– Höchster Biogas-Einspeisezubau seit zehn Jahren: 21 Anlagen, 272 Gesamt, 1,4 Mrd. m³/Jahr.
– Auslaufende GasNZV Ende 2025 gefährdet deutschen Biomethan-Ausbau und internationale Wettbewerbsfähigkeit.
– Fachverband Biogas fordert dauerhafte Nachfolgeregelung, höhere Treibhausgasquote und realistische EEG-Novelle.
Deutschland droht beim Biomethan den Anschluss zu verlieren
Deutschland erlebt 2024 mit 21 neuen Biogas-Einspeiseanlagen den stärksten Zuwachs seit einem Jahrzehnt. Damit sind aktuell 272 Anlagen am Netz, die etwa 1,4 Milliarden Kubikmeter Biomethan pro Jahr einspeisen – das entspricht rund einem Drittel der in Deutschland geförderten Erdgasmenge beziehungsweise 1,6 Prozent des jährlichen Gasverbrauchs. Dennoch warnt Horst Seide, Präsident des Fachverbandes Biogas: „Dieses kleine Zwischenhoch kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Weltmarktführer Deutschland beim Biomethan allmählich den Anschluss verliert.“
Während Europa mit dem RePowerEU-Programm darauf setzt, die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu verringern und den Ausbau sauberer Energien zu beschleunigen, stagniert die deutsche Biogasproduktion seit Jahren. Die EU-Roadmap sieht für 2040 und 2050 einen Gasbedarf in Höhe von 100 bis 150 Milliarden Kubikmeter vor, der diversifiziert und zunehmend durch Biogas, Biomethan und Bio-LNG gedeckt werden soll. Der Europäische Biogasverband (EBA) prognostiziert den Bau von rund 900 Biomethan-Anlagen in den nächsten fünf Jahren und sieht Biogas als mögliches Mittel, diesen Bedarf fast vollständig zu decken.
Ein entscheidendes Hindernis für den deutschen Ausbau ist das Auslaufen der Gasnetzregulierung für Biomethan in der Gasnetzzugangsverordnung (GasNZV) Ende 2025. Trotz einer Übergangsregelung im neuen Energiewirtschaftsgesetz fehlt eine verlässliche langfristige Perspektive, die für die mehrjährigen und kostenintensiven Projekte unabdingbar ist. Hinzu kommt der zerrüttete Treibhausgas-Quotenhandel, der durch falsch deklarierte Kraftstoffmengen und Mehrfachanrechnungen zu einer starken Preisverunsicherung führt. Diese Faktoren bremsen die Branche erheblich aus.
Seide kritisiert: „In Zeiten, in denen teure neue Gaskraftwerke und LNG-Terminals gebaut werden, Klimaschutzmaßnahmen und Speicherkapazitäten händeringend gesucht sind, wird der Biomethanmarkt sträflich vernachlässigt. Das ist für uns völlig unverständlich.“ Christoph Spurk, Vizepräsident des Fachverbandes, ergänzt: „Noch sei ‚Biogastechnologie Made in Germany‘ ein Qualitätskriterium und weltweit gefragt; man dürfe nicht auch noch die letzte verbleibende deutsche Erneuerbare Energien Technik verlieren.“
Der Fachverband Biogas fordert deshalb dringend eine dauerhafte Nachfolgeregelung für die GasNZV und eine Anhebung der Treibhausgas-Quote sowie des Mindestanteils für fortschrittliche Kraftstoffe im Jahr 2027. Zudem müsse wirksamer Betrug im Quotenhandel verhindert werden. Seide betont die volkswirtschaftlichen Vorteile von Biomethan: „Biogas ist volkswirtschaftlich immer günstiger als neue fossile Gaskraftwerke, schneller verfügbar und klimafreundlich. Durch die stärkere Nutzung von Biomethan und Bio-LNG werden Anlagen zudem dunkelflautenfähig.“ Damit kann Biomethan eine wichtige Rolle in der nachhaltigen Energieversorgung spielen und zugleich zur Versorgungssicherheit beitragen.
Europas Energiewende und Biomethan: Deutschland im internationalen Vergleich
Biomethan spielt auf europäischer Ebene eine immer wichtigere Rolle in der Energiewende. Angesichts von RePowerEU und der Reduzierung der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen aus Russland setzen zahlreiche Länder verstärkt auf grüne Gasmoleküle wie Biomethan, Bio-LNG und Biogas. Diese erneuerbaren Energieträger gelten nicht nur als klimafreundliche Alternativen, sie lassen sich auch speichern und bei Dunkelflauten flexibel einsetzen. Deutschland steht dabei an einem entscheidenden Wendepunkt: Trotz eines Zubaus an Biogas-Einspeiseanlagen, der 2024 mit 21 neuen Anlagen den höchsten Wert seit zehn Jahren erreichte, besteht die Gefahr, im internationalen Wettbewerb den Anschluss zu verlieren.
