– Deutschland ist Spitzenreiter bei Sozialausgaben, aber Schlusslicht in der Bildung.
– Nur 9,3 Prozent der Gesamtausgaben fließen in den Bildungsbereich.
– Investitionen in Bildung sind essenziell für soziale Sicherungssysteme und Fachkräfte.
Deutschland investiert zu wenig in seine Zukunft
Düsseldorf, 24.11.2025 – Eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt Deutschland als Spitzenreiter bei Sozialausgaben – mit einem gravierenden Nachteil für den Bildungssektor. Nur 9,3 Prozent der Gesamtausgaben flossen zuletzt in Bildung*. Der VDI warnt: „Deutschland darf sich seine Zukunft nicht länger kaputt sparen.“
Dr. Thomas Kiefer, Bereichsleiter Beruf, Bildung und Netzwerke im VDI, stellt klar: „Es ist bedauerlich zu sehen, dass ein so reiches Land wie Deutschland nicht mehr in die Zukunft investiert, indem es Investitionen in das dringend sanierungsbedürftige Bildungssystem einen höheren Stellenwert einräumt.“ Er betont die systemische Bedeutung: „Gute Bildung trägt zum Erhalt unserer sozialen Sicherungssysteme maßgeblich bei. Sie führt zu geringeren Gesundheitsausgaben und gut ausgebildeten Fachkräften mit potenziell gut bezahlten Jobs. Das ist eine wichtige Stütze für ein beitragsfinanziertes Sozialsystem.“
Der VDI hat das Thema in seiner Initiative „Zukunft Deutschland 2050“ aufgegriffen und arbeitet an konkreten Lösungen für ein zukunftsfähiges Bildungssystem.
Bildungsausgaben im internationalen Vergleich: Deutschland fällt zurück
Die aktuelle Diskussion um Bildungsinvestitionen lässt sich nur vor dem Hintergrund längerfristiger Entwicklungen verstehen. Deutschland positioniert sich im internationalen Vergleich der Bildungsausgaben im unteren Mittelfeld – ein Befund, der verschiedene Kennzahlen bestätigen. Laut OECD liegt der Anteil der Bildungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt in Deutschland bei 4,4 Prozent (Stand: 2025), während der OECD-Durchschnitt 4,7 Prozent erreicht . Diese Differenz zeigt: Andere Industrienationen investieren relativ zur Wirtschaftsleistung mehr in ihre Bildungssysteme.
Die Entwicklung der vergangenen Jahre offenbart eine paradoxe Situation: Zwischen 2015 und 2022 stiegen die öffentlichen Bildungsausgaben in absoluten Zahlen um 15,2 Prozent (Stand: 2025), gleichzeitig sank ihr Anteil an den öffentlichen Gesamtausgaben von 9 Prozent auf 8,4 Prozent. Diese gegenläufige Entwicklung erklärt sich durch das stärkere Wachstum anderer Ausgabenbereiche – die Bildungsinvestitionen konnten trotz nominaler Steigerungen nicht Schritt halten.
Drei Perspektiven auf Bildungsinvestitionen
Die Bewertung von Bildungsausgaben hängt maßgeblich von der gewählten Kennzahl ab. Der Anteil an den öffentlichen Gesamtausgaben zeigt, welche Priorität die Politik der Bildung im Haushaltsgefüge einräumt. Der Anteil am Bruttoinlandsprodukt hingegen misst die wirtschaftliche Anstrengung einer Gesellschaft für Bildung – unabhängig davon, ob die Mittel aus öffentlichen oder privaten Quellen stammen. Absolute Investitionssummen schließlich geben Aufschluss über die real verfügbaren Ressourcen, berücksichtigen jedoch nicht Inflation oder gestiegene Schülerzahlen.
Aktuelle Daten der Europäischen Kommission bestätigen den Trend: Deutschlands Bildungsausgaben beliefen sich 2023 auf 9,2 Prozent der öffentlichen Gesamtausgaben und 4,5 Prozent des BIP (Stand: 2023)*. Diese Werte liegen deutlich unter dem EU-Durchschnitt und verdeutlichen die investitionspolitische Lücke.
Warum Bildungsinvestitionen die Gesellschaft stärken
Bildungsausgaben sind keine Konsumausgaben, sondern Zukunftsinvestitionen mit multiplen Rückwirkungen auf die Gesellschaft. Dr. Thomas Kiefer, Bereichsleiter Beruf, Bildung und Netzwerke im VDI, betont: „Gute Bildung trägt zum Erhalt unserer sozialen Sicherungssysteme maßgeblich bei. Sie führt zu geringeren Gesundheitsausgaben und gut ausgebildeten Fachkräften mit potenziell gut bezahlten Jobs.“
Diese Wechselwirkungen zeigen sich in mehreren Dimensionen: Höhere Bildungsinvestitionen senken langfristig die Sozialausgaben, stärken die Innovationsfähigkeit der Wirtschaft und sichern die Fachkräftebasis. In einer alternden Gesellschaft gewinnt diese Perspektive zusätzliches Gewicht – denn nur gut qualifizierte Erwerbstätige können die Sozialsysteme stabil halten.
