DIW-Studie zur Aktivrente: Sozialverband VdK kritisiert Reformpläne und warnt vor sozialer Spaltung in der Rentenpolitik

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Der Sozialverband VdK kritisiert die geplante Aktivrente als sozial unausgewogenes Instrument und stützt seine Skepsis auf eine DIW-Studie. Demnach arbeiten die meisten Menschen über 65 nur in Minijobs oder Teilzeit und würden von der Steuerentlastung kaum profitieren, während Besserverdienende entlastet würden und der Staat jährlich rund 770 Millionen Euro einbüßt. Stattdessen fordert der VdK eine Anhebung des Grundfreibetrags für alle Erwerbstätigen sowie verpflichtende altersgerechte Arbeitsplätze, flexible Arbeitszeiten und verpflichtende Weiterbildungen.

Inhaltsverzeichnis

– DIW-Studie bestätigt Skepsis: Rentner in Minijobs/Teilzeit profitieren kaum von Steuerentlastung.
– Aktivrente könnte 770 Mio. Euro Mindereinnahmen verursachen und 75 000 neue Rentner beschäftigen.
– Gefahr sozialer Spaltung zwischen gutverdienenden, fitten Senioren und einkommensschwächeren Rentnern.

Aktivrente: Neue DIW-Studie bestätigt die Skepsis des VdK

Die aktuelle Debatte um die Aktivrente erhält neuen Auftrieb durch eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), die die kritische Haltung des Sozialverbands VdK untermauert. VdK-Präsidentin Verena Bentele bringt die Problematik auf den Punkt: „Die Ergebnisse des DIW bestätigen unsere Skepsis gegenüber der Aktivrente. Die übergroße Mehrheit der über die Regelaltersgrenze hinaus arbeitenden Menschen ist in Minijobs oder in Teilzeit tätig und würde von der Steuerentlastung überhaupt nicht profitieren.“ Ein zentrales Problem liegt darin, dass arbeitende Rentnerinnen und Rentner, die noch Einkommen beziehen, steuerlich begünstigt werden, während jüngere Beschäftigte im gleichen Job und mit gleichem Einkommen deutlich stärker belastet würden.

Die DIW-Studie zeigt zudem, dass positive fiskalische Effekte durch die Aktivrente vor allem bei Seniorinnen und Senioren mit sehr hohen Gesamteinkommen zu erwarten sind. Gleichzeitig warnt Bentele vor erheblichen Mitnahmeeffekten, vor allem wenn Selbstständige, Freiberufler und Unternehmer*innen ebenfalls Anspruch auf den vorgeschlagenen Freibetrag von 2.000 Euro erhalten. „Trifft die Annahme des DIW zu, dass man aus Gleichbehandlungsgründen Selbstständigen, Freiberuflern sowie Unternehmerinnen und Unternehmern den Freibetrag von 2.000 Euro kaum verwehren könnte, wären die Mitnahmeeffekte noch größer.“ Diese würden die ursprünglich kalkulierten Einnahmenvorteile vor allem durch Ausweitungen des Kreises der Begünstigten wieder schmälerten.

Die wirtschaftlichen Berechnungen des DIW gehen davon aus, dass allein etwa 770 Millionen Euro Mindereinnahmen pro Jahr entstünden, falls nur die jetzt bereits arbeitenden Rentnerinnen und Rentner von der Aktivrente profitieren. Um ein ausgeglichenes Ergebnis für die Staatskasse zu erzielen, müssten darüber hinaus mindestens 75.000 weitere Rentnerinnen und Rentner in den Arbeitsmarkt eintreten. Auf gesellschaftlicher Ebene führt dieser Mechanismus jedoch zu einer problematischen Verschärfung sozialer Ungleichheiten: „Die Aktivrente ist kein Allheilmittel und birgt zudem eine große sozialpolitische Gefahr: Die Förderung der fitten Seniorinnen und Senioren mit guten Einkommen und das Vergessen derjenigen, die aus gesundheitlichen Gründen oder aufgrund der Pflege von Angehörigen nicht bis zur Regelaltersgrenze arbeiten können, verschärft die Spaltung zwischen den ärmeren und durch Sorgearbeit mehr geforderten Seniorinnen und Senioren einerseits und besser verdienenden Silver Agern andererseits.“

Vor diesem Hintergrund empfiehlt der VdK einen anderen politischen Ansatz, der die Grundstruktur der Steuerentlastung verändert. Statt die Aktivrente einzuführen, sollte der Grundfreibetrag für alle Erwerbstätigen angehoben werden, wodurch insbesondere niedrige und mittlere Einkommen entlastet würden. Außerdem hebt Bentele hervor, dass für ein gesundes Arbeiten bis und auch über die Regelaltersgrenze hinaus Arbeitgeber stärker in die Pflicht genommen werden müssen: „Und wer gesundes Arbeiten bis und auch über die Regelaltersgrenze hinaus ermöglichen will, sollte die Arbeitgeber verpflichten, altersgerechte Arbeitsplätze, flexible Arbeitszeitmodelle und Qualifizierung sowie verpflichtende Weiterbildungen zu schaffen.“

Mit Blick auf die aktuelle Studie und die sozialpolitischen Implikationen unterstreicht der VdK damit, dass die Aktivrente nicht nur aus finanzieller Sicht kritisch zu betrachten ist, sondern auch eine potenzielle Spaltung der älteren Generation verstärkt. Die vorgestellten Alternativen zielen auf eine gerechtere Verteilung der steuerlichen Entlastungen und eine bessere Förderung altersgerechter Arbeitsbedingungen.

