DGB gegen Mindestlohn-Ausnahmen: Warum Saisonarbeiter den gleichen Lohn verdienen

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) lehnt Forderungen nach einem niedrigeren gesetzlichen Mindestlohn für Saisonarbeitskräfte kategorisch ab. Ein solcher „Mindestlohn zweiter Klasse“ verstoße gegen den Gleichheitsgrundsatz und untergrabe faire Wettbewerbsbedingungen, so der DGB. Zudem kritisiert der Gewerkschaftsbund scharf die jüngste Ausweitung der sozialversicherungsfreien Beschäftigungsdauer für diese Gruppe.
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– Der DGB lehnt Sonderregeln für Saisonarbeit und einen niedrigeren Mindestlohn kategorisch ab.
– Ein gesetzlicher Mindestlohn muss als Lohnuntergrenze für alle Beschäftigten gleichermaßen gelten.
– Bereits bestehende Sonderregelungen in der Sozialversicherung werden vom DGB kritisiert und abgelehnt.

DGB stellt sich gegen Sonderregeln für Saisonarbeit

Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat Forderungen nach einem abgesenkten gesetzlichen Mindestlohn für Saisonarbeitskräfte scharf zurückgewiesen. In einer Pressemitteilung vom 17. März 2026 aus Berlin wendet sich der DGB zugleich gegen neue Ausnahmen bei der Sozialversicherung für diese Beschäftigtengruppe. Aus Sicht des Gewerkschaftsbunds geht es dabei nicht nur um Lohnkosten in der Landwirtschaft, sondern um die Frage, ob für einzelne Gruppen künftig niedrigere Standards gelten sollen.

DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell formulierte die Position deutlich: „Wir lehnen einen Mindestlohn zweiter Klasse kategorisch ab. Der gesetzliche Mindestlohn bildet eine flächendeckende Lohnuntergrenze, die ausnahmslos für alle Beschäftigten gelten muss. Der Mindestlohn sorgt dafür, dass Lohn-Dumping nicht länger zum Geschäftsmodell taugt und trägt so zu fairen, funktionierenden Wettbewerbsbedingungen bei. Dabei muss es bleiben.“

Damit ist der Konflikt klar umrissen: Der DGB verteidigt eine einheitliche Lohnuntergrenze für alle Beschäftigten und warnt davor, die Saisonarbeit in der Landwirtschaft über Ausnahmen bei Lohn und Sozialversicherung billiger zu machen. Die Gewerkschaft argumentiert, dass Sonderregeln den Wettbewerb verzerren und Beschäftigte mit ohnehin schwächerer Verhandlungsposition zusätzlich unter Druck setzen würden.

Warum der Streit um Ausnahmen rechtlich heikel ist

Im Zentrum der Debatte steht die Frage, ob Saisonarbeitskräfte beim Mindestlohn anders behandelt werden dürften als andere Beschäftigte. Der DGB verneint das mit Verweis auf den Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes. In der Pressemitteilung heißt es, ein geringerer Mindestlohn für bestimmte Berufsgruppen sei rechtlich nicht zulässig.

Diese Einschätzung steht nicht allein. Laut Recherchen bestätigte eine rechtliche Prüfung des Bundeslandwirtschaftsministeriums im Juli 2025, dass Ausnahmen beim Mindestlohn für Saisonkräfte rechtlich nicht zulässig seien, weil sie gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz verstießen. Auch das Bundesarbeitsministerium erklärte im Juni 2025, eine Herabsetzung des Mindestlohns für Saisonarbeitskräfte stelle nach deutschem und europäischem Recht eine unzulässige Diskriminierung dar.

Damit wird aus einer tarif- und arbeitsmarktpolitischen Forderung zugleich ein Gleichbehandlungsproblem. Die rechtliche Einordnung aus den Ministerien stützt die Linie, dass der Mindestlohn gerade als allgemeine Untergrenze angelegt ist und nicht ohne Weiteres für einzelne Beschäftigtengruppen abgesenkt werden kann.

Saisonarbeit in der Landwirtschaft: Größe und Realität

Betroffen ist eine große Gruppe. Nach einer Rechercheangabe arbeiten in der deutschen Landwirtschaft etwa 250.000 Saisonarbeitskräfte. Die Zahl verdeutlicht die Größenordnung der Debatte um Mindestlohn und Sozialversicherung.

