Bundeshaushalt 2027: Warum das DRK vor Kürzungen bei der humanitären Hilfe warnt

Im Entwurf für den Bundeshaushalt 2027 hält die Bundesregierung an Kürzungen bei der humanitären Hilfe fest. Das Deutsche Rote Kreuz hält das für den falschen Kurs und verweist auf wachsenden Bedarf, offene Haushaltsberatungen und die Frage, welche Priorität internationale Hilfe künftig bekommt.

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Warnung vor Kürzungen bei humanitärer Hilfe für den Bundeshaushalt 2027, mit Lebensmittel, Wasser und Dokumenten auf Schreibtisch.
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Das Wichtigste in Kürze

  • Die Bundesregierung plant im Haushaltsentwurf 2027 Kürzungen bei der humanitären Hilfe trotz steigender weltweiter Bedarfe.
  • Mindestens 240 Millionen Menschen, davon viele Kinder, sind aktuell dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen.
  • Das Deutsche Rote Kreuz kritisiert die Kürzungen als verantwortungslos und fordert das Parlament zum Umsteuern auf.
  • Die Mittel für humanitäre Hilfe sind seit 2024 um 53 Prozent gesunken, während der globale Finanzierungsbedarf hoch bleibt.
  • Die parlamentarische Beratung entscheidet über die endgültige Höhe der Mittel für humanitäre Hilfe und Entwicklungspolitik.

Während weltweit immer mehr Menschen auf Hilfe angewiesen sind, bleibt der Spielraum für humanitäre Hilfe im Bundeshaushalt eng. Im Entwurf für 2027 hält die Bundesregierung an diesem Kurs fest – das Deutsche Rote Kreuz (DRK) kritisiert das als falsches Signal angesichts der Lage.

Nach Angaben des Verbands sind weltweit mindestens 240 Millionen Menschen dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen, rund die Hälfte davon Kinder und Jugendliche. Das DRK sieht darin einen klaren Widerspruch zu den geplanten Kürzungen und fordert ein Umsteuern im laufenden Haushaltsverfahren.

Warum das DRK den Bundestag direkt anspricht

Der Bundeshaushalt 2027 liegt bislang nur als Regierungsentwurf vor, also als Vorschlag des Kabinetts. Entscheidend wird erst die Beratung im Bundestag; dort können die Ansätze noch verändert werden.

Mit seiner Kritik richtet sich das DRK deshalb vor allem an die Abgeordneten. Präsident Hermann Gröhe sagte:

„Jetzt ist das Parlament gefordert! Kürzungen in der humanitären Hilfe sind verantwortungslos!“

Das ist die klare Position des DRK. Die Organisation sieht darin auch einen Widerspruch zum Koalitionsvertrag, in dem eine Stärkung der humanitären Hilfe zugesagt worden sei. Ob man von einem erneuten Bruch sprechen will, ist allerdings eine politische Bewertung des Verbands und noch keine feststehende Tatsache.

Die Zahlen hinter der Kürzungsdebatte

Nach den vorliegenden Angaben soll die humanitäre Hilfe im Auswärtigen Amt im Kabinettsentwurf für 2027 bei rund 1,0 Milliarden Euro liegen. Das DRK verweist darauf, dass die Mittel nach seiner Darstellung seit 2024 um 53 Prozent zurückgegangen seien.

Auch der Blick auf die internationale Entwicklungshilfe zeigt ein angespanntes Bild. Nach OECD-Angaben war Deutschland 2025 erstmals der größte Geber im Kreis der OECD-Entwicklungshilfeausschuss-Länder (DAC). Gleichzeitig ging die offizielle Entwicklungszusammenarbeit (ODA) um 23,1 Prozent zurück, die humanitäre Hilfe sogar um 35,8 Prozent.

Hinzu kommt der globale Bedarf: Das UN-Nothilfebüro OCHA beziffert den Bedarf für 2026 auf 33 Milliarden US-Dollar für 135 Millionen Menschen in 50 Ländern. Für 2025 seien bislang nur rund 12 Milliarden US-Dollar gedeckt worden. Das zeigt, wie groß die Finanzierungslücke bleibt.

Was der Haushaltsentwurf schon bedeutet – und was nicht

Der Regierungsentwurf legt die Richtung fest, ist aber noch nicht der endgültige Haushalt. Erst wenn Bundestag und Bundesrat das Haushaltsgesetz beschlossen haben, steht fest, wie viel Geld tatsächlich wofür bereitsteht. Bis dahin bleibt offen, ob die Ansätze für humanitäre Hilfe noch verändert werden.

Das Bundesfinanzministerium hatte den Entwurf 2027 mit dem Schwerpunkt auf Konsolidierung und zugleich höheren Verteidigungsausgaben beschrieben. Genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich nun die Debatte: Wenn an einer Stelle mehr Geld gebunden wird, steigt der Druck auf andere Posten im Etat.

Warum Entwicklungspolitik in derselben Debatte steht

Die Kritik des DRK endet nicht bei der Soforthilfe. Der Verband fordert auch, in der Entwicklungspolitik auf weitere Kürzungen zu verzichten. Nach seiner Einschätzung gefährden solche Einschnitte Leben und schwächen die Krisenfestigkeit von Gesellschaften.

Damit verbindet das DRK zwei Bereiche, die in Haushaltsdebatten oft getrennt behandelt werden: die schnelle Hilfe in akuten Krisen und den langfristigen Aufbau belastbarer Strukturen. Aus Sicht des Verbands gehört beides zusammen, weil sich Konflikte, Hunger und Instabilität nicht allein mit kurzfristigen Einsätzen auffangen lassen.

Gleichzeitig bleibt das eine politische Abwägung. Die Organisation argumentiert, dass eine stärkere Zivilgesellschaft und widerstandsfähige Strukturen im Ausland auch im deutschen Interesse liegen. Ob dieses Argument im Parlament die nötige Mehrheit findet, ist offen.

Jetzt entscheidet die parlamentarische Beratung

Für Hilfsorganisationen und für Menschen in Krisengebieten zählt am Ende nicht die Ankündigung, sondern der tatsächliche Etat. Bleibt der Bundestag beim Entwurf, dann bleiben die Mittel für humanitäre Hilfe aus Sicht des DRK auf einem unzureichenden Niveau.

Genau deshalb richtet sich der Appell an die Abgeordneten. Noch ist nichts endgültig beschlossen – und gerade darin liegt die eigentliche Bedeutung dieser Haushaltsdebatte: Sie entscheidet darüber, welchen Stellenwert Deutschland humanitärer Hilfe in einer Zeit wachsender Not einräumt.

Quellen

Lesetipp:

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