10 Aufrufe

DFB-Jahr der Schule: Was von der Schulinitiative wirklich bleibt

Der DFB beendet das „Jahr der Schule“ mit einer ordentlichen Bilanz. Entscheidend ist jetzt aber nicht die Zahl der Angebote, sondern ob daraus im Schulalltag verlässliche Kooperationen zwischen Schulen, Vereinen und Verbänden entstehen.
Inhaltsverzeichnis
Beitrag teilen
Verbandsbüro jetzt bei Google bevorzugen Damit unsere Vereins- und Verbandsnachrichten häufiger in Ihrer persönlichen Google-Übersicht erscheinen.
Jetzt bevorzugte Quelle festlegen

Das Wichtigste in Kürze

  • Das „Jahr der Schule“ des DFB fördert die Zusammenarbeit zwischen Schulen, Vereinen und Verbänden im Fußball.
  • Bundesweit gibt es über 1200 Fußball-AGs, ein Plus von 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
  • Die Schule des Kleinfeldfußballs bietet flexible, platzsparende Bewegungsformate für Schulen an.
  • Ein kostenloses E-Learning für Lehrkräfte ab Schuljahr 2026/27 soll praktische Unterstützung bieten.
  • Erfolg hängt von der nachhaltigen Umsetzung und langfristiger Kooperation im Schulalltag ab.

Wenn an Schulen der Platz knapp ist, der Stundenplan voll und Sport im Alltag schnell zwischen Fachunterricht und Ganztag verschwindet, bleiben regelmäßige Bewegungsangebote oft auf der Strecke. Genau dort setzte das „Jahr der Schule“ des Deutschen Fußball-Bundes an – und die erste Bilanz zeigt vor allem eines: Einzelne Impulse reichen erst dann, wenn daraus verlässliche Zusammenarbeit im Alltag wird.

Mit dem DFB-Schul-Cup 2026 in Frankfurt ist die Initiative offiziell abgeschlossen worden. Nach Angaben des Verbands soll sie aber kein Einmalprojekt bleiben, sondern den Auftakt für weitere Kooperationen zwischen Schulen, Vereinen und Landesverbänden bilden.

Warum der DFB die Schule als Daueraufgabe behandelt

Der DFB verbindet das Thema Sport in der Schule vor allem mit zwei Entwicklungen: dem Ausbau der Ganztagsbetreuung und der Frage, wie Kinder und Jugendliche leichter Zugang zu Bewegung bekommen. Auf diesem Fundament will der Verband weiterarbeiten – auch mit Blick auf die rund 23.500 Fußballvereine in Deutschland.

Geplant ist, die DFB-Schulfußball-Tour fortzuführen, regionale Formate der Landesverbände weiterzuentwickeln und die Zusammenarbeit mit Profiklubs sowie dem Programm „Bundesliga bewegt“ zu stärken. Bereits im April 2026 hatten der DFB, die DFL Stiftung und Profiklubs ihre bundesweite Offensive für mehr Sport an Schulen ausgebaut.

Für Vereine ist das deshalb relevant, weil Schule und Verein im Idealfall nicht nebeneinander herlaufen, sondern sich ergänzen. Ob das in der Praxis gelingt, hängt allerdings davon ab, wie gut Zeit, Personal und Zuständigkeiten organisiert sind.

Die Bilanz in Zahlen ist stark, sagt aber noch nicht alles

Im vergangenen Schuljahr registrierte der DFB bundesweit mehr als 1200 Fußball-AGs in Kooperation zwischen Schulen und Vereinen. Das entspricht einem Plus von 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr und laut Verband einem neuen Rekord seit Bestehen des Programms „Gemeinsam am Ball“.

Auch bei den Mädchenfußball-AGs meldet der Verband ein deutliches Wachstum: 267 Angebote bedeuten ein Plus von 32 Prozent. Hinzu kommen knapp 5000 geschulte Lehrkräfte und Erzieher*innen in rund 200 Veranstaltungen – ein Anstieg um 50 Prozent. Die DFB-Mobile waren 364-mal an Schulen und in Fußball-AGs im Einsatz, 64 Prozent mehr als im Vorjahr.

Die Zahlen zeigen Reichweite. Sie sagen aber noch wenig darüber aus, wie stabil die Angebote im Schulalltag tatsächlich ankommen oder wie viele davon dauerhaft bestehen bleiben. Gerade bei Kooperationen zwischen Schule und Verein hängt viel davon ab, ob Räume, Zeiten und Ansprechpartner langfristig verfügbar sind.

Auch interessant:DFB startet Offensive für mehr Schulsport

Wie die Schule des Kleinfeldfußballs in den Alltag passen soll

Im Mittelpunkt steht die sogenannte Schule des Kleinfeldfußballs. Das Konzept baut auf der Trainingsphilosophie Deutschland auf und ist für Schulen mit unterschiedlichen Voraussetzungen angepasst. Gemeint sind kleine Spielformen auf kleinen Feldern, die viel Bewegung, hohe Intensität und viele Ballkontakte ermöglichen sollen.

Der praktische Vorteil: Das Format braucht wenig Platz und Material und lässt sich vergleichsweise einfach organisieren. Der DFB will damit Lehrkräfte unterstützen, ein flexibles Bewegungsangebot zu schaffen, bei dem möglichst alle Kinder eingebunden sind.

