Diensträder boomen: ADFC warnt vor Sicherheitsrisiken durch mangelhafte Radwege

Am morgigen 25. November 2025 beginnt die Nationale Konferenz betriebliche Mobilität. Der ADFC betont, dass das Fahrrad ein Gewinnerthema für Unternehmen sei, da es Mitarbeitergesundheit fördert und Staus reduziert. Allerdings fühlen sich über 70 Prozent der Radfahrenden nicht sicher, weil Radwege oft zu schmal, ungeschützt oder gar nicht vorhanden sind.
Modernes blau beleuchtetes News-Studio mit runden LED-Podesten und großem Bildschirm mit Schriftzug ‚Verbands‑Monitor eins zu eins‘.
Inhaltsübersicht

– Dienstfahrräder ersetzen zunehmend Dienstwagen in Unternehmen.
– Schlechte Radwege gefährden betriebliche Mobilität und Mitarbeitersicherheit.
– Betriebliche Fahrradnutzung fördert Gesundheit und entlastet Verkehr sowie Klima.

Dienstfahrräder im Aufwind – doch die Infrastruktur hinkt hinterher

Am 25. November 2025 beginnt die Nationale Konferenz betriebliche Mobilität – und das Fahrrad spielt dabei eine Schlüsselrolle. Während Dienstfahrräder einen regelrechten Boom erleben, fehlt es vielerorts an der notwendigen Infrastruktur für sicheren Radverkehr.

ADFC-Bundesgeschäftsführerin Dr. Caroline Lodemann betont: „Das Fahrrad ist ein Gewinnerthema für die betriebliche Mobilität. Es macht Mitarbeiter fit und ausgeglichen, spart teure Parkplätze, reduziert den Stau – und ist gut für das Klima.“ Zugleich warnt sie vor den Sicherheitsrisiken: „Die Kehrseite der Medaille ist, dass die tödlichen Wegeunfälle auf dem Rad deutlich zunehmen.“ Als Hauptproblem identifiziert sie „kaputte, viel zu schmale, ungeschützte oder schlecht gepflegte Radwege“.

Rund 40 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland haben Zugang zu diesem Angebot – Stand: 24. November 2025 (Deloitte).* Unternehmen setzen zunehmend auf Dienstradleasing als Bestandteil ihrer Gehaltspakete. Doch das volle Potenzial kann sich nur entfalten, wenn die Rahmenbedingungen stimmen: Sichere Radwege bleiben die entscheidende Voraussetzung für eine erfolgreiche Verkehrswende in der betrieblichen Mobilität.

Dienstradleasing: Markt und Wachstum

Der Dienstradleasing-Markt in Deutschland erlebt einen bemerkenswerten Aufschwung. Was vor Jahren noch als Nischenangebot galt, hat sich zu einem Massenphänomen entwickelt. Immer mehr Unternehmen integrieren Fahrräder und E-Bikes in ihre betriebliche Mobilitätsstrategie – als attraktiven Personalvorteil und Beitrag zur Verkehrswende.

Dienstradleasing wächst rasant

Die Entwicklung des Dienstradleasings zeigt eine eindrucksvolle Dynamik. Von 2019 bis 2023 hat sich die Zahl der Beschäftigten mit Zugang zu diesem Angebot mehr als verdreifacht: Waren es 2019 noch 5,3 Millionen, konnten Ende 2023 bereits 16,8 Millionen Beschäftigte ein Dienstrad leasen*. Noch deutlicher fällt der Anstieg bei den tatsächlich genutzten Verträgen aus: Die absolute Nutzerzahl stieg im gleichen Zeitraum von 0,4 auf 1,8 Millionen Leasingverträge.

Diese Entwicklung setzt sich fort: 2024 hatten 41 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland die Möglichkeit, ein Dienstrad zu leasen – das entspricht 18,7 Millionen Menschen. Deutschlandweit bieten 269.000 Arbeitgeber Dienstradleasing an, darunter 78 Prozent Klein- oder Kleinstunternehmen.

Marktstruktur & Anteil E‑Bikes

Der Fahrradmarkt insgesamt zeigte 2024 leicht rückläufige Tendenz mit 3,85 Millionen verkauften Fahrrädern und E-Bikes – ein Minus von 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dennoch behauptet sich das Dienstradleasing als Wachstumstreiber, wobei Elektrofahrräder dominieren: Rund 80 Prozent der Diensträder sind E-Bikes.

Diese hohe Quote erklärt sich durch die besonderen Anforderungen des Berufsverkehrs: E-Bikes überwinden mühelos Steigungen, ermöglichen entspanntes Ankommen auch in Businesskleidung und erweitern den praktischen Aktionsradius auf längere Pendelstrecken. Die elektrische Unterstützung macht das Fahrrad zur echten Alternative zum Auto – selbst für Strecken bis 15 Kilometer.

