Gesundheitshandwerke fordern Bürokratieabbau und Digitalisierung für sichere Patientenversorgung

Modernes blau beleuchtetes News-Studio mit runden LED-Podesten und großem Bildschirm mit Schriftzug ‚Verbands‑Monitor eins zu eins‘.
Beim Parlamentarischen Abend der Gesundheitshandwerke am 13. November 2025 diskutierten Vertreter der Augenoptik, Hörakustik, Orthopädie- und Zahntechnik mit 70 Politikern über die Zukunft der Patientenversorgung. Die Branche warnt vor zunehmender Bürokratie, Materialpreissteigerungen und Fachkräftemangel, die die Versorgungsqualität gefährden. Deutschlandweit sichern etwa 30.000 Betriebe mit rund 192.000 Beschäftigten die medizinische Grundversorgung.

Inhaltsverzeichnis

– Parlamentarischer Abend der Gesundheitshandwerke am 13. November 2025
– Gesundheitshandwerke fordern weniger Bürokratie und Planungssicherheit
– Sie sichern Versorgung mit Hilfsmitteln und sind systemrelevant

Gesundheitshandwerke fordern Entlastung bei Parlamentarischem Abend

Am Donnerstag, den 13. November 2025, trafen sich Vertreter der Gesundheitshandwerke mit Politikern in der Vertretung des Landes Brandenburg beim Bund. Im Mittelpunkt des Parlamentarischen Abends stand die Sicherung der Patientenversorgung angesichts wachsender Herausforderungen. Die fünf Gesundheitshandwerke – Augenoptik, Hörakustik, Orthopädieschuhtechnik, Orthopädietechnik und Zahntechnik – diskutierten mit politischen Entscheidungsträgern über notwendige Rahmenbedingungen für die Zukunft.

Die Betriebe fordern mehr Planungssicherheit und Entlastung von administrativen Aufgaben, um sich wieder stärker auf ihre Kernaufgabe – die patientennahe Versorgung – konzentrieren zu können.

  • Teilnehmer und Branchengröße: 70 Abgeordneten und Spezialisten diskutierten mit den Handwerksvertretern über die Zukunft der Gesundheitsversorgung (Stand: 13. November 2025).*

Kernaussagen der Verbandsvertreter

Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), brachte die Situation der Betriebe auf den Punkt: „Die gesundheitshandwerklichen Betriebe sichern Lebensqualität und gesellschaftliche Teilhabe für Millionen von Menschen. Doch anstatt sich auf die Patientenversorgung konzentrieren zu können, kämpfen sie mit aufwendiger Dokumentation, Materialpreissteigerungen und Fachkräftemangel. Nur durch Planungssicherheit und weniger Bürokratie bleibt handwerkliche Gesundheitsversorgung auch in Zukunft ein verlässlicher Partner im System – menschlich, qualitativ und wirtschaftlich.“

Der Parlamentarische Staatssekretär Tino Sorge würdigte die systemische Bedeutung: „Ohne die Gesundheitshandwerke wäre die Versorgung in Deutschland kaum denkbar. Spezialisierte Anbieter von Hilfsmitteln und Zahnersatz stellen seit Jahren ein hohes Versorgungsniveau sicher. Gesundheitsberufe mit hoher Expertise sind längst nicht nur ein Qualitätsmerkmal des deutschen Gesundheitssystems – sie sind auch ein Standortfaktor, den wir stärken wollen.“

Dr. Stephan Pilsinger, stellvertretender Vorsitzender des Gesundheitsausschusses, sicherte politische Unterstützung zu: „Die deutschen Gesundheitshandwerke stehen für qualitativ hochwertige Hilfsmittel in mittelständisch geprägter Produktion. Als Abgeordneter setze ich mich für weniger Bürokratie und Planungssicherheit für unsere Gesundheitshandwerke ein. Sie bilden aus, sichern wertvolle Arbeitsplätze und halten unsere Versorgung am Laufen. Vonseiten der Politik müssen wir unsere Meisterbetriebe, Digitalisierung und Wettbewerb stärken. So bleiben wir auch international spitze.“

Bürokratie als Belastung – Fakten und Entwicklung

Die Bürokratielast in Sanitätshäusern und Gesundheitshandwerken hat sich in den letzten Jahren deutlich verschärft. Während 2022 noch etwa 50 Prozent der Betriebe mit einer Zunahme der Bürokratie rechneten, stieg dieser Wert bis 2024 auf über 70 Prozent an*. Diese Entwicklung setzte sich fort: Fast 90 Prozent der Betriebe gingen 2023 von steigenden Bürokratiepflichten aus, während dieser Anteil mittlerweile bei fast 100 Prozent liegt*.

