– Wander- und Tourismusverbände fordern Reform des Bundeswaldgesetzes.
– Haftungsrisiken führen zum Rückbau von Bänken und Wegweisern im Wald.
– Über 300.000 Kilometer Wanderwege als wichtiger Wirtschaftsfaktor sind bedroht.
Wanderinfrastruktur in der Krise: Verbände fordern Gesetzesreform
Deutschlands Wanderwege stehen vor einer schleichenden Erosion – weil Sitzbänke, Markierungen und Infotafeln zunehmend als Haftungsrisiken gelten. Der Deutsche Wanderverband und der Deutsche Tourismusverband haben deshalb am 12. November 2025 eine gemeinsame Resolution veröffentlicht und fordern schnelle politische Klarstellungen. Mehr als 300.000 Kilometer markierte Wanderwege durchziehen die Bundesrepublik – (Stand: 12.11.2025)*.
Dieses Wegenetz generiert jährlich Milliardeneinnahmen, stärkt Tourismusregionen und sichert Arbeitsplätze.* Doch vielerorts verschwinden bereits Bänke und Wegweiser, da Eigentümer unkalkulierbare Haftungsrisiken fürchten. Die Verbände warnen: Ohne Reform des Bundeswaldgesetzes droht Deutschlands beliebtestes Freizeitangebot Stück für Stück zu verschwinden.
„Wandern ist der Breitensport Deutschlands – und darauf baut ein bedeutender Wirtschaftszweig. Wenn Sitzbänke zum Haftungsrisiko werden und Ehrenamtliche aus Angst vor Konsequenzen ihr Engagement beenden, dann ist dringendes Handeln geboten.“
„Wandern steht für Erholung, Naturerlebnis und Regionalität – Werte, die unseren Tourismus prägen und unsere Regionen stärken. Jeder entfernte Wegweiser, jede verschwundene Sitzbank mindert nicht nur die Erlebnisqualität unserer Gäste, sondern auch die Attraktivität unserer Destination.“
Beide Präsidenten betonen die Dringlichkeit einer pragmatischen Lösung, die sowohl Ehrenamtlichen als auch Wanderern Rechtssicherheit bietet. Die Resolution richtet sich direkt an Bundes- und Landesministerien – mit dem Appell, die Zukunft des Wanderns in Deutschland zu sichern.
Warum die Rechtslage derzeit unklar ist
Die aktuelle Rechtsunsicherheit rund um Wanderinfrastruktur im Wald hat ihre Wurzeln in einer gescheiterten Bundesinitiative. Im Sommer 2024 legte das damalige Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft einen Referentenentwurf zur Reform des Bundeswaldgesetzes vor. Dieser Entwurf sah vor, Wanderinfrastruktur wie Bänke, Markierungen und Informationstafeln klar als waldtypische Einrichtungen einzustufen – was Waldeigentümer von unkalkulierbaren Haftungsrisiken entlastet hätte. Doch die Initiative kam nicht über das Entwurfsstadium hinaus und liegt seitdem auf Eis.*
Referentenentwurf und seine Folgen
Mit dem Scheitern des Referentenentwurfs blieb die rechtliche Grauzone bestehen.*
Rolle der Länder in der Umsetzung
Ohne klare bundesgesetzliche Vorgaben bleibt es den Bundesländern überlassen, ob und wie sie Wanderinfrastruktur rechtlich absichern und damit die Zukunft des Wanderns in Deutschland sichern.*
Was die Resolution fordert
Die gemeinsame Initiative von Deutscher Wanderverband und Deutschem Tourismusverband konkretisiert ihre Forderungen in vier zentralen Punkten. Diese sollen rechtliche Klarheit schaffen und den schleichenden Rückbau der Wanderinfrastruktur stoppen.
