– Der DHB stellt seine Eliteförderung neu auf und fokussiert 19 Top-Talente.
– Anja Althaus und Martin Heuberger leiten als Mentoren die individuelle Förderung.
– Ziel ist eine gezielte Begleitung in sportlicher und persönlicher Entwicklung.
DHB richtet Talentförderung im Handball neu aus
Der Deutsche Handballbund stellt seine Eliteförderung neu auf und bündelt die individuelle Betreuung seiner größten Nachwuchstalente seit Januar 2026 unter neuer sportlicher Leitung. Anja Althaus und Martin Heuberger verantworten seither die Förderung der weiblichen und männlichen Top-Talente und haben nach Angaben des DHB aktuell 19 junge Frauen und Männer besonders im Blick. Für den Verband ist das mehr als eine interne Strukturfrage: Die Förderung soll dazu beitragen, Talente früher und gezielter an den internationalen Spitzenhandball heranzuführen.
Der DHB beschreibt das Programm als langfristige Begleitung für Spielerinnen und Spieler mit besonderem Potenzial – sportlich, aber auch persönlich. Ingo Meckes, Vorstand Sport des Deutschen Handballbundes, sagt: „Mit der Neuaufstellung der Eliteförderung investieren wir gezielt in die Zukunft des deutschen Handballs.“ Und weiter: „Unser Ziel ist es, die größten Talente frühzeitig und individuell zu begleiten. Dafür schaffen wir eine Struktur, die sportliche Entwicklung, persönliche Förderung und eine verlässliche Planung der dualen Karriere miteinander verbindet.“
Was sich in der Förderung konkret ändern soll
Im Kern setzt der Verband auf mehr individuelle Begleitung statt auf ein einheitliches Standardprogramm. Die Eliteförderung soll die Ausbildung in den Vereinen und die Arbeit in den Nachwuchs-Nationalmannschaften nicht ersetzen, sondern gezielt ergänzen. Dazu gehören laut DHB Trainingsmaßnahmen, Videoanalysen, regelmäßige Entwicklungsgespräche und moderne Diagnostikverfahren. Hinzu kommen spezifisches Athletiktraining, sportpsychologische Unterstützung sowie Angebote zur Persönlichkeitsentwicklung und zur Gestaltung der dualen Karriere.
Gerade dieser letzte Punkt ist für Nachwuchsleistungssport entscheidend. Wer früh als großes Talent gilt, muss Trainingsbelastung, Schul- oder Ausbildungsweg und sportliche Perspektive miteinander vereinbaren. Die neue Struktur soll hier verlässlicher unterstützen und Entscheidungen nicht allein den Spielerinnen und Spielern oder ihren Vereinen überlassen.
Eine wichtige Rolle übernehmen dabei die beiden Mentoren als Schnittstelle zwischen Athleten, Vereinen, Bundestrainern, Heimtrainern und weiteren Partnern im Leistungssport. Sie sollen sportliche Entwicklung und Alltag enger zusammenführen und die Talente auch bei schulischen oder beruflichen Fragen begleiten. Das macht die Eliteförderung zu einem Koordinationsmodell, nicht nur zu einem zusätzlichen Trainingsangebot.
Wie intensiv ein solches System im Alltag ausfallen kann, zeigen frühere Einblicke in die DHB-Spitzenförderung: Laut einer Darstellung des Ausrüsters Owayo fand individuelles Training dort mindestens zweimal wöchentlich statt, abgestimmt mit Vereinen, Schulen und Mentoren; die Aufnahmedauer betrug demnach grundsätzlich 1 Jahr und konnte bei guter Entwicklung verlängert werden, Stand: 2024. Der DHB nennt für die nun vorgestellte Neuaufstellung zwar keine solchen Detailrhythmen, die Stoßrichtung ist aber klar: mehr individuelle Steuerung und engere Abstimmung mit dem Umfeld.
Warum der DHB auf Althaus und Heuberger setzt
Dass der Verband die neue Struktur mit Anja Althaus und Martin Heuberger besetzt, passt zu diesem Ansatz. Beide stehen für Erfahrung im Hochleistungsbereich, aber auch für die Arbeit an Übergängen zwischen Nachwuchs- und Spitzensport.
