Bundeshaushalt 2026: VENRO kritisiert Kürzungen bei Entwicklungszusammenarbeit und humanitärer Hilfe – Gefahr für globale Verantwortung Deutschlands

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Das Bundeskabinett hat den Haushaltsentwurf 2026 verabschiedet, der den Etat des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung auf 9,94 Milliarden Euro kürzt und die Mittel für humanitäre Hilfe bei rund einer Milliarde Euro stagniert. VENRO warnt, dass diese Einschnitte strategische Entwicklungszusammenarbeit unmöglich machen, lokale Partner kollabieren und angesichts von 300 Millionen Menschen in Not Leben kosten werden. Michael Herbst betont, Deutschland dürfe sich in der aktuellen globalen Krise nicht aus der Verantwortung stehlen und müsse stattdessen auf die Expertise zivilgesellschaftlicher Organisationen setzen.

Inhaltsverzeichnis

– Haushaltsentwurf 2026 senkt BMZ-Etat auf 9,94 Mrd. Euro; humanitäres Budget stagniert bei 1 Mrd.
– VENRO kritisiert drastische Kürzungen, warnt vor Kollaps lokaler Hilfssysteme und tödlichen Folgen.
– Dringender Appell: Deutschland muss US-Förderausfall ausgleichen und globale Hilfsinfrastruktur stärken.

VENRO kritisiert drastische Kürzungen im Bundeshaushalt 2026 für Entwicklung und humanitäre Hilfe

Das Bundeskabinett hat den Entwurf für den Bundeshaushalt 2026 verabschiedet – und VENRO, der Dachverband der Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit und humanitären Hilfe, übt scharfe Kritik an den geplanten Mittelkürzungen. Besonders alarmierend ist, dass der Etat des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) auf 9,94 Milliarden Euro sinken soll. Gleichzeitig bleibt das Budget für humanitäre Hilfe mit rund einer Milliarde Euro unverändert, obwohl der Bedarf stetig steigt.

Michael Herbst, Vorstandsvorsitzender von VENRO, warnt: „Ein Etat von nur einer Milliarde Euro für den Kampf gegen Hungersnöte und andere akute Krisen ist ein fatales Signal und wird Menschenleben kosten.“ Tatsächlich sind weltweit 300 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen, während das internationale System zur Bereitstellung dieser Hilfe bereits jetzt massiv unterfinanziert ist.

Die Folgen der Kürzungen sind konkret: „Viele lokale Partner stehen vor dem Aus oder sind bereits kollabiert, weil ihnen schlagartig große Löcher in die Finanzierung gerissen wurden“, so Herbst. Diese Entwicklungen gefährden die Stabilität der globalen Infrastruktur für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe. Deutschland könne diese Aufgabe zwar nicht alleine stemmen, müsse sich aber dennoch seiner Verantwortung stellen. „Genau danach sieht es aktuell jedoch aus.“

Besonders kritisch bewertet VENRO zudem die erneute Kürzung bei der Finanzierung zivilgesellschaftlicher Organisationen im Ausland. Herbst betont: „Zivilgesellschaftliche Organisationen sind am besten fachlich aufgestellt und vor Ort vernetzt, um effektiv und zielgerichtet Projekte umzusetzen.“ Dass die Bundesregierung diese Bedeutung übersieht, findet er „absolut unverständlich.“

Der Haushaltsentwurf zeigt damit eine Diskrepanz zwischen der globalen Herausforderung und der politischen Finanzplanung. Dies ist angesichts der dramatischen Lage auf internationaler Ebene von hoher öffentlich-relevanter Bedeutung, weil es um die Zukunft der internationalen Zusammenarbeit und den Schutz von Millionen Menschen geht.

Globale Folgen nationaler Sparmaßnahmen: Warum weniger Entwicklungshilfe uns alle betrifft

Die geplanten Kürzungen im Bundeshaushalt für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe werfen ein Schlaglicht auf ein drängendes Problem: Nationale Sparmaßnahmen im Bereich der internationalen Hilfe sind längst kein rein innerstaatliches Finanzierungsproblem mehr. Sie wirken unmittelbar auf die globale Stabilität, die Position Deutschlands in der Welt und das Leben von Millionen Menschen in Krisenregionen.

