Der Deutsche Bundestag befasste sich am 22.04.2026 mit dem Thema „Forderung nach Strategie für Kultur- und Kreativwirtschaft“.
Im Kern geht es um mehr als einen kulturpolitischen Appell. Zur Debatte steht eine ressortübergreifende Strategie für die Kultur- und Kreativwirtschaft, die auf Bundesebene koordiniert werden soll und damit Themen zusammenführt, die bislang oft auf verschiedene Ressorts verteilt sind.
Für Kultur- und Kreativverbände ist das ein wichtiger Punkt, weil damit die politische Behandlung der Branche breiter angelegt würde. Zugleich berührt die Diskussion zentrale Felder für plattformnahe Interessenvertretungen, urheberrechtsnahe Organisationen, Verwertungsgesellschaften sowie Vereinigungen, die sich mit der Künstlersozialkasse und den Rahmenbedingungen für Selbständige befassen.
Mehr Koordination für die Kultur- und Kreativwirtschaft
Ausgangspunkt ist die Forderung nach einer langfristigen und evidenzbasierten Gesamtstrategie, die Bund und Länder gemeinsam tragen sollen. Ergänzt wird das durch den Ruf nach einer Koordinationseinheit auf Bundesebene. Dahinter steht die Einschätzung, dass die Kultur- und Kreativwirtschaft zwar wirtschaftlich relevant ist, politisch aber nicht durchgängig mit einer abgestimmten Linie begleitet wird.
Die vorgetragenen Zahlen unterstreichen diesen Anspruch: Die Branche stehe für fast zwei Millionen Erwerbstätige, eine jährliche Bruttowertschöpfung von 123 Milliarden Euro und 3,3 Prozent der gesamten Bruttowertschöpfung in Deutschland. Nach den Angaben in der Meldung sei sie 2023 zudem um mehr als fünf Prozent gewachsen. Gerade für Verbände aus der Kultur- und Kreativwirtschaft ist das ein starkes Argument, wenn es um dauerhafte Verankerung in politischen Entscheidungsprozessen geht.
Plattformregulierung und digitale Marktmacht
Ein zweiter Schwerpunkt liegt auf der Regulierung großer Online-Plattformen. In der Ausschussdebatte wurde angesprochen, dass Wettbewerbs- und Kartellrecht die Marktmacht digitaler Gatekeeper wirksam begrenzen müssten. Für plattformnahe Interessenvertretungen ist das politisch relevant, weil hier die Spielregeln digitaler Märkte verhandelt werden.
Die Stoßrichtung ist klar: Wenn wenige große Plattformen den Zugang zu Publikum, Reichweite und Verwertung dominieren, hat das direkte Folgen für die wirtschaftlichen Bedingungen kreativer Inhalte. Die Debatte verknüpft damit Marktordnung und Kulturwirtschaftspolitik enger als bislang.
Urheber- und Leistungsschutzrechte bleiben Kernfrage
Ebenso deutlich wurde die Forderung, Urheberrechte und Leistungsschutzrechte zu stärken. Damit rücken Themen in den Vordergrund, die für kreativschaffendennahe Organisationen und Verwertungsgesellschaften seit Jahren zentral sind: die Absicherung von Rechten im digitalen Umfeld, die Vergütung kreativer Leistungen und die Frage, wie neue technologische Entwicklungen reguliert werden.
Die Meldung verweist in diesem Zusammenhang auch auf eine stärkere europäische Harmonisierung. Für urheberrechtsnahe Organisationen ist das bedeutsam, weil sich die Durchsetzung und Ausgestaltung von Rechten im Plattformumfeld längst nicht mehr allein national entscheiden.
Künstlersozialkasse, Selbständigkeit und § 50a EStG
Besonders konkret wird die Debatte bei den steuer- und sozialrechtlichen Rahmenbedingungen. Genannt werden die Stabilisierung der Künstlersozialkasse, eine bessere rechtliche Absicherung von Selbständigen sowie Handlungsbedarf beim § 50a EStG. Dieser Paragraf zur Abzugsteuer wird in der Meldung als deutscher Sonderweg beschrieben, der als Wettbewerbsnachteil wahrgenommen werde.