Althaus bestritt laut DHB 243 Länderspiele für die deutsche Nationalmannschaft. Die ehemalige Kreisläuferin spielte unter anderem für Viborg HK und Győri ETO KC und gewann mit diesen Klubs dreimal die Champions League. Seit der EHF EURO 2024 arbeitet sie als Nationalmannschaftsmanagerin für den Deutschen Handballbund und übernimmt nun zusätzlich Verantwortung in der Talententwicklung. Sie sagt: „Für junge Spielerinnen ist es enorm wichtig, frühzeitig professionelle Unterstützung zu bekommen. Es ist mir ein Herzensanliegen, den jungen Spielerinnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, aber auch den Vereinen der Top-Talente zu helfen“. Zudem betont sie: „Mit der Eliteförderung schaffen wir ein Umfeld, das sportliche Entwicklung, Persönlichkeitsbildung und duale Karriere miteinander verbindet. Unser Ziel ist es, die Spielerinnen in ihrer gesamten Entwicklung zu begleiten.“
Heuberger bringt vor allem seine langjährige Erfahrung als Nachwuchstrainer ein. Der frühere Nationalspieler gilt beim DHB als erfolgreichster Nachwuchstrainer des Verbandes. Zu seinen wichtigsten Erfolgen zählen die WM-Titel mit U21-Nationalmannschaften 2009, 2011 und 2023. Als Co-Trainer von Heiner Brand war er zudem am WM-Triumph 2007 beteiligt und wurde später dessen Nachfolger. Aktuell betreut er als U20/21-Bundestrainer die Jahrgänge 2006/07, die im vergangenen Jahr die U19-WM gewannen. Heuberger beschreibt den Anspruch der neuen Förderung so: „Viele Spieler haben großes Potenzial, aber jeder entwickelt sich unterschiedlich und hat deshalb spezielle Bedürfnisse. Deshalb setzen wir in der Eliteförderung bewusst auf individuelle Betreuung, moderne Trainingsmethoden und eine enge Abstimmung mit den Vereinen.“
Welche Talente jetzt im Fokus stehen
Nach Angaben des DHB haben Althaus und Heuberger in Abstimmung mit Ingo Meckes und den zuständigen Bundestrainern 19 Top-Talente für die Eliteförderung nominiert. Die Pressemitteilung nennt 9 Spielerinnen und 10 Spieler. Die Auswahl deckt mehrere Positionen ab – von Tor über Rückraum und Kreis bis zu den Außenpositionen – und zeigt, dass der Verband weibliche und männliche Talente parallel fördert.
Bei den Spielerinnen stehen folgende Namen im Aufgebot:
- Marie Weiss (Tor, TuS Metzingen, 2004)
- Chiara Rohr (Linksaußen, TV Hannover-Badenstedt, 2007)
- Marlene Tucholke (Rückraum links, HC Leipzig, 2007)
- Lisa Lammich (Rückraum Mitte, HC Leipzig, 2008)
- Lara Däuble (Rückraum rechts, Frisch Auf Göppingen, 2006)
- Aylin Bornhardt (Kreis, SG Schozach/Bottwartal, 2006)
- Ida Petzold (Kreis, TuS Metzingen, 2005)
- Farrelle Njinkeu (Rechtsaußen, HSG Blomberg-Lippe, 2007)
- Jana Walther (Rechtsaußen, HC Leipzig, 2007)
Bei den Spielern wurden nominiert:
- Arnel Durmic (Tor, HSG Krefeld / VfL Gummersbach, 2006)
- Finn Knaack (Tor, TUSEM Essen, 2006)
- David Móré (Linksaußen, Rhein-Neckar Löwen, 2004)
- Jan Mudrow (Rückraum links, TBV Lemgo, 2007)
- Linus Schmid (Rückraum links, TSV Neuhausen/Filder / TVB Stuttgart, 2006)
- Rasmus Ankermann (Rückraum Mitte, THW Kiel / TSV Altenholz, 2007)
- Bennet Strobel (Kreis, HBW Balingen-Weilstetten, 2006)
- Tim Schröder (Kreis, VfL Potsdam / Füchse Berlin, 2006)
- Julien Sprößig (Rechtsaußen, TSV Neuhausen/Filder / TVB Stuttgart, 2007)
- Tim Gömmel (Rechtsaußen, HC Erlangen, 2005)
Auffällig ist dabei die Verteilung über unterschiedliche Vereine und Ausbildungsumfelder hinweg. Vertreten sind unter anderem Standorte wie Metzingen, Leipzig, Blomberg-Lippe, Gummersbach, Kiel, Lemgo, Balingen-Weilstetten oder Erlangen. Damit bildet die Auswahl nicht einen einzelnen Nachwuchsschwerpunkt ab, sondern die Breite der deutschen Talentlandschaft, aus der der DHB besonders aussichtsreiche Spielerinnen und Spieler herausgreifen will.
Einordnung: Förderung als Brücke in den Spitzenhandball
Strategisch soll die Eliteförderung vor allem eine Lücke schließen: zwischen guter Nachwuchsarbeit im Verein, den U-Nationalmannschaften und dem späteren Sprung in Bundesliga und A-Nationalteams. Genau an dieser Schnittstelle scheitert Entwicklung oft nicht am Talent, sondern an Timing, Belastungssteuerung und der Frage, wie verschiedene Förderinstanzen zusammenarbeiten.
Der DHB setzt deshalb auf ein Netzwerkmodell. Nach Verbandsangaben ist die Eliteförderung Teil des umfassenden Leistungssport-Netzwerks mit Vereinen, Bundestrainern, Heimtrainern, Olympiastützpunkten und weiteren Partnern im Spitzensport. Entscheidend ist dabei, dass nicht jede Institution für sich arbeitet, sondern Informationen und Entwicklungsziele zusammengeführt werden. Die Mentorenrolle von Althaus und Heuberger ist in diesem System der verbindende Punkt.
