DGB fordert Bildungsoffensive: Chancengleichheit, BAföG-Reform und Ausbildungsgarantie im Fokus

Der DGB hat auf seinem Bundeskongress am 12. Mai 2026 eine umfassende Bildungsoffensive gefordert. Hintergrund sind ein Sanierungsstau von über 220 Milliarden Euro an Schulen, Kitas und Hochschulen sowie 2,7 Millionen junge Menschen ohne Berufsabschluss. Der Gewerkschaftsbund kritisiert, dass Bildungschancen in Deutschland weiterhin stark vom Elternhaus abhängen, und verlangt massive Investitionen von der Kita bis zur Weiterbildung.
BAFÖG-Antrag auf einem Tisch, mit Stift, in einer Bibliothek mit Bücherregalen im Hintergrund.

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– DGB fordert umfassende Bildungsoffensive gegen soziale Selektion.
– Investitionsstau von über 220 Milliarden Euro in Kitas, Schulen und Hochschulen.
– Abschaffung des Kooperationsverbots im Grundgesetz gefordert.

DGB drängt auf Bildungsoffensive

Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat auf seinem 23. Ordentlichen Bundeskongress am 12. Mai 2026 einen weitreichenden Beschluss zur Stärkung des Bildungssystems gefasst. Er fordert von Bund, Ländern und Kommunen eine umfassende Bildungsoffensive. Aus Sicht des DGB ist der Anlass dringlich: In der Pressemitteilung PM Nr. 046 I vom 12. Mai 2026 verweist der Verband auf einen Sanierungsstau von über 220 Milliarden Euro allein bei Schulen, Kitas und Hochschulen sowie auf 2,7 Millionen junge Menschen ohne Berufsabschluss.

Im Kern richtet sich die Kritik gegen mangelnde Chancengleichheit. Bildungserfolg, so die zentrale Aussage des Beschlusses, hängt in Deutschland weiterhin stark von sozialer Herkunft, Wohnort und Einkommen ab. Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack formuliert es so: „Das Aufstiegsversprechen durch Bildung gilt in Deutschland längst nicht für alle Menschen gleichermaßen“, kritisiert die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack. „Wir können es uns als Gesellschaft nicht länger leisten, dass Bildungschancen vom Elternhaus, vom Wohnort oder vom Einkommen abhängen. Gute Bildung ist die Grundlage für demokratische Teilhabe, gesellschaftlichen Zusammenhalt und eine starke Wirtschaft. Deshalb brauchen wir jetzt massive Investitionen – von der Kita bis zur Weiterbildung.“

Was der DGB konkret fordert

Der Beschluss ist breit angelegt und folgt der Idee, Bildung als zusammenhängende öffentliche Aufgabe über alle Lebensphasen hinweg zu stärken. Das beginnt bei der frühen Bildung: Der DGB fordert den Ausbau qualitativ hochwertiger Kita-Plätze sowie mehr Ganztagsangebote an Grundschulen. Ziel ist es, Bildungswege früh zu stabilisieren und soziale Unterschiede nicht bereits in den ersten Jahren zu verfestigen.

Für Schulen setzt der DGB auf eine Ausweitung des Startchancen-Programms. Gleichzeitig soll Demokratiebildung an allen Lernorten stärker verankert werden. Dahinter steht ein Bildungsverständnis, das nicht nur Abschlüsse und Fachkräfte im Blick hat, sondern auch gesellschaftliche Teilhabe.

Für Studierende verlangt der DGB eine umfassende BAföG-Reform. Beim Übergang von der Schule in den Beruf soll eine bundesweite gesetzliche Ausbildungsgarantie mit Ausbildungsumlage greifen. Weiterbildung soll nach den Vorstellungen des DGB als vierte Säule des Bildungssystems anerkannt werden. Hinzu kommt ein oft weniger sichtbarer, aber zentraler Punkt: bessere Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten im Bildungssektor.

Politisch zielt der Beschluss auch auf die Zuständigkeitsfrage. Um den aus DGB-Sicht festgefahrenen Bildungsföderalismus zu überwinden, fordert der Verband die Abschaffung des Kooperationsverbots im Grundgesetz sowie eine verbindliche Zusammenarbeit von Bund, Ländern und Kommunen. Außerdem sollen Mittel aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität zusätzlich in die Bildungsinfrastruktur fließen. Hintergrund ist die Einschätzung, dass Reformen häufig nicht an Konzepten scheitern, sondern an zersplitterten Zuständigkeiten und unklarer Finanzierung.