Aktivrente: Spaltung zwischen Generationen und soziale Risiken im Blick

Die Debatte um die Aktivrente steht nicht nur für eine finanzpolitische Frage, sondern spiegelt tiefgreifende gesellschaftliche Herausforderungen wider, die sich aus der demografischen Entwicklung, der Rentenpolitik und der aktuellen Arbeitsmarktsituation ergeben. In Deutschland steigt die Lebenserwartung, gleichzeitig wird die Bevölkerung durch niedrige Geburtenraten und längere Rentenbezugszeiten älter. Vor diesem Hintergrund suchen Politik und Wirtschaft nach Wegen, die Arbeitsfähigkeit älterer Menschen zu verlängern und damit zugleich die Kosten der sozialen Sicherungssysteme zu begrenzen.

Die Aktivrente schlägt vor, dass Rentnerinnen und Rentner über das reguläre Renteneintrittsalter hinaus erwerbstätig bleiben und für ihre Arbeit Steuererleichterungen erhalten. Diese Idee klingt zunächst attraktiv, da sie die individuelle Freiheit fördert und den Fachkräftemangel abmildern könnte. Doch die gesellschaftlichen Folgen sind komplex und werfen soziale Risiken auf, die über Fragen der Steuerpolitik hinausgehen.

Zentrale Spannungen ergeben sich aus der Gefahr einer Spaltung zwischen Generationen und Einkommensgruppen. Die Förderung durch Steuervergünstigungen würde vor allem rentnerischen Personen mit hohen Erwerbseinkommen zugutekommen, während viele ältere Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht weiterarbeiten können oder familiäre Pflegeaufgaben übernehmen, ausgeschlossen blieben. Dadurch droht die Ungleichheit unter Seniorinnen und Senioren zuzunehmen. Zudem profitieren überwiegend Teilzeit- oder geringfügig Beschäftigte kaum von der Aktivrente, bei den jüngeren Erwerbstätigen entfällt die Entlastung ganz. So kann die Steuerlast für junge Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im gleichen Job sogar steigen.

Herausforderungen und Alternativen zur Aktivrente

Diese Problematik wirft Fragen zur fairen Lastenverteilung und gesellschaftlichen Solidarität auf. Wer sind die besonders betroffenen Gruppen?

  • Rentnerinnen und Rentner mit guter Gesundheit und hohen Einkommen, die über das reguläre Rentenalter hinaus arbeiten können und steuerlich entlastet werden
  • Ältere Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen oder Pflegeverpflichtungen, die keine Möglichkeit zum Weiterarbeiten haben
  • Jüngere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die keine Steuervergünstigungen erhalten und unter Umständen eine höhere Steuerbelastung tragen
  • Selbstständige und Unternehmer, bei denen eine Gleichbehandlung den Steuerfreibetrag deutlich erweitern könnte, was zu erheblichen Mindereinnahmen führt

Die Kritiker der Aktivrente empfehlen, von einer Förderung einzelner Personengruppen abzusehen und stattdessen den Grundfreibetrag für alle Erwerbstätigen anzuheben. Dadurch würden breite Schichten mit niedrigen und mittleren Einkommen entlastet, ohne neue soziale oder generationelle Gräben aufzureißen. Zusätzlich fordern Experten und Verbände, dass Arbeitgeber stärker in die Pflicht genommen werden, um gesundes Arbeiten im Alter zu ermöglichen. Dazu zählen altersgerechte Arbeitsplätze, flexible Arbeitszeitmodelle sowie verpflichtende Weiterbildungsangebote.

Im internationalen Vergleich sehen verschiedene Länder unterschiedliche Wege zur Bewältigung der Herausforderungen durch den demografischen Wandel. Einige setzen stärker auf flexible Renteneintrittsalter, andere auf umfassendere Arbeitsmarktreformen oder auf den Ausbau der betrieblichen Altersvorsorge . Eine rein steuerliche Förderung wie die Aktivrente bleibt dort selten das alleinige Mittel der Wahl.

In der öffentlichen Debatte dominiert die Frage, wie eine soziale Balance hergestellt werden kann, die weder die finanzielle Belastung einzelner Generationen verschärft, noch benachteiligte Gruppen ignoriert. Die Aktivrente steht dabei für ein kontroverses Konzept, das sowohl Chancen als auch Risiken birgt und dessen soziale Folgewirkungen sorgfältig abgewogen werden müssen.

Die in diesem Beitrag verwendeten Informationen und Zitate stammen aus einer Pressemitteilung des Sozialverbands VdK Deutschland e.V.

2 Antworten

  1. Die DIW-Studie zeigt wirklich interessante Punkte auf, besonders wie die Steuervorteile vor allem den wohlhabenden Rentnern zugutekommen. Wie kann man sicherstellen, dass auch die Bedürftigeren nicht vergessen werden? Das Thema ist sehr wichtig.

    1. Ich denke auch, dass wir mehr für die schwächeren Gruppen tun müssen. Die Idee der Aktivrente könnte wirklich problematisch sein. Was haltet ihr von der Anhebung des Grundfreibetrags?

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