Wie man bei Ihrem nächsten Golf-Event ein Geschenk überreicht

Wie man bei Ihrem nächsten Golf-Event ein Geschenk überreicht
Ein Charity-Golfturnier kann mehr als ein geselliger Tag sein – es ist eine strategische Chance für Fundraising. Der Erfolg hängt von einer durchdachten Planung ab: von der gezielten Einladung potenzieller Großspender über vertrauensbildende Gespräche während der Runde bis zur professionellen Nachbereitung. So entsteht aus einem Sportereignis ein wirksames Instrument, um langfristige Beziehungen und substantielle Zusagen aufzubauen.

Inhaltsverzeichnis

Golfturnier mit Charme – und klarer Fundraising-Strategie

Golf und Gemeinnützigkeit – das klingt nach Scheckbuch-Romantik und Poloshirt-Klischees. In der Praxis sind Charity-Golfturniere aber für viele Organisationen ein echter Schatz: überschaubarer Rahmen, viel Zeit für Gespräche, entspannte Atmosphäre, oft gute Kontakte aus Wirtschaft und lokaler Politik.

Wir haben über die Jahre gemerkt: Der Unterschied zwischen „nettem Tag auf dem Platz“ und „strategischem Fundraising-Event“ liegt nicht bei den Flightlisten, sondern in der dramaturgischen Planung:

  • Vorlauf – wie wir Menschen so einbinden, dass sie offen sind für größere Spenden
  • Während der Runde – wie wir in vier, fünf Stunden auf dem Platz Beziehungen vertiefen, ohne irgendwen zu bedrängen
  • Nachspiel – wie wir aus netten Ankündigungen echte, dokumentierte Zusagen machen

Und ja, es gibt diese Momente, in denen jemand zwischen Grün und Clubhaus sagt: „Da bin ich mit 10.000 Euro dabei.“ Die Kunst ist: so damit umzugehen, dass es sich für beide Seiten gut, fair und professionell anfühlt.


Vor der Runde: Wer spielt warum mit?

Die strategische Arbeit beginnt weit vor dem ersten Abschlag. Wenn wir Golfturniere begleiten, schauen wir uns zuerst eine Frage an:
Wem nützt dieses Turnier eigentlich – außer dem Greenkeeper?

Wir unterscheiden grob drei Gruppen:

  • Bestehende Unterstützer:innen, die wir pflegen und enger binden wollen
  • potenzielle Großspender:innen (ab ca. 5.000–10.000 € aufwärts – abhängig von der Organisationsgröße)
  • Netzwerk-Personen, die uns Türen zu neuen Kreisen öffnen können

Die Einladung ist schon der erste Fundraising-Schritt

Eine Einladung zum Charity-Turnier ist kein Werbeflyer, sondern ein Beziehungsangebot. Wir achten darauf, dass folgende Punkte klar sind:

  • Wofür spielen wir? (konkretes Projekt, greifbare Wirkung, nicht „für den guten Zweck allgemein“)
  • Was kostet die Teilnahme? (Startgebühr, Spende, Sponsoring-Paket – sauber getrennt)
  • Wie wird mit Spenden und Daten umgegangen? (kurzer Hinweis auf Spendenquittung, DSGVO, Transparenz)

Beim Texten solcher Einladungen haben wir gelernt:
Je konkreter der Zweck, desto leichter die spätere Spendenhöhe.

„Wir wollen 40.000 € einsammeln, damit wir nächstes Jahr 80 zusätzliche Kinder im Schwimmkurs haben“ funktioniert deutlich besser als „Wir sammeln für unsere Arbeit“.

Flight-Planung als Fundraising-Instrument

Ein fast schon unterschätztes Werkzeug: die Flight-Zusammenstellung.