Die Auseinandersetzung dreht sich zudem nicht nur um den auf dem Papier vereinbarten Stundenlohn. Der DGB verweist darauf, dass viele Saisonarbeiterinnen und Saisonarbeiter bereits heute unverhältnismäßig hohe Kosten für Unterkunft und Verpflegung tragen. Solche Abzüge können den sogenannten effektiven Stundenlohn drücken – also das, was Beschäftigten nach den arbeitsbezogenen Kosten tatsächlich von ihrer Bezahlung bleibt.

Auch Recherchen berichten von häufigen Beschwerden über hohe Unterkunftskosten und Lohnabzüge. Gerade in der Landwirtschaft verweist das auf ein Grundproblem der Saisonarbeit: Die Frage fairer Bezahlung lässt sich nicht von den Lebensbedingungen vor Ort trennen. Wer für die Arbeit auf eine vom Betrieb organisierte Unterbringung angewiesen ist, hat oft nur begrenzte Möglichkeiten, sich diesen Kosten zu entziehen.

Sozialversicherung: Von 70 auf 90 Tage

Neben dem Mindestlohn kritisiert der DGB die Ausweitung sozialversicherungsfreier kurzfristiger Beschäftigung. In der Pressemitteilung heißt es, die sozialversicherungsfreie Höchstdauer sei auf Betreiben der Union von 70 auf 90 Tage erhöht worden. Der Gewerkschaftsbund lehnt diese Sonderregelung ab.

Laut Recherchen wurde der Rahmen für sozialversicherungsfreie Beschäftigung bei Erntehelfern bereits seit März 2020 ausgeweitet; demnach waren statt zuvor drei Monaten fünf Monate im Jahr möglich. Unabhängig von der jeweils verwendeten Bezugsgröße zeigt sich damit dieselbe Tendenz: Der Spielraum für kurzfristige, sozialversicherungsfreie Saisonarbeit wurde vergrößert.

Für die politischen Folgen gibt es inzwischen ebenfalls Zahlen. Ein Referentenentwurf aus dem Jahr 2026 beziffert die entgangenen Einnahmen der Sozialkassen durch die Ausweitung auf rund 150 Millionen Euro jährlich. Zugleich nutzen laut Recherche aktuell weniger als 100.000 landwirtschaftliche Saisonarbeitskräfte die zeitlichen Grenzen der kurzfristigen Beschäftigung vollständig aus und profitieren von der Sozialversicherungsfreiheit.

Der Streit reicht damit über die Landwirtschaft hinaus. Er betrifft die Frage, wie weit Entlastungen für Betriebe gehen sollen, wenn ihnen geringere Beiträge zur Sozialversicherung und eine schwächere Absicherung der Beschäftigten gegenüberstehen. Gewerkschaftsvertreter fordern laut Recherche deshalb, die sozialversicherungsfreie Zeit für Saisonarbeitskräfte zu verkürzen oder ganz abzuschaffen.

Was auf dem Spiel steht: Preise, Wettbewerb und faire Arbeit

Der DGB stellt dem Kostenargument der Landwirtschaft eine andere Lesart entgegen. Nach Angaben aus der Pressemitteilung zeigen Modellrechnungen, dass die Verkaufserlöse etwa von Spargel, Erdbeeren und Gurken die sehr niedrigen Stundenlöhne bei Weitem übersteigen. Die Gewerkschaft verbindet das mit dem Hinweis, dass der Mindestlohn nicht nur Beschäftigte schützt, sondern auch faire Wettbewerbsbedingungen schaffen soll.

Politisch dürfte die Debatte weiter an Schärfe gewinnen. Nach Recherchen soll der gesetzliche Mindestlohn bis 2027 in zwei Stufen auf 14,60 Euro pro Stunde ansteigen. Gerade vor diesem Hintergrund dürfte die Frage drängender werden, ob Betriebe über branchenspezifische Ausnahmen entlastet werden sollen oder über andere Rahmenbedingungen.

Der DGB hat seine Antwort darauf bereits gegeben: keine abgesenkten Lohnuntergrenzen, keine weiteren Sonderwege bei der Sozialversicherung, sondern faire Arbeits- und Lebensbedingungen vor Ort. Damit läuft der Konflikt auf eine grundsätzliche Entscheidung hinaus: gleiche Standards für alle Beschäftigten – oder weitere Ausnahmen für eine besonders verletzliche Gruppe auf dem Arbeitsmarkt.

Die nachfolgenden Angaben und Zitate beruhen auf einer Pressemitteilung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB).

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12 Kommentare

  1. ich bleib neutral: mindestlohn soll laut artikel bis 2027 steigen und das macht die ganze diskussion dringender, aber die sozial kassen verlieren geld wenn freistellungen groesser werden, vielleicht muss man beitragsregeln reformieren nicht mindestlohn, wer hat erfahrungen aus praxis oder links wie /politik/2027-mindestlohn oder /service/arbeitsrecht kann teilen?