Wie stark Bürokratie wahrgenommen wird

Die quantitative Belastung zeigt sich besonders deutlich im Zeitaufwand: Mehr als zwei Drittel der Betriebe müssen mehr als 30 Prozent ihrer Arbeitszeit für bürokratische Aufgaben verwenden*. Konkret bedeutet dies, dass allein für zwei ausgewählte Hilfsmittel in Sanitätshäusern 585.200 Stunden Bürokratieaufwand im Jahr 2023 anfielen*.

Jahr Aussage/Wert Einheit/Bemerkung Quelle/Stand
2022 ~50% erwarten Bürokratiezunahme Stand: 2024
2023 fast 90% erwarteten Zunahme Stand: 2024/2025
2024 >70% sehen starke Zunahme Stand: 2024
2024/2025 fast 100% erwarten Zunahme Stand: 2024/2025

Treiber: Verträge und Dokumentation

Die Hauptursachen für diese Entwicklung liegen in zwei Bereichen:

  • Vertragswirrwarr mit Krankenkassen wird von etwa 92 Prozent der Betriebe als Hauptbürokratietreiber genannt*
  • Dokumentationspflichten gegenüber Kostenträgern sehen etwa 86 Prozent als wesentliche Belastung*

Diese komplexen administrativen Anforderungen binden Ressourcen, die eigentlich für die Patientenversorgung zur Verfügung stehen sollten. Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, bringt es auf den Punkt: „Doch anstatt sich auf die Patientenversorgung konzentrieren zu können, kämpfen sie mit aufwendiger Dokumentation, Materialpreissteigerungen und Fachkräftemangel.“

Digitalisierung und Gesetzesänderungen: Chancen für schnellere Versorgung

Die Gesundheitshandwerke stehen vor einem grundlegenden Wandel: Neue digitale Lösungen und gesetzliche Rahmenbedingungen sollen Versorgungsprozesse beschleunigen und bürokratische Hürden abbauen. Aktuelle Projekte und Reformen zielen darauf ab, die Zusammenarbeit zwischen Ärzten, Sanitätshäusern und Patienten effizienter zu gestalten.

Pilotprojekt eBA und Einbindung der Handwerke

Das Pilotprojekt "eBA" (elektronische Begleitakte) entwickelt eine digitale Plattform zur Vernetzung aller Beteiligten in der Gesundheitsversorgung. Neu ist die geplante Einbindung der Gesundheitshandwerke in dieses System*. Die elektronische Begleitakte könnte den Informationsaustausch zwischen Arztpraxen und Sanitätshäusern erheblich vereinfachen. Statt umständlicher Papierdokumentation würden Verordnungen, Messdaten und Anpassungsprotokolle digital übermittelt werden. Dies reduziert nicht nur Verwaltungsaufwand, sondern verkürzt auch Wartezeiten für Patienten. Allerdings stehen den Vorteilen erhebliche Implementierungskosten gegenüber: Betriebe benötigen entsprechende Softwaresysteme und geschultes Personal, um die digitale Infrastruktur nutzen zu können.

GVSG und Forderung zur Einbindung in ePA

Das Gesundheitsversorgungsstärkungsgesetz (GVSG) adressiert direkt die Versorgungsgeschwindigkeit bei Hilfsmitteln. Die Neuregelung ermöglicht Sanitätshäusern und orthopädietechnischen Betrieben eine direktere Beteiligung am Versorgungsprozess und reduziert die Abhängigkeit von vorherigen Krankenkassenprüfungen*. Patienten erhalten dadurch schneller ihre benötigten Hilfsmittel, während Betriebe weniger Zeit mit bürokratischen Abklärungen verbringen.

Parallel fordert das Bündnis "Wir versorgen Deutschland" die vollständige Einbindung orthopädischer Gesundheitshandwerke und Sanitätshäuser in die elektronische Patientenakte (ePA)*. Diese Integration würde Versorgungskontinuität sicherstellen und medizinische Fehler durch bessere Informationsweitergabe vermeiden. Allerdings wirft der direkte Zugriff auf Patientendaten datenschutzrechtliche Fragen auf, die bei der Umsetzung geklärt werden müssen.

