– Der BUND rettete in Hamburgs Krötensaison 2026 über 4.400 Amphibien an zwei Standorten.
– In Wilhelmsburg wurden 1.111 Tiere und in den Volksdorfer Teichwiesen 3.294 Tiere erfasst.
– Ehrenamtliche Arbeit und bessere Wasserstände zeigen messbare Erfolge für den Artenschutz.
Mehr als 4.400 Amphibien in Hamburg gerettet: BUND sieht Wirkung des ehrenamtlichen Artenschutzes
Mehr als 4.400 Amphibien haben Freiwillige in der Krötensaison 2026 in Hamburg sicher über Straßen gebracht. Der BUND Hamburg zieht damit für die Einsätze im Wilhelmsburger Inselpark und in den Volksdorfer Teichwiesen eine positive Bilanz.
Aus Sicht des Verbands zeigt die Saison deutlich, dass ehrenamtlicher Amphibienschutz unmittelbar wirkt. Gleichzeitig macht der BUND klar, dass die aufwendigen Rettungsaktionen auf Dauer keine festen baulichen Schutzsysteme ersetzen können.
Dr. Gisela Bertram, stellvertretende Landesvorsitzende des BUND Hamburg, verweist neben dem Schutz der Tiere auch auf die Bedeutung der Einsätze für das Naturverständnis vor Ort: „Viele Menschen bleiben stehen, fragen nach und freuen sich richtig über die Tiere. Das zeigt, wie wichtig solche Aktionen auch für die Umweltbildung sind“.
Wie der Amphibienschutz in Hamburg funktioniert
Die jährlichen Hilfsaktionen werden nötig, weil Amphibien in Hamburg bereits ab Februar zu ihren Laichgewässern wandern. Straßen und Wege werden dabei für viele Tiere zur tödlichen Barriere. Nach Angaben des NABU Hamburg kommen deshalb Schutzzäune zum Einsatz, an denen die Tiere entlanglaufen und in eingegrabene Fangeimer geraten.
Diese Eimer müssen täglich kontrolliert werden, damit Kröten, Frösche und Molche sicher auf die andere Straßenseite gebracht werden können. Der Schutz ist entsprechend personalintensiv. Die Tiere werden nicht nur erfasst, sondern regelmäßig eingesammelt und händisch umgesetzt. Im Wilhelmsburger Inselpark waren die Helferinnen und Helfer dafür meist allein oder in kleinen Teams unterwegs, oft früh morgens oder spät abends.
Auch an anderen Orten in Hamburg werden solche temporären Systeme genutzt. Der NABU Hamburg nennt für 2026 unter anderem Schutzzäune am Heiddiek und in Oleenrem. Für den BUND ist das ein Hinweis darauf, wie unverzichtbar Zäune, Fangeimer und tägliche Kontrollen derzeit für den Amphibienschutz in Hamburg sind.
Die Zahlen aus Wilhelmsburg und Volksdorf
Im Wilhelmsburger Inselpark retteten Freiwillige innerhalb von sechs Wochen 1.111 Amphibien. Darunter waren 846 Erdkröten, 187 Grasfrösche und 78 Teichmolche. Ein Abschnitt des Zauns erhielt unter den Aktiven den Namen „Molchhöhe“, weil dort besonders häufig Teichmolche in den Fangeimern gefunden wurden. Erstmals kam dort zudem eine Krötenretter-App zum Einsatz, über die sich die Ehrenamtlichen abstimmten und aktuelle Zahlen weitergaben.
Noch höher fiel die Bilanz in den Volksdorfer Teichwiesen aus. Dort wurden in der Saison 2026 3.294 lebende Tiere am Schutzzaun erfasst. Hinzu kamen 52 Totfunde an Straßenabschnitten, die nicht durch den Zaun gesichert waren.
Der Vergleich mit den Vorjahren zeigt aus Sicht des BUND ein differenziertes Bild. 2024 war mit 3.649 Tieren ein Rekordjahr, 2026 lag darunter. Gleichzeitig verzeichnete der Verband bei einzelnen Arten neue Höchststände. So wurden bei den Grasfröschen 695 Tiere erfasst, beim Moorfrosch 19 Tiere.
Wolfram Hammer, Amphibien- und Artenschutzexperte beim BUND, ordnet diese Entwicklung so ein: „Die Entwicklung zeigt, dass sich bessere Wasserstände und konsequenter Schutz direkt auszahlen. Gerade empfindliche Arten wie der Moorfrosch kommen zurück“.
Wasserstände und Lebensräume spielen eine zentrale Rolle
Nach Darstellung des BUND lässt sich die Saisonbilanz nicht allein durch die Arbeit an den Zäunen erklären. Gerade in den Volksdorfer Teichwiesen hängen die Bestandsentwicklungen auch eng mit den Bedingungen im Lebensraum zusammen.
Für den Anstieg bei den Grasfröschen nennt der Verband die seit 2023 deutlich verbesserten Wasserstände im Naturschutzgebiet als wahrscheinlichen Grund. Davon profitieren vor allem Arten, die in kleineren Gewässern laichen. Auch beim Moorfrosch sieht der BUND nach den trockenen Jahren der Vergangenheit Anzeichen einer Erholung.