Bildungsausgaben im Faktencheck: Deutschland im internationalen Vergleich
Die Diskussion um Deutschlands Bildungsinvestitionen lässt sich anhand aktueller Zahlen konkretisieren. Verschiedene internationale Studien zeigen ein differenziertes Bild der deutschen Bildungsfinanzierung, das sowohl Stärken als auch Entwicklungsbedarf offenbart.
Internationale Vergleiche
Im globalen Maßstab zeigt sich Deutschland bei den Bildungsausgaben leicht unterdurchschnittlich. Die Bildungsausgaben in Deutschland liegen im Verhältnis zum BIP bei 4,4 Prozent (Stand: 2025), während der OECD-Durchschnitt bei 4,7 Prozent liegt (Stand: 2025).
Noch deutlicher wird die Diskrepanz im EU-Vergleich: Der Anteil der Bildungsausgaben an den öffentlichen Gesamtausgaben erreicht in der EU durchschnittlich 9,6 Prozent (Stand: 2025)*. Diese internationalen Vergleichswerte verdeutlichen, dass andere Industrienationen dem Bildungssektor tendenziell eine höhere Priorität einräumen.
Entwicklung 2015–2022
Die Betrachtung des Zeitraums 2015 bis 2022 offenbart interessante Entwicklungen: Die öffentlichen Bildungsausgaben in Deutschland stiegen nominal um 15,2 Prozent (Zeitraum: 2015–2022; Stand: 2025)*. Gleichzeitig sank ihr Anteil an den öffentlichen Gesamtausgaben von 9,0 Prozent auf 8,4 Prozent – ein Indiz dafür, dass andere Ausgabenbereiche stärker gewachsen sind.
Besonders dynamisch entwickelten sich die Investitionen im Vorschulbereich: Die öffentlichen Ausgaben für Bildungseinrichtungen in Deutschland stiegen hier zwischen 2015 und 2022 um 54,3 Prozent (Zeitraum: 2015–2022; Stand: 2025)*, während der OECD-Durchschnitt bei lediglich 24 Prozent lag.
| Jahr | Indikator | Wert | Einheit | Quelle/Stand |
|---|---|---|---|---|
| 2023 | Bildungsausgaben (Anteil öffentl. Gesamtausgaben) | 9,2 | % | Stand: 2023* |
| 2023 | Bildungsausgaben (Anteil BIP) | 4,5 | % | Stand: 2023* |
| 2025 | Bildungsausgaben (Anteil BIP, OECD-Vergleich) | 4,4 | % | Stand: 2025* |
| 2025 | OECD-Durchschnitt (Bildungsausgaben Anteil BIP) | 4,7 | % | Stand: 2025* |
| 2025 | Fachkräftemangel (Prognose) | 200.000 | Personen | Stand: 2025* |
Die aktuelle Entwicklung zeigt zudem, dass die Investitionen im deutschen Bildungssektor bis 2025 auf 20,0 Milliarden Euro steigen werden (Stand: 2025). Diese Steigerung erfolgt vor dem Hintergrund eines sich verschärfenden Fachkräftemangels, der bis 2025 voraussichtlich auf 200.000 Fachkräfte ansteigen wird (Stand: 2025).
Die Zahlen belegen eine ambivalente Entwicklung: Während absolute Steigerungen bei den Bildungsausgaben zu verzeichnen sind, bleibt Deutschland im internationalen Vergleich zurück und steht gleichzeitig vor enormen Herausforderungen durch den Fachkräftemangel.
Wenn Bildung fehlt: Die gesellschaftlichen Folgen
Bildungsdefizite wirken wie ein Dominostein – stößt man einen um, fallen viele weitere Bereiche des gesellschaftlichen Lebens mit. Unternehmen suchen händeringend nach qualifiziertem Personal, während Auszubildende und Studierende unsicher sind, ob sich ihre Bildungswege langfristig auszahlen werden.
Die Konsequenzen verteilen sich auf verschiedene gesellschaftliche Bereiche:
- Arbeitsmarkt und Fachkräftesicherung: Der bestehende Fachkräftemangel hemmt Innovationen und Wachstum. Betriebe können Aufträge nicht annehmen, Projekte verzögern sich. Für Familien bedeutet das unsichere Jobperspektiven und stagnierende Einkommensentwicklungen.
- Sozialsysteme und Gesundheit: Geringere Bildungsbeteiligung führt zu niedrigeren Lebenseinkommen und damit zu sinkenden Sozialbeiträgen. Gleichzeitig zeigen Studien, dass bessere Bildung mit geringeren Gesundheitsausgaben einhergeht – eine doppelte Entlastung für die Solidargemeinschaft.