Wir versuchen, Flüge so zu planen, dass:

  • mindestens eine Person aus unserem Team oder Vorstand mit fundierten Einblicken dabei ist
  • potenzielle Großspender:innen nicht alle in einem Flight landen, sondern sich über das Feld verteilen
  • es in jedem Flight eine Person gibt, die Bezug zum Thema hat (z. B. ehrenamtliche Übungsleiterin, ehemalige Teilnehmerin, Projektleiter)

So wird der Flight selbst zu einer kleinen Wirkungs-Bühne – ohne Präsentation, ohne PowerPoint, einfach im Gespräch.


Während der Runde: Vier Stunden Beziehungsarbeit

Auf dem Papier sind es 18 Loch. Für uns sind es drei Phasen mit unterschiedlichen „Gesprächstemperaturen“.

1. Die ersten Löcher: Ankommen, nicht einsammeln

Die ersten Bahnen sind heilig. Niemand hat Lust, am dritten Schlag schon nach der Spendenbereitschaft abgefragt zu werden.

Wir nutzen diese Phase für:

  • Lockeres Kennenlernen („Wie sind Sie mit unserem Verein in Berührung gekommen?“)
  • Erzählen von kurzen, echten Geschichten aus unserem Projektalltag
  • Beobachten: Wer stellt interessiert Fragen? Wer lenkt ab? Wer schaut auf die Uhr?

Eine kleine Szene aus einem unserer Lieblings-Turniere:
Eine Unternehmerin im Flight erzählte beiläufig, dass ihr Vater früher im gleichen Verein Tischtennis gespielt hat. Ab da war klar: Es geht heute nicht um irgendein Projekt – es geht um ihre Geschichte mit dem Verein. Diese Info hätten wir in einer klassischen 30-Minuten-Spendenpräsentation nie bekommen.

2. Mitte der Runde: Jetzt wird es fachlich – aber menschlich

Wenn alle etwas im Spiel sind und die ersten Lacher über verschobene Bälle schon durch sind, steigen wir tiefer ein:

  • Zahlen, Daten, Wirkung – aber mundgerecht
  • Wo stehen wir als Organisation gerade?
  • Welche Projekte scheitern, weil das Geld fehlt – und welche laufen schon erfolgreich?

Wir haben gute Erfahrungen mit kleinen, bildhaften Kennzahlen gemacht:

  • „Mit 5.000 € können wir ein ganzes Jahr lang unsere Jugendgruppe für 20 Kinder absichern.“
  • „Ein Platz im therapeutischen Reitangebot kostet uns im Monat rund 250 € – wir haben aktuell mehr Anfragen als Plätze.“

Wichtig: Wir sagen nicht „Sie sollten doch 5.000 € geben“, sondern verorten Beträge. Menschen können besser entscheiden, wenn sie ein Gefühl dafür haben, was Summen bedeuten.

3. Letzte Löcher: Konkreter werden – ohne zu drücken

Gegen Ende der Runde ist oft klar, wer innerlich andockt. Typische Signale:

  • Nachfragen zur Finanzierung: „Wie viel fehlt euch denn noch?“
  • Konkrete Ideen: „Da könnte ich vielleicht eine Kooperation mit meinem Unternehmen andocken.“
  • Sätze wie: „So etwas unterstütze ich grundsätzlich gern.“

Jetzt wird es spannend. Wir formulieren dann gern offene Einladungen:

  • „Wenn Sie Lust haben, können wir nach der Runde in Ruhe durchgehen, wie eine Unterstützung aussehen könnte.“
  • „Wir haben für Großspender:innen einen kleinen Förderkreis – da treffen wir uns zweimal im Jahr und zeigen sehr konkret, was aus den Mitteln geworden ist. Wäre das interessant für Sie?“

Der Platz bleibt Platz. Wir vermeiden Sätze wie „Dann tragen wir jetzt gleich mal 10.000 € ein“, solange noch Bälle geschlagen werden. Die Entscheidung darf wachsen – und gehört in einen Rahmen, in dem niemand den Putter in der Hand hat.


Kleine Fundraising-Elemente auf dem Platz

Viele Vereine fragen uns: „Brauchen wir unbedingt Tombola, Loch-Sponsoring und irgendwelche Spielchen?“
Antwort: Nur, wenn sie zu euch passen – und rechtlich sauber sind.

