DHV Ranking 2025: Wissenschaftler wählen Rektor und Wissenschaftsminister des Jahres

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Der Deutsche Hochschulverband befragt seine rund 34.000 Mitglieder zur Arbeit von Hochschulleitungen und Wissenschaftsministerien. Bis zum 12. Dezember 2025 können die Wissenschaftler ihre Spitzenvertreter online mit Schulnoten bewerten. Die Auszeichnungen "Wissenschaftsminister/in des Jahres" und "Rektor/in/Präsident/in des Jahres" werden am 23. März 2026 auf der Gala der Deutschen Wissenschaft in Berlin verliehen.

Inhaltsverzeichnis

– DHV-Mitglieder bewerten jährlich Wissenschaftsminister und Hochschulleitungen per Online-Abstimmung.
– Die Auszeichnungen werden bei der Gala der Deutschen Wissenschaft in Berlin verliehen.
– Hochschulleiter mit dreimaliger Auszeichnung können nicht erneut nominiert werden.

Wissenschaftspersonal bewertet Führungskräfte

Der Deutsche Hochschulverband befragt seine rund 34.000 Mitglieder zur Leistung von Hochschulleitungen und Wissenschaftsministern. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vergeben dabei Schulnoten von eins bis sechs für ihre Rektorinnen und Rektoren sowie Präsidentinnen und Präsidenten. Ebenso bewerten sie die Arbeit ihrer Landeswissenschaftsministerinnen und -minister sowie der Bundesforschungsministerin. Bis zum 12. Dezember 2025 (Stand: 13. November 2025) können sich die Mitglieder über ein geschütztes Online-Portal an der Abstimmung beteiligen. Das Bewertungsverfahren entwickelte der DHV gemeinsam mit dem Zentrum für Evaluation und Methoden der Universität Bonn, das auch die Auswertung übernimmt.*

Die Auszeichnungen "Wissenschaftsminister/in des Jahres" und "Rektor/in/Präsident/in des Jahres" werden während der "Gala der Deutschen Wissenschaft" am 23. März 2026 in Berlin verliehen. Zuletzt ehrte der Verband am 31. März 2025 (Stand: 13. November 2025) Katharina Fegebank, damals Hamburger Wissenschaftssenatorin, und Professor Dr. Manfred Bayer, Rektor der TU Dortmund. Eine Besonderheit des Verfahrens: Hochschulleitungen, die bereits dreimal ausgezeichnet wurden, scheiden aus dem Wettbewerb aus. Daher kann Professor Dr. Dr. h.c. Michael Hoch, Rektor der Universität Bonn, nach seinen Erfolgen 2020, 2021 und 2023 nicht mehr antreten.*

Wie repräsentativ sind die DHV-Rankings wirklich?

Die DHV-Befragung bietet regelmäßig Einblicke in die Stimmungslage an deutschen Hochschulen. Doch wie aussagekräftig sind diese Ergebnisse tatsächlich? Ein Blick auf frühere Auswertungen zeigt sowohl konsistente Muster als auch methodische Grenzen der Erhebung.

Bereits 2019 dokumentierte eine Untersuchung der Universität Hohenheim erhebliche Unterschiede zwischen den Hochschulstandorten. Während an der Universität Münster 61,1 Prozent der Befragten ihren Rektor ausgesprochen positiv beurteilten, erreichten andere Standorte wie Erlangen-Nürnberg lediglich 29,1 Prozent positiver Bewertungen (Stand: 2019)*. Diese starke Streuung deutet auf hochschulspezifische Faktoren hin, die das Meinungsbild prägen.

Teilnehmerzahlen und Durchschnittsnoten

Drei Jahre später, im DHV-Ranking 2022, zeichnete sich ein differenziertes Bild ab: Rund 70 Prozent der Teilnehmenden bewerteten ihre Hochschulleitung positiv, während gleichzeitig 14 Prozent Rektoren oder Rektorinnen als sehr schlechte Besetzung einstuften. An manchen Hochschulen erreichten die negativen Bewertungen sogar Werte bis zu 63 Prozent (Stand: 2022)*.

Die Entwicklung setzte sich 2023 fort, als über 3.000 Personen an der Online-Abstimmung teilnahmen. Dabei vergaben 67,6 Prozent überwiegend positive Bewertungen und die Durchschnittsnote für Hochschulleitungen lag bei 2,83 (Stand: 2023)*. Diese relativ stabilen Werte über die Jahre hinweg könnten auf eine konstante Grundstimmung unter den befragten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern hindeuten.

Starke Unterschiede zwischen Hochschulstandorten

Die regionalen Diskrepanzen zeigen sich auch bei der Bewertung politischer Entscheidungsträger. Im DHV-Ranking 2022 schwankten die Durchschnittsnoten für Landeswissenschaftsminister zwischen 2,86 in Baden-Württemberg und 3,25 in Brandenburg (Stand: 2022). Bemerkenswert: Nur 6,2 Prozent der Teilnehmenden bezeichneten ihre Landesminister als ideale Besetzung (Stand: 2022).

