10+ Aufrufe

Warum der DGB bei der Pflege auf gedeckelte Eigenanteile drängt

Der DGB attackiert die Koalition, weil aus seiner Sicht die entscheidenden Fragen in der Pflege erneut vertagt wurden. Im Zentrum steht die Frage, wie hoch die Eigenanteile für Pflegebedürftige bleiben dürfen – und wer das System künftig finanziert.
Inhaltsverzeichnis
Beitrag teilen
Verbandsbüro jetzt bei Google bevorzugen Damit unsere Vereins- und Verbandsnachrichten häufiger in Ihrer persönlichen Google-Übersicht erscheinen.
Jetzt bevorzugte Quelle festlegen

Das Wichtigste in Kürze

  • Der DGB kritisiert die erneute Verschiebung wichtiger Entscheidungen zur Pflegefinanzierung durch die Koalition.
  • Gefordert werden gedeckelte Eigenanteile für Pflegebedürftige und ein angemessener Risiko-Ausgleich zwischen Pflegeversicherungen.
  • Eine Analyse zeigt, dass privat Versicherte eine günstigere Risikostruktur und höhere ökonomische Leistungsfähigkeit haben.
  • Langfristig strebt der DGB eine Pflegebürgerversicherung an, die alle pflegerischen Leistungen finanziert.
  • Die Zukunft der Pflege hängt laut DGB entscheidend davon ab, wer die Kosten letztlich trägt.

In der Pflege geht es oft zuerst um Zahlen, bevor es um Hilfe geht: Was bleibt am Ende an Eigenanteilen hängen? Genau dort setzt der Deutsche Gewerkschaftsbund an. Er wirft der Koalition vor, zentrale Entscheidungen erneut verschoben zu haben. Anja Piel, Mitglied des DGB-Bundesvorstands, sagte: „Die Koalition hat die wichtigsten Entscheidungen für die Pflege mal wieder vertagt.“ Den eingeschlagenen Kurs nannte sie ein Kürzungsprogramm.

Auch interessant:DGB attackiert Pflegereform: Streit um Kürzungen und Tariflöhne

Die Mitteilung des DGB bleibt allerdings allgemein; welche Einzelregelungen im Kabinettsbeschluss stehen, nennt sie nicht. Der Streit dreht sich deshalb vor allem um die Richtung: Der DGB will gedeckelten Eigenanteile für Menschen, die auf Pflege angewiesen sind. Piel sagte, dazu gehörten außerdem die versprochenen gedeckelten Eigenanteile und ein angemessener Risiko-Ausgleich zwischen privater und sozialer Pflegeversicherung.

Ein Blick auf den früheren Stand der Reform hilft zu verstehen, worauf sich die Debatte bezieht: Ein Referentenentwurf des Bundesgesundheitsministeriums vom 5. Juni 2026 nannte die Dämpfung pflegebedingter Eigenanteile als Ziel. Vorgesehen waren unter anderem Änderungen bei den Zuschlägen für die vollstationäre Pflege, deren Höhe von der Aufenthaltsdauer abhängt, sowie gebündelte Budgets statt mehrerer Einzelleistungen. Das war allerdings ein früher Entwurf, nicht der spätere Kabinettsbeschluss.

Der Gedanke hinter dem Risikoausgleich ist politisch heikel, weil hier zwei sehr unterschiedliche Systeme aufeinandertreffen: In der sozialen Pflegeversicherung richten sich die Beiträge nach dem Einkommen, in der privaten Pflege-Pflichtversicherung nach Alter und Gesundheitszustand. Eine Analyse des WIG2-Instituts mit Daten aus dem Jahr 2020 kam zu dem Ergebnis, dass Versicherte der privaten Pflege-Pflichtversicherung eine günstigere Risikostruktur und im Durchschnitt eine höhere ökonomische Leistungsfähigkeit hatten als Versicherte der sozialen Pflegeversicherung. Das ist ein wichtiger Bezugspunkt der Verteilungsdebatte, erlaubt aber keinen Schluss auf die Zusammensetzung der Gruppen im Jahr 2026.

Langfristig geht der DGB noch weiter: Er fordert eine Pflegebürgerversicherung für alle. Piel sagte, nur ein solches System könne die Finanzierungsprobleme dauerhaft lösen und sämtliche pflegerischen Leistungen übernehmen. Ob die Politik diesen Weg einschlägt, ist offen. Klar ist nur: Für den DGB entscheidet sich die Zukunft der Pflege nicht an kosmetischen Nachbesserungen, sondern an der Frage, wer die Rechnung am Ende trägt.

Quellen

Transparenzhinweis: Dieser Beitrag und die verwendeten Bilder können ganz oder teilweise mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt oder bearbeitet worden sein.

Lesetipp:

Bild von Über das Autor:innen-Netzwerk von verbandsbuero.de

Über das Autor:innen-Netzwerk von verbandsbuero.de

Die Beiträge auf verbandsbuero.de entstehen in einem redaktionellen Netzwerk aus festangestellten und freien Redakteurinnen und Redakteuren mit langjähriger Erfahrung in Marketing, Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit. Unser Team ist seit vielen Jahren eng in der Vereins- und Verbandswelt vernetzt und arbeitet kontinuierlich mit Organisationen, Verbänden und Institutionen aus unterschiedlichen Bereichen zusammen.

Viele Inhalte werden gemeinschaftlich recherchiert, geschrieben und redaktionell überarbeitet. Dieses kollaborative Vorgehen stellt sicher, dass fachliche Tiefe, Praxisnähe und unterschiedliche Perspektiven in jeden Beitrag einfließen. Aus diesem Grund veröffentlichen wir unsere Inhalte bewusst als Netzwerk-Arbeit und nicht immer unter dem Namen einzelner Autor:innen.

Die redaktionelle Verantwortung liegt beim Netzwerk von verbandsbuero.de. Alle Beiträge basieren auf fundierter Praxiserfahrung, aktuellem Fachwissen und einem klaren Fokus auf die Anforderungen von Vereinen, Verbänden und Non-Profit-Organisationen.

Alle Beiträge