Die Zahlen hinter dem Reformdruck

Wie groß der Handlungsdruck ist, zeigt sich besonders am Ausbildungsmarkt. Nach Angaben der Bundesregierung wurden im Jahr 2025 rund 476.000 duale Ausbildungsverträge abgeschlossen – 2,1 Prozent weniger als 2024. Gleichzeitig sank das Ausbildungsstellenangebot auf 530.300, ein Rückgang von 4,6 Prozent. Zum Stichtag 30. September 2025 blieben 84.400 junge Menschen ohne Ausbildungsplatz, ein Plus von 19,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Lesenswert ist außerdem Ausbildungskrise verschärft sich: Weniger Betriebe bilden aus – 40.000 Jugendliche ohne Platz.

Der Berufsbildungsbericht 2026 des damaligen Bundesministeriums weist für 2025 an anderer Stelle 476.700 duale Verträge aus, ebenfalls mit einem Minus von 2,1 Prozent. Für den 30. September 2025 nennt das Ministerium zudem 54.400 unbesetzte Stellen und 39.900 unversorgte Bewerberinnen und Bewerber. Die leicht abweichenden Zahlen ändern nichts an der Tendenz: Für viele junge Menschen bleibt der Übergang in Ausbildung unsicher, obwohl gleichzeitig Stellen unbesetzt bleiben.

Auch bei der Infrastruktur verdichten sich die Hinweise auf erheblichen Investitionsbedarf. Das Parlament bezifferte den Investitionsstau bei Schulgebäuden im Sommer 2025 auf 50 Milliarden Euro. Andere Angaben gehen allein für Schulen von 55 Milliarden Euro aus. Beide Werte liegen deutlich unter der vom DGB genannten Gesamtsumme für Schulen, Kitas und Hochschulen. Der Unterschied verdeutlicht, wie breit der Investitionsbedarf aus Sicht verschiedener Akteure ausfällt.

Wo soziale Ungleichheit besonders sichtbar wird

Besonders deutlich zeigt sich die soziale Frage an den Übergängen: nach der Schule, vor einer Ausbildung, beim Start ins Studium oder bei der Entscheidung, ob ein Bildungsweg finanzierbar ist. Wenn weniger Ausbildungsverträge zustande kommen und gleichzeitig mehr junge Menschen ohne Platz bleiben, verschärft das die Risiken für diejenigen, die ohnehin schlechtere Startbedingungen haben.

Ähnlich ausgeprägt ist die soziale Selektivität bei der Studienfinanzierung. Nach den im Recherchematerial genannten Angaben wurden im Jahr 2024 insgesamt 612.800 Studierende mit BAföG gefördert. Das entspricht einem Rückgang von 3,6 Prozent gegenüber 2023 und betrifft nur 11,5 Prozent aller Studierenden. Zudem gelten 36 Prozent der Studierenden als armutsgefährdet. Diese Entwicklung bildet den konkreten Hintergrund für die DGB-Forderung nach einer BAföG-Reform: Wenn staatliche Unterstützung nur einen vergleichsweise kleinen Teil erreicht und die Zahl der Geförderten weiter sinkt, wird bezahlbare Bildung schnell zur Frage realer Zugangschancen.

Soziale Ungleichheit zeigt sich damit nicht nur in einzelnen Förderinstrumenten, sondern entlang ganzer Bildungsbiografien. Wer in Schule, Ausbildung oder Studium zusätzliche Hürden überwinden muss, hat schlechtere Chancen auf stabile Erwerbsverläufe und gesellschaftliche Teilhabe. Genau hier setzt die Kritik des DGB an einem Bildungssystem an, das aus Sicht des Verbands noch immer zu stark aussortiert, statt auszugleichen.

Was jetzt politisch auf dem Spiel steht

Ganz ohne staatliche Aktivitäten ist die bildungspolitische Lage jedoch nicht. Für das BMBFSFJ sind im Bundeshaushalt 2026 14,72 Milliarden Euro vorgesehen, ein Plus von 3,7 Prozent gegenüber 2025. Das Startchancen-Programm soll 2026 mit 1 Milliarde Euro für bis zu 4.000 Schulen gefördert werden, davon 400 Millionen Euro für Infrastruktur. Für das Kita-Qualitätsgesetz sind 1,993 Milliarden Euro eingeplant.

