EU-Kommission will CO₂-Grenzwerte aufweichen: BUND warnt vor Schaden für Klima und Industrie

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Der BUND kritisiert einen Vorschlag der EU-Kommission, die CO₂-Grenzwerte für Neuwagen aufzuweichen. Der Umweltverband warnt, dass eine Abschwächung des Verbrenner-Aus die Klimaziele gefährdet und der Industrie Planungssicherheit nimmt. Die Zukunft der Mobilität müsse klar elektrisch sein, um Abhängigkeiten von Öl und ineffizienten E-Fuels zu vermeiden.

Inhaltsverzeichnis

* Eine Abschwächung des EU-Verbrenner-Aus schadet laut BUND dem Klima und der Planungssicherheit der Industrie.
* Der BUND fordert klare Vorgaben für die Verkehrswende und lehnt E-Fuels als ineffiziente und teure Alternative ab.
* Die Zukunft der Mobilität liegt in der Elektromobilität mit heimischem Ökostrom, um Abhängigkeiten zu reduzieren.

BUND warnt vor Aufweichung des Verbrenner-Aus

Die Debatte um die Zukunft des Autos in Europa spitzt sich zu. Vor der Veröffentlichung eines Vorschlags der EU-Kommission zur Abschwächung der CO₂-Flottengrenzwerte für Pkw positioniert sich der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) klar. Mit rund 674.000 Mitgliedern und Unterstützer*innen gehört der Verband zu den größten Umweltorganisationen des Landes*. Seine zentrale Botschaft: Jede Verwässerung der bestehenden Regeln gefährdet die Klimaziele und schadet der Industrie.

In einer Stellungnahme vom 16. Dezember 2025 kritisiert Jens Hilgenberg, Leiter Verkehrspolitik beim BUND, die geplanten Änderungen scharf. „Eine Aufweichung beim sogenannten Verbrenner-Aus schadet Klima und Industrie. Abgeschwächte Vorgaben und Ausnahmen für Plug-in-Hybride erschweren es, die Klimaziele einzuhalten und nehmen der Industrie die oft beschworene Planungssicherheit“, so Hilgenberg. Der Verband sieht in einem Festhalten an Verbrennungsmotoren eine strategische Fehlentscheidung, die Investitionen zersplittert und Verbraucher verunsichert.

Der BUND betont die Elektromobilität als einzig logischen Pfad. „Die Zukunft fährt elektrisch, das stellt wohl niemand mehr in Frage. Jetzt entscheidet sich, ob die Zukunft zumindest in Europa auch noch europäisch fährt“, heißt es weiter. Alternative Kraftstoffe wie E-Fuels bewertet der Umweltverband als Sackgasse: Sie seien ineffizient, teuer und keine realistische Option für die breite Bevölkerung.

Die finale Verantwortung sieht der BUND bei der EU-Kommission. „Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen muss dem Lobbydruck standhalten. Nur mit klaren Vorgaben kann sie die notwendige Transformation vorantreiben, die einige Konzerne bislang verschlafen“, lautet der Appell. Eine Abschwächung der Regeln würde aus Sicht des Verbands bedeuten, dass Europa den technologischen Anschluss an die globale Mobilitätswende endgültig verliert.

Vom Ziel zur Flexibilität: Die Entwicklung der CO₂-Flottengrenzwerte

Die Regeln für den CO₂-Ausstoß von Neuwagenflotten sind kein statisches Konstrukt, sondern haben sich in den letzten Jahren mehrfach angepasst. Die ursprüngliche Zielmarke war klar: Die EU verpflichtete Hersteller, die durchschnittlichen Emissionen ihrer Pkw-Flotte bis 2025 und bis 2030 gegenüber dem Basisjahr 2021 zu senken (Stand: 2023).* Diese Vorgaben bildeten lange den verbindlichen Rahmen für die Transformation der Autoindustrie.

Am 1. Januar 2024 trat dann eine erste konkrete Verschärfung in Kraft. Der erlaubte Flottengrenzwert für Pkw sank von 115 Gramm CO₂ pro Kilometer auf 93,6 g/km (Stand: 2024).* Parallel dazu wurde jedoch ein erster Flexibilisierungsmechanismus eingeführt: Die Einhaltung dieses strengeren Ziels muss nicht sofort ab 2024, sondern kann kumuliert bis zum Jahr 2027 erfolgen. Diese Regelung gab den Herstellern einen längeren Zeitrahmen für die Anpassung.

Entwicklung der Ziele: 2023 → 2024 → 2025

Die jüngste und aktuell diskutierte Anpassung stammt von März 2025. Ein Entwurf der EU-Kommission sieht eine einmalige zusätzliche Flexibilität für die Jahre 2025 bis 2027 vor. Demnach können die CO₂-Ziele über diesen Dreijahreszeitraum im Durchschnitt erfüllt werden, während die nominalen Reduktionsziele für 2025 und 2030 formal unverändert bleiben (Stand: März 2025).* Diese geplante Regeländerung steht im Zentrum der aktuellen politischen Debatte.

