mehr, sich nur mit Pflanzenernährung und Fütterung zu beschäftigen“, betonte Paetow.

Schlüsselbegriff „Transformation“
Bei all diesem Druck würden sich viele Landwirte und Landwirtinnen die Frage stellen, wo da eigentlich noch die unternehmerische, marktwirtschaftliche Perspektive für Landwirte in Deutschland liege, die in der DLG als Leitbild gepflegt werde. Die Politik und die organisierten Teile der Gesellschaft formulierten das Ziel, unser bisheriges Wirtschaften hin zu einer nachhaltigen, also ökologisch und ökonomisch tragfähigen und gesellschaftlich akzeptierten Landwirtschaft zu transformieren. „Ökologische Belange erhalten also einen bisher so nicht gekannten Stellenwert bei der Ausformulierung der wirtschaftspolitischen Leitlinien. Dies kann man schon als grundlegende Veränderung unseres Wirtschaftssystems verstehen“, so der DLG-Präsident und weiter: „Transformation im Sinne von Umbau und Weiterentwicklung, das scheint der Schlüsselbegriff zu sein.“ Diese Weiterentwicklungen würden den Landwirten auf den Betrieben in Zukunft vieles an unternehmerischer Energie abverlangen.

Die Landwirtschaft frage sich manchmal, ob es bei aller Kritik nicht auch eine positive Botschaft aus der gesellschaftlichen Diskussion gebe.
„Für uns Unternehmer sind Veränderungen nichts neues, Umbau und Transformation ist unser tägliches Brot. Neue Märkte, neue Preise, neue Technologien, neue Kunden, neue Gesetzeslagen… die Transformation ist unser Wegbegleiter. Damit eine Veränderung in einer Branche wie der Landwirtschaft wirklich grundlegend oder wie man heute sagt: “disruptiv” wirkt, müssen sich auch die Regeln des Wirtschaftssystems, in das diese Branche eingebettet ist, grundlegend ändern“, stellte Paetow fest.

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Derzeit erlebten wir in Deutschland und der EU den Versuch, Wirtschaft und Gesellschaft umzubauen. Angesichts des Klimawandels führe die EU den „Green Deal“ ein, der darauf angelegt sei, die grundsätzlichen Herausforderungen des Klimawandels durch neue wirtschaftliche und gesellschaftliche Regelmechanismen zu beantworten. Heruntergebrochen auf die Landwirtschaft bedeute dies die EU-Farm-to-Fork-Strategie und EU-Biodiversitätsstrategie, auf nationaler Ebene seien aktuell die Düngeverordnung und das Insektenschutzgesetz Antreiber des Wandels.

Ökologische Belange erhielten somit einen bisher so nicht gekannten Stellenwert bei der Ausformulierung der wirtschaftspolitischen Leitlinien. Dies könne man laut Paetow schon als grundlegende Veränderung unseres Wirtschaftssystems verstehen. In diesem Geschehen müsse die Agrarbranche ihren hohen und wichtigen Stellenwert behaupten, indem sie die Entwicklung aktiv mitgestalte, indem sie Klima- und biodiversitätskonformes Verhalten in die wirtschaftlich-produktiven Abläufe der Unternehmen integriere und die nachhaltige Entwicklung der Landwirtschaft vorantreibe.

Diese Situation betreffe nicht nur die Landwirtschaft: Energie- und Klimapolitik seien zwei weitere Beispiele, wo Politik, Wirtschaft und Gesellschaft schon seit längerem einen Umbau versuchten, bislang mit durchaus wechselndem Erfolg.

Eine Erweiterung des marktwirtschaftlichen Systems um geeignete Nachhaltigkeitskomponenten sei nach Paetow die richtige Antwort, sodass hier die Kräfte des Marktes, die Kräfte von Angebot und Nachfrage, die Wirkung von Knappheiten die richtigen Incentives auslösen.