Dass der Verband mit diesem Ansatz konkrete Erwartungen verbindet, zeigt auch der Verweis auf frühere Förderjahrgänge. Laut DHB haben viele Spielerinnen und Spieler, die heute in der Bundesliga oder in den A-Nationalmannschaften prägend auftreten, die Eliteförderung bereits durchlaufen. Genannt werden Emily Vogel, Viola Leuchter und Nieke Kühne sowie Juri Knorr, Nils Lichtlein, David Späth, Renars Uscins und Justus Fischer.
Die Neuaufstellung ist damit kein kompletter Neubeginn, sondern eine gezielte Nachschärfung des bisherigen Modells. Der DHB verbindet damit die Hoffnung, Talente früher, individueller und verlässlicher auf dem Weg in den Spitzenhandball zu entwickeln.
Die in diesem Beitrag verwendeten Informationen und Zitate stammen aus einer Pressemitteilung des Deutschen Handballbundes e.V.
Weiterführende Quellen:
- „Individuelles Training für DHB-Spitzenförderung findet mindestens zweimal wöchentlich statt und wird mit Vereinen, Schulen und Mentoren koordiniert; die Aufnahmedauer beträgt grundsätzlich 1 Jahr und kann bei guter Entwicklung verlängert werden (Stand: 2024).“ – Quelle: https://www.owayo.de/magazin/handball-nachwuchsarbeit-de.htm
9 Kommentare
Kurz und neutral: Mentoren rolle ist wichtig, aber wie sind aufgaben verteilt zwischen Althaus und Heuberger und lokalen trainer? Wer trifft finale entscheidung bei belastungssteuerung? Wuerde vorschlagen ein regelmaessiges reportingsystem mit vereinen zu etablieren, siehe vorschlag in /docs/koordination-handball, fragt doch die vereine wie sie das sehen
Neutral bemerkt: Auswahl von 19 wirkt streng, aber breit streuung ueber vereine ist positiv. Mich interessiert ob geschlechtergleichgewicht beachtet wurde und wie transparent die nominierten ausgewaehlt wurden, ausserdem welches kriterium fuer positionen priorisiert wurde, mehr infos eventuell auf /transparenz/foerderkriterien bitte posten wer dokumente hat
Ich seh das ähnlich, die liste mit namen ist gut zum anschauen, doch ohne klares kriterium wirkt es willkuerlich, gibts eine aufnahmeordnung oder scoring tabelle? Wurde Talente aus entlegenen regionen gleiche chance geboten? vergleicht doch mal alte jahrgaenge auf /archiv/elitefoerderung und sagt eure meinung
Das mit duale karriere find ich gut weil sport und ausbildung muss passen, aber wie sieht das konkret aus mit schultermine, praktikumszeiten, prüfungen? Werden schulberater eingebunden? Vielleicht lohnt ein pilotprojekt mit einer schule, siehe /schulen/partnerschaftsmodelle um zu checken ob das realistisch ist, frage an andere: habt ihr erfahrungen mit schulkoordination im Nachwuchs?
Neutral gesehen ist die neuaufstellung pragmatisch, doch frage: reicht das um die luecke zwischen verein und bundesliga zu schliessen? Das modell nennt netzwerk mit olympiastuetzpunkten etc, aber wie wird daten austausch geregelt zwischen vereinen und bundestrainer, gibt’s datenschutz regeln und klaren plan, link zu /politik/leistungssport-regeln koennte helfen
Datenschutz ist wichtig und oft unbeachtet, vor allem bei videoanalysen und diagnosetests, wer darf zugang haben zu daten, eltern? vereinscoaches? DHB? Ich wuerd gern das protokoll sehn oder zumindest eine faq auf /service/datenschutz-handball damit klarheit is und angst vor zuviel kontrolle vermieden wird
Find ich interessant das DHB jetzt 19 Talente hat im Programm, aber wie genau sind die kriterien, werden kleine vereine benachteiligt odr kommt das alles gerecht? Die Rolle von Althaus und Heuberger klingt logisch, doch mehr details fehlen zB auf /nachwuchs/elitefoerderung oder /news/dhb-struktur2026 würd gerne wissen wie lang die förderung ist und wer das zahlt, weil duale karriere ist wichtig und schule muss ja auch gehn
Gute frage, ich glaube das Auswahl teilweise aus leistung und scouts kommt aber nicht nur, wundert mich auch ob regionen gleich verteilet sind, seh auch namen aus Leipzig und Metzingen, siehe /beitrag/leistungsnetzwerk, kann man irgendwo sehen wie oft training pro woche ist und wer eng koordiniert mit schule?
Ich denk die idee mit individueller begleitung is nicht schlecht, aber wenn es falsche kommunikation zw verein und DHB dann gibt stress, steht ja was von videoanalyse und sportpsychologie, mehr infos auf /interview/althaus waere gut damit man weiss wie die mentors rolle taglich aussieht und wie oft treffen sind