Was bedeutet „durchschnittliche Erfüllung über 2025–2027“?

Praktisch würde dieser Mechanismus bedeuten, dass ein Hersteller in einem Jahr die Zielvorgabe leicht überschreiten könnte, wenn er die Differenz in den anderen Jahren des Betrachtungszeitraums überkompensiert.*

Jahr Regel / Änderung Konkreter Wert / Mechanismus Quelle / Stand
2023 Festlegung der Reduktionsziele Ziele für 2025 und 2030 festgelegt (Basis 2021) NABU, Stand 2023*
2024 Absenkung des Grenzwerts & Einführung Kumulierungsoption Grenzwert: 93,6 g/km; Erfüllung kumuliert bis 2027 möglich ZDFheute, Stand 2024*
2025 EU-Kommissionsentwurf für zusätzliche Flexibilität Durchschnittliche Erfüllung der Ziele über den Zeitraum 2025–2027 electrive.net, Stand März 2025*

Die Chronologie zeigt eine Entwicklung von festen Zielvorgaben hin zu zunehmend flexibleren Erfüllungsmechanismen. Eine Bewertung dieser Flexibilisierung ist Bestandteil der politischen Diskussion.*

Kontroverse Prognosen: Was die Flexibilisierung für Klima und Industrie bedeutet

Die Diskussion um die Aufweichung der CO₂-Flottengrenzwerte wird von stark divergierenden Prognosen und Einschätzungen geprägt. Während Umweltverbände vor erheblichen Klimafolgen warnen, verweisen politische und industrielle Akteure auf andere Prioritäten.

Umweltorganisationen beziffern die möglichen Mehr-Emissionen durch die Flexibilisierung in unterschiedlichen Szenarien. Eine Analyse vom 14. März 2024 prognostiziert, dass die Lockerung zu etwa 5 g CO₂/km höheren Emissionen führen und bis 2030 zusätzliche rund 30 Millionen Tonnen CO₂* verursachen könnte. Eine Greenpeace-Auswertung vom 26. September 2024 geht von noch weitreichenderen Konsequenzen aus: Bei einer Verschiebung der CO₂-Ziele bis 2035 könnten in Europa 11,8 Millionen zusätzliche Verbrenner-Neuwagen zugelassen werden, was rund 308,5 Millionen Tonnen zusätzlicher CO₂-Emissionen* bedeuten würde. Die Deutsche Umwelthilfe schätzt in einer Stellungnahme vom 5. März 2025 die mögliche Mehrmenge an CO₂ durch die geplante Aufweichung auf bis zu 50 Millionen Tonnen* – eine Menge, die mit den jährlichen Gesamtemissionen von Ländern wie Schweden oder Portugal vergleichbar ist.

Diese Bedenken werden von politischen und industriellen Positionen kontrastiert. Die Europäische Volkspartei (EVP) setzt sich dafür ein, das Verbrenner-Aus nicht strikt umzusetzen und Hybridfahrzeuge über das Jahr 2035 hinaus zuzulassen. Aus der Industrie gibt es ähnliche Signale. Volkswagen drängte öffentlich auf eine Infragestellung des Verbrenner-Enddatums 2035. Verkehrswissenschaftler äußern eine grundsätzlichere Sorge: Sie befürchten, dass die einmalige Flexibilisierung ab 2025 zum Präzedenzfall für weitere Verschiebungen der CO₂-Ziele im Verkehrssektor nach 2027 werden könnte.

Die zentralen prognostizierten Folgen im Überblick:

  • ~5 g CO₂/km mehr → ~30 Mio. t CO₂ bis 2030*
  • 11,8 Mio. zusätzliche Verbrenner-Neuwagen → ~308,5 Mio. t CO₂*
  • Bis zu 50 Mio. t CO₂ Mehrmenge laut Deutscher Umwelthilfe*

Die Debatte offenbart einen fundamentalen Zielkonflikt: Auf der einen Seite stehen konkrete, quantifizierte Risiken für die Klimabilanz. Auf der anderen Seite stehen Forderungen nach technologischer Offenheit und wirtschaftlicher Flexibilität, die aus Sicht ihrer Befürworter notwendig sind, um wettbewerbsfähig zu bleiben und Verbraucherinteressen zu wahren.