Jahr Beschäftigte mit Zugang Leasingverträge Quelle/Stand
2019 5,3 Mio. 0,4 Mio. Deloitte, Ende 2023*
2023 16,8 Mio. 1,8 Mio. Deloitte, Ende 2023*
2024 18,7 Mio. (41% der Erwerbstätigen) Zukunft Fahrrad, 2024*

Die Zahlen belegen: Dienstradleasing hat sich vom exklusiven Benefit zum Mainstream-Angebot entwickelt. Unternehmen erkennen zunehmend den ökonomischen und ökologischen Mehrwert – von gesteigerter Mitarbeitergesundheit über reduzierte Parkplatzproblematik bis hin zur positiven Klimabilanz.

Sicherheit: Unfalllage und Infrastrukturprobleme

Die wachsende Popularität von Dienstfahrrädern trifft auf eine Radinfrastruktur, die den Sicherheitsanforderungen nicht gewachsen ist. Während die absolute Zahl der Fahrradunfälle in Deutschland 2024 mit 92.882 Fällen leicht zurückging – etwa 1.200 weniger als im Vorjahr – bleibt die Situation besorgniserregend. Die Zahl der getöteten Radfahrer sank zwar von 474 (2023) auf 441 (2024) (Stand: 2024)*, doch diese Verbesserung relativiert sich angesichts fundamentaler Sicherheitsdefizite.

Das subjektive Unsicherheitsgefühl unter Radfahrenden ist deutlich spürbar. Laut einer DEKRA-Studie fühlen sich 41 % der Radfahrenden in Deutschland im Stadtverkehr unsicher oder sehr unsicher. Auf Landstraßen sind es 34 % (Stand: 2024)*. Diese Wahrnehmung deckt sich mit konkreten Unfallrisiken, die besonders an neuralgischen Punkten des Verkehrsnetzes auftreten.

Gefährliche Kreuzungsgestaltung

Besonders problematisch zeigt sich die Infrastruktur an Kreuzungen. Eine Untersuchung zu tödlichen Radunfällen an Kreuzungen ergab, dass 71 % der Getöteten Nutzer von baulich getrennten Radwegen waren. Weitere 20 % entfielen auf markierte, nur durch Linien abgetrennte Radverkehrsanlagen (Stand: 2019/2020)*. Diese Zahlen widerlegen die intuitive Annahme, bauliche Trennung bedeute automatisch mehr Sicherheit.

Das Paradoxon erklärt sich durch spezifische Risiken an Kreuzungspunkten: Baulich getrennte, aber fahrbahnnahe Radwege führen häufig zu Sichtbehinderungen zwischen abbiegenden Kraftfahrzeugen und geradeausfahrenden Radfahrenden. Autofahrende übersehen Radler oft, weil sie nicht mit dem Queren von Radverkehr aus seitlicher Position rechnen. Zudem neigen manche Radfahrende auf separierten Wegen dazu, an Kreuzungen weniger aufmerksam zu sein, da sie sich in vermeintlich geschützten Räumen wähnen.

Systemische Schwachstellen

Die Sicherheitsprobleme beschränken sich nicht auf Kreuzungen. Viele Radwege sind zu schmal, schlecht beleuchtet oder durch parkende Fahrzeuge blockiert. Besonders im ländlichen Raum und an Stadträndern, wo viele Betriebe angesiedelt sind, fehlen durchgängige Radwegenetze häufig ganz. Diese infrastrukturellen Defizite verschärft der E-Bike-Boom, da höhere Geschwindigkeiten angepasste Wegführungen erfordern.

Die Daten zeigen deutlich: Die Verkehrssicherheit für Radfahrende lässt sich nicht allein durch individuelle Vorsicht gewährleisten. Entscheidend ist eine systematische Verbesserung der Radverkehrsinfrastruktur, die besonders an Konfliktpunkten wie Kreuzungen durchdachte Lösungen bietet.

Arbeitgeber, Kosten und ökonomisches Potenzial

Für Unternehmen wird das Dienstradleasing zunehmend zu einem strategischen Instrument, das weit über reine Mitarbeiterzufriedenheit hinausreicht. Die wirtschaftlichen Vorteile sind handfest: Arbeitgeber können teure Kfz-Stellplätze einsparen und in platzsparende Fahrradabstellanlagen umwandeln, während das Dienstrad als attraktiver Bestandteil von Gehaltspaketen die Arbeitgebermarke stärkt. Deutschlandweit bieten 269.000 Arbeitgeber Dienstradleasing an, darunter 78 % Klein- oder Kleinstunternehmen.*