Beliebte Bausteine:

  • Sponsoren-Loch: Ein Unternehmen übernimmt die Patenschaft für ein Loch, zahlt einen festen Betrag und bekommt sichtbare, aber dezente Präsenz.
  • Nearest to the pin / Longest drive: Klassische Wettbewerbe, bei denen es Sachpreise gibt, gestiftet von Sponsoren.
  • Charity-Loch: An einem Loch wird pro Ball, der auf dem Grün landet, ein kleiner Betrag gespendet – entweder von den Spielenden selbst oder einem Sponsor.

Wichtiger Hinweis

Gewinnspiele, Verlosungen und hohe Geldpreise können in Deutschland schnell in den Bereich Glücksspielrecht rutschen. Unsere Faustregel:

Wenn etwas nach Lotterie aussieht oder größere Geldpreise im Spiel sind:
rechtlich prüfen lassen, bevor ihr loslegt.

Sachpreise, klar deklarierte Sponsoring-Leistungen und freiwillige Spenden sind meist einfacher sauber zu gestalten.


Nachspiel: Wo aus guten Gesprächen echte Zusagen werden

Der größte Fehler bei Charity-Golfturnieren?
Man lässt den schönen Tag einfach auslaufen.

Auf dem Platz entsteht Emotion, Nähe, Motivation.
Die eigentliche Spendenentscheidung fällt aber oft danach – beim Essen, im Nachgang, im Büro.

Der Abend: Bühne für Wirkung, nicht für Druck

Bei der Abendveranstaltung arbeiten wir mit einer klaren Struktur:

  1. Kurz & knackig berichten: 5–10 Minuten, keine Generaldebatte
  2. Eine persönliche Geschichte von jemandem, der direkt profitiert hat (Mitglied, Patientin, Jugendlicher etc.)
  3. Konkretes Fundingziel: „Wir möchten heute 30.000 € einwerben, um …“

Dann öffnen wir die Tür zur Beteiligung – respektvoll:

  • „Wer heute mit einer größeren Spende einsteigen möchte, den laden wir ein, nachher kurz mit uns zu sprechen oder eine Spendenzusage auszufüllen. Wir melden uns dann in Ruhe für alles Formale.“

Hier kommen unsere Spendenformulare ins Spiel.

Spendenformulare statt Parkplatz-Zettel

Im US-Kontext kursieren wilde Geschichten von Menschen, die noch auf dem Parkplatz eine „pledge card“ unterschreiben.
Wir machen es lieber strukturiert und deutsch-komfortabel:

  • Spendenformular auf den Tischen: Name, Kontakt, Betrag, Zweck, gewünschte Zahlungsart
  • Klarer Hinweis: „Sie erhalten selbstverständlich eine Zuwendungsbestätigung für das Finanzamt.“
  • Möglichkeit, eine unverbindliche Gesprächsbitte anzukreuzen („Ich möchte über eine größere Unterstützung sprechen.“)

Wenn uns jemand beim Dessert sagt: „Ich denke über 10.000 € nach“, antworten wir eher so:

„Das freut uns sehr. Wollen wir nächste Woche in Ruhe telefonieren und schauen, was gut zu Ihnen und zu uns passt?“

Der Abend ist der Moment der emotionalen Entscheidung, aber nicht immer der für endgültige Unterschriften. Wichtig ist, dass wir die Brücke in die Woche danach schlagen.


Rechtlich auf der sicheren Seite (Kurzcheck)

Mini-Checkliste für Deutschland:

  • Gemeinnützigkeit: Ist eure Satzung aktuell, Freistellungsbescheid vorhanden?
  • Spendenquittungen: Nutzt ihr die amtlichen Muster für Zuwendungsbestätigungen?
  • Sponsoring vs. Spende:
  • Spende = keine konkrete Gegenleistung, steuerlich anders zu behandeln
  • Sponsoring = Gegenleistung (Logo, Werbung), für das Unternehmen Betriebsausgabe, bei euch ggf. steuerpflichtiger wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb
  • DSGVO:
  • Erhebt ihr nur die Daten, die ihr wirklich braucht?
  • Informiert ihr über Zweck, Speicherung, Widerruf?
  • Gewinnspiele/Verlosungen:
  • Lieber einmal zu viel rechtlich prüfen als einmal zu wenig
  • Bei Unsicherheit auf einfache Spendenmechanismen und Sachpreise setzen

Diese Punkte ersetzen keine Rechtsberatung, helfen aber, die größten Fallstricke früh zu erkennen.