Diese Werte lassen sich übersichtlich darstellen:

Jahr Indikator Wert Einheit Quelle/Stand
2019 Positive Bewertung Rektor Universität Münster 61,1 % Universität Hohenheim 2019*
2022 Positive Bewertung Hochschulleitung gesamt 70 % DHV-Ranking 2022*
2022 Negative Bewertung an einzelnen Standorten bis 63 % DHV-Ranking 2022*
2023 Teilnehmerzahl Online-Abstimmung über 3.000 Personen Forschung & Lehre 2023*
2023 Durchschnittsnote Hochschulleitung 2,83 Schulnote Forschung & Lehre 2023*

Methodisch bleiben jedoch Fragen offen. Die DHV-Umfrage erreicht ausschließlich Verbandsmitglieder, was eine gewisse Selektion der Teilnehmenden bedingt. Zudem fehlen in den veröffentlichten Ergebnissen detaillierte Angaben zur demografischen Struktur der Stichprobe. Ohne Informationen über Alter, Fachbereich oder Karrierestadium der Befragten lässt sich die Repräsentativität für die gesamte Wissenschaftlergemeinschaft nur begrenzt beurteilen. Die vergleichsweise konstante Teilnehmerzahl von rund 3.000 Personen bei über 34.000 DHV-Mitgliedern wirft zudem Fragen zur Beteiligungsquote auf.

Abweichende Ergebnisse und Kritikpunkte

Während andere Erhebungen deutlich abweichende Ergebnisse zeigen, dokumentiert eine 2024 durchgeführte externe Zufriedenheitsumfrage des CHE, dass die Zufriedenheit mit Landeswissenschaftsministerien zwischen 40 Prozent in Berlin und 55 Prozent in Bayern schwankt – Werte, die unter den DHV-Ergebnissen liegen (Stand: 2024)*.

CHE-Umfrage versus DHV-Befragung

Die Diskrepanz zwischen verschiedenen Erhebungen lässt sich durch methodische Unterschiede erklären*. Während der DHV ausschließlich seine rund 34.000 Mitglieder – primär Professorinnen und Professoren – befragt, bezieht das CHE auch andere Hochschulangehörige ein. Diese unterschiedliche Zielgruppe führt zu abweichenden Bewertungen, da verschiedene Akteursgruppen die Wissenschaftspolitik aus unterschiedlichen Perspektiven beurteilen.

Kritik der Studierendenvertretung

Die Bundesstudierendenvertretung fzs kritisiert 2024, dass DHV-Auszeichnungen wichtige Perspektiven wie die der Studierenden nicht berücksichtigen und damit Einfluss auf die Wissenschaftspolitik nehmen, ohne alle Akteursgruppen einzubeziehen (Stand: 2024). Diese Kritik ist nicht neu: Bereits 2020 wurde angemerkt, dass die DHV-Umfragen nur die Perspektive der Hochschullehrenden abbilden und andere Gruppen wie Studierende, wissenschaftliches Personal oder Verwaltung unberücksichtigt bleiben (Stand: 2020).

Weitere methodische Einschränkungen wurden 2021 von Prof. Joachim Funke benannt: Bei den DHV-Umfragen werden Rektorinnen und Rektoren zwar mit Noten bewertet, jedoch gibt es keine gesonderte Auswertung nach Geschlecht oder Altersstruktur der Teilnehmenden (Stand: 2021)*.

Die zeitliche Entwicklung der Kritikpunkte zeigt eine Kontinuität methodischer Vorbehalte:

  • 2020: Kritik an der eingeschränkten Perspektive (nur Hochschullehrende)*
  • 2021: Hinweis auf fehlende demografische Differenzierungen*
  • 2024: Aktuelle Kritik von Studierendenvertretung und abweichende CHE-Ergebnisse*

Die unterschiedlichen Ergebnisse verschiedener Rankings lassen sich somit durch drei Faktoren erklären: die spezifische Zielgruppe der Befragung, die Formulierung der Fragen und die Beteiligungsquote. Während der DHV die Sichtweise der wissenschaftlichen Führungskräfte abbildet, erfassen andere Erhebungen breitere Perspektiven innerhalb des Wissenschaftssystems.

Wirkung und Weiterentwicklung von Hochschulrankings

Rankings wie die Auszeichnungen des Deutschen Hochschulverbands erzeugen Sichtbarkeit weit über die akademische Gemeinschaft hinaus. Sie strukturieren die öffentliche Wahrnehmung von Hochschulpolitik und lenken mediale Aufmerksamkeit auf bestimmte Führungspersönlichkeiten. Diese öffentliche Resonanz beeinflusst nicht nur das Image von Hochschulen und Ministerien, sondern kann auch politische Entscheidungen mitprägen – etwa bei Ressourcenverteilung oder Reformvorhaben. Die Auszeichnungen wirken als Orientierungspunkt in einem komplexen Wissenschaftssystem, das für Außenstehende oft schwer zu durchschauen ist.