Diese Programme zeigen, dass Bund und Länder auf zentrale Herausforderungen bereits reagieren. Gleichzeitig machen die unterschiedlichen Größenordnungen deutlich, warum die Debatte über eine umfassendere Bildungsoffensive anhält. Zwischen bestehenden Programmen, angespannten Ausbildungszahlen und dem dokumentierten Investitionsbedarf bleibt die Umsetzungsfrage offen.

Hier dürfte sich der politische Konflikt in den kommenden Monaten zuspitzen: nicht bei der grundsätzlichen Frage, ob mehr in Bildung investiert werden soll, sondern bei der konkreten Ausgestaltung von Zuständigkeiten, Finanzierung und Umsetzung zwischen Bund, Ländern und Kommunen. Der DGB hat mit seinem Kongressbeschluss den Druck dafür erhöht.

Was Familien, Auszubildende und Berufstätige schon heute selbst abfedern können

Politische Reformen brauchen Zeit. Der Alltag wartet aber nicht, wenn ein Ausbildungsplatz fehlt, das BAföG nicht reicht oder Weiterbildung immer wieder an Geld und Organisation scheitert. Gerade deshalb lohnt es sich, die eigene Bildungsbiografie nicht nur als große Lebensentscheidung zu sehen, sondern auch als Summe kleiner, machbarer Schritte.

Das kann erstaunlich praktisch anfangen: feste Lernzeiten statt Daueraufschub, ein klarer Überblick über Monatskosten, kostenlose Beratungsstellen vor Ort oder digitale Kurse, die sich neben Job und Familie einbauen lassen. Auch Eltern können viel entlasten, wenn sie nicht alles perfekt lösen wollen, sondern früh nach Unterstützung suchen – etwa bei Lernförderung, Berufsberatung oder günstigen Wegen, Wissen flexibel aufzubauen.

Besonders in Phasen des Übergangs zählt oft nicht nur Motivation, sondern Planungssicherheit. Wer weiß, welche Qualifikation wirklich gebraucht wird, spart Zeit, Nerven und am Ende oft auch Geld. Eine hilfreiche Abkürzung kann dabei ein gebündelter Blick auf Angebote rund um Lernen, berufliche Entwicklung und Beratung sein – etwa in der Weiterbildung & Beratung, wo sich passende Lösungen für Qualifikation, Orientierung und den nächsten beruflichen Schritt leichter sortieren lassen.

Warum das Thema wichtig bleibt

Bildung entscheidet nach dem Beitrag weiterhin stark darüber, wer in Deutschland gleiche Chancen hat: Der DGB nennt als Gründe soziale Herkunft, Wohnort und Einkommen – und verweist zugleich auf einen großen Sanierungsstau bei Schulen, Kitas und Hochschulen sowie auf viele junge Menschen ohne Berufsabschluss. Dazu kommen unsichere Übergänge in Ausbildung und sinkende BAföG-Förderung.

Für Betroffene heißt das: Wenn Übergänge nach der Schule schlechter werden und Infrastruktur nicht Schritt hält, werden Risiken entlang der gesamten Bildungsbiografie größer. Für Politik und Verwaltung folgt daraus vor allem Handlungsdruck bei Finanzierung und Zuständigkeiten: Der DGB setzt auf mehr Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern und Kommunen sowie auf Investitionen „von der Kita bis zur Weiterbildung“, inklusive besserer Arbeitsbedingungen im Bildungssektor.

Was Leserinnen und Leser jetzt wissen sollten

Warum spricht der DGB von einem Chancendefizit in der Bildung?
Der Beitrag nennt: Bildungserfolg hängt laut DGB stark von sozialer Herkunft, Wohnort und Einkommen ab.

Was passiert laut Zahlen am Ausbildungsmarkt?
Im Jahr 2025 gab es weniger duale Ausbildungsverträge und zugleich mehr junge Menschen ohne Ausbildungsplatz, während Stellen unbesetzt blieben.