Die EU-Roadmap sieht vor, den Gasbedarf bis 2040 und 2050 durch eine diversifizierte Versorgung von 100 bis 150 Milliarden Kubikmeter jährlich zu decken, wobei Biogas, Biomethan und Bio-LNG eine zentrale Rolle einnehmen. Der Europäische Biogasverband (EBA) geht sogar davon aus, dass dieser Bedarf perspektivisch nahezu vollständig über Biogas gedeckt werden kann. Im Vergleich dazu leistet Biomethan in Deutschland momentan erst etwa 1,6 Prozent am Gasverbrauch, obwohl die installierten Anlagen knapp 1,4 Milliarden Kubikmeter pro Jahr einspeisen – das entspricht rund einem Drittel der in Deutschland geförderten Erdgasmenge.
Trotz dieses Wachstums hemmen unsichere politische Rahmenbedingungen den weiteren Ausbau. Die Gasnetzregulierung für Biomethan, eine wichtige Voraussetzung für den Ausbau, läuft mit der Gasnetzzugangsverordnung (GasNZV) zum Jahresende 2025 aus. Die fehlende langfristige Perspektive trifft Unternehmen, die auf jahrelange Planung und hohe Investitionen angewiesen sind. Zusätzlich belastet der zerrüttete Treibhausgas-Quotenhandel im Kraftstoffsektor mit falsch deklarierten Mengen und Mehrfachanrechnungen die Branche massiv. Dies führt nicht nur zu einem Preisverfall, sondern auch zu großer Verunsicherung bei allen Akteuren.
Der daraus resultierende Bedeutungswandel von Gasimporten wird in Deutschland bisher nicht ausreichend berücksichtigt. Während das Land teure neue Gaskraftwerke und LNG-Terminals baut, wird das Potenzial von Biomethan vergleichsweise vernachlässigt. Horst Seide, Präsident des Fachverbandes Biogas, bringt es auf den Punkt: „Dieses kleine Zwischenhoch kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Weltmarktführer Deutschland beim Biomethan allmählich den Anschluss verliert.“ Der deutsche Markt hinkt somit hinter den europäischen Entwicklungen hinterher, obwohl „Biogastechnologie Made in Germany“ weiterhin als Qualitätsmerkmal weltweit gefragt ist.
Eine Anpassung der politischen Rahmenbedingungen könnte die Situation deutlich verbessern. Werden die administrativen Hemmnisse abgebaut und langfristige Rechtssicherheit geschaffen, könnten Unternehmen wieder in den Ausbau investieren. Außerdem ist eine Anhebung der Treibhausgas-Quote und des Mindestanteils für fortschrittliche Kraftstoffe notwendig, um Betrug effektiv zu verhindern und die Marktdynamik zu stärken. Nicht zuletzt könnte eine umfassende EEG-Novelle mit realistischem Blick auf Biomethanpotenziale auch die flexible lokale Verstromung fördern.
Für die Bevölkerung, die Umwelt und die Wirtschaft ergeben sich durch eine gestärkte Biomethanproduktion vielfältige Chancen. Biomethan ist volkswirtschaftlich günstiger als neue fossile Anlagen, schneller verfügbar und klimafreundlich. Es fördert regionale Wertschöpfung, schafft Arbeitsplätze und kann zur Versorgungssicherheit beitragen.
Wichtig ist deshalb, dass Deutschland die Biomethan-Wende nicht verpasst und an der europäischen Spitze bleibt. Andernfalls droht der Verlust einer Technologie, bei der das Land bislang eine Vorreiterrolle innehatte.
Chancen und Risiken für zentrale Zielgruppen im Überblick:
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Unternehmen
- Chancen: Langfristige Planungssicherheit, Innovationsförderung, Exportmöglichkeiten
– Risiken: Unklare Regulierungen, Investitionsrisiken, Marktverunsicherung durch Quotenhandel
- Chancen: Langfristige Planungssicherheit, Innovationsförderung, Exportmöglichkeiten
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Bevölkerung
- Chancen: Klimafreundliche Energieversorgung, regionale Beschäftigung, niedrigere Energiekosten
– Risiken: Verzögerte Energiewende, Abhängigkeit von fossilen Importen
- Chancen: Klimafreundliche Energieversorgung, regionale Beschäftigung, niedrigere Energiekosten
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Umwelt
- Chancen: Reduktion von Treibhausgasemissionen, nachhaltige Nutzung von Biomasse, Beitrag zur Energiewende
– Risiken: Potenzielle Verzögerungen beim Ausbau erneuerbarer Gase, anhaltende fossile Nutzung
- Chancen: Reduktion von Treibhausgasemissionen, nachhaltige Nutzung von Biomasse, Beitrag zur Energiewende
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Politik
- Chancen: Erreichen von Klimazielen, Stärkung der Energiesicherheit, Vorbildfunktion in Europa
– Risiken: Verpasste Chancen bei Innovation und Energiespeicherung, Abhängigkeit von Importen
- Chancen: Erreichen von Klimazielen, Stärkung der Energiesicherheit, Vorbildfunktion in Europa
Die fortschreitende europäische Energiewende setzt klare Maßstäbe. Deutschland muss seine Rolle aktiv gestalten, damit Biomethan als zukunftsfähiger Energieträger den Beitrag leisten kann, den Politik, Wirtschaft und Gesellschaft dringend benötigen.
Die Informationen und Zitate in diesem Beitrag basieren auf einer Pressemitteilung des Fachverbandes BIOGAS e.V.