Bildung durch Engagement – Vereine als neue Lernorte

Gruppe von Erwachsenen studiert an einem Tisch mit Notizbüchern

Inhaltsverzeichnis

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Trainieren, organisieren, zuhören, erklären, motivieren, Verantwortung übernehmen – wer sich engagiert, lernt fürs Leben. Ob in der Jugendarbeit, im Sportverein oder in sozialen Projekten: Ehrenamt ist kein „Freizeitfüller“, sondern ein Raum für persönliches Wachstum, soziale Kompetenz und gesellschaftliche Teilhabe. Nur eines war es bislang nicht: offiziell als Bildungsort anerkannt.

Das soll sich nun ändern. Der Koalitionsvertrag 2025 macht deutlich: Vereine sind mehr als Träger von Freizeitaktivitäten – sie sind Bildungsakteure. Diese Anerkennung bringt nicht nur Wertschätzung, sondern öffnet die Tür zu Förderung, Weiterbildung und Kooperation. Ein echter Perspektivwechsel – mit großem Potenzial.

Das Wichtigste zusammengefasst: Bildungspotenzial im Ehrenamt besser nutzen

ThemaGeplante Maßnahme
Anerkennung als BildungsortVereine offiziell als Bildungsorte anerkennen
Zugang zu FördermittelnBessere Finanzierung für Aus- und Weiterbildung
Nationale EngagementstrategieMit Zivilgesellschaft entwickelt, klare Ziele und Zielgruppen

Wo Lernen beginnt, ohne Schule zu sein – Bildungspotenzial im Ehrenamt

Wer schon mal ein Jugendturnier organisiert, ein Sommerlager betreut oder im Verein ein Projekt geleitet hat, weiß: Hier wird nicht nur geholfen, hier wird gelernt – und gelehrt. Doch diese Lernleistungen waren bislang unsichtbar im Bildungssystem. Sie fanden statt – aber sie zählten nicht offiziell.

Engagement ist gelebte Bildung

In vielen Vereinen gehört Bildung ganz selbstverständlich zum Alltag:

  • Junge Menschen lernen Verantwortung zu übernehmen.
  • Erwachsene erwerben Team- und Führungskompetenz.
  • Alle Beteiligten sammeln praktisches Wissen, das oft über Jahre wächst.

Ob Kommunikation, Konfliktlösung, Organisation, Projektplanung oder interkulturelle Kompetenzen – das alles wird im Ehrenamt erprobt, vertieft und weitergegeben. Es ist informelles Lernen in Reinform.


Fehlende Anerkennung bremste Potenziale

Trotz dieser Wirkungen wurden Vereine bisher nicht als offizielle Bildungsorte anerkannt. Das hatte spürbare Folgen:

  • Kein Zugang zu bestimmten Fördermitteln
  • Erschwerte Zusammenarbeit mit Schulen und Bildungsträgern
  • Wenig politische Sichtbarkeit ihrer Bildungsleistung

Dabei sind es gerade die ehrenamtlichen Strukturen, die dort wirken, wo staatliche Bildungsangebote oft nicht mehr hinreichen – in der Freizeit, im Quartier, im Übergang zwischen Schule, Beruf und Gesellschaft.

Der Koalitionsvertrag 2025 bringt die Wende

Endlich schwarz auf weiß: Der Koalitionsvertrag erkennt Vereine und ehrenamtliche Initiativen offiziell als Bildungsorte an. Das ist mehr als ein symbolischer Schritt – es ist eine überfällige politische Aufwertung des Lernens im Ehrenamt.

Bildung, wo Menschen sich einbringen

Die formale Anerkennung als Bildungsort ermöglicht es gemeinnützigen Organisationen:

  • ihre Bildungsleistungen sichtbar zu machen,
  • Zugang zu Fördermitteln zu erhalten,
  • Kooperationen mit Schulen, VHS oder Hochschulen einzugehen,
  • ihre Angebote nach außen professioneller aufzustellen.

Gerade für die Jugendarbeit ist das ein echter Gamechanger. Denn dort findet Bildung in der Lebenswelt statt – praxisnah, niedrigschwellig, freiwillig. Das zu stärken, bedeutet: Lernen dort fördern, wo es wirkt.


Neue Möglichkeiten für Qualifikation und Förderung

Mit der Anerkennung entstehen neue Wege, Trainer:innen, Betreuer:innen und Engagierte gezielt weiterzubilden – z. B. in:

  • pädagogischen Grundlagen,
  • interkultureller Kommunikation,
  • Gruppenleitung und Projektmanagement,
  • Medien- und Digitalkompetenz.