Im Entwurf des Bundeshaushalts 2026 ist vorgesehen, den Etat des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) auf 9,94 Milliarden Euro zu senken. Das Budget für humanitäre Hilfe bleibt mit rund einer Milliarde Euro nahezu unverändert. Angesichts weltweiter Krisen und steigender Bedarfe ist dies ein fatales Signal. Nach Einschätzung von VENRO, dem Dachverband entwicklungspolitischer Organisationen, ist ein solches Niveau nicht ausreichend, um die dringendsten Herausforderungen etwa bei Hungersnöten und Konflikten zu bewältigen. „Ein Etat von nur einer Milliarde Euro für den Kampf gegen Hungersnöte und andere akute Krisen ist ein fatales Signal und wird Menschenleben kosten“, warnt Michael Herbst, Vorstandsvorsitzender von VENRO. Aktuell seien etwa 300 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen – das internationale System ist bereits heute stark unterfinanziert.

Kürzungen und ihre internationalen Folgen

Die Entscheidung in Berlin folgt einem internationalen Trend, der zunehmend Sorgen bereitet. Zum Beispiel hat der abrupte Rückzug der USA aus der Finanzierung von Entwicklungszusammenarbeit, etwa durch den Wegfall der Mittel der USAID, in vielen Regionen Lücken gerissen. Viele lokale Partnerorganisationen befinden sich deshalb in finanziellen Schwierigkeiten oder sind bereits handlungsunfähig. Die Folge sind nicht nur unmittelbare Versorgungslücken, sondern auch ein Verlust von Vertrauen und Stabilität in besonders fragilen Staaten. In dieser Lage müsste Deutschland eigentlich für Verlässlichkeit sorgen und strategisch in den Aufbau globaler Hilfssysteme investieren. Stattdessen schwächt die Kürzung das Engagement in einer Zeit, in der multiplen Krisen – vom Klimawandel bis zu bewaffneten Konflikten – klare und dauerhafte Antworten entgegengesetzt werden müssen.

Zum internationalen Vergleich:

  • Die USA hatten ihren Beitrag zur Entwicklungszusammenarbeit 2024 um etwa 25 % reduziert.
  • Großbritannien fährt seit Jahren ein striktes Sparprogramm bei Auslandsentwicklung.
  • Länder wie Schweden und die Niederlande halten ihre Ausgaben trotz wirtschaftlicher Herausforderungen stabil oder erhöhen sie sogar leicht.

Deutschland steht folglich vor der Frage, ob es sich in diesem internationalen Wettbewerb als verlässlicher Akteur positionieren oder mit geringeren Mitteln das Risiko eingehen will, an Einfluss zu verlieren.

Die Rolle zivilgesellschaftlicher Organisationen

Eine besondere Bedeutung kommt zivilgesellschaftlichen Organisationen zu. Sie sind oft vor Ort besser vernetzt als staatliche Stellen, verstehen die lokalen Kontexte genauer und können schneller und zielgerichteter auf sich ändernde Situationen reagieren. Michael Herbst betont: „Zivilgesellschaftliche Organisationen sind am besten fachlich aufgestellt und vor Ort vernetzt, um effektiv und zielgerichtet Projekte umzusetzen.“ Gerade ihre Unabhängigkeit von Gewinninteressen macht sie zu wichtigen Partnerinnen für nachhaltige Entwicklung. In marxistischer Diktion ausgedrückt, könnten sie als „kritische Instanz“ betrachtet werden, die wirtschaftliche und politische Interessen ausbalanciert. Werden die Mittel für diese Organisationen gekürzt, ist zu befürchten, dass die Wirksamkeit der gesamten Entwicklungszusammenarbeit leidet – und das Risiko steigt, dass dringend notwendige Hilfen unzureichend oder ineffizient ankommen.

Lokale und internationale NRO sowie zivilgesellschaftliche Akteure sind somit ein unverzichtbarer Baustein, um langfristige, nachhaltige Veränderungen in Krisengebieten herbeizuführen. Ihr Rückzug aus dem Fördermarkt würde die ohnehin fragile globale Infrastruktur weiter destabilisieren.

Die geplanten Budgetkürzungen sind daher nicht nur ein finanzpolitisches Thema. Sie spiegeln eine grundsätzliche Entscheidung darüber wider, wie Deutschland seine Verantwortung in der Welt wahrnehmen will – gerade in einer Phase, in der stabile Partnerschaften und nachhaltige Ansätze bei der Entwicklungszusammenarbeit entscheidender sind denn je.

Der Bundestag und die Bundesregierung stehen nun vor der Herausforderung, diesen Trend zu stoppen. Nur durch verantwortungsbewusste und vorausschauende Haushaltsentscheidungen kann Deutschland gewährleisten, dass seine entwicklungspolitische Arbeit ihrer globalen Verantwortung gerecht wird und langfristig positive Veränderungen fördert.

Die Informationen und Zitate in diesem Beitrag basieren auf einer Pressemitteilung von VENRO, dem Dachverband entwicklungspolitischer und humanitärer Nichtregierungsorganisationen.

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