Im Schuljahr 2026/2027 soll außerdem ein kostenlos abrufbares E-Learning für Lehrkräfte folgen. Es baut auf der Einstiegsschulung für neue Vereinstrainer*innen auf und soll stärker auf den Schulalltag zugeschnitten werden; an der Ausarbeitung arbeitet derzeit das Trainer*innenteam um Hannes Wolf.

„Es geht jetzt darum, den Schwung aus dem ‚Jahr der Schule‘ zu nutzen und weitere Verbesserungen zu erzielen. Erste Impulse sind gesetzt, aber wir stehen erst am Anfang.“

Mit dieser Aussage macht Hannes Wolf, DFB-Direktor Nachwuchs, Training und Entwicklung, deutlich: Der Verband versteht die Initiative nicht als abgeschlossene Kampagne, sondern als längeren Prozess. Entscheidend bleibt, ob aus dem Konzept im Schulalltag tatsächlich regelmäßige Angebote werden.

Die Umfrage zeigt Zustimmung, aber auch eine deutliche Lücke

Wie hoch der Druck auf Schulen und Vereine ist, zeigt eine aktuelle Umfrage im Amateurfußball-Barometer mit fast 4000 Teilnehmenden. 99 Prozent der Befragten halten Sport- und Bewegungsangebote an Schulen grundsätzlich für wichtig, 98 Prozent meinen, dass die Mehrwerte des Sports dort stärker ausgeschöpft werden müssen.

Als wichtigste Effekte nennen die Befragten vor allem die körperliche Gesundheit (90 Prozent), soziale Aspekte (85 Prozent) sowie Persönlichkeitsentwicklung und mentale Gesundheit (jeweils 63 Prozent). Gleichzeitig bewerten sie den Stellenwert des Sports an Schulen im Schnitt nur mit der Schulnote 3,98. 44 Prozent stufen die Lage sogar als mangelhaft oder ungenügend ein.

Die Befragung zeigt damit ein klares Stimmungsbild, aber keine flächendeckende Bestandsaufnahme aller Schulen. Der VIS-Report zur Schulinitiative dokumentiert die Erhebung und ihre Methodik; wie repräsentativ die Wahrnehmung für den gesamten Schulalltag ist, lässt sich aus der Mitteilung allein nicht vollständig ableiten.

„Sport und Bewegung sind kein freiwilliger Zusatz, sondern unverzichtbar für Bildung, Gesundheit und gesellschaftliche Teilhabe.“

Mit dieser Einordnung verweist Prof. Dr. Silke Sinning, DFB-Vizepräsidentin für Bildung, Gesundheit und Safe Sport, auf den größeren Rahmen der Debatte. Der Verband formuliert damit auch einen Anspruch an Schulen, Länder und Vereine – offen bleibt aber, wie die Zusammenarbeit vor Ort konkret organisiert und finanziert wird.

Jetzt entscheidet die Umsetzung im Schuljahr 2026/27

Für den DFB ist das „Jahr der Schule“ damit vor allem ein Testlauf gewesen. Ob aus den vielen Einzelmaßnahmen dauerhafte Strukturen entstehen, hängt nun davon ab, wie gut Schulen, Vereine und Verbände die angekündigten Formate im Alltag umsetzen.

Die Fortführung der Schulfußball-Tour, die regionalen Angebote der Landesverbände und das geplante E-Learning sollen dabei helfen. Ob das reicht, zeigt sich erst im täglichen Betrieb – also dort, wo Lehrkräfte entlastet werden müssen, Vereine verlässliche Ansprechpartner brauchen und Sportangebote nicht am knappen Zeitbudget scheitern dürfen.

Das Thema ist damit nicht erledigt, sondern geht in die Bewährungsprobe. Genau dort wird sichtbar, was vom „Jahr der Schule“ im Alltag übrig bleibt.

Quellen

Transparenzhinweis: Dieser Beitrag und die verwendeten Bilder können ganz oder teilweise mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt oder bearbeitet worden sein.

Lesetipp:

Bild von Über das Autor:innen-Netzwerk von verbandsbuero.de

Über das Autor:innen-Netzwerk von verbandsbuero.de

Die Beiträge auf verbandsbuero.de entstehen in einem redaktionellen Netzwerk aus festangestellten und freien Redakteurinnen und Redakteuren mit langjähriger Erfahrung in Marketing, Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit. Unser Team ist seit vielen Jahren eng in der Vereins- und Verbandswelt vernetzt und arbeitet kontinuierlich mit Organisationen, Verbänden und Institutionen aus unterschiedlichen Bereichen zusammen.

Viele Inhalte werden gemeinschaftlich recherchiert, geschrieben und redaktionell überarbeitet. Dieses kollaborative Vorgehen stellt sicher, dass fachliche Tiefe, Praxisnähe und unterschiedliche Perspektiven in jeden Beitrag einfließen. Aus diesem Grund veröffentlichen wir unsere Inhalte bewusst als Netzwerk-Arbeit und nicht immer unter dem Namen einzelner Autor:innen.

Die redaktionelle Verantwortung liegt beim Netzwerk von verbandsbuero.de. Alle Beiträge basieren auf fundierter Praxiserfahrung, aktuellem Fachwissen und einem klaren Fokus auf die Anforderungen von Vereinen, Verbänden und Non-Profit-Organisationen.

Alle Beiträge