– Top-10-Forderungen zur Cannabispolitik auf der CaNoKo beschlossen
– Bundesrat brachte Verschärfungen im Warken-Gesetz ins Spiel
– Hanfadler-Auszeichnungen an Persönlichkeiten aus Politik, Aktivismus und Wissenschaft
Deutscher Hanfverband beschließt zentrale Forderungen auf Cannabis-Konferenz
Auf seiner dreitägigen Cannabis Normal! Konferenz hat der Deutsche Hanfverband (DHV) die zehn wichtigsten politischen Forderungen zur Weiterentwicklung der Cannabispolitik verabschiedet. Die Pressemitteilung vom 23. November 2025 beschreibt diese als einen strategischen Meilenstein für die deutsche Cannabisbewegung und als Grundlage für die anstehenden politischen Debatten.*
„Damit haben wir für die in den nächsten Monaten zu erwartenden Diskussionen um die Zukunft der Cannabispolitik in Deutschland eine starke durch die Community legitimierte Ausgangsbasis mit klaren Forderungen an die Politik.“ Die Teilnehmer stimmten in einer demokratischen Abstimmung über die zentralen Positionen ab, die der Verband künftig vertreten wird.
Zu den beschlossenen Forderungen gehören konkrete Änderungsvorschläge zum Konsumcannabisgesetz (KCanG). Ein zentraler Punkt betrifft die Genehmigung von Modellprojekten für Fachgeschäfte. „Zeitlich begrenzte und wissenschaftlich begleitete kommunale Modellprojekte zur Cannabisabgabe sind mit dem EU-Recht vereinbar“, heißt es in der Pressemitteilung des Deutschen Hanfverbandes vom 23.11.2025.*
Die Konferenz diente nicht nur der inhaltlichen Positionierung, sondern auch der Würdigung engagierter Persönlichkeiten. Mit dem Hanfadler wurden Ates Gürpinar (Politik), Hubert Wimber (Aktivismus) und Heino Stöver (Wissenschaft) für ihre Verdienste in der Cannabispolitik ausgezeichnet.*
Die beschlossenen Forderungen bilden die Basis für die weitere politische Arbeit des Verbandes.*
Bundesrat, Modellprojekte und die Debatte um Mischkonsum
Die Forderungen des Deutschen Hanfverbandes nach Modellprojekten für Fachgeschäfte bewegen sich nicht im politischen Vakuum. Bereits im März 2024 liegen politische Beschlüsse des Bundesrats zur Cannabis-Legalisierung vor, die auch die Möglichkeit zu Modellprojekten für eine regulierte Abgabe berühren (Stand: März 2024)*. Diese bundespolitische Weichenstellung schafft den Rahmen, in dem die DHV-Initiative heute operiert.
Bundesrat und Modellprojekte
Die Diskussion um wissenschaftlich begleitete Modellversuche hat auf Bundesebene bereits konkrete Formen angenommen. Mit der Bestätigung der Umsetzungsschritte durch den Bundesrat wurde der Weg für lokale Erprobungsprojekte prinzipiell geebnet. Die DHV-Forderung nach Genehmigung solcher Modellprojekte für Fachgeschäfte knüpft damit direkt an bestehende politische Beschlüsse an und versucht, diese konsequent umzusetzen.
Mischkonsum: Initiativen und Kontroverse
Parallel zur Diskussion um Verkaufsmodelle entwickelt sich eine weitere kontroverse Debatte: Im Juni 2024 starteten die Länder Brandenburg und Thüringen eine Bundesratsinitiative, die die Überprüfung und mögliche Einschränkung des Mischkonsums von Cannabis und Alkohol im Straßenverkehr fordert (Stand: Juni 2024)*. Diese Initiative zielt darauf ab, die Kombination beider Substanzen als eigenständiges Risiko im Verkehrsrecht zu verankern.
Die beiden politischen Stränge zeigen die gegenläufigen Entwicklungen in der deutschen Cannabispolitik: Während einerseits Liberalisierungsschritte wie Modellprojekte vorangetrieben werden, formieren sich gleichzeitig Bestrebungen zur Verschärfung verkehrsrechtlicher Regelungen. Dieses Spannungsfeld prägt die aktuelle Auseinandersetzung um die zukünftige Ausgestaltung der Cannabispolitik in Deutschland.
Entwicklung der Cannabis-Politik: Zahlen, Termine und Gesetzesvorhaben
Die deutsche Cannabis-Politik durchläuft seit der grundlegenden Weichenstellung im März 2024 einen dynamischen Prozess mit konkreten Meilensteinen und messbaren Auswirkungen. Die chronologische Betrachtung zeigt, wie politische Entscheidungen und praktische Entwicklungen miteinander verwoben sind.
Im März 2024 gab der Bundesrat grünes Licht für die Legalisierung von Cannabis und bestätigte weitere Umsetzungsschritte, darunter die Möglichkeit zu Modellprojekten für eine regulierte Abgabe (Stand: März 2024). Diese Entscheidung markierte den Startpunkt für die aktuelle Reformphase.
