– Branche fordert klare politische Festlegungen und verbindlichen Fahrplan auf Maritime Konferenz.
– Gefordert werden investitionssicheres Auktionsdesign und Ausbauziele von 70 Gigawatt bis 2045.
– Deutsche Häfen drohen durch mangelnden Ausbau Aufträge und Wertschöpfung an europäische Konkurrenz zu verlieren.
Offshore-Windbranche fordert vor Maritimer Konferenz klare Entscheidungen
Vor der 14. Nationalen Maritimen Konferenz am 29. und 30. April 2026 in Emden drängt der Bundesverband Windenergie Offshore (BWO) auf verbindliche politische Entscheidungen für den weiteren Ausbau der Offshore-Windenergie. Nach Auffassung des Verbands braucht die Branche jetzt einen klaren Fahrplan bei zentralen industrie- und energiepolitischen Fragen, damit Investitionen nicht weiter gebremst werden.
Im Mittelpunkt stehen aus Sicht des BWO vor allem verlässliche Rahmenbedingungen für Ausschreibungen, ein klares Bekenntnis zu den Ausbauzielen sowie Entscheidungen zu Hafeninfrastruktur, Sicherheitsrahmen und Rettungsinfrastruktur auf See. Der Verband verknüpft damit nicht nur die Energiepolitik, sondern auch Fragen von Wertschöpfung und Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland.
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„Die Nationale Maritime Konferenz ist eine wichtige Gelegenheit, klare politische Festlegungen zu treffen und einen verbindlichen Fahrplan für zentrale industriepolitische Entscheidungen auf den Weg zu bringen. Leistungsfähige Häfen, eine verlässlich organisierte küstenferne Rettungsinfrastruktur und ein kohärenter Sicherheitsrahmen für kritische maritime Infrastruktur sind dafür zentrale Voraussetzungen“, sagt BWO-Geschäftsführer Stefan Thimm.
Planungssicherheit für den Ausbau der Offshore-Windenergie
Hintergrund der Forderungen ist nach Angaben des Verbands die fehlende Planungssicherheit beim weiteren Ausbau. Der BWO verweist auf die gescheiterte Auktion im vergangenen Jahr und die ausgesetzte Ausschreibung in diesem Jahr. Aus Sicht des Verbands braucht es nun rasch Klarheit über ein investitionssicheres Auktionsdesign mit zweiseitigen Differenzverträgen.
Zugleich fordert der BWO ein klares politisches Bekenntnis zu den gesetzlich verankerten Ausbauzielen von mindestens 70 Gigawatt bis 2045. Weitere Verzögerungen bei der Novelle des Windenergie-auf-See-Gesetzes würden nach Einschätzung des Verbands die Unsicherheit für Investitionen weiter erhöhen und damit auch die Wertschöpfung in Deutschland und Europa belasten.
Die Debatte ist aus Sicht der Branche eng mit dem bisherigen Ausbaupfad verknüpft. Laut der Plattform Windindustrie in Deutschland waren Ende 2024 in Deutschland 1.639 Anlagen mit 9,2 Gigawatt installierter Offshore-Windleistung vorhanden. Ebenfalls mit Stand Ende 2024 wurde dort davon ausgegangen, dass das Ausbauziel von 30 Gigawatt voraussichtlich 2031 erreicht wird und das Ziel von 40 Gigawatt bis 2035 sogar ein Jahr früher.
Damit zeigt sich nach Verbandsverständnis: Der Ausbau ist vorangekommen, die nächsten Schritte hängen jedoch an stabilen politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Genau an diesem Punkt setzt die Forderung nach mehr Investitionssicherheit an.
Europäischer Wettbewerb um Tempo und Investitionen
Aus Sicht des BWO steht die deutsche Diskussion nicht isoliert, sondern im Zusammenhang mit dem europäischen Markt für Offshore-Wind. Laut Boston Consulting Group waren in der Nordsee Ende 2025 rund 34 Gigawatt installierte Offshore-Windkapazität vorhanden. Die neun Anrainerstaaten verfolgen dort ein gemeinsames Ziel von 120 Gigawatt bis 2030.