Für Vereinigungen mit Bezug zur Künstlersozialkasse ist das mehr als ein Nebenaspekt. Die Diskussion zeigt, dass soziale Sicherung, Erwerbsrealität und Steuerrecht nicht als Randthemen behandelt werden, sondern als Teil der strukturellen Bedingungen kreativer Arbeit. Das gilt auch für die angesprochene Flexibilisierung von Arbeitszeitregelungen, die in der Meldung ebenfalls als Handlungsfeld genannt wird.
Branche will früher in Gesetzgebung eingebunden werden
Ein weiterer Punkt ist die Forderung, die Branche in Gesetzgebungsprozesse stärker einzubeziehen – und zwar nicht nur dort, wo Kultur- oder Wirtschaftsressorts unmittelbar zuständig sind. Genannt werden ausdrücklich auch steuerrechtliche, sozialpolitische und gesundheitspolitische Fragen.
Gerade darin liegt der eigentliche politische Gehalt der Debatte: Die Kultur- und Kreativwirtschaft soll nicht mehr nur punktuell, sondern als Querschnittsbereich wahrgenommen werden. Für Verbände, die Rechtewahrung, Plattformregulierung oder soziale Absicherung vertreten, eröffnet das die Perspektive auf mehr Mitsprache in Feldern, die ihre Praxis unmittelbar prägen.
Unmittelbare Gesetzesvorschläge liegen laut der Meldung noch nicht vor. Dennoch markiert die Bundestagsbefassung einen klaren politischen Richtungsimpuls: Koordination auf Bundesebene, stärkere Rechte im digitalen Raum und verlässlichere Rahmenbedingungen für Selbständige stehen sichtbar auf der Agenda.
Update: Warum das Thema wichtig bleibt
Eine ressortübergreifende Strategie für die Kultur- und Kreativwirtschaft verbindet wirtschaftliche Relevanz mit politischen Rahmenentscheidungen. Die im Beitrag genannten Größen – fast zwei Millionen Erwerbstätige, 123 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung und Wachstum – machen klar: Es geht nicht nur um Kulturpolitik, sondern um die Bedingungen, unter denen digitale Märkte, Rechte und Erwerbsarbeit funktionieren.
Für Verbände und Organisationen, die Rechte sichern, Inhalte vermarkten oder sich mit der Künstlersozialkasse befassen, folgt daraus ein konkreter Schwerpunkt: Politik soll Querschnittsthemen besser koordinieren und Beteiligung frühzeitig ermöglichen. Besonders bei Plattformregulierung, Urheber- und Leistungsschutz sowie sozial- und steuerrechtlichen Regeln hängt davon ab, wie verlässlich Rahmenbedingungen für Selbständige werden.
Was Leserinnen und Leser jetzt wissen sollten
Wie kann eine Koordination auf Bundesebene die Branche beeinflussen?
Durch eine abgestimmtere politische Behandlung, die bislang verteilte Zuständigkeiten zusammenführt.
Warum sind Plattformregeln auch für Kultur- und Kreativschaffende relevant?
Wenn wenige Plattformen Zugang und Reichweite dominieren, wirken sich Wettbewerbs- und Kartellfragen direkt auf Verwertung und wirtschaftliche Bedingungen aus.
Welche Rolle spielen Urheber- und Leistungsschutzrechte in der Debatte?
Sie sollen im digitalen Umfeld gestärkt werden; zudem wird eine stärkere europäische Harmonisierung angesprochen.
An wen können sich Betroffene wenden, wenn es um soziale oder steuerrechtliche Rahmenbedingungen geht?
Eine passende Anlaufstelle können Fachstellen, Beratungsstellen oder zuständige Behörden sein.
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11 Kommentare
Ich begrüße die Debatte, vorallem die verbindung von Marktordnung und Kulturpolitik ist wichtig. Trotzdem bleibt die frage offen wie kleine Akteure, Solo-Selbständige und freien Künstlerinnen konkret profitieren von Plattformregeln oder Urheberrecht-stärkungen. Braucht es Förderprogramme, Beratungsangebote oder bessere rechtshilfe? Ein praxisleitfaden auf /hilfe/fuer-selbststaendige wär sehr nützlich, hat jemand erfahrungsberichte?
Neutral betrachtet ist die Forderung nach evidenzbasierter gesamtstrategie sinnvoll, aber wer legt die evidenz fest und welche daten fehlen noch? Die zahlen zur Bruttowertschöpfung sind beeindruckend doch sollten wir auch regionale unterschieden sehen. Könnte das Ministerium oder ein Forschungsteam klare indikatorien liefern und publizieren, zB auf /forschung/kreativwirtschaft daten, wer arbeitet daran und wie kann man mitwirken?