Die verschiedenen Ansätze verfolgen dabei unterschiedliche Schwerpunkte: Während die eBA primär bürokratische Prozesse optimiert, zielt das GVSG auf schnellere Versorgungszeiten ab. Gemeinsam ist allen Initiativen das Ziel, die wertvolle handwerkliche Expertise besser in das digitale Gesundheitswesen zu integrieren – ohne dass Betriebe dabei in zusätzlicher Bürokratie ersticken.

Lösungsansätze für mehr Planungssicherheit

Die Gesundheitshandwerke haben konkrete Vorschläge entwickelt, um die Versorgung langfristig zu sichern und bürokratische Hürden abzubauen. Der Branchenreport der Gesundheitshandwerke 2025 (Stand: November 2025)* verweist auf zentrale Reformansätze, die sowohl kurzfristige Entlastung als auch strukturelle Verbesserungen anstreben.

Konkrete Vorschläge aus dem Branchenreport 2025

Die Branche fordert ein Bündel an Maßnahmen, die sich in zwei Kategorien einteilen lassen: administrative Vereinfachungen und gesetzliche Anpassungen. Zu den wichtigsten Vorschlägen gehören:

  • Leitverträge zwischen Leistungserbringern und Kostenträgern zur Standardisierung von Abläufen
  • Einheitlicher Mehrwertsteuersatz auf Hilfsmittel zur Vereinfachung der Abrechnung
  • Entschlackung von Dokumentationspflichten für eine stärkere Fokussierung auf die Patientenversorgung

Diese Maßnahmen zielen darauf ab, was Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), als Grundvoraussetzung benennt: „Nur durch Planungssicherheit und weniger Bürokratie bleibt handwerkliche Gesundheitsversorgung auch in Zukunft ein verlässlicher Partner im System – menschlich, qualitativ und wirtschaftlich.“

Regulatorische Engpässe: Präqualifizierung und Betriebsbegehungen

Besondere Kritik übt die Branche an zwei regulatorischen Hürden: der Präqualifizierung als Zulassungsbeschränkung und den turnusmäßigen Betriebsbegehungen. Die Forderung zur Evaluierung der Präqualifizierung erscheint besonders dringlich, da Apotheken von dieser Pflicht bereits befreit sind – eine Ungleichbehandlung, die die Wettbewerbsfähigkeit der Gesundheitshandwerke beeinträchtigt. Zudem wird die Überarbeitung der alle 20 Monate stattfindenden Betriebsbegehungen gefordert* , um den administrativen Aufwand zu reduzieren.

Die politische Umsetzbarkeit dieser Vorschläge variiert deutlich: Während Leitverträge als Vereinbarungen zwischen Leistungserbringern und Kostenträgern relativ schnell administrativ umgesetzt werden könnten, erfordern Änderungen bei der Mehrwertsteuer-Regelung oder der Präqualifizierung gesetzliche Anpassungen. Dr. Stephan Pilsinger MdB, stellvertretender Vorsitzender des Gesundheitsausschusses, signalisiert Unterstützung: „Als Abgeordneter setze ich mich für weniger Bürokratie und Planungssicherheit für unsere Gesundheitshandwerke ein.“ Die kurzfristige Realisierbarkeit hängt jedoch von der politischen Priorisierung und der Bereitschaft zu schnellen Verwaltungsvereinfachungen ab.

Was jetzt zu tun ist: Perspektiven für die Gesundheitsversorgung

Die Diskussion um die Zukunft der Gesundheitshandwerke geht über betriebswirtschaftliche Fragen hinaus – sie betrifft unmittelbar die Versorgungsqualität. Lange Wartezeiten auf Hilfsmittel, komplizierte Antragsverfahren und fehlende digitale Vernetzung erschweren die Versorgungskette.*

Kurzfristige Maßnahmen

Sofort umsetzbar wäre die vollständige Einbindung der Gesundheitshandwerke in die elektronische Patientenakte (ePA). Diese Forderung unterstützt das Bündnis "Wir versorgen Deutschland" nachdrücklich (Stand: August 2025).* Eine nahtlose digitale Anbindung kann Doppeluntersuchungen vermeiden und Verordnungsprozesse beschleunigen.* Patienten profitieren von einem effizienteren Datenaustausch zwischen Ärzten und Handwerksbetrieben.*

Parallel dazu bietet das im November 2025 vorgestellte Positionspapier der Arbeitsgemeinschaft der Gesundheitshandwerke eine konkrete Diskussionsgrundlage für die politische Debatte.* Es bündelt die zentralen Anliegen der Branche und zeigt praxisnahe Wege zur Verbesserung der Versorgungssituation auf.

