– Bremen belegt im Bildungsmonitor 2025 zum fünften Mal hintereinander Platz 16.
– Bundesweit niedrigste Bildungsausgaben je Kind und unzureichende Ganztagsbetreuung in Schulen.
– 25 % der ausländischen Schulabgänger verlassen Bremen ohne Schulabschluss.
Bremens Bildungsmonitor 2025: Alarmierende Entwicklung und klare Kritik
Bremen steht im Bildungsmonitor 2025 der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) zum fünften Mal in Folge auf dem letzten Platz unter allen 16 Bundesländern. In vier von 13 untersuchten Kategorien belegt das Land sogar den letzten Rang. Diese Daten offenbaren eine dramatische Bildungssituation: Nirgendwo in Deutschland ist die Bildungsarmut so hoch, die Schulqualität so niedrig, die Förderinfrastruktur so schwach und die Ausgabenpriorisierung so unangemessen wie in Bremen.
Die Folgen dieser Entwicklung sind gravierend, besonders für junge Menschen mit Start- und Entwicklungshemmnissen. „Das ist eine desaströse Ausgangssituation für junge Menschen, ganz besonders für diejenigen mit Start- und Entwicklungshemmnissen. Wenn die Grundkompetenzen Lesen, Schreiben, Sprechen sowie der Umgang mit mathematischen Aufgaben so unzureichend entwickelt sind, wie bei vielen bremischen Schülerinnen und Schülern, dann ist ein Problem auf dem Arbeitsmarkt und damit für den Standort absehbar“, sagt Thomas Küll, Abteilungsleiter Bildung, Arbeitsmarkt, Fachkräfte bei NORDMETALL und AGV NORD.
Bremen investiert vergleichsweise am wenigsten in die Bildung: Gemessen an den Gesamtausgaben je Einwohner gibt das Land die geringsten Mittel für Bildung je Kind oder Jugendlichen aus – sowohl in Grundschulen, allgemeinbildenden Schulen als auch Teilzeit-Berufsschulen. Die Ganztagsbetreuung erreicht in Bremen ebenfalls nicht das bundesweite Niveau: Während bundesweit 46,6 Prozent der Kita-Kinder im Ganztag betreut werden, sind es in Bremen rund zehn Prozent weniger. Im Grundschulbereich liegt Bremen bei der Ganztagsbetreuung im Mittelfeld, doch in der Sekundarstufe I sind es gar 15 Prozent weniger als im Bundesdurchschnitt.
Zudem ist der Anteil ungelerntem Betreuungspersonals im Kindertagesbereich mit fast fünf Prozent doppelt so hoch wie in anderen Bundesländern. Dies wirkt sich negativ auf die Betreuungsqualität und damit indirekt auf die Bildungsentwicklung der Kinder aus.
Ein weiterer beunruhigender Befund betrifft die Integration: Zwar liegt Bremen bei der Studienberechtigungsquote ausländischer Jugendlicher über dem Bundesdurchschnitt, gleichzeitig verlassen jedoch rund 25 Prozent der ausländischen Schulabsolventen die Schule ohne Abschluss – knapp sieben Prozentpunkte mehr als im Bundesdurchschnitt. Hier zeigt sich ein enger Zusammenhang zwischen der sozioökonomischen Herkunft und dem Bildungserfolg.
Trotz der insgesamt besorgniserregenden Lage gibt es wenige positive Aspekte, die verhindern, dass Bremen noch schlechter abschneidet. Das Land ist Spitzenreiter bei der Akademikerersatzquote — also dem Anteil der Hochschulabsolventen an der Bevölkerung im Alter von 15 bis 65 Jahren mit einem Hochschulabschluss — sowie beim Anteil der MINT-Wissenschaftler am wissenschaftlichen Personal. Auch in der Digitalisierung liegt Bremen auf dem dritten Platz im Bundesvergleich.