Der landwirtschaftliche Unternehmer brauche einen Plan, eine Strategie, die zumindest in Grundzügen beschreibt, was bei den erwartbaren Szenarien zu tun sei:
• Wie gehe ich mit Tierwohlanforderungen vor dem Hintergrund von Baurecht und Investitionszyklen um?
• Welche Möglichkeiten habe ich in der Fruchtfolge, auf Einschränkungen bei Düngung und Pflanzenschutz zu reagieren?
• Welche Möglichkeiten bieten sich meinem Betrieb in der dezentralen Energieerzeugung, wenn sich die Ausbaupfade ändern?
Bei der Beantwortung all dieser Fragen genüge in Zukunft jedoch nicht mehr nur der Blick auf die Finanzierung, auf die Rentabilität und die vorhandenen Kapazitäten. In Zukunft gehöre die Einordnung der Aktivität in die langfristigen Trends immer dazu, nicht nur bei der Konsumentennachfrage, sondern auch auf den politisch gesteuerten Märkten z. B. für Klimaschutzgüter oder ökologische Leistungen.

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Als Landwirt in der Wertschöpfungskette

Hubertus Paetow empfahl seinen Berufskollegen, über ihre Rolle als Landwirte in der Kette nachzudenken. „Denn auch die Integration des eigenen Betriebes in ein übergeordnetes System kann eine Antwort auf die zukünftigen marktwirtschaftlichen Perspektiven sein. Eine gut funktionierende feste Lieferbeziehung, die vielleicht nicht immer den höchsten Preis und die maximale Freiheit in der Produktion bietet, in der aber dafür in Krisensituationen nicht jeder nur die eigene Position im Blick hat, kann für viele Bereiche eine Alternative sein.“

Vor allem gelte es, aus der engeren Zusammenarbeit auch noch einen Mehrwert für den Kunden zu erzeugen, zum Beispiel eine garantierte, transparente Prozessqualität wie im ökologischen Landbau oder bei regionalen Produkten, d.h. die Aufladung eigentlich austauschbarer Produkte mit den authentischen Eigenschaften einer Kulturlandschaft, mit der die Verbraucher etwas Positives verbinden.

Neuer Unternehmer-Typ „Zukunftslandwirt“
„Das alles heißt überhaupt nicht, dass der Landwirt der Zukunft kein Unternehmer mehr ist. Das heißt auch nicht, dass der Agrarsektor in Deutschland zu einer Subventionsbranche verkümmert, die gnädig vom Staat ausgehalten oder von Großkonzernen dominiert wird. Sondern es heißt, dass Landwirtschaft in Deutschland auch in Zukunft selbstbewusst durch große Leistung überzeugt und ihre herausragenden Möglichkeiten bei der Bewirtschaftung und Bewahrung von Kulturlandschaften und bei der Erzeugung einer Produktvielfalt auf international höchstem Qualitätsniveau auf ganz unterschiedlichen Märkten wahrnimmt“, betonte Paetow.

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Und diese Märkte hätten alle ihre besonderen Regeln, die die Landwirte als Unternehmer kennen würden und mit Ihnen ihre Märkte, ihre Produktion und die Wahrnehmung ihrer Branche gestalten. Diese „Zukunftslandwirtschaft“ erfordere aber vor allem eines: sie braucht die Landwirte als Aktivposten, als Handelnde, als sich selbst reflektierende Gestalter in einer Umwelt, deren Rahmenbedingungen sich stets im Fluss, deren Grundprinzipien sich aber als konstant erweisen würden.

Hubertus Paetow bezeichnete den Typus eines aktiven, vorausschauenden Unternehmers als „Zukunftslandwirt“. Diese könnten die klassischen unternehmerischen Tugenden mit dem strategischen Gespür dafür verbinden, wie die Entwicklung des Betriebes zu den veränderten marktwirtschaftlichen Mechanismen passe. „Zukunftslandwirte“ führten ihre Betriebe mit viel Leidenschaft, aber ohne sich an den falschen Stellen von Emotionen leiten zu lassen. „Zukunftslandwirte“ tauschten sich in Fachnetzwerken wie der DLG aus, wo im Austausch von Ideen, Konzepten und Argumenten die Impulse für den Fortschritt entwickelt würden. „Zukunftslandwirte“ nähmen die gesellschaftlichen Trends auf als zusätzliche, als neue unternehmerische Herausforderungen – mit all ihren Chancen und Risiken. Solche „Zukunftslandwirte“ würden diese Trends nicht als Angriff auf ihr Tun oder auf ihre Person verstehen, sondern diese als Ansporn für eine Weiterentwicklung einer respektierten und akzeptierten Landwirtschaft nehmen.

DLG e.V.
Eschborner Landstr. 122, 60489 Frankfurt am Main
Tel. +49 69 24788-0, Fax +49 69 24788-110

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