An der Spitze bleibt der Caravaning Industrie Verband auf Kontinuität gesetzt, im Vorstand selbst bewegt sich aber einiges. Bernd Löher wurde erneut zum Präsidenten gewählt, zugleich rücken Thomas Siegert als Vizepräsident sowie Jan Francke und Matjaž Grm neu in das Gremium auf. Nach 28 Jahren endet außerdem die Vorstandsarbeit von Dr. Holger Siebert.
Für die Caravaningbranche ist das mehr als eine interne Personalie. Der Caravaning Industrie Verband (CIVD) vertritt nach eigenen Angaben die Interessen des industriellen Zweigs der deutschen Caravaningbranche gegenüber Politik, Behörden und Institutionen in Deutschland und Europa. Wer den Vorstand neu zusammensetzt, entscheidet damit auch mit darüber, welche Themen der Verband künftig besonders deutlich setzt.
Warum die Wahl für die Branche relevant ist
Der CIVD vereint nach eigenen Angaben Hersteller, Unternehmen der Zulieferindustrie, Dienstleister sowie öffentliche Institutionen und Verbände. Außerdem ist der Verband ideeller Träger des CARAVAN SALON, den er als weltweit größte Messe für Freizeitfahrzeuge bezeichnet. Für Mitglieder und Beobachter zeigt die Vorstandswahl deshalb nicht nur, wer den Verband führt, sondern auch, wie sich die Interessenvertretung in den kommenden Jahren organisieren will.
Löher ist in der Branche kein Unbekannter. Der Manager, der bei Eura Mobil und Trigano Deutschland als Director Business Development tätig ist, hatte das Präsidentenamt bereits von 2023 bis Anfang 2026 inne. Nach seiner erneuten Wahl verwies er auf wirtschaftliche, politische und technologische Herausforderungen. „Unsere Aufgabe als Vorstand ist es, gemeinsam mit den Verbandsmitgliedern die richtigen Rahmenbedingungen für eine weiterhin erfolgreiche Entwicklung der Caravaning-Industrie zu schaffen“, sagte er. „Wir wollen die Interessen unserer Industrie mit einer starken Stimme vertreten.“
Wer bleibt, wer neu dazukommt
Neben Löher wurden Alexander Leopold, Thomas Siegert und Jürgen Vöhringer in ihren Ämtern bestätigt. Siegert übernimmt nun zusätzlich das Amt des Vizepräsidenten und bleibt für Technik, Umwelt und Infrastruktur zuständig. Leopold verantwortet weiter den Bereich Export, Vöhringer vertritt weiterhin die Zulieferindustrie.
Neu in den Vorstand gewählt wurden Jan Francke und Matjaž Grm. Francke übernimmt das Ressort Finanzen, Grm die Öffentlichkeitsarbeit. Damit verlagern sich zwei wichtige Arbeitsfelder sichtbar nach vorn: die finanzielle Steuerung des Verbands und seine Außenwirkung.
Bernhard Kibler stellte sich auf eigenen Wunsch nicht mehr zur Wiederwahl. Auch Dr. Holger Siebert kandidierte wegen seines Eintritts in den Ruhestand nicht erneut. Mit ihrem Ausscheiden endet eine längere Phase personeller Kontinuität an zentraler Stelle des Verbands.
Was die Ressortverteilung über die nächsten Prioritäten verrät
Die Aufgabenverteilung zeigt, wo der Verband inhaltlich ansetzt. Technik, Umwelt und Infrastruktur bleiben bei Thomas Siegert gebündelt, also dort, wo sich für Caravaning-Unternehmen Fragen rund um Fahrzeuge, Rahmenbedingungen und Standortfaktoren treffen. Der Export bei Alexander Leopold und die Interessen der Zulieferindustrie bei Jürgen Vöhringer bleiben ebenfalls klar zugeordnet.
Jan Francke machte nach seiner Wahl deutlich, dass er den Verband vor allem als gemeinsame Interessenvertretung versteht. Ein starker und gut aufgestellter Verband sei für die Branche von zentraler Bedeutung, sagte er. Der CIVD bringe die Akteure der Industrie zusammen, bündele ihre Interessen und setze wichtige Impulse für die Weiterentwicklung der Branche. Ob diese Bündelung im Alltag tatsächlich gelingt, hängt allerdings auch davon ab, wie geschlossen die Mitgliedsunternehmen die Linie des Vorstands mittragen.
Auch Matjaž Grm knüpft an diese Linie an. Er soll künftig die Öffentlichkeitsarbeit verantworten und damit helfen, die gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung des Caravanings sichtbar zu machen. Für einen Verband, der nicht nur intern organisiert, sondern auch nach außen wahrgenommen werden muss, ist das ein wichtiges Aufgabenfeld.
Ein Abschied nach 28 Jahren
Mit Dr. Holger Siebert verlässt eine langjährige Figur die Verbandsspitze. Er gehörte dem CIVD-Vorstand seit 1998 an und brachte über nahezu drei Jahrzehnte seine Branchenkenntnis ein. Zuvor hatte er beruflich unter anderem bei Bürstner gearbeitet und später Eura Mobil als Geschäftsführer geprägt.
Der Verband zeichnete Siebert bei der Mitgliederversammlung mit der Goldenen Ehrenmedaille aus, seiner höchsten Auszeichnung. Der frühere CIVD-Präsident Hermann Pfaff würdigte ihn laut Verband als profunden Branchenexperten und als Persönlichkeit, die den Verband auch menschlich geprägt habe. Das zeigt, wie stark Kontinuität in Verbänden über viele Jahre gewachsen sein kann – und wie sichtbar ein solcher Abschied ausfällt.
Jetzt entscheidet die praktische Umsetzung
Für den CIVD beginnt damit eine Phase, in der die neue Besetzung mehr sein muss als ein personeller Wechsel. Kontinuität an der Spitze kann Orientierung geben, doch ob der Vorstand die angekündigten Schwerpunkte bei Politik, Technik, Finanzen und Kommunikation in konkrete Arbeit übersetzt, wird sich erst im Alltag zeigen.
Gerade für eine Branche, die auf verlässliche Rahmenbedingungen, technische Entwicklung und öffentliche Akzeptanz angewiesen ist, zählt am Ende die Umsetzung. Die Wahl ist entschieden – nun wird sichtbar, welche Themen der neue Vorstand tatsächlich vorantreibt und wie geschlossen der Verband dabei auftritt.