Diese Angebote lassen sich künftig besser finanzieren, breiter aufstellen und gezielter verbreiten – etwa auch digital oder in Teilzeitmodellen. Wer ehrenamtlich Verantwortung übernimmt, verdient Unterstützung. Und zwar nicht nur ideell – sondern auch strukturell.

Weiterbildungen gezielt fördern – damit Engagement Wirkung entfaltet

Anerkennung ist wichtig. Aber damit Engagement wirklich wachsen kann, braucht es mehr: Kompetenz, Sicherheit, Inspiration. Genau hier setzen Weiterbildungen im Ehrenamt an – sie qualifizieren, motivieren und binden Engagierte langfristig. Der Koalitionsvertrag 2025 macht klar: Weiterbildung wird zum festen Bestandteil der Engagementförderung.

Fit für Verantwortung

Ob Übungsleiterin im Sport, Vorstand in einem kleinen Kulturverein oder Jugendgruppenleiter im sozialen Bereich – viele Ehrenamtliche übernehmen anspruchsvolle Aufgaben. Um diese verantwortungsvoll ausfüllen zu können, braucht es gezielte Weiterbildung:

  • rechtliches Grundwissen (z. B. Haftung, Datenschutz)
  • Kommunikation und Konfliktmanagement
  • digitale Tools und Projektorganisation
  • Umgang mit Vielfalt und Inklusion

Solche Kompetenzen sind kein „Nice to have“, sondern notwendig, um moderne Vereinsarbeit auf gesunde Beine zu stellen.


Zugang muss niedrigschwellig sein

Damit Weiterbildungsangebote auch genutzt werden, müssen sie:

  • kostenfrei oder stark vergünstigt sein,
  • zeitlich flexibel – z. B. auch am Abend oder am Wochenende,
  • digital verfügbar, aber auch vor Ort zugänglich,
  • sprachlich und methodisch barrierefrei.

Gerade für junge Menschen, Berufstätige oder Menschen mit geringem Einkommen ist das entscheidend. Bildung im Ehrenamt darf keine Frage des Geldbeutels oder der Herkunft sein – sondern eine Chance für alle, sich persönlich und gesellschaftlich weiterzuentwickeln.


Professionalisierung ohne Entfremdung

Gute Weiterbildung bedeutet nicht, das Ehrenamt zu „verbeamten“. Es geht nicht darum, aus allen Freiwilligen Profis zu machen – sondern sie bestmöglich zu unterstützen, damit sie mit Freude, Sicherheit und Wirksamkeit handeln können.

Denn: Wer sich kompetent fühlt, bleibt dabei. Und wer sich entwickeln kann, bringt oft noch mehr ein.

Engagement braucht Struktur – die neue nationale Engagementstrategie

Viele gute Ideen, viel Energie – aber oft fehlte ein klarer Rahmen. Die Engagementstrategie der Bundesregierung aus dem Jahr 2010 war längst überholt, zu allgemein, zu unverbindlich. Mit der neuen nationalen Engagementstrategie, die der Koalitionsvertrag 2025 vorsieht und das Bundeskabinett im Dezember 2024 beschlossen hat, ändert sich das: Engagementförderung bekommt ein strategisches Fundament.

Engagement braucht Struktur – die neue nationale Engagementstrategie
Bildung durch Engagement – Vereine als neue Lernorte

Breiter Beteiligungsprozess – echte Mitgestaltung

Die neue Strategie ist kein Elitenpapier – sie basiert auf einem einjährigen Beteiligungsprozess mit:

  • über 10.000 erreichten Engagierten,
  • mehr als 8.300 gesammelten Ideen,
  • und Beteiligung von Vereinen, Verbänden, Initiativen und Einzelpersonen.

Das macht sie praxisnah und demokratisch legitimiert – und zu einem echten Spiegel der Zivilgesellschaft.


