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BVR-Insolvenzprognose 2026: Irankrieg gefährdet Trendwende bei Firmen- und Privatpleiten

Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) warnt, dass die erwartete Trendwende bei Insolvenzen in Deutschland durch den Irankrieg gefährdet ist. Im Basisszenario eines schnellen Kriegsendes und sinkender Energiepreise prognostiziert der Verband für 2026 einen Rückgang der Unternehmensinsolvenzen. Sollte der Konflikt jedoch länger andauern und die Energiepreise hoch bleiben, könnten die Insolvenzzahlen erneut steigen.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Der Irankrieg und hohe Energiepreise könnten die erwartete Trendwende bei Insolvenzen 2026 verhindern.
  • Im Basisszenario sinken Unternehmensinsolvenzen 2026 um 3,7 Prozent auf 23.100 Fälle.
  • Steigende Energiepreise belasten Produktion, Transport und Konsum, was Unternehmen und Haushalte schwächt.
  • Staatliche Mehrausgaben für Verteidigung und Infrastruktur könnten die Konjunktur stabilisieren.
  • Verbesserte Eigenkapitalausstattung und geringere Schuldenquoten stärken die Widerstandsfähigkeit von Unternehmen und Haushalten.

– Der Irankrieg könnte die erwartete Trendwende bei Insolvenzen in Deutschland verzögern oder verhindern.
– Im Basisszenario sinken die Unternehmensinsolvenzen 2026 um 3,7 Prozent auf 23.100 Fälle.
– Positive Konjunkturimpulse kommen von höheren Staatsausgaben für Verteidigung und Infrastruktur.

Irankrieg setzt erhoffte Trendwende bei Insolvenzen unter Druck

Nicht nur die Konjunktur, auch die Zahl der Firmen- und Privatpleiten in Deutschland hängt nach Einschätzung des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken derzeit an Energiepreisen und Kriegsdauer. Der BVR warnte am 12. März 2026 in Berlin, dass der Verlauf des Irankriegs die erwartete Wende bei den Insolvenzen verzögern könnte.

Der Verband formuliert seine Prognose dabei ausdrücklich als Szenario. „**Die erwartete Erholung der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr wird durch den Irankrieg gebremst. Die sich abzeichnende Trendwende bei den Insolvenzen hängt von der Dauer des Krieges und der Entwicklung der Öl- und Gaspreise ab. Im Basisszenario unserer Insolvenzprognose rechnen wir mit einem Ende des Krieges in wenigen Wochen und einem schnellen Rückgang der Energiepreise. In diesem Fall dürften die Unternehmensinsolvenzen im Jahr 2026 um 3,7 Prozent auf 23.100 Fälle sinken und die Verbraucherinsolvenzen leicht um 1,0 Prozent auf 76.500 Fälle zurückgehen“, erklärt Dr. Andreas Bley, Chefvolkswirt des BVR.

Lesenswert ist außerdem VdK fordert gezielte Energiepreis-Hilfen für Geringverdienende und Grundsicherung.

Damit zeichnet der BVR nach dem Anstieg im Vorjahr zwar eine vorsichtig günstigere Entwicklung für 2026. 2025 waren die Unternehmensinsolvenzen noch um rund 10 Prozent und die Verbraucherinsolvenzen um 9 Prozent gestiegen. Zugleich verbindet der Verband den erwarteten Rückgang klar mit Bedingungen: Das Basisszenario setzt ein Kriegsende in wenigen Wochen und schnell sinkende Energiepreise voraus. Sollte der Konflikt dagegen länger andauern und Öl und Gas teuer bleiben, würde die Entspannung laut BVR schwächer ausfallen. Bei nochmals steigenden Energiepreisen über einen längeren Zeitraum könnten die Insolvenzzahlen 2026 sogar erneut steigen.

