– CDU und SPD einigen sich auf CO2-Preis-Korridor ab 2027
– Energiewirtschaft fordert rechtssichere Festpreisphase ohne Bürokratie
– Energieunternehmen benötigen bis Ende 2025 Klarheit für Vertragsabschlüsse
CO2-Preis: Energiebranche drängt auf schnelle Klärung
Die Einigung von CDU und SPD auf einen CO2-Preis-Korridor ab 2027 bringt Bewegung in die Klimapolitik – doch die Energiebranche sieht dringenden Handlungsbedarf. Diese Unsicherheit könnte sich direkt auf die Verbraucherpreise auswirken.*
„Es ist wichtig, dass die Koalition schnellstmöglich Planungssicherheit für die kommenden zwei Jahre im nationalen Emissionshandelssystem schaffen will“, betont Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, in einer Stellungnahme vom 12. November 2025. Die Zeit drängt: „Die Vertriebe der Energieunternehmen schließen Ende 2025 Verträge für das Jahr 2027 ab und haben derzeit keine rechtliche Sicherheit über den dann gültigen CO2-Preis.“
Der BDEW hält die vereinbarte Korridorphase für problematisch: „Aus Sicht der Energiewirtschaft ist die Korridorphase keine optimale Lösung, da das Veräußerungsdesign keine Anreize für ein marktbasiertes Bieterverhalten setzt.“ Zudem bleiben praktische Fragen offen – etwa „bei den Regelungen zum Nachkauf“.
Als Alternative fordert der Verband eine einfachere Lösung: „Eine Festpreisphase wie wir sie als BDEW immer gefordert haben, kann rechtssicher und ohne zusätzlichen administrativen Aufwand umgesetzt werden.“ Unabhängig von der konkreten Ausgestaltung appelliert der BDEW an die Politik: „In jedem Fall sollten nun zügige Beratungen in Kabinett und Bundestag erfolgen.“
Vom nationalen Preiskorridor zum europäischen Emissionsmarkt
Ab 2026 treten in Deutschland neue Regeln für den CO₂-Preis in Kraft, die einen mehrstufigen Übergang zum europäischen Emissionshandelssystem ETS 2 vorbereiten*.
Preiskorridor 2026 vs. freie Marktbildung 2027
Das nationale Emissionshandelssystem startet 2026 mit einer verbindlichen Preisgestaltung. Die erste Versteigerung von CO₂-Zertifikaten erfolgt innerhalb eines festgelegten Preiskorridors von 55 bis 65 Euro pro Tonne (Stand: 2025, Quelle: Umweltbundesamt). Unternehmen haben zudem die Möglichkeit, bis Ende August 2027 zusätzliche Zertifikate zu einem Fixpreis von 70 Euro nachzukaufen.
Ab 2027 übernimmt dann das europäische System ETS 2 die Regie – mit einem grundlegend anderen Ansatz. Hier entsteht der CO₂-Preis durch freie marktbasierte Preisbildung, eine Preisobergrenze ist ausdrücklich ausgeschlossen (Stand: 2025, Quelle: DEHSt)*. Diese Unterscheidung ist zentral: Während 2026 noch staatlich vorgegebene Preisspannen gelten, bestimmt ab 2027 ausschließlich das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage die Kosten für CO₂-Emissionen.
Warum drei Systeme Mehrarbeit bedeuten
Die zeitliche Abfolge könnte sich jedoch verzögern. Sollte der Start des ETS 2 tatsächlich auf den 1. Januar 2028 verschoben werden – eine Option, die in der politischen Diskussion steht –, entsteht eine komplexe Übergangsphase. Wie der BDEW in seiner Stellungnahme vom 12. November 2025 betont, würden dann "drei CO₂-Preisregime in den nächsten drei Jahren umgesetzt werden"*.
Diese parallelen Systeme mit unterschiedlichen Preismechanismen führen zu erheblichem bürokratischem Aufwand für Unternehmen und Behörden. Jedes System verfügt über eigene Regeln zur Zertifikatevergabe, Preisfindung und Berichtspflichten. Die Energiewirtschaft steht damit vor der Herausforderung, parallel mehrere Abrechnungssysteme zu bedienen und für ihre Kunden transparent zu machen.