Entscheidungen mit Weichenwirkung: Der Ausblick auf die EU-Verkehrspolitik

Die Debatte um die CO₂-Flottengrenzwerte für Autos ist noch lange nicht abgeschlossen. Der im März 2025 vorgelegte Entwurf der EU-Kommission, der eine Flexibilisierung der Regeln für die Jahre 2025 bis 2027 vorsieht, bildet nun den zentralen Rahmen für die kommenden politischen Auseinandersetzungen. Die entscheidende Frage lautet: Wird dieser Entwurf in der geplanten Form Gesetz, oder kommt es zu weiteren Änderungen? Die Antwort wird maßgeblich bestimmen, wie schnell und konsequent die europäische Automobilindustrie auf Elektromobilität umschwenkt.

Die Positionen sind verhärtet. Auf der einen Seite stehen Teile der Industrie und konservative Politiker, die wie Teile der Europäischen Volkspartei (EVP) bereits im März 2024 für Lockerungen plädierten. Auf der anderen Seite warnen Umweltverbände vor den Konsequenzen. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) schätzt, dass der Kommissionsvorschlag zu zusätzlichen 50 Millionen Tonnen CO₂ führen könnte (Stand: 05.03.2025)*. Diese Schätzungen unterstreichen die wirtschaftliche und ökologische Tragweite der anstehenden Entscheidungen.

Nächste Schritte in Brüssel

Der Kommissionsentwurf muss nun das ordentliche Gesetzgebungsverfahren durchlaufen. Das bedeutet intensive Beratungen im Europäischen Parlament und im Rat der EU, in dem die Mitgliedstaaten vertreten sind. Hier werden Abgeordnete und Minister über mögliche Änderungen am Text verhandeln. Ein formeller Zeitplan für die abschließenden Lesungen und die finale Verabschiedung steht derzeit noch aus. Klar ist jedoch: Die kommenden Monate sind entscheidend. Jede Änderung am Entwurf – sei es eine Verschärfung, eine weitere Aufweichung oder die Beibehaltung des Status quo – sendet ein klares Signal an die Industrie und beeinflusst Investitionsentscheidungen für Jahre.

Wer sollte jetzt Gehör finden?

Um die komplexen Auswirkungen der Regelung auszuloten, braucht es eine breite Perspektive. Neben der Industrie selbst sollten vor allem jene Stimmen gehört werden, die die langfristigen Folgen für Klima, Verbraucher und technologische Souveränität Europas analysieren. Ebenso aufschlussreich wären Einschätzungen von unabhängigen Forschungseinrichtungen, etwa aus dem Bereich Energie- und Verkehrssystemanalyse, die die gesamtwirtschaftlichen Effekte verschiedener Szenarien modellieren können. Für die Position des BUND, der eine klare Linie für die Elektromobilität fordert, sei auf das erste Kapitel dieses Beitrags verwiesen.

Die Weichenstellung in Brüssel wird zeigen, ob Europa den selbst gesteckten Klimazielen im Verkehrssektor näher kommt oder ob kurzfristige Flexibilität langfristige Transformation verzögert.

Die nachfolgenden Informationen und Zitate stammen aus einer Pressemitteilung des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

Weiterführende Quellen:

8 Antworten

  1. „Die Zukunft fährt elektrisch“, das ist ein starkes Statement! Aber wie sieht es mit der Ladeinfrastruktur aus? Haben wir genug Kapazitäten dafür?

    1. „E-Fuels als Sackgasse“ klingt beunruhigend. Gibt es denn Alternativen dazu? Ich mache mir Sorgen um die Umwelt und unsere Zukunft.

  2. Es ist erschreckend zu hören, wie sehr die Industrie in diesem Thema in der Vergangenheit festgefahren ist. Wenn wir nicht bald handeln, verlieren wir den Anschluss an die nachhaltige Mobilität.

    1. Ich sehe das auch so! Die bisherigen Vorgaben waren klar und sinnvoll. Sollte man nicht einfach darauf bestehen? Ist es denn so schwer für die Hersteller?

    2. „Klimaziele“ sind wichtig! Ich hoffe wirklich, dass wir schnell eine Wende hin zur Elektromobilität sehen werden. Was haltet ihr von den aktuellen Vorschlägen der EU?

  3. Ich finde die Argumente des BUND wirklich überzeugend. Die Elektromobilität ist doch die Zukunft, oder? Wer kann sich noch vorstellen, mit alten Verbrennern zu fahren? Ich hoffe, dass die EU-Kommission den Druck standhält und die richtigen Entscheidungen trifft.

    1. Ja, ich denke auch, dass wir uns auf nachhaltige Technologien konzentrieren sollten. Was denkt ihr über E-Fuels? Glaubt ihr wirklich, dass sie eine Lösung sein könnten oder eher nicht?

    2. Ich bin skeptisch bezüglich der Flexibilisierung der Regeln. Glaubt ihr, dass es zu mehr CO₂-Emissionen führen könnte? Das wäre schlecht für das Klima.

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