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Krankenkassen sollen Patientenrechte schützen, nicht beschneiden: Experten fordern Reform bei Hilfsmittelversorgung
Die Frage, wie Menschen in Deutschland mit notwendigen medizinischen Hilfsmitteln versorgt werden, ist hochaktuell und betrifft Millionen Versicherte. Die Debatte um die Mehrkosten bei Einlagen und Kompressionshilfen spitzt sich weiter zu: Der Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik (BIV-OT) warnt davor, Patienten verantwortlich zu machen, wenn die Kassen Hilfsmittel nicht ausreichend finanzieren.
Im Zentrum der Kritik steht eine aktuelle Forderung des GKV-Spitzenverbandes, dem Interessenvertreter der gesetzlichen Krankenkassen. Diese möchten auswerten, aus welchen individuellen Motiven Versicherte sich für kostenpflichtige Varianten entscheiden. Doch laut BIV-OT ist das der falsche Weg. Die Verantwortung für die wirtschaftliche, bedarfsgerechte Versorgung liege bei den Krankenkassen, nicht bei den Patienten.
"Wer Mehrkosten tragen muss, weil die Kasse die Hilfsmittelversorgung nicht auskömmlich finanziert, braucht keine Beschneidung seines grundrechtlich garantierten Rechts auf informelle Selbstbestimmung – sondern eine verlässliche Finanzierungsgrundlage für seine Sachleistung. Die wirtschaftliche Regelversorgung ist Aufgabe der Krankenkassen, nicht der Versicherten," erklärt BIV-OT-Präsident Alf Reuter (Zitat-Quelle: Pressemitteilung).
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Rund 80 Prozent der Hilfsmittel werden ohne Mehrkosten abgegeben. Doch gerade bei Einlagen und Produkten zur Kompressionstherapie herrscht ein anderes Bild. Veraltete Festbeträge führen dazu, dass viele Patienten selbst zuzahlen müssen – ein Missstand, der die wachsende soziale Ungleichheit verschärft und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben erschwert.
Laut dem Bundesinnungsverband ist die Ursache klar: Nicht mangelnde Information der Patienten ist das Problem, sondern eine strukturelle Unterfinanzierung wichtiger Hilfsmittelgruppen. Die Qualität und Ausstattung, die sich viele Menschen wünschen – und medizinisch dringend benötigen –, sind im vergüteten Rahmen schlicht nicht enthalten.
"Wenn Kassen wissen wollen, warum sich Versicherte für bestimmte Hilfsmittelvarianten entscheiden, sollten sie sich die eigenen Verträge anschauen – nicht die Patienten befragen," betont Alf Reuter (Zitat-Quelle: Pressemitteilung). Gerade bei komplexen orthopädischen Bedürfnissen sei eine Standardlösung häufig keine Option.
Die aktuelle Rechtslage schützt das Selbstbestimmungsrecht der Patienten ausdrücklich: Die Beratung über kostenfreie Alternativen muss dokumentiert werden – nicht aber die persönlichen Entscheidungen und Hintergründe der Versicherten. Ein verpflichtender Bericht über die Gründe, warum jemand Zuzahlungen auf sich nimmt, wäre laut dem Verband ein unzulässiger Eingriff in die Privatsphäre – und würde zusätzlich die ohnehin hohe Bürokratie in den Betrieben weiter steigern.
Der Verband fordert daher:
- Anpassung der Finanzierung für eine solide Regelversorgung, insbesondere in unterfinanzierten Bereichen wie Einlagen und Kompressionstherapie,
- keine neuen Berichtspflichten, die Patientenrechte beschneiden,
- und eine konsequente Stärkung der Versorgungsqualität statt des Ausbaus von Kontrollbürokratie.
"Die Politik muss die eigentlichen Probleme angehen: Wenn die Regelversorgung wirtschaftlich nicht tragfähig ist, braucht es Reformen – nicht Misstrauen gegenüber den Versicherten," so Reuter abschließend (Zitat-Quelle: Pressemitteilung).
Hintergrund:
Der Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik vertritt über 4.500 Sanitätshäuser und Werkstätten bundesweit und steht damit für mehr als 48.000 Fachkräfte in einem systemrelevanten Bereich. Jährlich werden in Deutschland über 25 Millionen Versorgungen vorgenommen. Die Forderungen des Verbandes sind damit nicht nur von wirtschaftlicher, sondern vor allem von gesellschaftlicher Bedeutung – denn sie entscheiden maßgeblich über Teilhabe, Selbstbestimmung und Lebensqualität von Millionen Menschen.
Die Versorgung mit medizinischen Hilfsmitteln ist mehr als eine technische Frage. Sie ist ein Gradmesser für Gerechtigkeit, Solidarität und Menschlichkeit in unserer Gesellschaft. Deshalb ist es höchste Zeit, dass die Politik handelt – im Interesse aller.
