Für viele Spitzensportler entscheidet sich Förderung nicht in großen Worten, sondern in Haushaltszeilen. Im Entwurf für den Bundeshaushalt 2027 sind zusätzliche Mittel für die direkte Athletenförderung, das Zentrum für Safe Sport und die neue Spitzensport-Agentur vorgesehen. Wie viel davon am Ende im Alltag der Athletinnen und Athleten ankommt, bleibt vorerst offen.
Hinzu kommt Geld für eine deutsche Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele. Damit sind mehrere Baustellen gleichzeitig angesprochen – von der unmittelbaren Förderung bis zum Schutz vor Gewalt im Sport. Entscheidend ist nun, ob aus dem Entwurf auch verlässliche Strukturen werden.
Warum der Entwurf für den Spitzensport relevant ist
Die Athletenvertretung Athleten Deutschland begrüßt den Haushaltsentwurf und den vorgesehenen Anstieg des Sportetats. Die Organisation verbindet diese Bewertung aber mit einem klaren Hinweis: Es handelt sich noch nicht um einen endgültigen Beschluss. Erst das weitere Haushaltsverfahren zeigt, ob die angekündigten Mittel tatsächlich dauerhaft zur Verfügung stehen.
Pia Greiten, Ruderin und Präsidentin von Athleten Deutschland, ordnet die Entwicklung aus Sicht der Athletenvertretung ein. Sie sagte:
„Wir freuen uns sehr, dass die Bundesregierung unserer langjährigen Forderungen nach einer Erhöhung der direkten Förderungen jetzt nachgekommen ist.“
Greiten dankte in diesem Zusammenhang Staatsministerin Dr. Schenderlein und der Sporthilfe für die Unterstützung. Für Leserinnen und Leser ist wichtig: Das ist die Position einer Interessenvertretung, nicht das Ergebnis eines bereits abgeschlossenen Verfahrens.
Wofür die zusätzlichen Mittel gedacht sind
Im Haushaltsentwurf sind 4,5 Millionen Euro zusätzlich für die unmittelbare Athletenförderung vorgesehen. Aus Sicht von Athleten Deutschland ist das nach Jahren stagnierender Fördersätze und ohne Inflationsausgleich ein wichtiger Schritt. Gleichzeitig verweist die Organisation auf steigende Lebenshaltungs- und Trainingskosten, die im Sportalltag besonders spürbar sind.
Unter Safe Sport versteht man den Schutz vor Gewalt, Übergriffen und Machtmissbrauch im Sport. Für das geplante Zentrum sind 5 Millionen Euro eingeplant. Nach der erwähnten Roadmap wären für den späteren Vollbetrieb allerdings jährlich rund 6 Millionen Euro nötig. Bund, Länder und organisierter Sport müssten deshalb frühzeitig klären, wie die Finanzierung dauerhaft gesichert werden soll.
Auch die neue Spitzensport-Agentur soll zunächst Mittel für ihren Aufbau erhalten. Der Entwurf sieht dafür 1,1 Millionen Euro vor. Geplant ist eine unabhängige Förderinstitution mit neuen Aufgaben im Spitzensport. Ob sie diese Rolle später wie vorgesehen ausfüllen kann, hängt davon ab, ob auch in den Folgejahren ausreichend Geld bereitsteht.
Zusätzlich sind 6 Millionen Euro für eine deutsche Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele eingeplant. Das zeigt: Die Bewerbung ist politisch mitgedacht, aber noch lange nicht ausformuliert. Gerade bei einem solchen Vorhaben werden Finanzierung, Zuständigkeiten und inhaltliche Ziele früh geklärt werden müssen.
Was für Athletinnen, Para-Sport und Verbände offen bleibt
Besonders deutlich wird der Klärungsbedarf beim Para-Sport. Athleten Deutschland verweist darauf, dass die gemeinsam mit 200 Para-Athletinnen und -Athleten geforderte Aufstockung der Sporthilfe-Förderplätze im Haushaltsentwurf bislang nicht auftaucht. Derzeit gibt es weiterhin nur 168 Förderplätze. Wie groß die Förderlücke damit am Ende tatsächlich bleibt, lässt sich auf Grundlage der vorliegenden Angaben noch nicht beurteilen.
Auch bei der Verteilung der zusätzlichen Mittel bleiben Fragen offen. Die Athletenvertretung fordert größtmögliche Transparenz darüber, wie Kanzleramt und Sporthilfe die Gelder einsetzen. Für Betroffene ist das mehr als eine Formalie: Erst wenn nachvollziehbar ist, wohin die Mittel fließen, lässt sich abschätzen, ob sie im Leistungsalltag tatsächlich ankommen.
Für eine mögliche Olympiabewerbung nennt Athleten Deutschland klare Bedingungen. Dazu gehören die verbindliche Beteiligung von Athletinnen und Athleten, größtmögliche Transparenz sowie eine Ausrichtung an Integrität, Nachhaltigkeit und gesellschaftlicher Legitimation. Ohne diese Kriterien, so die Botschaft der Organisation, droht die Bewerbung eher ein Symbolprojekt zu bleiben als ein Beitrag zur Reform des Spitzensports.
Ob aus dem Signal ein Reformschritt wird, zeigt erst die Umsetzung
„Eine Olympiabewerbung kann den Reformen im deutschen Spitzensport zusätzlichen Schub verleihen – vorausgesetzt, Bewerbung und Reformen gehen Hand in Hand“, sagte Johannes Herber, Geschäftsführer von Athleten Deutschland. Der Bundeshaushalt eröffne dafür Spielräume. Entscheidend sei nun, dass die zusätzlichen Mittel dort ankommen, wo sie Athletinnen und Athleten sowie ihrem direkten Leistungsumfeld nachhaltig zugutekommen.
Damit ist der politische Rahmen beschrieben, die Bewährungsprobe steht aber noch aus. Ob die zusätzlichen Millionen Versorgungslücken schließen, neue Strukturen tragfähig machen und eine Bewerbung auf solide Beine stellen, wird sich erst in der Umsetzung zeigen. Für den Spitzensport ist der Entwurf damit eher ein Anfang als ein Ergebnis.