Thomas Küll fasst den Befund zusammen: „Dass Bremen ein weiteres Mal das Schlusslicht unter allen Bundesländern im Bildungsmonitor wird, ist erschreckend. Zwar sind einige Ergebnisse im Hochschul- und MINT-Bereich erfreulich. Aber all dies hilft nicht, wenn Jugendliche aus dem Ausland unzureichend integriert werden können, die Ganztagsbetreuung auf nahezu allen Bildungsstufen unzureichend ist und die übergeordnete Schulqualität die schlechteste in ganz Deutschland ist. In Kombination mit der sehr hohen Bildungsarmut in Bremen ist absehbar, dass junge Menschen immer häufiger ohne Perspektiven auf den Arbeitsmarkt geraten und die Fachkräftesituation am Standort noch prekärer wird. In Bremen hilft nur ein deutlicher, ganzheitlicher Haltungswechsel in der Bildungspolitik.“
Diese Ergebnisse werfen ein grelles Licht auf die dringende Notwendigkeit, die Bildungspolitik in Bremen grundlegend zu überdenken, um die Chancen junger Menschen zu verbessern und die langfristige Entwicklung des Standorts zu sichern.
Woran Bremens Bildungsprobleme wirklich liegen
Bremen steht im Bildungsmonitor 2025 erneut auf dem letzten Platz unter allen Bundesländern – eine Entwicklung, die vielschichtige Ursachen hat und weitreichende Folgen zeigt. Hinter den Zahlen verbirgt sich eine tiefe soziale Spaltung, die als zentrales Bildungsrisiko wirkt. Kinder und Jugendliche aus benachteiligten Familien starten mit deutlich geringeren Chancen ins Bildungssystem, was sich in schwachen Grundkompetenzen und hohen Schulabbruchquoten niederschlägt. Diese Schere zwischen sozialen Gruppen beeinflusst nicht nur individuelle Entwicklungschancen, sondern auch die gesamtgesellschaftliche Stabilität und die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit Bremens.
Der Vergleich mit anderen Bundesländern und auch internationalen Bildungsregionen zeigt, dass Bremen in mehrfacher Hinsicht besonders unter Druck steht. So sind etwa die Investitionen in Bildung pro Kind im Bundesvergleich auffallend gering, während gleichzeitig der Bedarf an Förderinfrastruktur hoch bleibt. Eine unzureichende Ganztagsbetreuung und ein hoher Anteil ungelerntes Betreuungspersonal setzen zusätzliche Belastungen, die das Bildungssystem schwächen. Die Folgen sind nicht nur schlechtere Lernergebnisse, sondern auch erschwerte soziale Integration, vor allem bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Die Verknüpfung von sozialer Herkunft und Bildungserfolg ist in Bremen besonders eng, was das Risiko erhöht, dass junge Menschen ohne Perspektiven auf den Arbeitsmarkt kommen.
Diese Dynamik hat erhebliche gesellschaftliche und wirtschaftliche Auswirkungen. Ein schlechter Bildungsstand wirkt sich direkt auf die Fachkräftesicherung, Innovationsfähigkeit und langfristige Prosperität der Region aus. Bremen droht, den Anschluss zu verlieren, wenn sich Fehlentwicklungen verfestigen. Bildung wird so zu einem Brennpunkt, an dem sich bestehende soziale Ungleichheiten weiter verschärfen und gerade sozial schwächere Gruppen immer weiter zurückfallen.
Tiefe soziale Spaltung als Bildungsrisiko
Die Verknüpfung von sozioökonomischer Herkunft und Bildungserfolg gehört zu den stärksten Bremsen für Chancengleichheit in Bremen. Kinder aus einkommensschwachen oder bildungsfernen Familien haben geringere Zugriffsmöglichkeiten auf qualitativ hochwertige Bildungsangebote. Dazu zählen unter anderem niedrigere Ganztagsbetreuungsquoten in Kitas und Schulen sowie begrenzte Fördermaßnahmen für sprachliche und mathematische Grundkompetenzen. Dieses Defizit multipliziert sich über die Jahre und spiegelt sich bei Schulabschlüssen und Ausbildungsfähigkeit wider.