Zugleich verweist der Verband darauf, dass einzelne Jahreszahlen nur im Zusammenspiel mit Wetter, Wasserstand und Habitatbedingungen sinnvoll zu bewerten sind. Auffällig war 2026 ein deutlicher Überhang männlicher Tiere bei Grasfröschen und Erdkröten. Als mögliche Gründe nennt der BUND natürliche Schwankungen, Witterungseinflüsse wie den kalten Winter sowie Schwierigkeiten bei der Bestimmung.
Ehrenamtlicher Naturschutz wirkt sofort, ersetzt aber keine dauerhaften Lösungen
Für den BUND Hamburg zeigt die Bilanz 2026 zweierlei: lokaler Naturschutz kann unmittelbar Leben retten, stößt aber bei der aktuellen Infrastruktur an Grenzen. Die Handarbeit an den Zäunen sei auf Dauer nicht ausreichend. Der Verband hält deshalb dauerhafte Leitsysteme wie Krötentunnel entlang von Straßen und Wegen für unverzichtbar.
Der Verkehr bleibt aus Sicht des BUND eine der größten Gefahren für wandernde Amphibien. Temporäre Fangzäune und tägliche Kontrollen können das Risiko mindern, das zugrunde liegende Problem jedoch nicht dauerhaft lösen.
Für die kommende Saison laufen die Vorbereitungen bereits. Nach Angaben des BUND steht ein Großteil der Teams für 2027 schon fest, weitere Freiwillige werden jedoch noch gesucht. Die Saison 2026 unterstreicht damit nach Einschätzung des Verbands sowohl die unmittelbare Wirkung des ehrenamtlichen Amphibienschutzes als auch den Bedarf an dauerhaften Schutzlösungen.
Dieser Beitrag basiert auf einer Pressemitteilung des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Hamburg.
Weiterführende Quellen:
- „Im Februar beginnt die Wanderung der Amphibien zu ihren Laichgewässern in Hamburg, wobei Straßenüberquerungen oft tödlich enden; NABU Hamburg baut Schutzzäune mit Eimern alle 5-10 m auf (Stand: April 2026).“ – Quelle: https://hamburg.nabu.de/wir-ueber-uns/fachgruppen/amphibien-und-reptilien/15163.html
- „Ende Februar 2026 beginnt die Wanderung von Erdkröten, Fröschen und Molchen im Wilhelmsburger Inselpark Hamburg (Pressemitteilung vom 17.02.2026).“ – Quelle: https://www.hamburg.de/politik-und-verwaltung/bezirke/mitte/aktuelles/pressemitteilungen/kroetenwanderung-im-wilhelmsburger-inselpark-1140048
- „Jedes Jahr werden in Deutschland Tausende Amphibien durch Straßenüberfahrten getötet; Naturschutzgruppen stellen Fangzäune auf und kontrollieren diese täglich (Stand: 2026).“ – Quelle: https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/aktion-kroetenwanderung/index.html
Update: Warum das Thema wichtig bleibt
Der Amphibienschutz zeigt, wie stark lokales Handeln wirken kann: In Hamburg wurden in der Krötensaison 2026 an zwei Standorten mehr als 4.400 Tiere lebend gerettet. Gleichzeitig macht der Beitrag deutlich, dass die Rettung an Zäunen und in Fangeimern nur ein wirksamer „Zwischenschritt“ ist – während Amphibienwanderungen weiter durch Straßen und Wege zur Gefahr werden.
Für betroffene Gruppen wird daraus vor allem eines wichtig: Ehrenamtliche Teams brauchen Unterstützung und verlässliche Planung, weil die täglichen Kontrollen personalintensiv sind. Parallel braucht es dauerhafte Infrastruktur, etwa Leitsysteme wie Krötentunnel, damit Verkehr nicht weiterhin der zentrale Risikofaktor bleibt. Auch für Umweltbildung ist der Ansatz relevant, weil Menschen bei den Einsätzen sichtbar nachfragen und sich für die Tiere interessieren.
Was Leserinnen und Leser jetzt wissen sollten
Warum reichen Fangzäune und tägliche Kontrollen nicht aus?
Der Beitrag erklärt: Temporäre Systeme können das Risiko mindern, ersetzen aber keine dauerhaften Lösungen entlang von Straßen.
Was beeinflusst die Bestände der Amphibien außer der Rettung am Zaun?
Genannt werden vor allem Wasserstände, Wetter und Habitatbedingungen im jeweiligen Lebensraum.
Wie können Menschen sich an den Einsätzen beteiligen?
Der BUND berichtet, dass für 2027 weitere Freiwillige gesucht werden. Eine passende Anlaufstelle können Fachstellen, Beratungsstellen oder zuständige Behörden sein.
Welche dauerhaften Schutzlösungen werden gefordert?
Der Beitrag nennt als unverzichtbar dauerhafte Leitsysteme wie Krötentunnel entlang von Straßen und Wegen.
Newsletter-Anmeldung
Vergessen Sie nicht unseren Newsletter zu abbonnieren, damit Sie immer auf dem laufenden bleiben.