Mit Stand 26. Januar 2026 waren demnach 60 Prozent der angestrebten 120 Gigawatt in der Nordsee bereits in Betrieb oder durch Differenzverträge beziehungsweise PPAs abgedeckt. Für den Verband unterstreicht das die Bedeutung schneller und verlässlicher Entscheidungen über Regulierung, Infrastruktur und Investitionsbedingungen.
Hafeninfrastruktur als Voraussetzung für Wertschöpfung
Besonders deutlich wird die Position des BWO beim Thema Hafeninfrastruktur. Der Verband beschreibt deutsche Seehäfen als zentrale Drehscheiben für Bau, Logistik und Betrieb der Offshore-Windenergie. Mit dem weiteren Ausbau steigen nach seinen Angaben zugleich die Anforderungen an Flächen, Kapazitäten und Sicherheitsstandards.
Nach Einschätzung des BWO liegt Deutschland beim Infrastrukturausbau im europäischen Vergleich zurück. Häfen wie Esbjerg, Rønne oder Eemshaven hätten ihre Kapazitäten gezielt erweitert und übernähmen zunehmend Aufgaben, die auch für deutsche Standorte vorgesehen waren. Der Verband sieht darin bereits eine Verlagerung von Aufträgen, Wertschöpfung und industriellen Kapazitäten ins Ausland.
Vor diesem Hintergrund fordert der BWO, dass Bund und Länder verbindlich klären, wer die Finanzierung für den Ausbau der Häfen trägt und wie ein konkreter Umsetzungsmechanismus aussehen soll. Als mögliches Instrument bringt der Verband ein GRW-Sonderprogramm „Häfen für die Energiewende“ ins Spiel, das gezielte Investitionen in strategisch relevante Hafenstandorte ermöglichen und beschleunigen soll.
Auch die angekündigte Ausweitung der Tonnagesteuer auf Offshore-Wind-Logistik bewertet der Verband positiv. Nach Auffassung des BWO könnte dies dazu beitragen, strukturelle Wettbewerbsnachteile des Standorts Deutschland im maritimen Bereich zu verringern.
Sicherheitsrahmen und küstenferne Rettung auf See
Neben industrie- und energiepolitischen Fragen rückt aus Sicht des Verbands auch die Sicherheit auf See stärker in den Vordergrund. Der BWO verweist darauf, dass Offshore-Windparks, Konverterplattformen und Netzanbindungen Teil kritischer Energieinfrastruktur sind und deshalb einen besonderen Schutz benötigen.
Gefordert wird ein branchenspezifischer Sicherheitsrahmen für den maritimen Raum. Dazu gehören nach Darstellung des Verbands vor allem klare Zuständigkeiten und tragfähige Finanzierungsmodelle, insbesondere dort, wo Offshore-Infrastruktur auch für behördliche Sicherheitsaufgaben genutzt werden soll. Die notwendigen Regelungen sollten nach Auffassung des BWO noch 2026 unter Einbindung der Branche auf den Weg gebracht werden.
Einen weiteren Schwerpunkt setzt der Verband bei der küstenfernen Rettungsinfrastruktur. Gemeint sind Einsätze in Windparks weit draußen auf See. Hier sieht der BWO dringenden Handlungsbedarf und fordert, dass sich Bund und Länder rasch auf eine zentrale Zuständigkeitslösung verständigen. Zugleich müsse eine leistungsfähige Rettungsinfrastruktur für solche Standorte aufgebaut werden. Für die erforderlichen Anfangsinvestitionen verlangt der Verband ebenfalls noch 2026 einen tragfähigen Finanzierungsmechanismus.
Konferenz in Emden als Signal für den weiteren Ausbau
Vor der Nationalen Maritimen Konferenz bündelt der BWO damit eine Reihe offener Punkte: von Ausschreibungen und Ausbauzielen über die Finanzierung der Hafeninfrastruktur bis hin zu Sicherheit und Rettung auf See. Aus Sicht des Verbands kommt es jetzt darauf an, diese Fragen nicht länger offen zu lassen, sondern in verbindliche politische Entscheidungen zu überführen.
Für die Offshore-Windbranche ist die Konferenz in Emden damit ein wichtiger Termin, an dem sich zeigen soll, ob die Politik beim weiteren Ausbau der Offshore-Windenergie die notwendigen Voraussetzungen für Investitionen, Wertschöpfung und industrielle Entwicklung schafft.