Nach der Veranstaltung: Stewardship statt Funkstille

Viele Vereine sind beim Einwerben mutiger als beim Dranbleiben. Dabei entsteht die langfristige Beziehung genau hier.

Unsere bewährte Nachspiel-Strategie

Innerhalb von 48–72 Stunden nach dem Turnier:

  • Dankes-Mail oder -Brief an alle Teilnehmenden, gern mit 1–2 Fotos
  • Kurzer Hinweis: „Wie geht es weiter mit den Spenden?“
  • Ankündigung: „Wir melden uns persönlich bei allen, die eine Spendenzusage abgegeben haben.“

Bei größeren Zusagen (ab ca. 5.000 €):

  • Persönlicher Anruf vom Vorstand oder der Geschäftsführung
  • Angebot für ein Treffen oder digitales Gespräch
  • Gemeinsamer Blick: Zweckbindung, Zahlungsmodus, Timing

Nach Eingang der Spende:

  • Spendenquittung zeitnah verschicken
  • Persönliche Rückmeldung, was der Beitrag konkret ermöglicht
  • Einladung in einen Förderkreis/Spenderkreis, sofern vorhanden

Förder- oder Spenderkreis – mehr als ein VIP-Label

Viele Organisationen richten für Großspender:innen einen Förderkreis ein. Typische Elemente:

  • 1–2 exklusive Einblicke pro Jahr (Projektbesuche, Hintergrundrunden, Online-Updates)
  • Frühzeitige Infos über neue Projekte
  • Direkte Ansprechpartner:innen im Team

Wichtig: Es geht nicht um Champagner-Glanz, sondern um Beziehungs- und Wirkungspflege. Wer 10.000 € oder mehr gibt, interessiert sich meist ernsthaft dafür, was damit passiert – und möchte als Partner:in auf Augenhöhe behandelt werden.


Dos & Don’ts beim Fundraising auf dem Golfplatz

Do:

  • Klar sagen, wofür ihr Geld braucht
  • Zeit lassen für Entscheidungen
  • Wirkungsorientierte Geschichten erzählen
  • Gut zuhören – Biografien und Motive verstehen
  • Spendenprozesse transparent und einfach machen

Don’t:

  • Menschen auf dem Platz zu Zusagen drängen
  • Vage bleiben („irgendwie für unsere Arbeit“)
  • Rechtliche Fragen ignorieren
  • Zusagen nicht schriftlich bestätigen
  • Nach dem Turnier in Funkstille verfallen

Fazit: Golf als langer Spaziergang in Richtung Großspende

Für uns fühlt sich ein gut gemachtes Charity-Golfturnier an wie ein langer Spaziergang mit vielen Gesprächsinseln. Kein aggressives Einsammeln, kein Druck, sondern: Beziehungsarbeit auf 18 Loch.

Wenn wir:

  • im Vorfeld die richtigen Menschen einladen,
  • auf dem Platz ehrlich und konkret über unsere Arbeit sprechen
  • und danach verlässlich, transparent und persönlich dranbleiben,

dann wird aus einem netten Sportevent ein strategisches Fundraising-Instrument – mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die ein oder andere Großspende, die mehr bewirkt als jeder perfekte Abschlag.

Und ganz nebenbei lernt man beim Blick aufs Fairway, wie gut es tut, wenn eine Organisation nicht nur auf Wirkung zielt, sondern auch auf Augenhöhe mit ihren Unterstützer:innen. Genau dort, zwischen Bunker und Grün, beginnt langfristiges Vertrauen.

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