Vergleich der Preisregime
| Jahr | Preisregime | Preis / Range | Quelle / Stand |
|---|---|---|---|
| 2026 | Nationaler Emissionshandel | 55–65 EUR/t (Korridor) | Umweltbundesamt, Stand: 2025* |
| 2027 | EU-ETS 2 | Freie marktbasierte Preisbildung | DEHSt, Stand: 2025* |
| 2026–2027 | Nachkaufoption | 70 EUR/t (Fixpreis) | Umweltbundesamt, Stand: 2025* |
Aus Sicht der Energiewirtschaft birgt dieser mehrstufige Übergang erhebliche Planungsunsicherheiten. Energievertriebe schließen bereits Ende 2025 Verträge für das Jahr 2027 ab – zu einem Zeitpunkt, wo der dann gültige CO₂-Preis noch nicht verbindlich feststeht. Die Branche favorisiert daher einfachere Lösungen wie eine Festpreisphase, die rechtssicher und ohne zusätzlichen administrativen Aufwand umsetzbar wäre*.
Zahlen & Fakten: Preiskorridor und Rechtslage im Überblick
Ab 2026 startet der nationale Emissionshandel mit verbindlichen Preisen. Die Zertifikate werden erstmals versteigert, der Preiskorridor liegt zwischen 55 und 65 Euro pro Tonne CO₂ *. Rund 85 Prozent der deutschen Emissionen erfasst das nationale System damit *.
Korridor: 55–65 EUR/t (2026)
Der Mindestpreis von 55 Euro pro Tonne bildet die Untergrenze für Versteigerungen im Jahr 2026. Bis Ende August 2027 können Unternehmen Zertifikate zu einem Festpreis von 70 Euro nachkaufen *. Diese Nachkauf-Regelung bietet Betrieben eine Übergangsfrist, bevor der europäische Emissionshandel vollständig greift.
Nachkauf-Regelung bis Aug 2027
Ab 2027 übernimmt der EU-ETS 2 die Preisbildung. Anders als im nationalen System erfolgt die Preisgestaltung dann frei marktbasiert ohne Festpreis oder Preiskorridor *. Eine Preisobergrenze ist ausdrücklich ausgeschlossen *.
Die zeitliche Abfolge zeigt deutlich die Entwicklungsstufen:
- 2026: Nationale Versteigerungen mit Preiskorridor 55–65 EUR/t
- 2027: EU-ETS 2 startet mit marktbasierter Preisbildung
- Mögliche Verschiebung: Bei einer Verlagerung des EU-ETS-2-Starts auf den 1.1.2028 kämen drei verschiedene CO₂-Preisregime innerhalb von drei Jahren zum Tragen (Stand: 12. November 2025).
Wer trägt die Kosten? Die Auswirkungen des CO2-Preises im Überblick
Die Umstellung auf neue CO2-Preissysteme betrifft verschiedene gesellschaftliche Gruppen in unterschiedlichem Ausmaß. Während die politische Debatte um die richtige Ausgestaltung des Emissionshandels geführt wird, zeichnen sich bereits konkrete Folgen für Haushalte, Unternehmen und Energievertriebe ab.
Für private Verbraucher bedeutet der CO2-Preis von etwa 75 EUR/t eine direkte finanzielle Belastung. Besonders relevant wird die Entwicklung in den kommenden Jahren: Gegenüber 2026 könnten die Kostensteigerungen bis zu 627 % erreichen*. Diese dramatische Steigerung verdeutlicht, warum die aktuelle politische Gestaltung des Übergangs so entscheidend für die finanziellen Spielräume vieler Haushalte ist.
Energievertriebe stehen vor besonderen Herausforderungen. Sie müssen bereits Ende 2025 Verträge für das Jahr 2027 abschließen, obwohl der zu diesem Zeitpunkt gültige CO2-Preis noch nicht rechtlich verbindlich feststeht. Diese Unsicherheit erschwert langfristige Planungen und Preisgestaltungen erheblich. Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, betont: „Die Vertriebe der Energieunternehmen schließen Ende 2025 Verträge für das Jahr 2027 ab und haben derzeit keine rechtliche Sicherheit über den dann gültigen CO2-Preis.“
Unternehmen, insbesondere kleine und mittlere Betriebe (KMU), müssen sich auf einen erhöhten administrativen Aufwand einstellen. Die Verschiebung des ETS 2-Starts auf 2028 führt zur Koexistenz von drei CO2-Preissystemen zwischen 2026 und 2028* (Stand: 2025). Diese parallelen Systeme mit unterschiedlichen Preisfindungsmechanismen erfordern zusätzliche Ressourcen für Compliance und Reporting.