Fünf strategische Ziele mit klarer Richtung

Die Strategie formuliert konkrete Leitlinien, wie Engagement gestärkt werden soll – jetzt und in Zukunft:

  1. Engagement in Krisenzeiten stärken → z. B. bei Klimakatastrophen, Pandemien oder gesellschaftlichen Umbrüchen
  2. Teilhabe ermöglichen – Vielfalt anerkennen → Ziel: mehr Zugang für unterrepräsentierte Gruppen
  3. Strukturelle Herausforderungen anpacken → etwa bei Rechtsform, Finanzierung oder bürokratischen Hürden
  4. Digitale Transformation begleiten → Engagement digital denken, von Civic Tech bis Ehrenamtsplattform
  5. Grenzüberschreitendes Engagement erleichtern → Fokus auf europäische Zusammenarbeit und internationale Projekte

Das Besondere: Diese Ziele sollen nicht einmalig, sondern laufend überprüft und weiterentwickelt werden – gemeinsam mit der Zivilgesellschaft.


Bildung als roter Faden

Alle fünf Ziele haben eines gemeinsam: Sie setzen auf Wissen, Qualifikation und Lernräume. Bildung wird in der Engagementstrategie nicht nur als Inhalt, sondern auch als Voraussetzung für Teilhabe, Vielfalt und Wirkung verstanden.

Das bedeutet: Vereine, die bilden – ob bewusst oder nebenbei – sind zentrale Akteure dieser neuen Strategie.

Fazit – Vereine als Bildungsorte stärken unsere Gesellschaft

Bildung findet nicht nur in Klassenzimmern statt. Sie passiert auf dem Fußballplatz, im Jugendzentrum, bei der Chorprobe, im Vereinsvorstand. Dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen, sich ausprobieren, andere begleiten – dort entsteht gesellschaftliche Reife. Dass der Koalitionsvertrag 2025 das anerkennt, ist ein gesellschaftspolitischer Meilenstein.

  • Die formale Anerkennung von Vereinen als Bildungsorte schafft neue Perspektiven – für Förderung, Kooperationen und Qualität.
  • Die gezielte Förderung von Weiterbildungen stärkt die Menschen, die sich engagieren – und sorgt dafür, dass sie bleiben.
  • Die nationale Engagementstrategie gibt dem Ganzen eine strategische Klammer: Sie setzt auf Beteiligung, Vielfalt und Zukunftsfähigkeit.

Wer heute in einem Verein Verantwortung übernimmt, soll wissen: Das ist mehr als Ehrenamt. Das ist Bildung, Teilhabe und Zukunftsgestaltung. Und es verdient die gleiche Unterstützung wie jede andere Form des Lernens.

Wenn diese Vision gelingt, wird aus der Zivilgesellschaft nicht nur eine Stimme der Demokratie – sondern auch ein Ort des lebenslangen Lernens für alle.

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🔎 Weiterführende Informationen

Wenn du tiefer einsteigen möchtest – hier findest du zentrale Quellen und weiterführende Analysen zum Koalitionsvertrag 2025:

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8 Kommentare

  1. ‚Wissen und Lernräume‘ – diese Worte sind so wichtig für uns alle! Ich würde mir wünschen, dass auch Senioren im Ehrenamt mehr Unterstützung erhalten. Was denken Sie darüber?

  2. ‚Engagement ist gelebte Bildung‘ – das bringt es auf den Punkt! Wie können wir diese Sichtweise noch stärker in der Gesellschaft verankern? Gibt es da schon Initiativen?

  3. Ich finde die Idee von mehr Bildung im Ehrenamt super! Es ist wichtig für unsere Gesellschaft. Aber wie sieht es mit der digitalen Weiterbildung aus? Werden dazu auch spezielle Programme angeboten?

    1. Gute Frage! Digitale Kompetenzen sind heutzutage unerlässlich. Ich hoffe wirklich, dass dies in den neuen Programmen berücksichtigt wird.

    2. Da stimme ich zu! Gerade für junge Menschen könnte das eine tolle Chance sein. Wissen Sie schon mehr über mögliche Kooperationen mit Schulen?

  4. Die neue Strategie ist echt spannend! Ich hoffe, dass sie auch wirklich umgesetzt wird. Wie können wir sicherstellen, dass die Fördermittel auch bei den kleinen Vereinen ankommen? Es wäre schade, wenn nur die großen profitieren.

    1. Das sehe ich genauso. Es braucht mehr Transparenz bei der Vergabe von Mitteln. Haben Sie Ideen, wie wir als Bürger darauf Einfluss nehmen können?

  5. Ich finde es toll, dass das Ehrenamt jetzt als Bildungsort anerkannt wird. Das zeigt, wie wichtig die Arbeit der Vereine ist! Welche konkreten Schritte werden denn unternommen, um die Finanzierung zu verbessern?

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