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BIV-OT fordert: Kassen müssen Regelversorgung sicherstellen – statt …
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Regelversorgung in der Orthopädietechnik: Hintergründe, aktuelle Entwicklungen und künftige Herausforderungen
Die Diskussion um eine angemessene Regelversorgung im Bereich Orthopädietechnik spiegelt seit Jahren grundlegende Herausforderungen im deutschen Gesundheitssystem wider. Während der Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik mit Nachdruck auf eine auskömmliche Finanzierung insbesondere der Produktgruppen Einlagen und Hilfsmittel zur Kompressionstherapie hinweist, stehen Versicherte und Leistungserbringer zunehmend vor Hürden, die eine qualitativ hochwertige Hilfsmittelversorgung gefährden könnten. Der aktuelle Konflikt mit dem GKV-Spitzenverband über die Ausgestaltung und Dokumentation der Mehrkosten verdeutlicht dabei einen zentralen Trend: Anstelle von Bürokratie und Berichterstattung wächst der gesellschaftliche Anspruch auf eine sachgerechte, bedarfsgerechte und informierte Versorgung.
Experten beobachten, dass veraltete Festbeträge und eine mangelhafte Anpassung an die tatsächlichen Kostenstrukturen seit Jahren Anlass für Kontroversen bieten. Gerade im internationalen Vergleich zeigt sich, dass Länder mit dynamischeren Finanzierungssystemen einen spürbaren Innovationsschub in der Hilfsmittelversorgung erleben, während hierzulande Nachsteuerungsbedarf besteht. Branchenverbände und Patientenvertretungen betonen die Bedeutung patientenzentrierter Lösungen und warnen vor einer Schwächung der Patientenrechte durch ausufernde Berichtspflichten. Die Zahl von mehr als 25 Millionen Hilfsmittelversorgungen pro Jahr belegt dabei die Relevanz der Thematik für ein breites Publikum.
In den kommenden Jahren gelten insbesondere digitale Versorgungsstrukturen und eine bessere Schnittstellenkoordination zwischen Leistungserbringern, Kostenträgern und Patienten als entscheidende Säulen für eine nachhaltige Reform. Politische Vorstöße, die regelmäßig im Bundesgesundheitsministerium diskutiert werden, fokussieren verstärkt auf Transparenz, Zugang und Qualitätssicherung – Faktoren, die sowohl für die Versorgungsrealität im Alltag als auch für Nutzer und Anbieter entscheidend sind. Für Betroffene, die Orientierung und Informationen zu aktuellen Entwicklungen in der Hilfsmittelversorgung suchen, empfiehlt sich beispielsweise der direkte Kontakt zu anerkannten Innungsbetrieben und Fachverbänden. Dort erhalten sie nicht nur seriöse Hinweise zu Leistungen, Abrechnungsmodalitäten und innovativen Produkten, sondern auch unterstützende Beratung in Bezug auf ihre Rechte im Umgang mit Kostenträgern und aktuellen Gesetzesänderungen.
Es bleibt zu erwarten, dass die Frage nach einer zeitgemäßen und sozial gerechten Regelversorgung in der Orthopädietechnik auch weiterhin sowohl die Fachwelt als auch die Politik beschäftigen wird. Eine nachhaltige Lösung bedarf einer fairen Finanzierung, klaren rechtlichen Rahmenbedingungen und einer Anerkennung der Expertenkompetenz derjenigen, die tagtäglich für die Versorgung von Millionen Menschen in Deutschland verantwortlich sind.
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6 Antworten
Ich finde den Artikel sehr aufschlussreich! Die Forderungen sind absolut nachvollziehbar. Patienten sollten nicht für etwas zahlen müssen, was eigentlich ihre Grundrechte betrifft. Gibt es Statistiken zur Versorgungslage?
Die Unterfinanzierung von Hilfsmitteln muss endlich behoben werden! Ich sehe auch den Zusammenhang zwischen finanzieller Unterstützung und Lebensqualität. Wie können wir dafür sorgen, dass unsere Stimmen gehört werden?
Ja genau, wir sollten uns zusammenschließen und aktiv werden! Vielleicht gibt es Möglichkeiten, Petitionen zu starten oder an Demos teilzunehmen? Kennt jemand entsprechende Initiativen?
Es ist echt wichtig, dass die Kassen mehr für Hilfsmittel zahlen. Ich finde es nicht fair, wenn Patienten die Mehrkosten tragen müssen. Was denkt ihr über die Vorschläge vom BIV-OT? Sollten wir mehr Druck auf die Politik ausüben?
Ich stimme zu! Es ist einfach ungerecht, dass Patienten für das bezahlen müssen, was sie brauchen. Warum gibt es nicht schon längst bessere Regelungen? Hat jemand von euch Erfahrungen mit der Hilfsmittelversorgung gemacht?
Das Thema ist wirklich brisant. Es sollten unbedingt Reformen her! Ich hoffe, dass die Politik bald handelt und das Problem ernst nimmt. Wer hat Informationen zu aktuellen Entwicklungen in der Gesetzgebung?