Die Preisentwicklung zeigt eine gemischte Perspektive: Kurzfristig sind keine sprunghaften Preissteigerungen im marktorientierten CO2-System zu erwarten. Für die Jahre 2026–2027 wird mit einem Preiskorridor von 55–65 EUR/t* gearbeitet (Stand: 2025). Mittelfristig ab 2030 könnten die Preise jedoch deutlich ansteigen, was die langfristige Planungssicherheit für alle betroffenen Gruppen weiter erschwert.
Betroffene Gruppen im Überblick:
- Haushalte: Steigende Energiekosten und direkte CO2-Preisbelastung
- Energievertriebe: Unsichere Preisgestaltung und komplexe Vertragsabschlüsse
- Kleine und mittlere Unternehmen (KMU): Erhöhter administrativer Aufwand durch parallele Systeme
CO₂-Preis ab 2027: Welche Wege jetzt offen stehen
Die politische Einigung auf einen CO₂-Preis-Korridor markiert einen wichtigen Schritt, doch zahlreiche Fragen zur konkreten Ausgestaltung bleiben unbeantwortet. Während Kabinett und Bundestag die Details verhandeln, zeigt sich: Die Zeit für Klarheit drängt. Energievertriebe schließen bereits Ende 2025 Verträge für das Jahr 2027 ab – ohne gesicherte Kenntnis über den dann gültigen CO₂-Preis.
Politische Optionen kurz erklärt
Drei unterschiedliche Modelle stehen zur Diskussion: Die Korridorphase als Kompromisslösung, die jedoch nach Branchenmeinung keine ausreichenden Marktanreize bietet. Der Festpreis, den der BDEW als "rechtssicher und ohne zusätzlichen administrativen Aufwand umsetzbar" bezeichnet (Stand: 12. November 2025). Und schließlich die freie Marktbildung im EU-ETS 2 ab 2027, die laut Deutscher Emissionshandelsstelle (DEHSt) ohne Preisobergrenze auskommt* (Stand: 2025).
Besondere Herausforderungen ergeben sich aus möglichen Übergangsszenarien. Sollte der Start des europäischen Emissionshandels ETS 2 auf den 1. Januar 2028 verschoben werden, würden innerhalb von drei Jahren drei verschiedene CO₂-Preisregime mit unterschiedlichen Preismechanismen aufeinandertreffen. Diese Komplexität betrifft nicht nur die Energiewirtschaft, sondern wirkt sich unmittelbar auf die Verbraucherpreise aus.
Offene Umsetzungsfragen wie die Nachkauf-Regelungen und die administrative Belastung bei parallelen Systemen erfordern zügige politische Entscheidungen. Die Energiewirtschaft appelliert an die Politik, jetzt für rechtliche Sicherheit zu sorgen und die Beratungen in Kabinett und Bundestag zügig abzuschließen.
Dieser Beitrag basiert auf einer Presseinformation des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW).