- Reform des Bundeswaldgesetzes mit klarer Einstufung der Wanderinfrastruktur als waldtypische Gefahr – und somit Entlastung von Waldeigentümern
- Gesetzesinitiativen der Länder mit klaren Haftungsregeln
- Klare Verkehrssicherungspflichten durch Betreiber wie Wandervereine, Kommunen oder Naturparke – aber nur für die Einrichtungen selbst, nicht für Naturgefahren
- Sofortiges Moratorium gegen Rückbau von Infrastruktur, bis gesetzliche Klarheit herrscht
Ökonomische Bedeutung des Wandertourismus
Hinter diesen Forderungen steht eine wirtschaftliche Realität, die weit über das reine Freizeitvergnügen hinausreicht. Das Potenzial des Wander- und Radtourismus gilt als bedeutend.* Diese Aktivitäten tragen über Übernachtungen, Gastronomie und lokalen Handel zur Stärkung ganzer Regionen bei.*
Gleichzeitig beobachten Fachleute einen schleichenden Rückbau der Infrastruktur, bei dem zunehmend Bänke und Informationstafeln entfernt werden (Stand: 2024/2025).* Diese Entwicklung gefährdet die Attraktivität ganzer Tourismusregionen und untergräbt die wirtschaftliche Basis vieler ländlicher Gebiete. Die Forderungen der Verbände zielen daher nicht nur auf rechtliche Klarstellungen, sondern auch auf den Erhalt eines wichtigen Wirtschaftsfaktors ab.*
Wer hinter der Initiative steht — Verbände & Bedeutung
Hinter der Forderung nach einer Reform des Bundeswaldgesetzes stehen zwei traditionsreiche Organisationen mit klarem Profil und großer Reichweite. Der Deutsche Wanderverband (DWV) versteht sich als starke Lobby für Wandern, Wege, Naturschutz und Kultur. Seit 140 Jahren vertritt der DWV die Interessen seiner rund 70 landesweiten und regionalen Gebirgs- und Wandervereine mit ihren 3.000 Ortvereinen*. Er ist bundesweit ein anerkannter Fachverband für Nachhaltigkeit, Wegearbeit, Wandern, Ausbildung und bürgerschaftliches Engagement. Als anerkannter Naturschutzverband ist ihm der achtsame Umgang mit der Natur ebenso wichtig, wie das Naturerleben. Vielfalt ist seine Stärke.
Der Deutsche Tourismusverband (DTV) wiederum vertritt seit 1902 die Interessen der Tourismusorganisationen der Länder, Regionen und Orte in Deutschland*. Oberste Ziele sind die Stärkung des Wirtschaftsfaktors Tourismus sowie die Entwicklung einer bedarfsgerechten touristischen Infrastruktur und eines zukunftsweisenden, nachhaltigen Qualitätstourismus in Deutschland. Der DTV vertritt die Interessen seiner 126 Mitglieder gegenüber Politik und Behörden, initiiert Projekte, fördert den Austausch und die Vernetzung innerhalb der Branche und entwickelt touristische Qualitätssysteme weiter.
Ausblick: Bundes- vs. Landesebene
Die politische Verantwortung für die Wanderinfrastruktur verteilt sich aktuell auf mehrere Ebenen. Während auf Bundesebene eine umfassende Novellierungsdebatte des Bundeswaldgesetzes stattfindet (Stand: 2025, laut Deutscher Waldbesitzerverband), zeigen Bundesländer bereits konkrete Initiativen. Sachsen-Anhalt etwa integriert tourismuspolitische Ziele bereits in seinen Landesentwicklungsplan (Stand: Februar 2025). Diese parallelen Entwicklungen deuten auf einen föderalen Wettbewerb um die beste Lösung hin. Politisch sinnvoll erscheint eine Prüfung von Landesinitiativen, die bundeseinheitliche Standards anstreben, ohne regionale Besonderheiten zu vernachlässigen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob Länderregierungen die von den Verbänden geforderte Rechtssicherheit schaffen können, bevor weitere Wanderinfrastruktur verloren geht.
Dieser Beitrag basiert auf einer gemeinsamen Pressemitteilung des Deutschen Wanderverbands und des Deutschen Tourismusverbands.