Mittelfristiger Handlungsbedarf

Für eine nachhaltige Stärkung der Gesundheitsversorgung empfehlen Experten im Branchenreport drei zentrale Hebel (Stand: November 2025):

  • Vereinheitlichung der Mehrwertsteuer auf Hilfsmittel zur Entlastung der Patienten
  • Einführung transparenter Leitverträge zwischen Krankenkassen und Gesundheitshandwerken
  • Entschlackung der Dokumentationspflichten zugunsten mehr Zeit für die Patientenbetreuung

Diese Maßnahmen schaffen Planungssicherheit für die Betriebe und fördern langfristig die Versorgungsqualität.* Entscheidend ist jetzt, dass Politik, Kostenträger und Gesundheitshandwerke gemeinsam an der Umsetzung arbeiten – damit die Fachbetriebe sich wieder auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können: die menschennahe, qualitativ hochwertige Versorgung mit individuellen Medizinprodukten.

Die vorliegenden Informationen und Zitate stammen aus einer Pressemitteilung des Bundesinnungsverbandes für Orthopädie-Technik.

Weiterführende Quellen:

9 Antworten

  1. Ich bin froh zu sehen,dass endlich über diese Themen gesprochen wird.Ich hoffe,dass wir bald von weniger Bürokratie profitieren können.Aber was ist mit den vorhandenen Gesetzen?Müssen diese nicht auch reformiert werden?

    1. Gute Punkte! Die Gesetze müssen definitiv überarbeitet werden.Das betrifft ja nicht nur uns im Gesundheitswesen sondern viele Branchen.Wie denkt ihr darüber?

  2. ‚Die digitalen Lösungen müssen jetzt kommen!‘ Das sehe ich genauso! Ich frage mich nur, wie schnell das tatsächlich realisiert werden kann und ob das allen Betrieben zugutekommt.

    1. ‚Ja genau! Eine einheitliche Lösung wäre super wichtig für alle.‘ Aber auch hier stellt sich natürlich wieder die Frage der Kosten und der Schulung des Personals.

  3. Das Thema Bürokratie wird oft unterschätzt! Ich hoffe wirklich, dass es bald Veränderungen gibt. Wie kann man sicherstellen, dass die Stimme der Gesundheitshandwerke bei politischen Entscheidungen Gehör findet?

    1. Das ist eine gute Frage! Vielleicht sollte es regelmäßige Foren geben, in denen direkt mit den Entscheidungsträgern gesprochen werden kann. Es wäre spannend zu sehen, wie so etwas konkret aussehen könnte.

  4. Die Forderungen nach weniger Bürokratie und mehr Planungssicherheit sind meiner Meinung nach absolut berechtigt. Besonders die Digitalisierung könnte helfen, aber ich mache mir Sorgen über die Implementierungskosten für kleinere Betriebe.

  5. Ich finde die Diskussion über die Bürokratie im Gesundheitswesen wirklich wichtig. Es ist erstaunlich, wie viel Zeit und Energie in administrative Aufgaben fließt. Was sind die konkreten Maßnahmen, die hier schnell umgesetzt werden können?

    1. Es ist tatsächlich erschreckend, wie sehr sich die Bürokratie ausgebreitet hat. Ich frage mich, ob alle Beteiligten wirklich bereit sind, diese Themen anzugehen und ob wir auch mal andere Lösungen denken können.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Über den Autor

Die Redaktion von Verbandsbüro besteht aus vielen unterschiedlichen Experten aus der Verbands- und Vereinswelt. Alle Beiträge beruhen auf eigene Erfahrungen. Damit wollen wir Ihnen unsere professionellen Leistungen für Ihre Organisation präsentieren. Wollen Sie mehr zu diesem Thema erfahren? Nehmen Sie doch einfach mit uns Kontakt auf.​