Evaluation KCanG: Termin und Bedeutung
Am 1. Oktober 2025 ist ein Zwischenbericht der Evaluation des Konsumcannabisgesetzes (KCanG) vorgesehen, um die Auswirkungen und Fortschritte der Legalisierung zu dokumentieren (Stand: 01.10.2025). Dieser Bericht soll eine erste fundierte Einschätzung liefern, wie sich die Neuregelung in der Praxis bewährt hat.
Importmengen und Gesetzesentwurf — was die Zahlen sagen
Parallel zur Evaluation zeichnen sich bereits deutliche Veränderungen im medizinischen Bereich ab. Im ersten Halbjahr 2025 stieg die Importmenge von Cannabisblüten zu medizinischen Zwecken in Deutschland von rund 19 auf etwa 80 Tonnen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (Stand: Erstes Halbjahr 2025)*. Diese Vervierfachung der Importmengen innerhalb eines Jahres löste unmittelbare politische Reaktionen aus.
| Jahr/Datum | Indikator | Wert | Einheit | Quelle/Stand |
|---|---|---|---|---|
| 01.10.2025 | Zwischenbericht KCanG | angekündigt | — | Stand: 01.10.2025 |
| Erstes Halbjahr 2025 | Importmenge Cannabisblüten | von rund 19 auf etwa 80 | Tonnen | Stand: Erstes Halbjahr 2025 |
Als direkte Antwort auf die stark gestiegenen Verschreibungen und Importe beschloss die Bundesregierung am 8. Oktober 2025 einen neuen Entwurf für das Medizinal-Cannabisgesetz, der unter anderem einen zwingenden persönlichen Arztkontakt und das Verbot von Online-Rezepten vorsieht (Stand: 08.10.2025). Diese Verschärfungen zielen darauf ab, die Nutzung von medizinischem Cannabis stärker zu kontrollieren und möglichen Fehlentwicklungen entgegenzuwirken.
Die zeitliche Abfolge dieser Entwicklungen verdeutlicht, wie politische Maßnahmen und ihre praktischen Auswirkungen in einem Wechselverhältnis stehen: Auf initiale Liberalisierungsschritte folgten messbare Marktveränderungen, die wiederum neue regulatorische Anpassungen notwendig machten.
Alltag, Medizin und Verkehr: Wer von der Cannabispolitik betroffen ist
Die politischen Diskussionen um Cannabis haben konkrete Auswirkungen auf verschiedene gesellschaftliche Gruppen. Während Verbraucherinnen und Verbraucher mit neuen Regelungen navigieren müssen, stehen im medizinischen Bereich strukturelle Veränderungen an. Besonders deutlich werden die praktischen Folgen aktuell in zwei Bereichen: bei der Verkehrssicherheit und in der medizinischen Versorgung.
Im Straßenverkehr könnte eine Bundesratsinitiative aus Brandenburg und Thüringen vom Juni 2024 weitreichende Konsequenzen haben. Die Länder fordern, den Mischkonsum von Cannabis und Alkohol in die Fahrerlaubnis-Verordnung aufzunehmen.* Sollte dieser Vorschlag umgesetzt werden, hätte das eine besondere Tragweite: Schon der Nachweis von Mischkonsum könnte die Fahreignung infrage stellen – unabhängig davon, ob ein konkreter Bezug zum Straßenverkehr besteht oder Grenzwerte überschritten wurden. Für Konsumenten bedeutete dies ein erhöhtes Risiko, ihren Führerschein zu verlieren, selbst wenn sie nicht aktiv am Straßenverkehr teilnehmen.
Parallel entwickelt sich im medizinischen Bereich eine dynamische Situation. Der Import von Cannabisblüten erreichte im ersten Halbjahr 2025 bereits 57 Tonnen.* Eine Menge, die auf wachsenden Bedarf und Versorgungsengpässe hindeutet. Als Reaktion darauf hat die Bundesregierung am 8. Oktober 2025 einen Entwurf für ein Medizinal-Cannabisgesetz vorgelegt. Diese gesetzgeberische Initiative soll die Versorgungssicherheit verbessern und regulatorische Lücken schließen, die durch den gestiegenen Bedarf entstanden sind.
Die politischen Diskussionen zeigen somit unmittelbare Wirkung auf unterschiedliche Lebensbereiche:
- Verkehrsteilnehmer sehen sich möglichen verschärften Kontrollen beim Mischkonsum gegenüber
- Patienten profitieren von verbesserten Versorgungsstrukturen durch die geplanten Gesetzesanpassungen
- Kommunen müssen sich auf veränderte Rahmenbedingungen im Umgang mit Cannabis einstellen
Beide Entwicklungen – sowohl die Diskussion um Mischkonsum als auch die Reform des Medizinalcannabisgesetzes – verdeutlichen, wie die Cannabispolitik allmählich in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen ankommt und dort konkrete Veränderungen bewirkt.