Die nachfolgenden Informationen und Zitate entstammen einer Pressemitteilung des Bundesverbands Windenergie Offshore (BWO).
Weiterführende Quellen:
- „Ende 2024 waren in Deutschland 1.639 Anlagen mit 9,2 GW installierter Offshore-Windleistung vorhanden (Stand: Ende 2024).“ – Quelle: https://www.windindustrie-in-deutschland.de/meldungen/offshore-windenergie-verbaende-fordern-verlaessliche-ausbauperspektive-von-kuenftiger-bundesregierung
- „Das Ausbauziel von 30 GW wird voraussichtlich 2031 erreicht, das Ziel von 40 GW bis 2035 ein Jahr früher (Stand: Ende 2024).“ – Quelle: https://www.windindustrie-in-deutschland.de/meldungen/offshore-windenergie-verbaende-fordern-verlaessliche-ausbauperspektive-von-kuenftiger-bundesregierung
- „In der Nordsee sind Stand Ende 2025 rund 34 GW installierte Offshore-Windkapazität vorhanden, bei einem gemeinsamen Ziel der 9 Anrainerstaaten von 120 GW bis 2030 (Stand: 26. Januar 2026).“ – Quelle: https://www.bcg.com/press/26january2026-offshore-wind-in-der-nordsee-wirtschaftliche-rahmenbedingungen-bremsen-den-ausbau
- „Stand Ende 2025 sind 60 Prozent der angestrebten 120 GW in der Nordsee in Betrieb oder durch Differenzverträge/PPAs abgedeckt (Stand: 26. Januar 2026).“ – Quelle: https://www.bcg.com/press/26january2026-offshore-wind-in-der-nordsee-wirtschaftliche-rahmenbedingungen-bremsen-den-ausbau
Update: Warum das Thema wichtig bleibt
Offshore-Wind ist nicht nur ein Ausbauprojekt, sondern hängt an industrie- und energiepolitischen Rahmenbedingungen, die Investitionen auslösen oder ausbremsen. Der Beitrag zeigt: Wenn etwa Ausschreibungen und Ausbauziele nicht verlässlich sind, geraten Planungssicherheit, Wertschöpfung und Wettbewerbsfähigkeit ins Wanken—auch im europäischen Umfeld der Nordsee.
Für betroffene Akteure heißt das vor allem: Häfen, Sicherheits- und Rettungsstrukturen müssen mitwachsen. Bund und Länder werden dadurch besonders gefordert, Finanzierung und Umsetzungsmechanismen für Hafeninfrastruktur sowie tragfähige Lösungen für Zuständigkeiten und Finanzierung bei Sicherheitsrahmen und küstenferner Rettung auf See verbindlich festzulegen.
Was Leserinnen und Leser jetzt wissen sollten
Warum fordert die Branche einen „verbindlichen Fahrplan“?
Der Beitrag nennt fehlende Planungssicherheit nach einer gescheiterten Auktion und einer ausgesetzten Ausschreibung. Ohne Klarheit bei Ausschreibungen und Rahmenbedingungen würden Investitionen weiter gebremst.
Welche Ausbauziele werden im Beitrag als Maßstab genannt?
Der BWO verweist auf gesetzlich verankerte Ausbauziele von mindestens 70 Gigawatt bis 2045. Verzögerungen bei der Novelle des Windenergie-auf-See-Gesetzes erhöhen laut Beitrag die Unsicherheit.
Wieso spielt Hafeninfrastruktur so eine große Rolle?
Der Beitrag beschreibt Häfen als Drehscheiben für Bau, Logistik und Betrieb. Wenn der Infrastrukturausbau im europäischen Vergleich zurückliegt, droht laut Verband eine Verlagerung von Aufträgen und Wertschöpfung ins Ausland.
Was ist mit Sicherheit und Rettung auf See gemeint?
Gefordert werden ein branchenspezifischer Sicherheitsrahmen mit klaren Zuständigkeiten und ein Finanzierungsmechanismus sowie eine zentrale Lösung für die küstenferne Rettungsinfrastruktur. Eine passende Anlaufstelle können Fachstellen, Beratungsstellen oder zuständige Behörden sein.