Warum der Krieg für deutsche Insolvenzen so wichtig ist

Der wirtschaftliche Übertragungsweg ist vergleichsweise direkt: Steigende Öl- und Gaspreise verteuern Energie, Produktion und Transport. Das belastet Unternehmen über höhere Kosten und schwächt zugleich den Konsum, wenn Haushalte mehr Geld für Heizung, Tanken oder andere laufende Ausgaben aufwenden müssen. Sinkt dadurch das Wachstum, geraten Betriebe mit knappen Margen schneller unter Druck, während private Haushalte anfälliger für Überschuldung werden.

Wie stark sich die Annahmen je nach Szenario unterscheiden, zeigen auch andere Prognosen. Das Ifo-Institut erwartet im günstigen Szenario eines raschen Rückgangs der Öl- und Gaspreise für 2026 ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 0,8 Prozent; bei langanhaltend hohen Energiepreisen wären es nur 0,6 Prozent. Der BVR liegt mit seinem Basisszenario bei 1,0 Prozent. Dass die Werte auseinanderliegen, ist kein Widerspruch, sondern Ausdruck unterschiedlicher Modellannahmen und Szenarien, jeweils mit Stand März 2026.

Hinzu kommt das Inflationsrisiko. Die Commerzbank schätzt laut einem Bericht des Handelsblatts, dass die Inflation im Euro-Raum bei einem länger andauernden Iran-Krieg um etwa einen Prozentpunkt höher ausfallen würde. Für Unternehmen wäre das eine doppelte Belastung: Kosten steigen, während Kundinnen und Kunden zugleich vorsichtiger werden.

Besonders schnell zeigt sich solcher Druck in Branchen mit hohem Energie- und Transportanteil. Ein Beispiel ist die Logistik. Nach Angaben, über die ebenfalls das Handelsblatt berichtet, führt bei Transportunternehmen ein 10 Prozent höherer Dieselpreis zu 3 Prozent höheren Gesamtkosten, ein 20 Prozent höherer Dieselpreis zu 6 Prozent höheren Kosten, Stand März 2026. Solche Effekte machen die Transportbranche zu einem Frühwarnsystem: Wenn Speditionen Kosten nicht weitergeben können, geraten Margen und Liquidität schnell in Gefahr. Das wirkt dann auch auf andere Branchen zurück, weil sich Lieferketten und Warenströme verteuern.

Was dem gegenläufig entgegenwirkt

Der BVR beschreibt jedoch nicht nur Risiken, sondern auch Faktoren, die eine Stabilisierung stützen könnten. Konjunkturelle Impulse kommen demnach von deutlich steigenden staatlichen Zusatzausgaben für Verteidigung, Infrastruktur und Klimaschutz. Positiv wirke außerdem die im Vorjahresvergleich höhere Zahl an Arbeitstagen.

Im Basisszenario einer schnellen Rückkehr der Energiepreise auf das Niveau vor dem Irankrieg dürfte das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt 2026 um 1,0 Prozent zunehmen, nachdem es 2025 nur um 0,2 Prozent gewachsen war. Auch mittelfristig könnten die staatlichen Mehrausgaben die Konjunktur stützen. Der Verband verweist allerdings zugleich auf weitere geopolitische Belastungen, darunter die US-Zollpolitik.

Für den erwarteten Rückgang der Insolvenzen ist aus Sicht des BVR nicht nur die Konjunktur entscheidend, sondern auch die finanzielle Verfassung von Unternehmen und privaten Haushalten. „Die Unternehmen haben ihre Eigenkapitalausstattung seit der Coronadelle 2022 wieder kontinuierlich verbessert und die Privathaushalte ihre Schuldenquote auf moderatem Niveau zurückgeführt. Zusammen mit der besseren Konjunktur erklärt dies den zu erwartenden Rückgang der Insolvenzen“, so Bley weiter.