Auch der Betreuungsschlüssel und die Qualifikation des pädagogischen Personals spielen eine Rolle: Bremen weist einen überdurchschnittlich hohen Anteil ungelernten Betreuungspersonals auf, was die Qualität der individuellen Förderung schwächt. Die Folge ist ein Kreislauf aus Bildungsarmut und fehlender Aufstiegschance, der sich sozial verfestigt.
Bremens Chancen – was jetzt passieren muss
Wird diese Situation ignoriert, steht nicht nur die Zukunftschance der jungen Generation auf dem Spiel, sondern auch die wirtschaftliche Stabilität und der gesellschaftliche Zusammenhalt Bremens. Ein deutlicher, ganzheitlicher Richtungswechsel in der Bildungspolitik ist dringend nötig. Im Kern geht es um mehr Investitionen, bessere Betreuungskonzepte und einen konsequenten Abbau sozialer Barrieren.
Zentrale Handlungsfelder, die Bremen jetzt angehen muss, sind:
- Erhöhung der Bildungsinvestitionen je Kind und Jugendlichem, um Förderinfrastruktur und Qualitätsstandards zu verbessern
- Ausbau der Ganztagsbetreuung in Kindertagesstätten und Schulen, um Lernzeiten und individuelle Betreuung zu verlängern
- Qualifizierung und Stabilisierung des pädagogischen Personals, um Bildung auf hohem Niveau zu gewährleisten
- Gezielte Programme zur Integration und Förderung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund
- Maßnahmen zur Bekämpfung sozialer Ungleichheiten, die Bildungsbenachteiligung verursachen oder verstärken
Nur durch diese gezielte Kombination struktureller und sozialpolitischer Maßnahmen kann Bremen seine anhaltenden Bildungsprobleme überwinden und langfristig einen Aufschwung in Bildungsgerechtigkeit und Fachkräftesicherung erzielen. Die Herausforderungen sind groß, doch Bremens Potenzial bleibt erhalten, wenn die notwendigen Weichen nun gestellt werden.
Die im Beitrag verwendeten Informationen und Zitate stammen aus einer Pressemitteilung des NORDMETALL Verbandes der Metall- und Elektroindustrie e.V.
8 Kommentare
„Es fehlt einfach an den nötigen Mitteln und Konzepten.“ Das kann nicht so weitergehen! Wir müssen alle darüber sprechen und Druck auf die Politik ausüben! Welche Ideen habt ihr dazu?
„Die Integration von ausländischen Schülern muss besser werden.“ Das sehe ich genauso! Die Schulabschlüsse zeigen es deutlich. Was können wir tun, damit jeder eine faire Chance hat?
Es ist frustrierend zu sehen, dass Kinder aus benachteiligten Familien schlechtere Chancen haben. Es sollte mehr Programme geben, die diese Ungleichheit bekämpfen! Wie könnte man das besser umsetzen?
Ich denke auch, dass spezielle Förderprogramme für diese Kinder wichtig sind! Vielleicht könnten Stipendien eine Lösung sein? Was haltet ihr davon?
Ja genau! Stipendien wären eine gute Idee. Außerdem sollten wir uns Gedanken machen über die Ausbildung des Betreuungspersonals in Kitas und Schulen.
Die Situation in Bremen ist wirklich alarmierend. Ich frage mich, ob die Politik genug tut, um diese Probleme anzugehen. Mehr Geld in Bildung zu stecken wäre ein guter Anfang. Was denkt ihr?
Ich finde es erschreckend, dass Bremen immer noch auf dem letzten Platz im Bildungsmonitor steht. Was denkt ihr, welche Maßnahmen müssten ergriffen werden, um die Bildungssituation zu verbessern? Es scheint, dass mehr Investitionen dringend nötig sind.
Ich stimme Beate zu! Es ist traurig zu sehen, wie viele Kinder ohne Abschluss bleiben. Warum wird nicht mehr getan, um die Ganztagsbetreuung auszubauen? Das könnte vielen helfen!