    1. gute frage, die 14,60 euro kommen bald, aber funktioniert das fuer saisonarbeit wirklich wenn unterkunft abgezogen wird, wie misst man effektiven lohn richtig, gibt es rechenbeispiel auf /tools/effektivlohn oder /rechner/mindestlohn, wuerde gern konkret zahlen sehen bevor ich urteile

  2. neutral meinung: versteh beide seiten, dgb schuetzt arbeiter mit mindestlohn, aber landwirt sagen kosten sind hoch, vielleicht loesung ueber direkte subventionen statt lohn ausnahmen? liest sich in der presse so, es geht um faire arbeits und lebensbedingungen, such mal /politik/subventionen oder /themen/saisonarbeit fuer verschiedene ansaetze, wie seht ihr das, wer zahlt am ende

    1. subventionen koennen helfen, aber oft kommen die nicht bei arbeitern an, es fehlt kontrolle, die idee von modelrechnungen finde ich wichtig, aber wer macht die studie und mit welchen daten, link zu /studie/mindestlohn-modelle waere top, ich hab geringe ahnung von wirtschaft aber mir tun die arbeiter leid

    2. neutral gefragt: warum nutzt nur weniger als 100.000 saisonkraefte die sozialversicherungsfreiheit voll aus, das klingt als ob viele garnicht profitieren, gibts da infos zu gruenden? vielleicht sind viele in prekaeren verhaeltnissen und koennen nicht flexibel arbeiten, siehe auch /fakten/saisonkraefte

  3. neutral gesehen: gleiche regeln fuer alle klingt gerecht, doch die realitaet in der landwirtschaft ist anders, erntehelfer arbeiten oft nur kurz und brauchen flexibilitaet, aber das darf nicht zum nachteil der arbeiter werden, frage ist wie man faire wettbewerb schafft ohne dass kleine betriebe pleite gehn, hier steht mehr /politik/wettbewerb und /themen/landwirtschaft, die zahlen zu 250.000 saisonkraefte sind eindrucksvoll

    1. mir fehlt die idee wie man kontrolliert ob unterkunft kosten gerecht sind, oft werden abzüge gemacht und keiner schaute nach, gibt es vorgaben oder muster vertrag fur unterkunft? auf /hilfe/unterkunft-regeln konnte ich nix finden, kann jemand tips geben wie man das prueft, das waere hilfreich fuer erntehelfer

    2. die rechtliche einschätzung klingt klar gegen ausnahmen, aber politisch wird das weiter diskutiert, ist das nicht ein problem fuer die union die 90 tage ermoeglicht hat? wer hat die belege fuer 150 million entgangene einnahmen, link waere gut, siehe auch /analyse/sozialkassen

  4. ich finds wichtig das mindestlohn fuer alle gilt, aber die text sagt auch das viele saisonkraefte hohe kosten fuer unterkunft und verpflegung haben, das draengt den effektiven stundenlohn runter, vielleicht muss man eher die unterbringung regeln als ausnahme bei lohn, kennt jemand relevante gesetzes texte oder artikel auf /politik/sozialversicherung oder /service/erklært, wuerde gern mehr fakten haben

  5. dgb sagt klar nein zu sonderregeln beim mindestlohn für saisonarbeit, das versteh ich schon, aber wie kan man denn die landwirt helfen ohne dass leute zu billig arbeiten müssen? hab ne seite /politik/dgb-stellungnahme und /themen/saisonarbeit gelesen, viele erntehelfer klagen über unterkunft kosten und abzüge, das macht den effektiven lohn kaputt, ich fühl mich mit den arbeitsnehmern und frage wer zahlts am ende

    1. gut dass drueber geredet wird, aber das mit 90 tage und sozial versicherung ist verwirrend, meiner meinung nach soll man ehr die vermietung von unterkunft regeln, ich hab auf /politik/mindestlohn ein paar zahlen gesehn, die zeigen das verkaufserlöse hoch sind aber lohn niedrig bleibt, also wer profitiert wirklich, frage an die community

    2. es ist kompliziert, dgb will gleiche normen fuer alle, das klingt fair, aber manche betriebe sagen ohne ausnahmen geht die wirtschaft kaputt, kann jemand link zu studie posten? siehe auch /themen/sozialversicherung beispiel, ich hab angst das die arbeitnehmer wieder die verlust tragen muessten

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