– Die unabhängige Aufarbeitungskommission des DHB beendet ihre Arbeit ohne Abschlussbericht.
– Der DHB hat stattdessen den Safe Sport Code in seiner Satzung verankert.
– Dieser Code dient als rechtliche Grundlage gegen interpersonale Gewalt im Handball.
DHB beendet Aufarbeitungskommission endgültig und setzt auf Safe Sport Code
Der Deutsche Handballbund hat die Zusammenarbeit mit der unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung und Prävention von Gewalt endgültig beendet. Ein Abschlussbericht wird nicht mehr vorgelegt. Wie der Verband am 14. April 2026 mitteilte, fehlten zuletzt die Voraussetzungen für eine umfassende inhaltliche Fortsetzung des Prozesses.
Aus Sicht des DHB markiert diese Entscheidung das Ende eines Verfahrens, das nach einem Mediationsverfahren im Juni 2025 nur noch eingeschränkt fortgeführt werden konnte. Der Verband verbindet das Aus der Kommissionsarbeit zugleich mit dem Hinweis auf inzwischen ausgebaute Strukturen zur Prävention interpersonaler Gewalt im Handballsport.
Mediationsverfahren begrenzte weitere Aufarbeitung
Nach Angaben des DHB hätte das im Juni 2025 abgeschlossene Mediationsverfahren der Kommission zwar weiterhin ermöglicht, zukunftsgerichtete Beiträge zur Vermeidung struktureller interpersonaler Gewalt im Handballsport zu leisten und Präventionswege aufzuzeigen. Für eine weitergehende Aufarbeitung sah die Kommission jedoch keine ausreichende Grundlage mehr.
In der Mitteilung heißt es dazu: „Diese Einschränkungen lassen jedoch aus Sicht der Kommissionsmitglieder keinen hinreichenden Spielraum für eine Aufarbeitung.“
DHB-Präsident Andreas Michelmann erklärte: „Wir bedauern das Ende der Zusammenarbeit und damit dieses Aufarbeitungsprozesses, bedanken uns jedoch zugleich für das außerordentliche Engagement der Mitglieder der Kommission und danken ebenso allen beteiligten Personen.“
Der Kommission gehörten Dr. Jeannine Ohlert, Martina Lörsch, Prof. Dr. Bettina Rulofs, Angela Marquardt, Benny Barth und Maike Schröer an.
Juristische Eingriffe stoppten den Prozess frühzeitig
Bereits im Juli 2024 war die Tätigkeit der Aufarbeitungskommission im Eilverfahren durch das Oberlandesgericht Hamm vorerst gestoppt worden. Damit geriet der ursprünglich angelegte Prozess früh ins Stocken.
Bis zu diesem vorläufigen Stopp waren nach Angaben des Deutschlandfunks etwa 50 Personen angehört worden. Zugleich war vorgesehen, bis zum Herbst 2024 einen Abschlussbericht vorzulegen. Mit dem gerichtlichen Einschnitt veränderten sich jedoch die Rahmenbedingungen grundlegend.
Nach Darstellung des DHB war nach dem späteren Mediationsverfahren nur noch eine stärker auf die Zukunft gerichtete Mitarbeit möglich. Aus Sicht der Kommissionsmitglieder reichte dieser Rahmen nicht aus, um dem Anspruch einer Aufarbeitung weiter gerecht zu werden. Mit der nun bekanntgegebenen Entscheidung ist das Verfahren damit abgeschlossen, ohne dass die geplante zusammenfassende Auswertung erscheint.
DHB verweist auf Lernprozesse und stärkere Präventionsstrukturen
Der Verband hebt hervor, dass der zurückliegende Prozess wichtige Erkenntnisse für den Umgang mit interpersonaler Gewalt im Sport gebracht habe. DHB-Vorstandsvorsitzender Mark Schober sagte: „Der zurückliegende Prozess hat gezeigt, wie komplex unabhängige Aufarbeitungs- und Präventionsarbeit unter Berücksichtigung des Schutzes aller Verfahrensbeteiligten ist. Wir bedauern, dass unterm Strich in Anbetracht der Rahmenbedingungen die Ziele einer Aufarbeitung nur eingeschränkt erreicht worden sind. Mit dem Wissen und den Mitteln von heute hätten wir einige Dinge anders angehen können. Die unabhängig von der Arbeit der Kommission gewonnenen Erkenntnisse der vergangenen drei Jahre aus Fallbearbeitungen und Gerichtsverfahren sind daher wertvoll, denn wir haben den DHB für die Zukunft inhaltlich und personell stärker im Umgang mit und der Prävention von interpersonaler Gewalt aufgestellt. Ein Abschlussbericht hätte womöglich zusätzliche Hinweise für künftige Präventionsmaßnahmen bringen können.“
Damit macht der DHB deutlich, dass die Ziele der Aufarbeitung nur eingeschränkt erreicht wurden, zugleich aber Strukturen, Wissen und personelle Zuständigkeiten im Verband weiterentwickelt worden seien.