Tatsächlich zeigen die vom Verband angeführten Stabilitätsindikatoren eine vorsichtige Verbesserung. Nach jüngsten Bundesbank-Angaben stieg die durchschnittliche Eigenkapitalquote der Unternehmen 2024 gegenüber dem Vorjahr von 30,2 Prozent auf 31 Prozent. Bei den privaten Haushalten ging das Schulden-Einkommen-Verhältnis 2024 von 86,5 Prozent auf 83,8 Prozent zurück. Beides spricht dafür, dass viele Unternehmen und Haushalte heute widerstandsfähiger sind als in früheren Krisenphasen.

Ausblick: Zwischen Hoffnung auf Entspannung und neuer Unsicherheit

Ob 2026 tatsächlich zum Jahr sinkender Insolvenzen wird, bleibt damit offen. Der BVR sieht durchaus Anzeichen für eine wirtschaftliche Stabilisierung, knüpft die erhoffte Trendwende aber klar an zwei Bedingungen: an die Dauer des Irankriegs und an die weitere Entwicklung der Energiepreise.

Das ist nicht nur eine Frage für Banken oder Unternehmensbilanzen. Mehr Insolvenzen treffen auch Beschäftigte, Zulieferer, Kundinnen und Kunden sowie regionale Wirtschaftsstrukturen. Wenn Betriebe unter Druck geraten, wirkt sich das auf Investitionen, Arbeitsplätze und Preise aus; bei privaten Haushalten verschärft sich das Risiko finanzieller Überforderung.

Die Spannweite der Entwicklung ist damit groß: vom vorsichtigen Rückgang der Insolvenzen im günstigen Fall bis zu einem erneuten Anstieg, falls der Krieg und hohe Energiepreise länger nachwirken. Hintergrund der Einschätzung ist eine aktuelle BVR-Studie zu Insolvenzen.

Dieser Beitrag enthält Informationen und Aussagen, die auf einer Pressemitteilung des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) basieren.

Weiterführende Quellen:

Update: Warum das Thema wichtig bleibt

Der Beitrag zeigt: Insolvenzen sind nicht nur ein rein betriebswirtschaftliches Thema. Entscheidend sind hier vor allem die Entwicklung von Öl- und Gaspreisen, die Dauer des Irankriegs und damit indirekt auch Inflation, Energie- und Transportkosten. Daraus wird sichtbar, warum sich wirtschaftliche Risiken schnell „durchreichen“ können – von Unternehmen bis zu privaten Haushalten.

Für Betroffene heißt das vor allem: Planungssicherheit bleibt in unsicheren Energie- und Kriegsverläufen begrenzt. Unternehmen, insbesondere in energie- und transportintensiven Branchen wie der Logistik, müssen mit Kosten- und Liquiditätsrisiken rechnen. Gleichzeitig wirkt laut Beitrag gegenläufig, dass Eigenkapital und die Schuldenlage vieler Akteure stabiler sind und staatliche Ausgaben die Konjunktur stützen könnten.

Was Leserinnen und Leser jetzt wissen sollten

Warum wird die Entwicklung bei Insolvenzen so stark vom Energiepreis beeinflusst?
Weil höhere Öl- und Gaspreise Produktion, Transport und Konsum belasten. Das kann Unternehmensmargen und die finanzielle Lage von Haushalten verschlechtern.

Welche zwei Bedingungen entscheidet der BVR für die Trendwende 2026?
Die Dauer des Irankriegs und die weitere Entwicklung der Energiepreise.

Warum trifft die Logistik den Kostendruck oft besonders früh?
Wenn Dieselpreise steigen und Transportunternehmen Kosten nicht weitergeben können, geraten Margen und Liquidität schnell unter Druck. Das wirkt dann auch in Lieferketten weiter.

Welche Faktoren sprechen laut Beitrag für mehr Widerstandsfähigkeit?
Der Beitrag nennt verbesserte Eigenkapitalausstattung bei Unternehmen und einen moderateren Schuldenstand bei Haushalten sowie unterstützende staatliche Impulse.

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