– Der Irankrieg könnte die erwartete Trendwende bei Insolvenzen in Deutschland verzögern oder verhindern.
– Im Basisszenario sinken die Unternehmensinsolvenzen 2026 um 3,7 Prozent auf 23.100 Fälle.
– Positive Konjunkturimpulse kommen von höheren Staatsausgaben für Verteidigung und Infrastruktur.
Irankrieg setzt erhoffte Trendwende bei Insolvenzen unter Druck
Nicht nur die Konjunktur, auch die Zahl der Firmen- und Privatpleiten in Deutschland hängt nach Einschätzung des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken derzeit an Energiepreisen und Kriegsdauer. Der BVR warnte am 12. März 2026 in Berlin, dass der Verlauf des Irankriegs die erwartete Wende bei den Insolvenzen verzögern könnte.
Der Verband formuliert seine Prognose dabei ausdrücklich als Szenario. „**Die erwartete Erholung der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr wird durch den Irankrieg gebremst. Die sich abzeichnende Trendwende bei den Insolvenzen hängt von der Dauer des Krieges und der Entwicklung der Öl- und Gaspreise ab. Im Basisszenario unserer Insolvenzprognose rechnen wir mit einem Ende des Krieges in wenigen Wochen und einem schnellen Rückgang der Energiepreise. In diesem Fall dürften die Unternehmensinsolvenzen im Jahr 2026 um 3,7 Prozent auf 23.100 Fälle sinken und die Verbraucherinsolvenzen leicht um 1,0 Prozent auf 76.500 Fälle zurückgehen“, erklärt Dr. Andreas Bley, Chefvolkswirt des BVR.
Damit zeichnet der BVR nach dem Anstieg im Vorjahr zwar eine vorsichtig günstigere Entwicklung für 2026. 2025 waren die Unternehmensinsolvenzen noch um rund 10 Prozent und die Verbraucherinsolvenzen um 9 Prozent gestiegen. Zugleich verbindet der Verband den erwarteten Rückgang klar mit Bedingungen: Das Basisszenario setzt ein Kriegsende in wenigen Wochen und schnell sinkende Energiepreise voraus. Sollte der Konflikt dagegen länger andauern und Öl und Gas teuer bleiben, würde die Entspannung laut BVR schwächer ausfallen. Bei nochmals steigenden Energiepreisen über einen längeren Zeitraum könnten die Insolvenzzahlen 2026 sogar erneut steigen.
Warum der Krieg für deutsche Insolvenzen so wichtig ist
Der wirtschaftliche Übertragungsweg ist vergleichsweise direkt: Steigende Öl- und Gaspreise verteuern Energie, Produktion und Transport. Das belastet Unternehmen über höhere Kosten und schwächt zugleich den Konsum, wenn Haushalte mehr Geld für Heizung, Tanken oder andere laufende Ausgaben aufwenden müssen. Sinkt dadurch das Wachstum, geraten Betriebe mit knappen Margen schneller unter Druck, während private Haushalte anfälliger für Überschuldung werden.
Wie stark sich die Annahmen je nach Szenario unterscheiden, zeigen auch andere Prognosen. Das Ifo-Institut erwartet im günstigen Szenario eines raschen Rückgangs der Öl- und Gaspreise für 2026 ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 0,8 Prozent; bei langanhaltend hohen Energiepreisen wären es nur 0,6 Prozent. Der BVR liegt mit seinem Basisszenario bei 1,0 Prozent. Dass die Werte auseinanderliegen, ist kein Widerspruch, sondern Ausdruck unterschiedlicher Modellannahmen und Szenarien, jeweils mit Stand März 2026.
Hinzu kommt das Inflationsrisiko. Die Commerzbank schätzt laut einem Bericht des Handelsblatts, dass die Inflation im Euro-Raum bei einem länger andauernden Iran-Krieg um etwa einen Prozentpunkt höher ausfallen würde. Für Unternehmen wäre das eine doppelte Belastung: Kosten steigen, während Kundinnen und Kunden zugleich vorsichtiger werden.
Besonders schnell zeigt sich solcher Druck in Branchen mit hohem Energie- und Transportanteil. Ein Beispiel ist die Logistik. Nach Angaben, über die ebenfalls das Handelsblatt berichtet, führt bei Transportunternehmen ein 10 Prozent höherer Dieselpreis zu 3 Prozent höheren Gesamtkosten, ein 20 Prozent höherer Dieselpreis zu 6 Prozent höheren Kosten, Stand März 2026. Solche Effekte machen die Transportbranche zu einem Frühwarnsystem: Wenn Speditionen Kosten nicht weitergeben können, geraten Margen und Liquidität schnell in Gefahr. Das wirkt dann auch auf andere Branchen zurück, weil sich Lieferketten und Warenströme verteuern.