Safe Sport Code bildet künftig die Grundlage
Parallel zur Arbeit der Kommission hat der DHB nach eigenen Angaben Schutzkonzepte überarbeitet sowie Strukturen und Prozesse im Verband fester verankert. Im Zentrum steht nun der Safe Sport Code, den der Deutsche Handballbund im November 2025 beim Bundestag in Dresden in seiner Satzung verankerte und für seinen Zuständigkeitsbereich mit einer eigenen Ordnung ausstattete.
Nach Darstellung des Verbands schafft dieses Regelwerk eine rechtssichere Grundlage für Untersuchungen und Sanktionen in Disziplinarverfahren bei Verstößen gegen das im Code verankerte Verbot interpersonaler Gewalt. Der DHB kündigt an, diese Ordnung künftig konsequent anzuwenden.
Ergänzend verweist der Verband auf interne und externe Anlaufstellen mit geschulten Personen sowie auf verbindliche Präventionsmaßnahmen, darunter Schulungen für ehren- und hauptamtliche Mitarbeitende. Ziel sei, dass Menschen im Handballsport einen sicheren Ort finden.
Fokus verlagert sich auf Prävention im organisierten Handball
Mit dem Ende der Kommissionsarbeit verschiebt sich der Schwerpunkt des DHB nun klar auf die praktische Präventionsarbeit und auf das bestehende Sanktionssystem. Aus Sicht des Verbands kommt es nun darauf an, den Safe Sport Code flächendeckend in Landesverbänden und Vereinen umzusetzen.
Der Deutsche Handballbund sieht darin die Grundlage, um Schutz, klare Verfahren und verbindliche Standards im organisierten Handball dauerhaft zu verankern. Auch ohne Abschlussbericht soll damit die weitere Arbeit gegen Gewalt im Sport konsequent fortgesetzt werden.
Die Inhalte und Zitate in diesem Artikel stammen aus einer Pressemitteilung des Deutschen Handballbundes.
Weiterführende Quellen:
- „Das Oberlandesgericht Hamm hat im Juli 2024 im Eilverfahren die Tätigkeit der Aufarbeitungskommission Handball vorerst gestoppt.“ – Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/handball-dhb-aufarbeitungskommission-gestoppt-100.html
- „Bis zu ihrem vorläufigen Ende hatte die Kommission etwa 50 Personen angehört.“ (Stand: Juli 2024) – Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/handball-fall-fuhr-dhb-aufarbeitungskommission-stoppt-arbeit-100.html
- „Die Tätigkeit der Aufarbeitungskommission wurde im April 2026 endgültig beendet, wobei ein im Juni 2025 abgeschlossenes Mediationsverfahren eine Fortsetzung begünstigt hätte.“ – Quelle: https://www.dhb.de/news/taetigkeit-der-aufarbeitungskommission-endgueltig-beendet
- „Bis zum Herbst 2024 war geplant, den Abschlussbericht der Aufarbeitungskommission vorzulegen.“ – Quelle: https://www.handball-world.news/artikel/fall-andre-fuhr-dhb-muss-aufarbeitungskommission-stoppen-1038798
Update: Warum das Thema wichtig bleibt
Die Beendigung der Aufarbeitungskommission zeigt, dass Prävention und Aufarbeitung von interpersonaler Gewalt im Sport nicht nur von guter Absicht abhängen, sondern auch von rechtlichen Rahmenbedingungen und tragfähigen Strukturen. Der DHB verweist darauf, dass die ursprünglichen Ziele nur eingeschränkt erreicht wurden – gleichzeitig habe der Verband seine Präventionsarbeit weiterentwickelt und stärker verankert.
Für Handball-Vereine, Landesverbände und Verantwortliche bedeutet das: Standards und Prozesse müssen nun im Alltag umgesetzt werden. Besonders relevant sind die rechtliche Grundlage durch den Safe Sport Code, die Anwendung von Disziplinarverfahren sowie Schulungen und Anlaufstellen mit geschulten Personen, damit Schutzkonzepte und klare Verfahren konsequent greifen.
Was Leserinnen und Leser jetzt wissen sollten
Warum gibt es keinen Abschlussbericht mehr?
Der DHB sagt, es fehlten zuletzt Voraussetzungen für eine umfassende Fortsetzung der inhaltlichen Arbeit.
Was ist künftig die zentrale Grundlage gegen interpersonale Gewalt?
Der DHB setzt auf den Safe Sport Code, der in der Satzung verankert und mit einer eigenen Ordnung für Disziplinarverfahren ausgestattet ist.
Was passiert stattdessen im Verband?
Der Fokus liegt auf Prävention, der konsequenten Anwendung des Sanktionssystems und der Umsetzung in Landesverbänden und Vereinen.
An wen können sich Betroffene wenden?