Dennoch bleibt ein bedeutendes ungenutztes Potenzial. Einer Studie von 2025 zufolge bietet knapp die Hälfte der Arbeitgeber (47,4 %) bewusst kein Dienstradleasing an. Weitere 9,4 % wissen nicht einmal, ob es in ihrem Unternehmen ein solches Angebot gibt. Diese Zurückhaltung steht im Kontrast zu den klaren Marktsignalen. Der Umsatz mit Dienstrad-Leasing wird für 2025 auf 3,3 Milliarden Euro und für 2026 auf 3,6 Milliarden Euro prognostiziert (Prognose Juni 2025). Diese Zahlen belegen die wachsende ökonomische Relevanz. Ein weiterer Treiber ist der allgemeine Fahrradboom – 2024 wurden in Deutschland 3,85 Millionen Fahrräder und E-Bikes verkauft, wobei rund 80 % der Diensträder E-Bikes sind (Stand: 2024/2025).*

Warum sich das Engagement für Arbeitgeber lohnt

Die Entscheidung für das Dienstradleasing ist für Unternehmen oft eine einfache Kosten-Nutzen-Rechnung. Die wichtigsten Argumente im Überblick:

  • Platz- und Kostenvorteile: Der Wegfall kostenintensiver Pkw-Stellplätze schafft finanzielle und räumliche Freiräume.
  • Steigerung der Arbeitgeberattraktivität: Das Dienstrad etabliert sich als fester und geschätzter Bestandteil moderner Vergütungspakete.
  • Ausbauhemmnisse: Trotz der Vorteile bietet fast jeder zweite Arbeitgeber (47,4 %) noch kein Leasing an, was auf Informationsdefizite oder administrative Hürden hindeutet (Stand: 2025).

Die betriebliche Mobilität mit dem Fahrrad entlastet nicht nur die Verkehrsinfrastruktur und fördert die Gesundheit der Belegschaft, sondern eröffnet Unternehmen auch ein beachtliches wirtschaftliches Betätigungsfeld. Die positiven Marktprognosen und die hohe Nachfrage seitens der Arbeitnehmerschaft machen das Dienstrad zu einem lohnenden Investment in die betriebliche Zukunft.

Ausblick und Handlungsempfehlungen

Die bisherigen Erkenntnisse zeigen deutlich: Der betriebliche Radverkehr bietet enormes wirtschaftliches Potenzial, doch die Infrastruktur hinkt hinterher. Um diese positive Entwicklung zu stützen, sind gezielte Maßnahmen erforderlich.

Dieser Beitrag enthält Informationen und Zitate, die aus einer Pressemitteilung des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs e.V. (ADFC) stammen.

Weiterführende Quellen:

8 Antworten

  1. *nachdenklich* Das Wachstum des Dienstradleasings ist erfreulich! Aber ohne sichere Wege wird das nichts bringen. Was denkt ihr darüber? Welche Schritte könnten als nächstes unternommen werden?

  2. Es ist wirklich interessant zu sehen, wie das Dienstradleasing wächst! Aber ich mache mir Sorgen über die Unfallzahlen. Was denkt ihr über den Zusammenhang zwischen der Anzahl der Fahrräder und den Unfällen? Ich hoffe, dass bald Änderungen kommen werden.

    1. Das ist ein guter Punkt! Vielleicht sollten wir alle mehr darauf achten, sicherer zu fahren und nicht nur auf die Infrastruktur zu setzen.

  3. Ich stimme zu! Das Fahrrad ist eine tolle Alternative zum Auto und hilft auch der Umwelt. Allerdings müssen wir auch an der Sicherheit arbeiten. Warum gibt es so viele ungeschützte Wege? Wir brauchen dringend eine Lösung!

  4. Toll zu sehen, wie viele Menschen jetzt ein Dienstrad leasen können! Aber ich mache mir Sorgen um die Unfälle. Könnten bessere Radwege helfen? Ich glaube, das würde viele Leute ermutigen, öfter das Rad zu nehmen.

  5. Ich finde es super, dass mehr Firmen Diensträder anbieten. Aber wie können wir die Radwege besser machen? Gibt es schon Pläne dafür? Es ist wichtig, dass wir unsere Radfahrer schützen und sicherstellen, dass sie sicher zur Arbeit kommen.

    1. Ja, genau! Die Radwege sind wirklich ein großes Problem. Vielleicht sollten die Städte mehr Geld in die Infrastruktur investieren, um die Sicherheit zu erhöhen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Über den Autor

Die Redaktion von Verbandsbüro besteht aus vielen unterschiedlichen Experten aus der Verbands- und Vereinswelt. Alle Beiträge beruhen auf eigene Erfahrungen. Damit wollen wir Ihnen unsere professionellen Leistungen für Ihre Organisation präsentieren. Wollen Sie mehr zu diesem Thema erfahren? Nehmen Sie doch einfach mit uns Kontakt auf.​