Was dem gegenläufig entgegenwirkt
Der BVR beschreibt jedoch nicht nur Risiken, sondern auch Faktoren, die eine Stabilisierung stützen könnten. Konjunkturelle Impulse kommen demnach von deutlich steigenden staatlichen Zusatzausgaben für Verteidigung, Infrastruktur und Klimaschutz. Positiv wirke außerdem die im Vorjahresvergleich höhere Zahl an Arbeitstagen.
Im Basisszenario einer schnellen Rückkehr der Energiepreise auf das Niveau vor dem Irankrieg dürfte das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt 2026 um 1,0 Prozent zunehmen, nachdem es 2025 nur um 0,2 Prozent gewachsen war. Auch mittelfristig könnten die staatlichen Mehrausgaben die Konjunktur stützen. Der Verband verweist allerdings zugleich auf weitere geopolitische Belastungen, darunter die US-Zollpolitik.
Für den erwarteten Rückgang der Insolvenzen ist aus Sicht des BVR nicht nur die Konjunktur entscheidend, sondern auch die finanzielle Verfassung von Unternehmen und privaten Haushalten. „Die Unternehmen haben ihre Eigenkapitalausstattung seit der Coronadelle 2022 wieder kontinuierlich verbessert und die Privathaushalte ihre Schuldenquote auf moderatem Niveau zurückgeführt. Zusammen mit der besseren Konjunktur erklärt dies den zu erwartenden Rückgang der Insolvenzen“, so Bley weiter.
Tatsächlich zeigen die vom Verband angeführten Stabilitätsindikatoren eine vorsichtige Verbesserung. Nach jüngsten Bundesbank-Angaben stieg die durchschnittliche Eigenkapitalquote der Unternehmen 2024 gegenüber dem Vorjahr von 30,2 Prozent auf 31 Prozent. Bei den privaten Haushalten ging das Schulden-Einkommen-Verhältnis 2024 von 86,5 Prozent auf 83,8 Prozent zurück. Beides spricht dafür, dass viele Unternehmen und Haushalte heute widerstandsfähiger sind als in früheren Krisenphasen.
Ausblick: Zwischen Hoffnung auf Entspannung und neuer Unsicherheit
Ob 2026 tatsächlich zum Jahr sinkender Insolvenzen wird, bleibt damit offen. Der BVR sieht durchaus Anzeichen für eine wirtschaftliche Stabilisierung, knüpft die erhoffte Trendwende aber klar an zwei Bedingungen: an die Dauer des Irankriegs und an die weitere Entwicklung der Energiepreise.
Das ist nicht nur eine Frage für Banken oder Unternehmensbilanzen. Mehr Insolvenzen treffen auch Beschäftigte, Zulieferer, Kundinnen und Kunden sowie regionale Wirtschaftsstrukturen. Wenn Betriebe unter Druck geraten, wirkt sich das auf Investitionen, Arbeitsplätze und Preise aus; bei privaten Haushalten verschärft sich das Risiko finanzieller Überforderung.
Die Spannweite der Entwicklung ist damit groß: vom vorsichtigen Rückgang der Insolvenzen im günstigen Fall bis zu einem erneuten Anstieg, falls der Krieg und hohe Energiepreise länger nachwirken. Hintergrund der Einschätzung ist eine aktuelle BVR-Studie zu Insolvenzen.
Dieser Beitrag enthält Informationen und Aussagen, die auf einer Pressemitteilung des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) basieren.
