– Der Deutsche Frauenrat warnt vor drastischen Folgen der verschärften Grundsicherungsreform für Frauen und Kinder.
– Kritisiert wird, dass Sanktionen den gesamten Haushalt treffen und Kinderarmut zunehmen wird.
– Die Reform fördere nicht nachhaltige Qualifizierung, sondern verlagere Frauen in prekäre Beschäftigungen oder Armut.
Verschärfte Grundsicherung: Frauen und Kinder zwischen Sanktionen und Armut
Der Deutsche Frauenrat warnt vor den Folgen für Frauen und Familien durch die verschärfte Sanktionierungspraxis. Als Interessenvertretung von rund 60 Frauenorganisationen in Deutschland schließt sich der Verband der Kritik von Gewerkschaften und Sozialverbänden an.
„Die mit der Reform der Grundsicherung beschlossenen Sanktionen gegen Leistungsempfängerinnen treffen den gesamten Haushalt und nehmen so auch Partnerinnen und Kinder in Mithaftung.“ (Stand: März 2025, Pressemitteilung)*
In Deutschland waren durchschnittlich knapp 17.000 Kinder und Jugendliche von Kürzungen des Bürgergelds betroffen, die innerhalb ihrer Familien erfolgten.* Der Deutsche Frauenrat warnt: „Mit seiner Reform der Grundsicherung nimmt der Gesetzgeber in Kauf, dass hierzulande zukünftig noch mehr Kinder von Armut betroffen sein werden.“
Lesenswert ist außerdem Bürgergeldreform 2026: Warum Kinder die Leidtragenden sind – Forderungen des Deutschen Kinderhilfswerks.
Die Kritik richtet sich insbesondere gegen die Praxis, Frauen durch Qualifizierungsprogramme dauerhaft in Arbeit zu vermitteln. Frauen in prekären Beschäftigungsverhältnissen, Alleinerziehende und Kinder in betroffenen Haushalten gehören zu den Hauptgefahren.
Der Deutsche Frauenrat betont, dass die Reform gesellschaftliche Risiken verschärft, etwa die Vergrößerung der Armutsquote sowie negative Effekte auf Bildungs- und Entwicklungschancen junger Menschen. Seine Stimme bleibt wachsam, um für Frauen und Kinder bessere Rahmenbedingungen einzufordern.
Die hier aufgeführten Informationen und Zitate stammen aus einer Pressemitteilung des Deutschen Frauenrats.
Weiterführende Quellen:
- „2024 wurden rund 4,8 Prozent der erwerbsfähigen Bürgergeld-Empfänger*innen von insgesamt 1,9 Millionen sanktioniert, meist wegen verpasster Termine (Stand: 2024).“ – Quelle: https://www.vorwaerts.de/inland/buergergeld-so-viel-schaerfer-sind-die-geplanten-sanktionen-wirklich
- „Nach Einführung des Bürgergelds sank die Sanktionsquote auf 0,6 Prozent von April 2023 bis Februar 2024.“ – Quelle: https://doku.iab.de/kurzber/2024/kb2024-15.pdf
- „Sanktionsstufen im Bürgergeld vor der Reform lagen 2023 bei 10 % (1. Pflichtverletzung, 1 Monat), 20 % (wiederholte Pflichtverletzung, 2 Monate) und 30 % (weitere wiederholte Pflichtverletzung, 3 Monate).“ – Quelle: https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/sanktionen-2025/559423/sanktionen-in-der-grundsicherung/
Update: Warum das Thema wichtig bleibt
Einordnung
Die Kritik am verschärften Sanktionskurs geht über einzelne Leistungskürzungen hinaus. Laut Beitrag sollen Sanktionen den gesamten Haushalt betreffen, wodurch auch Partnerinnen und Kinder in „Mithaftung“ geraten können. Dadurch droht mehr Kinderarmut und ein Abbau von Bildungs- und Entwicklungschancen.
Für betroffene Menschen bedeutet das ein höheres Risiko, in Armut abzurutschen oder in prekäre Beschäftigung gedrängt zu werden. Für Politik und Verwaltung stellt sich damit die Frage, wie Qualifizierung tatsächlich nachhaltig wirkt – und ob Reformen soziale Folgen wie steigende Armutsquoten wirksam verhindern. Organisationen und Verbände werden aufgefordert, die Rahmenbedingungen für Frauen und Kinder weiter einzufordern.
Was Leserinnen und Leser jetzt wissen sollten
Warum betrifft die Reform nicht nur Leistungsempfängerinnen und -empfänger?
Weil der Beitrag warnt, dass Sanktionen den gesamten Haushalt treffen und damit auch Partnerinnen und Kinder mitbetreffen können.
Welche Gruppen sieht der Deutsche Frauenrat als besonders gefährdet?
Genannt werden Frauen in prekären Jobs, Alleinerziehende sowie Kinder in betroffenen Haushalten.
Was ist das Kernproblem an der geplanten Qualifizierung?
Der Beitrag kritisiert, dass eher nicht nachhaltig qualifiziert werde, sondern Frauen in prekäre Beschäftigung oder Armut verlagert werden könnten.
Wo kann man sich bei Fragen zur Grundsicherung informieren?
Eine passende Anlaufstelle können Fachstellen, Beratungsstellen oder zuständige Behörden sein.