Kurz gesagt, Querschnittsbereich wahrzunehmen ist richtig, kultur- und kreativwirtschaft betrifft steuerrecht, sozialrecht, gesundheitspolitik, aber wie sollen die Länder und Bund das praktisch koordinieren? Ich find die idee einer bundeskoordinationseinheit gut, doch fehlt mir die vorstellung wer das leiten wird und wie partizipation der Verbände funktioniert, evtl. beispielhafte modelle auf /politik/koordination könnten helfen, wer kennt solche modelle?
Danke für den Beitrag, ich habe ähnliche fragen. Besonders § 50a EStG als deutscher Sonderweg klingt problematisch, aber was genau macht ihn zum Wettbewerbsnachteil? Könnte man das in einfachen worten erklähren, und gibt es alternativen steuerregelungen die fairer für Selbständige wären? Ein Link zu /recht/steuerfragen wär praktisch, hat jemand links?
Ich finde es gut das die branche früher einbezogen werden soll, jedoch fürchte ich das Interessenvertretung oft zu stark lobbyiert wird. Wie kann man faire Mitsprache sicherstellen, sodass nicht nur große Verbände sprechen? Vielleicht verbindliche beteiligungsprozesse oder klare transparenz-regeln, sowas wäre hilfreich, gibts infos dazu auf /politik/transparenz?
Neutral gesagt, die Debatte über Plattformregulierung und digitale Marktmacht trifft einen nerv. Wenn wenige Gatekeeper Reichweite stehlen, dann leidet die Verwertung von kreativen arbeiten, aber was heißt das konkret für Vergütung? Ich such nach lösungen die Urheber recht stärkt ohne alles zu verkomplizieren, evtl. ein vergleich mit EU regelungen im link /recht/urheberrecht wäre nützlich, hat jemand tipps für Verbandkontakt?
Das ist ein guter Ansatz, aber bitte auch bedenken das Kartellrecht manchmal langsam ist und nicht jede neue tech sache schnell regelt. Frage: wie bindet man Branche früher in Gesetzgebung, welche Mechanismen sind praktikabel? Vielleicht Konsultationen oder Beiräte auf Bundesebene, sowas könnte man auf /politik/konsultationen erläutert sehen, wer hat erfahrung damit?
Interessant, die wachstumszahl von über fünf prozent 2023 klingt positiv, aber wie nachhaltig ist das? Ich mache mir sorgen um die soziale absicherung, Künstlersozialkasse wird genannt, aber stabilisierung braucht konkrete Schritte. Könnte jemand die faktoren nennen die die KSK gefährden, oder gibts einen erklärtext auf /soziales/kuenstlersozialkasse der einfach erklärt warum das wichtig ist?
Das thema ist wichtig, die Kultur- und Kreativwirtschaft braucht mehr sichtbarkeit und eine echte Koordinationseinheit auf Bundesebene, aber ich versteh nicht ganz wie die Ressorts das zusammen wir sollen gehen,es fehlt mir da klarheit. Gut das man über Künstlersozialkasse und § 50a EStG redet, wäre nett mehr fakten links zu sehen /politik/kulturstrategie oder /soziales/kuenstlersozialkasse damit man nachlesen kann, was gemeint ist, kann jemand erklären wie Plattformregulierung konkret selfändige schützt?
Guter punkt, ich finde auch das die branche mehr eingebunden werden müste in Gesetzgebung, aber oft wird nur punktuell gedacht. Die Begriffe Urheberrecht und Leistungsschutzrechte werden zwar genannt doch bleibt vieles vage. Ein artikel auf /recht/urheberrecht wäre hilfsreich weil ich nicht genau weis wie EU Harmonisierung das ändert, kann jemand das in einfachen worten erklären bitte?
Ich stimme zu, Koordination klingt logisch, aber wer bezahlt das überhaupt und wie wird die Umsetzung gemessen? Zahlen wie 123 milliarden und 2 millionen Erwerbstätige sind beeindruckend, aber ich versteh die folgen nicht ganz für kleine selbständige. Vielleicht mehr praxisbeispiele auf /politik/kultur-und-kreativwirtschaft würden helfen, oder hat jemand erfahrung mit Anträgen?