Weiterführende Quellen:
- „Im günstigsten Szenario eines raschen Rückgangs der Öl- und Gaspreise rechnet das Ifo-Institut mit 0,8 % BIP-Wachstum im Jahr 2026 (Stand: März 2026).“ – Quelle: https://www.kettner-edelmetalle.de/news/iran-krieg-erschuttert-deutsche-wirtschaft-institute-schrauben-wachstumsprognosen-drastisch-herunter-10-03-2026
- „Bei langanhaltend hohen Energiepreisen schrumpft das BIP-Wachstum 2026 auf 0,6 % (Stand: März 2026).“ – Quelle: https://www.kettner-edelmetalle.de/news/iran-krieg-erschuttert-deutsche-wirtschaft-institute-schrauben-wachstumsprognosen-drastisch-herunter-10-03-2026
- „Ein 10 % Anstieg des Dieselpreises führt zu 3 % höheren Gesamtkosten bei Transportunternehmen, bei einem 20 % Anstieg zu 6 % höheren Kosten (Stand: März 2026).“ – Quelle: https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/iran-krieg-spediteure-warnen-vor-insolvenzen-durch-hohe-dieselpreise/100206149.html
- „Die Commerzbank schätzt, dass die Inflation im Euro-Raum bei einem länger andauernden Iran-Krieg um etwa einen Prozentpunkt höher sein wird (Stand: 2026).“ – Quelle: https://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/konjunktur-diese-wirtschaftlichen-schaeden-drohen-europa-durch-den-iran-krieg/100204677.html






9 Kommentare
Der Bericht zeigt die Risiken klar, BVR und Ifo werden zitiert, das ist gut. Mich stört das untermauern mit nur wenigen Quellen, bei so wichtig thema braucht mehr belege. Wer hat tipps für speditionen und firmen mit hohen transportkosten wenn Dieselpreis weiter steigt? Siehe /wirtschaft/logistik-kosten oder /wirtschaft/insolvenzen-2026 für weiter info.
Nette Zusammenfassung, aber ich find der text bleibt zu allgemein, konkret: Ein 10% dieselanstieg führt zu 3% höhere kosten steht da, ok das erklärt viel, aber was heisst das für preise beim kunden? Kann man das weiterverrechnen? Bitte link zu fallstudien oder zu /wirtschaft/branchen/transport damit man besser verstehn kann.
Ich mag den neutralen Ton, das hilf zu denken ohne Panik. Trotzdem fehlt mir persönlicher Rat für Haushalte die schon knapp bei kasse sind, welche schritte raten Experten bei steigenden Energiepreise? Gibt es checklisten oder Beraterseiten, z.B. /service/energiesparen oder /politik/sozialhilfe für mehr info? Danke für Hinweise.
Neutraler Beitrag, danke. Die erklärung warum Energiepreise direkt auf Produktion und Konsum wircken find ich hilfreich, aber es wirkt als ob zu viel auf hoffen basiert (Krieg endet bald). Gibt es Alternativszenarien mit konkreten Zahlen zur Inflation und zu Verbraucherinsolvenzen? Würd gern mehr daten sehen, z.b. in /wirtschaft/studien-insolvenzen.
Gute Übersicht über BVR und Prognosen, die Verbindung zwische Irankrieg und Verbraucherinsolvenzen wird klar beschreiben aber etwas zu technisch für mich, bitte mehr einfache Beispiele. Lob an die Analyse zu Transportkosten und Dieselpreis, das warnt gut. Wer hat erfahrungen aus der Region? Siehe auch /wirtschaft/branchen/logistik.
Interessant was ihr sagt, ich finds wichtig das auch die Haushalte gemeint sind weil hohe Energiekosten hauen in die tasche, das kann schnell zu privatpleiten führen wenn Lohn nicht reicht. Frage an die Experten: Welche staatshilfen sind möglich, gibts mehr info auf /politik/sozialhilfe oder /politik/energiepreise? Kritik: manche Begriffe sind zu kompliziert formuliert.
Ich stimme zu dass Staatsausgaben füt Verteidigung und Infrastruktur helfen könnnen, aber ist das langfristig? Der Artikel lobt BVR daten, aber wenig zur umverteilung oder wie kleine Unternehmer support kriegen. Wer kann erklären wie Eigenkapitalquote den Unterschied macht? Mehr links wären nützlich, z.B. /wirtschaft/finanzen-unternehmen.
Danke für den Artikel, sachlich und ruhig geschrieben, gefällt mir. Trotzdem fehlen mir praktishe tipps für Unternehmen die von Der hohen Dieselpreis und Logistik-kosten betroffen sind. Kann jemand link posten zu Hilfsprogramme oder zu /wirtschaft/logistik-kosten? Frage: Wird das BIP-wachstum 1,0 wirklich realistisch wenn Öl teuer bleibt?
Der text is interesant und macht sachen klar über Insolvenzen und Energiepreise, aber ich versteh nciht alle zahlen. Wenn der Irankrieg lang bleibt, wie sollen kleine Firmen überleben? BVR nennt szenarien, das is gut, mehr datensets wärn toll, z.B. /wirtschaft/insolvenzen-2026 oder /politik/energiepreise zum nachlesen.