Weiterführende Quellen:
- „Aufgrund rechtlicher Unsicherheiten und steigender Haftungsrisiken entfernen Waldbesitzer in Deutschland zunehmend Sitzbänke, Informationstafeln und Orientierungshilfen, was 2024/2025 zu einem schleichenden Rückbau der Wanderinfrastruktur führt.“ – Quelle: https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2025/kw45-pa-tourismus-1117104
- „Der Referentenentwurf zur Reform des Bundeswaldgesetzes aus Sommer 2024 sieht erstmals verbindliche Anpassungen der Wanderinfrastruktur vor, inklusive digitaler Steuerung zur Entfernung nicht genehmigter Wege.“ – Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/bundeswaldgesetz-neu-streit-100.html
- „Das enorme wirtschaftliche Potenzial des Wander- und Radtourismus wurde 2024/2025 im Bundestag hervorgehoben, wobei ergänzende Infrastruktur wie Bänke und Markierungen entscheidend für Aufenthaltsqualität und regionale Wertschöpfung sind.“ – Quelle: https://polit-x.de/en/documents/22552907/germany/federal-level/bundestag/heute-im-bundestag/kurzmeldungen-hib-2025-11-05-enormes-potenzial-fur-wander-und-radtourismus
- „Ein Landesentwicklungsplan für Sachsen-Anhalt (Stand Februar 2025) betont die Bedeutung der Landesgesetzgebung zur konkreten Ausgestaltung von Pflegepflichten und Wanderinfrastruktur und verweist dabei auf das Bundeswaldgesetz als Rahmengesetz.“ – Quelle: https://mid.sachsen-anhalt.de/fileadmin/Bibliothek/Politik_und_Verwaltung/MLV/MID/Infrastruktur/Raumordnung-Landesentwicklung/LEP/LEP-2-Entwurf/2.-Entwurf-LEP-Textteil-und-Begruendung.pdf
- „Das Bundeswaldgesetz steht 2025 in einer umfassenden Novellierungsdebatte; bislang regeln die Landesgesetze die konkrete Ausgestaltung der Wanderinfrastrukturpflichten im Wald.“ – Quelle: https://www.waldeigentuemer.de/themen/bundespolitik
10 Antworten
„Wandern ist ein Teil unserer Kultur!“ – Das muss doch auch den Politikern klar sein! Ich hoffe wirklich sehr auf eine Reform des Gesetzes. Wer hat schon Informationen darüber gesammelt oder etwas dazu gelesen?
Das finde ich super! Eine Liste könnte anderen helfen sich schneller zu informieren. Manchmal weiß man einfach nicht wo man anfangen soll!
Ich finde die Forderungen der Verbände sehr wichtig! Ohne klaren rechtlichen Rahmen wird es schwierig sein, unser schönes Wegenetz zu erhalten. Vielleicht sollte auch mehr Aufklärung betrieben werden? Was denkt ihr über die Rolle von Touristen in diesem Thema?
Auf jeden Fall! Touristen sollten auch verstehen, wie wichtig eine gute Infrastruktur ist. Vielleicht könnten lokale Anbieter Führungen anbieten, um das Bewusstsein dafür zu schärfen? Das würde sicher helfen!
Eine großartige Idee! Bildung spielt eine Schlüsselrolle dabei. Wenn wir alle zusammenarbeiten und ein Bewusstsein schaffen könnten für den Wert unserer Wanderwege – das wäre ein guter Schritt in Richtung Veränderung.
Es ist traurig zu sehen, wie viele wichtige Dinge in der Natur einfach ignoriert werden. Wandern ist eine tolle Möglichkeit für Erholung und Fitness! Hat jemand Ideen, wie man lokal aktiv werden kann, um auf diese Problematik aufmerksam zu machen?
Die Situation ist wirklich bedenklich. Ich habe selbst bemerkt, dass immer weniger Bänke da sind. Könnte es helfen, wenn mehr Leute auf die Politiker zugehen und ihre Stimmen erheben? Ich denke, das könnte etwas bewegen.
Ja, das stimmt! Wenn mehr Menschen sich engagieren und sich über die Wichtigkeit der Wanderwege äußern, könnte das vielleicht Druck auf die Politiker ausüben. Gibt es bereits Petitionen oder Gruppen, die man unterstützen kann?
Ich finde es erschreckend, dass die Wanderinfrastruktur so vernachlässigt wird. Die Bänke und Wegweiser sind wichtig für uns Wanderer! Was können wir tun, um diese Gesetzesreform zu unterstützen? Es wäre schade, wenn unsere Wanderwege verschwinden.
Sie können die Petition „Bänke, Schutzhütten und Informationstafeln müssen in den Wäldern erhalten bleiben. “ des Wiehengebirgsverbandes Weser-Ems aus Osnabrück unterzeichnen und teilen.
Die Petition wird offiziell vom Deutschen Wanderverband unterstützt und endet morgen.