Demografisch betrachtet verschärft sich die Situation zusätzlich. Weniger junge Menschen müssen künftig die Sozialsysteme für eine älter werdende Gesellschaft tragen. Nur mit exzellenter Ausbildung können sie die dafür nötige Produktivität und Innovationskraft entwickeln. Jeder Euro, der heute in Bildung fließt, sichert morgen nicht nur individuelle Aufstiegschancen, sondern stabilisiert das Fundament unseres Gemeinwesens.
Ausblick & mögliche Schritte
Die Investitionen im deutschen Bildungssektor werden bis 2025 auf 20,0 Mrd. Euro steigen*. Der Ausbau von Aus- und Weiterbildungsprogrammen verspricht langfristige Wirkung, insbesondere in technischen und naturwissenschaftlichen Fächern, in denen der Fachkräftebedarf hoch ist. Fachverbände wie der VDI bringen ihre Expertise ein, um praxisnahe Bildungsinhalte zu entwickeln.
Initiativen wie "Zukunft Deutschland 2050" des VDI zeigen, wie technische Bildung modernisiert und an künftige Anforderungen angepasst werden kann. Solche Ansätze liefern wichtige Impulse für die notwendige Transformation des Bildungssystems.
Die kommenden Jahre werden zeigen, ob Deutschland die Weichen rechtzeitig stellt, um im internationalen Wettbewerb um die besten Köpfe nicht weiter zurückzufallen.
Die vorliegenden Informationen und Zitate beruhen auf einer Pressemitteilung des VDI e. V.
Weiterführende Quellen:
- „Im Jahr 2023 lagen die Bildungsausgaben in Deutschland bei 9,2 % der öffentlichen Gesamtausgaben und 4,5 % des BIP, unter dem EU-Durchschnitt von 9,6 % bzw. 4,7 %.“ – Quelle: https://germany.representation.ec.europa.eu/news/bericht-bildung-investieren-2025-ausgaben-deutschland-unter-eu-durchschnitt-2025-08-27_de
- „Die Bildungsausgaben in Deutschland liegen im Verhältnis zu den Gesamtausgaben bei 9,3 %, im EU-Durchschnitt bei 9,6 % (Stand 2025).“ – Quelle: https://www.iwkoeln.de/fileadmin/user_upload/Studien/Report/PDF/2025/IW-Report_2025-%C3%96ffentl-Ausgaben-internationaler-Vergleich.pdf
- „Die öffentlichen Bildungsausgaben in Deutschland stiegen zwischen 2015 und 2022 um 15,2 %, während ihr Anteil an den öffentlichen Gesamtausgaben von 9 % auf 8,4 % sank.“ – Quelle: https://www.oecd.org/de/publications/2025/09/education-at-a-glance-2025-country-notes_9749f4ff/germany_52735cfb.html
- „Die öffentlichen Ausgaben für Bildungseinrichtungen in Deutschland sind im Vorschulbereich zwischen 2015 und 2022 um 54,3 % gestiegen, während der OECD-Durchschnitt bei 24 % lag.“ – Quelle: https://www.oecd.org/de/publications/2025/09/education-at-a-glance-2025-country-notes_9749f4ff/germany_52735cfb.html
- „Die Bildungsausgaben in Deutschland liegen im Verhältnis zum BIP bei 4,4 %, im OECD-Durchschnitt bei 4,7 % (Stand 2025).“ – Quelle: https://www.oecd.org/de/publications/2025/09/education-at-a-glance-2025-country-notes_9749f4ff/germany_52735cfb.html
- „Die Investitionen im deutschen Bildungssektor werden bis 2025 auf 20,0 Mrd. EUR steigen (Stand 2025).“ – Quelle: https://www.iwkoeln.de/fileadmin/user_upload/Studien/Report/PDF/2025/IW-Report_2025-%C3%96ffentl-Ausgaben-internationaler-Vergleich.pdf
- „Der Fachkräftemangel in Deutschland wird bis 2025 voraussichtlich auf 200.000 Fachkräfte ansteigen (Stand 2025).“ – Quelle: https://www.forschung-und-lehre.de/politik/deutschland-investiert-unterdurchschnittlich-in-bildung-7256
4 Antworten
Die Zahlen sind wirklich alarmierend! Wie kann es sein, dass der Bildungsbereich so vernachlässigt wird? Ich denke, dass wir als Gesellschaft viel mehr Druck auf die Politik ausüben müssen. Wer ist noch dafür?
Ich stimme zu! Die Bildung ist die Basis für alles. Wenn wir da nicht investieren, wird alles andere auch leiden. Wie könnten wir eine Petition starten oder etwas Ähnliches?
Ich finde es erschreckend, dass Deutschland so wenig in Bildung investiert. Wenn wir nicht handeln, woher sollen dann die Fachkräfte kommen? Was denkt ihr, wie wir das ändern können?
Ja genau! Wir müssen mehr für die Bildung tun. Ich sehe oft, wie junge Leute Schwierigkeiten haben, einen Job zu finden. Gibt es Ideen, wie wir mehr Geld in Schulen stecken könnten?