Welche Bildungsbereiche fordert der DGB besonders zu stärken?
Kita und Ganztag, Schulen (u. a. Startchancen-Programm), Übergang in Ausbildung sowie die Weiterbildungsförderung, inkl. BAföG-Reform.

Warum geht es auch um Zuständigkeiten zwischen Bund und Ländern?
Der Beitrag sagt: Reformen scheitern aus DGB-Sicht oft an zersplitterten Zuständigkeiten und unklarer Finanzierung. Eine passende Anlaufstelle können Fachstellen, Beratungsstellen oder zuständige Behörden sein.

Die nachfolgenden Informationen und Zitate stammen aus einer Pressemitteilung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB).

Weiterführende Quellen:

9 Kommentare

  1. Abschaffung vom Kooperationsverbot im Grundgesetz klingt politisch radikal aber vielleicht nötig, trotzdem wie soll das verhandelt werden? Sondervermögen für Infra & Klimaneutralität extra in Bildung umleiten, das ist ein vorschlag — aber geht das ohne Zustimmung von Ländern? Mehr infos auf /politik/kooperationsverbot waer hilfreich, wer kennt argumentative punkte?

    1. Die unterschiedlichen schätzungen zum Investitionsstau verwirrren: 50 oder 55 oder 220 Mrd, wer rechnet das wirklich richtig? Quellen sind wichtig, sonst bleibt diskussion schwammig. Kann jemand die methoden erklären oder verlinken zu /quellen/investitionsstau damit man nachprüfen kann und nicht nur zahlen rumwerfen?

  2. BAföG weniger empfangene stutz mich: 11,5% der studis gefördert und 36% armutsgefährdet, das ist kein kleiner fehler mehr. Wie erreichen wir da mehr gerechtigkeit ohne bürokratie? Vielleicht lokale Beratungsstellen besser vernetzen, zB /beratung/beratung-vor-ort kann helfen, wer kennt gute modelle aus seiner stadt? Fragen an bildungspolitiker wären wichtig.

    1. Demokratiebildung an Schulen ist essenziell, weil teilhabe lernt man nicht nur durch fakten. Lehrpersonal braucht unterstützung, beruf bessere bedingungen. Gibt es beispiele von schulen die das gut machen? Link /schule/demokratiebildung könnte nützlich sein, hat jemand konkrete projekte oder kontakte?

    2. Arbeitsbedingung im Bildungssektor wurden kurz erwähnt, aber das ist zentral: überlastete erzieher und lehrer bringen qualität runter. Eltern brauchen pragmatische hilfen, nicht nur theorie. Schaut mal /eltern/hilfen fur praktische unterstuetzung, und wer bietet wirklich günstige lernförderung lokal an? bitte teilen, danke.

  3. Die Zahlen zum Ausbildungsmarkt machen mich sorgen; weniger duale Verträge und gleich zeitig unbesetzte Stellen — das passt nicht, da fehlt koordination. Würde eine Ausbildungsgarantie helfen oder braucht man mehr betriebe die ausbilden? Sieh bitte auch /ausbildung/garantie fuer detail oder tipps, hat jemand erfahrung wie man als schuler das besser planen kannt?

    1. Andy, gute frage, ich denk weiterbildung als 4te säule klnkt wichtig, aber wer organisier das neben job/familie? Förderungen müssen einfacher sein, und beratung vor ort hilft viel. Schau mal /weiterbildung fuer angebote, und gibts tipps wie man fördermittel schneller findt oder anträge einfacher macht? Mehr praxis bitte.

  4. Kitas und Schulen brauchen echt mehr Geld, Startchancen-Programm klingt gut, trotzdem frag ich: reicht 1 Mrd. für 4.000 Schulen? Das wirkt zu wenig gegen den Investitionsstau. Mehr Ganztag wär top, mehr Personal auch. Sieht jemand lokale Projekte auf /bildung/startchancen die das besser erklährt, oder gibts da nur bla bla?

  5. Der DGB sagt viel richtiges über Bildungsoffensive und Investitonsstau, aber wie soll das alles schnell gehn? BAföG reform ist wichtig, stimmt, doch wer zahlt das? Gibt’s hier mehr infoz auf /themen/bafoeg-reform oder /themen/investitionen damit man sich orientiern kann, und wie wird Kooperationsverbot realistisch aufgehoben?

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