Der DHB verweist auf interne und externe Anlaufstellen mit geschulten Personen; eine passende Anlaufstelle können Fachstellen, Beratungsstellen oder zuständige Behörden sein.
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12 Kommentare
Aus neutraler sicht ist es wichtig beide seiten zu sehen: der DHB sagt sie haben gelernt und strukturen verbessert, trotzdem ist es problematisch das die kommission nicht abschliesst und dokumentiert was war. Dokumentation dient nicht nur strafrecht sondern lehrzwecke, frage: wie werden betroffene informiert und unterstützt? Siehe /support/betroffene und /news/kommunikation fuer mehr hintergrund.
Wichtig ist auch das sanktionen transparent angewendet werden, nur ordnung in satzung reicht nicht, es muessen klare verfahrensschritte und unabhängige untersuchungen geben, sonst bleibt es unverbindlich. Wer koordiniert das beim DHB, ist es Mark Schober allein oder ein gremium? Schaue /team/organisation fuer mehr.
Kurz gesagt: praxistauglichkeit testen. Safe Sport Code muss in vereinsalltag ankommen, mit praktischen trainings, meldestellen und follow up. Ohne evaluation und feedback schleifen probleme weiter. Gibt es pilot projekte in landesverbaenden? Link /projekte/pilot zeigt vielleicht erste schritte.
Neutral meinend, die rechtliche verankerung in der Satzung ist ein schritt, doch rechtssichere grundlage braucht auch unabhängige fallbearbeitung. Mediationsverfahren kann sinnvoll sein, aber ersetzt es wissenschaftliche aufarbeitung? Die frage ist auch ob vereine genug ressourcen fuer schulung und meldesysteme haben, siehe /resources/prävention und /intern/umsetzung als ankerpunkte.
Ich stimme zu das resourcen fehlen koennen, viele vereine sind ehrenamtlich und brauchen unterstuetzung: finanzierung fuer trainerschulungen, externe beratung und klare prozesse. Ohne das bleibt der Safe Sport Code nur papier. Gibt es bereits förder programme oder anlaufstellen? Link /hilfe/foerderung vielleicht informiert.
Sachlich betrachtet ist die Entscheidung des DHB widersprüchlich: mehr prävention und ordnungen sind gut aber der wegfall des abschlussberichts lässt lücken in der vergangenheitsaufarbeitung. Ohne zusammenfassende auswertung fehlt ein lernbericht fuer die zukunft, und das kann die prävention schwächn statt stärkn. Gibt es schon eine timeline fuer umsetzung des Safe Sport Code in den landesverbänden? Schau /news/safe-sport-code und /intern/zeitplan fuer mehr infos.
Das berichtslose Ende wirkt wie ein schläger: Kommission stopp, gericht eingriff und dann mediationsverfahren – vieles verworren. Der DHB redet jetzt von lernprozessen und struktur aufbau, trotzdem frag ich mich ob beteiligte menschen genug schutz und gerechtigkeit kriegen. Wer evaluiert den Safe Sport Code nach praktischer anwendung, gibt es unabhängige kontrolle? Internlink: /news/evaluation und /intern/aufarbeitung sollten updaten bekommen.
Gute frage, wer kontrolliert, wenn die kommission weg ist, wird das nicht zu einer lücke? Transparenz ist wichtig, und eine unabhängige stelle muß die umsetzung überwachen, nicht nur verbands intere personen. Vielleicht koennte eine externe prüfung in /news/externe-audit helfen damit sachverhalte klarer werden.
Ich finde es schwierig neutral zusagen: einerseits ist der Safe Sport Code nützlich, andererseits ersetzt er kein offenes aufarbeiten und dokumentation. Betroffene brauchen abschluß berichten fuer schlussstrich und lehrmaterial, kann jemand die quelle mit mehr details posten? /faq/berichte koennte relevant sein.
Das Ende der Aufarbeitungskommission fühlt sich halbfertig an, der DHB hätt ja den Safe Sport Code in die Satzung gezetst aber kein abschlußbericht, das läßt viele fragen offen. Wo sind die detail infos zur Prävention und wer kontrolliert das nun wirklich? Sieht nach guter absicht aus aber transparenz fehlt, siehe /news/safe-sport-code und /intern/aufarbeitung als anhaltspunkte, vielleicht kann das mehr klarheit bringen.
Ich frage mich ob der Code allein reicht, der Safe Sport Code klingt wichtig aber ohne abschlussbericht bleibt vieles unklar, wie umsetzung in landesverbände? Gibt es verbindliche schulungen auf vereins ebene? Link /faq/aufarbeitung hilft vllt noch mit info über mediationsverfahren und rechtliche folgen.
Neutral gesagt, das ist ambivalent: gut das prävention struktur kommt, aber der fehlende bericht macht misstrauens bei betroffenen. Wer übernimmt aufsicht, welche sanktionen sind konkret, und wie wird schutzvorfälle meldebar gemacht? Siehe /resources/prävention fur mehr details, kann jemdand erfahrungen teilen?