Weiterführende Quellen:
- „Im Jahr 2026 werden die Zertifikate im nationalen Emissionshandel erstmals versteigert, der Preiskorridor liegt zwischen 55 und 65 Euro pro Tonne CO₂; bis Ende August 2027 ist ein Nachkauf zu 70 Euro möglich.“ – Quelle: https://www.umweltbundesamt.de/presse/pressemitteilungen/erstmals-versteigerungen-im-nationalen
- „Ab 2027 startet EU-ETS 2 vollumfänglich mit freier marktbasierten Preisbildung ohne Festpreis oder Preiskorridor, eine Preisobergrenze ist ausdrücklich ausgeschlossen.“ (Stand 2025) – Quelle: https://www.dehst.de/DE/Themen/nEHS/EU-ETS-2/ausblick-auf-2027/eu-ets-2-ausblick-2027_artikel.html
- „Für 2026 liegt der nationale CO2-Preis im Korridor 55–65 EUR/t, ab 2027 erfolgt die Preisbildung freimarktbasiert im EU-ETS 2, was neue Unsicherheiten für Planungssicherheit schafft.“ – Quelle: https://www.vattenfall.de/geschaeftskunden/ves/magazin/co2-bilanz/co2-bepreisung-2027
- „2027 greift im Verkehr und Gebäude ausschließlich freie Preisbildung; bei einem CO2-Preis von etwa 75 EUR/t entstehen Mehrkosten von ca. 70 EUR/Jahr pro Haushalt, mit möglichen Kostensteigerungen bis zu 627 % gegenüber 2026.“ (Stand 2025) – Quelle: https://www.haufe.de/immobilien/wirtschaft-politik/eu-recht-reform-von-emissionshandel-und-co2-bepreisung_84342_642252.html
- „Ab 2026 werden Emissionszertifikate im nationalen Emissionshandelssystem versteigert (Mindestpreis 55 EUR), ab 2027 erfolgt der Verkauf zu marktbasierten Preisen des EU-ETS 2; rund 85 % der deutschen Emissionen sind damit erfasst.“ – Quelle: https://www.dehst.de/DE/Themen/nEHS/nEHS-verstehen/nehs-verstehen_node.html
- „Die Verschiebung des ETS 2-Starts auf 2028 führt zur Koexistenz von drei CO2-Preissystemen zwischen 2026 und 2028, was für Unternehmen einen erhöhten administrativen Aufwand bedeutet.“ (Stand 2025) – Quelle: https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/energiewende-verschiebung-beim-co-preis-belastet-deutsche-unternehmen/100171345.html
- „Kurzfristig sind keine sprunghaften Preissteigerungen im marktorientierten CO2-System zu erwarten, mittelfristig ab 2030 könnten die Preise jedoch deutlich steigen; 2026–2027 wird mit einem Preiskorridor von 55–65 EUR/t gearbeitet.“ – Quelle: https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/auto-kaufen-verkaufen/kfz-steuer/co2-steuer/
10 Antworten
Die Unsicherheit im CO₂-Preissystem ist echt herausfordernd für alle Beteiligten! Ich frage mich: Was passiert mit kleinen und mittleren Unternehmen? Wer kann sie unterstützen?
Gute Frage! Vielleicht sollten wir lokale Initiativen ins Leben rufen, um KMU zu helfen.
„Drei Systeme in drei Jahren“ klingt wirklich kompliziert. Ich denke, eine klare Kommunikation von Seiten der Regierung wäre hilfreich! Was haltet ihr von den Vorschlägen des BDEW?
„Die Korridorphase könnte problematisch sein“ – Das sehe ich auch so! Ein einfacherer Ansatz könnte vielen helfen, oder seht ihr das anders?
Ich finde es besorgniserregend, wie viel Bürokratie durch die parallelen CO2-Preissysteme entsteht. Wie können Unternehmen da effektiv arbeiten? Gibt es Vorschläge von der Politik dazu?
Der Artikel zeigt klar, dass es viel Unsicherheit gibt mit dem neuen CO2-Preissystem. Wie können wir sicherstellen, dass Haushalte nicht übermäßig belastet werden? Vielleicht sollten wir auch über Subventionen nachdenken.
Subventionen sind eine gute Idee! Aber könnten diese nicht auch zu einer weiteren Komplexität führen? Es wäre wichtig, einfache Lösungen zu finden.
Ich finde die Einigung von CDU und SPD zum CO2-Preis-Korridor ab 2027 sehr interessant. Allerdings bleibt die Frage, wie sich das auf die Verbraucherpreise auswirken wird. Was denkt ihr darüber? Ist eine Festpreisphase nicht vielleicht die bessere Lösung?
Ich bin auch der Meinung, dass ein Festpreis mehr Stabilität bringen würde. Aber was ist mit den langfristigen Zielen der Klimapolitik? Könnte das nicht ein Rückschritt sein?
Das ist ein interessanter Punkt! Ich denke, dass wir dringend Klarheit brauchen, besonders für die Unternehmen, die bis Ende 2025 Verträge abschließen müssen.