Worauf es in den kommenden Monaten ankommt
Die politische Entwicklung rund um das Cannabiskonsumgesetz bleibt dynamisch. Für Interessierte lohnt es sich, mehrere zentrale Prozesse im Blick zu behalten, die in den nächsten Monaten entscheidende Weichen stellen können.
Ein wichtiger Meilenstein ist der Zwischenbericht der Evaluation des KCanG, der für den 1. Oktober 2025 vorgesehen ist*. Diese Bewertung liefert erste fundierte Erkenntnisse über die Wirkungen des Gesetzes in der Praxis. Parallel dazu laufen im Bundestag und Bundesrat weitere Gesetzgebungsverfahren: Am 8. Oktober 2025 wurden Gesetzes- und Verordnungsinitiativen im Zusammenhang mit Medizinalcannabis im Kabinett behandelt. Solche Vorhaben können indirekt auch Regelungen für den Freizeitkonsum berühren.
Besondere Aufmerksamkeit verdient die Debatte um Mischkonsum und Führerscheinrecht.
Wer sich vertiefend informieren möchte, findet detaillierte Informationen zu diesen Themen auf den Seiten des Bundestags, des Bundesgesundheitsministeriums und in der Berichterstattung zu den Länderinitiativen. Die aktuell diskutierten Forderungen des Deutschen Hanfverbandes vom 23. November 2025 fügen sich in diesen größeren politischen Prozess ein und zeigen, wo zivilgesellschaftliche Akteure konkrete Nachbesserungen fordern.
Dieser Beitrag basiert auf einer Pressemitteilung des Deutschen Hanfverbandes (DHV) und fasst wesentliche Ergebnisse und Forderungen rund um die Cannabispolitik zusammen.
Weiterführende Quellen:
- „Im März 2024 gab der Bundesrat grünes Licht für die Legalisierung von Cannabis und bestätigte weitere Umsetzungsschritte, darunter die Möglichkeit zu Modellprojekten für eine regulierte Abgabe.“ – Quelle: https://www.bundesrat.de/DE/plenum/bundesrat-kompakt/24/1042/06.html
- „Die Länder Brandenburg und Thüringen haben im Juni 2024 eine Bundesratsinitiative gestartet, die die Überprüfung und mögliche Einschränkung des Mischkonsums von Cannabis und Alkohol im Straßenverkehr fordert.“ – Quelle: https://barnim-aktuell.de/bundesrat-beschliesst-initiative-zur-ueberpruefung-der-gefahren-von-cannabis-und-des-mischkonsums-mit-alkohol-im-strassenverkehr/
- „Am 1. Oktober 2025 ist ein Zwischenbericht der Evaluation des Konsumcannabisgesetzes (KCanG) vorgesehen, um die Auswirkungen und Fortschritte der Legalisierung zu dokumentieren.“ – Quelle: https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-1104544
- „Im ersten Halbjahr 2025 stieg die Importmenge von Cannabisblüten zu medizinischen Zwecken in Deutschland von rund 19 auf etwa 80 Tonnen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.“ – Quelle: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/presse/pressemitteilungen/medizinal-cannabisgesetz-kabinett-pm-08-10-25.html
- „Die Bundesregierung hat am 8. Oktober 2025 einen neuen Entwurf für das Medizinal-Cannabisgesetz beschlossen, der unter anderem einen zwingenden persönlichen Arztkontakt und das Verbot von Online-Rezepten vorsieht, um die stark gestiegenen Verschreibungen und Importe einzudämmen.“ – Quelle: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/presse/pressemitteilungen/medizinal-cannabisgesetz-kabinett-pm-08-10-25.html
7 Antworten
„Die Diskussion um Mischkonsum ist ebenfalls wichtig! Ich hoffe wirklich, dass hier differenzierte Lösungen gefunden werden können und man nicht alles über einen Kamm schert.“ Wie seht ihr das?
„Ich denke auch, dass eine differenzierte Betrachtung nötig ist! Mischkonsum sollte nicht pauschal bestraft werden ohne weitere Untersuchung der Umstände.“
Ich bin gespannt auf den Zwischenbericht zur Evaluation des KCanG im Oktober! Er wird sicher viele interessante Einblicke bringen. Denkt ihr, dass wir schon vorher einige der neuen Regelungen sehen werden?
Das wäre echt spannend! Ich glaube aber nicht, dass es bis dahin große Änderungen geben wird. Es dauert alles seine Zeit.
Ich finde die Forderungen des Deutschen Hanfverbandes wirklich wichtig. Es ist gut zu sehen, dass sich viele für eine gerechte Cannabispolitik einsetzen. Was denkt ihr über die Modellprojekte? Glaubt ihr, dass sie tatsächlich kommen werden?
Ich hoffe, dass die Projekte erfolgreich sind und positive Auswirkungen auf unsere Gesellschaft haben werden. Es wäre toll, mehr Informationen darüber zu bekommen, wie solche Modelle konkret aussehen sollen.
Ja, ich finde auch, dass Modellprojekte ein guter Weg sind! Sie könnten helfen, viele Fragen zur Legalisierung zu klären. Welche Risiken seht ihr dabei?