Warum Rankings wirken

Die Wirkmacht solcher Bewertungen speist sich aus mehreren Faktoren. Sie vereinfachen komplexe Realitäten und machen Leistungen vergleichbar, die sich ansonsten schwer messen lassen. Durch die regelmäßige Wiederholung etablieren sie sich als wiedererkennbare Marken im Wissenschaftsdiskurs. Zudem nutzen Medien die Ergebnisse gerne als Aufhänger für breitere Debatten über Hochschulqualität. Die beschränkte Teilnehmerbasis – beim DHV-Ranking sind es ausschließlich Verbandsmitglieder – relativiert zwar die Repräsentativität, verstärkt aber gleichzeitig die Identifikation der befragten Gruppe mit den Ergebnissen.

Die bisherigen Auswertungen zeigen allerdings auch Grenzen auf. Die unterschiedlichen Ergebnisse zwischen DHV- und CHE-Befragungen deuten auf variierende Perspektiven je nach Befragtengruppe hin. Die Kritik des freien zusammenschlusses von student*innenschaften (FZS) an der fehlenden demografischen Auswertung unterstreicht, dass wichtige Dimensionen der Hochschulrealität bislang unberücksichtigt bleiben.

Konkrete Verbesserungsansätze

Um die Aussagekraft solcher Rankings zu stärken, bieten sich mehrere Entwicklungspfade an:

  • Erweiterung der Befragtengruppen: Die Einbeziehung von Studierenden, wissenschaftlichem Nachwuchs und administrativem Personal würde ein differenzierteres Bild der Führungsleistungen ergeben.

  • Transparente Teilnehmerstatistiken: Die Veröffentlichung detaillierter Angaben zur Soziodemografie der Abstimmenden würde die Interpretation der Ergebnisse erleichtern.

  • Kombinierte Auswertungsmethoden: Die Ergänzung quantitativer Noten durch qualitative Einschätzungen könnte Stärken und Schwächen konkreter benennen.

  • Berücksichtigung kontextueller Faktoren: Die Einbeziehung der jeweiligen Rahmenbedingungen – wie Haushaltslage oder strukturelle Besonderheiten der Hochschulen – würde faire Vergleiche ermöglichen.

Rankings bleiben wichtige Instrumente der Hochschulsteuerung, gewinnen aber an Aussagekraft, wenn sie ihre methodischen Grundlagen kontinuierlich hinterfragen und erweitern. Die aktuelle Befragungsrunde des Deutschen Hochschulverbands – Details finden sich in der DHV-Mitteilung im ersten Kapitel – bietet Gelegenheit, diese Entwicklung weiter voranzutreiben.

Dieser Beitrag enthält Informationen und Zitate, die auf einer Pressemitteilung des Deutschen Hochschulverbands basieren.

Weiterführende Quellen:

8 Antworten

  1. Es ist interessant zu sehen, wie viele positive Bewertungen vergeben wurden. Ich frage mich jedoch, wie repräsentativ diese Umfrage wirklich ist und ob wir vielleicht mehr dazu erfahren könnten.

    1. „Stimmt! Vielleicht sollten wir auch mal eine Umfrage unter den Studierenden machen. Es wäre spannend zu hören, was sie über ihre Rektoren denken.“

    2. „Ich denke auch, dass es wichtig ist verschiedene Perspektiven zu betrachten. Die Meinung von Studierenden sollte nicht ignoriert werden.“

  2. Ich finde die Idee der Online-Abstimmung super! Aber was ist mit der Anonymität? Werden die Antworten wirklich anonym behandelt oder gibt es da Risiken?

  3. Die Unterschiede zwischen den Hochschulen sind echt krass! Ich kann mir nicht vorstellen, warum zum Beispiel die Uni Münster so viel besser abschneidet als Erlangen-Nürnberg. Ist das ein Zeichen für bessere Führung?

    1. Ja, genau das habe ich auch gedacht! Vielleicht gibt es da mehr Unterstützung für die Uni Münster oder bessere Ressourcen? Das würde mich mal interessieren.

  4. Die Tatsache, dass die Hochschulleitungen nicht mehr nominiert werden können, wenn sie dreimal ausgezeichnet wurden, finde ich etwas unfair. Wie soll sich dann eine Hochschule verbessern? Gibt es da keine Möglichkeit?

  5. Ich finde es gut, dass der Deutsche Hochschulverband solche Umfragen macht, aber ich frage mich, ob wirklich alle Stimmen gehört werden. Was ist mit den Studierenden? Sie sollten auch mitbewerten dürfen!

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