Berliner Doppelhaushalt 2026/2027: LIGA kritisiert Haushaltschaos und fordert Planbarkeit für soziale Infrastruktur

Modernes blau beleuchtetes News-Studio mit runden LED-Podesten und großem Bildschirm mit Schriftzug ‚Verbands‑Monitor eins zu eins‘.
Die LIGA Berlin kritisiert den Prozess zur Aufstellung des Berliner Doppelhaushalts 2026/2027 als chaotisch und verunsichernd. Viele soziale Träger wissen demnach noch nicht, ob sie ihre Arbeit im nächsten Jahr fortsetzen können. Die Verbände fordern dringend mehr Planungssicherheit, um die soziale Infrastruktur in der Hauptstadt nicht zu gefährden.

Inhaltsverzeichnis

– Berliner Wohlfahrtsverbände kritisieren den chaotischen Prozess der Haushaltsaufstellung für 2026/2027.
– Das Haushaltschaos verunsichert Träger und gefährdet die Planbarkeit der sozialen Infrastruktur.
– Die Verbände fordern dringend Verwaltungsvereinfachungen und mehr Personaleinsatz für Bescheide.

Berliner Doppelhaushalt beschlossen – Wohlfahrtsverbände kritisieren Verfahren als „Haushaltschaos“

Am 18. Dezember 2025 beschließt das Berliner Abgeordnetenhaus den Doppelhaushalt für die Jahre 2026 und 2027. Die Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege (LIGA Berlin) sehen darin zwar einen vermiedenen Kahlschlag, kritisieren den Prozess der Aufstellung jedoch scharf. Sie fordern dringend mehr Planbarkeit und eine Vereinfachung der Verwaltung, um die soziale Infrastruktur der Stadt nicht zu gefährden.

Oliver Bürgel, Federführer der LIGA Berlin, spricht von konkreten Auswirkungen: „Viele Träger wissen bis heute nicht, ob sie ihre Arbeit im nächsten Jahr fortsetzen können. Wichtige Projekte wurden gestrichen, andere erst in letzter Minute gerettet. Der Berliner Senat hat ein Haushaltschaos produziert, das viele Mitarbeitende und Träger verunsichert und in Existenznöte bringt“ (Stand: 18. Dezember 2025).

Die Unsicherheit zieht sich laut Bürgel durch alle Ebenen. „Erst im Herbst haben die Träger erfahren, ob Tarifsteigerungen für 2025 überhaupt übernommen werden. Es gab ein ständiges Hin und Her. Auch in den Bezirken herrscht bis heute noch Haushaltsunsicherheit“ (Stand: 18. Dezember 2025). Diese Situation belastet die Träger, die einen zentralen Beitrag zur Daseinsvorsorge leisten. Gleichzeitig behindert Personalmangel in den Verwaltungen oft die Ausstellung notwendiger Bescheide.

Als Lösung verweist die LIGA auf Vorschläge einer gemeinsamen Arbeitsgruppe von Land, Bezirken und Verbänden. „Für den nächsten Haushalt müssen unbedingt die Vorschläge […] umgesetzt werden, die eine Verwaltungsvereinfachung ermöglichen. Das aktuelle Haushalts- und Verwaltungschaos führt zu einer enormen Verschwendung von Zeit und Ressourcen, die besser in die soziale Arbeit fließen sollten“, erklärt Oliver Bürgel (Stand: 18. Dezember 2025).

Die Forderung nach Stabilität betrifft einen großen Sektor: In den Einrichtungen der LIGA-Verbände sind in Berlin rund 107.000 hauptamtliche und etwa 53.000 ehrenamtliche Mitarbeitende tätig. Zusätzlich vertreten die Verbände etwa 1.200 Initiativen und Träger und zählen rund 150.000 persönliche Mitglieder.* (Stand: 18. Dezember 2025)

Berliner Haushaltschaos: Ein Verfahren mit vielen Verlierern

Die Kritik der Berliner Wohlfahrtsverbände am Haushaltsprozess trifft einen neuralgischen Punkt der Berliner Verwaltung. Das Problem ist nicht allein die Höhe der Mittel, sondern vor allem die Art und Weise, wie sie verhandelt, bewilligt und ausgezahlt werden. Ein undurchsichtiges Geflecht aus Zuständigkeiten zwischen Senat und Bezirken sowie langwierige bürokratische Verfahren führen zu der beschriebenen Planungsunsicherheit.

Verwaltungsabläufe: Wer entscheidet wann?

Der Berliner Haushalt entsteht in einem mehrstufigen Verfahren, das sich über Monate zieht. Zuerst legt der Senat den Entwurf für den Landeshaushalt vor, der Mittel für landesweite Programme und die pauschale Finanzausstattung der Bezirke enthält. Anschließend beraten und beschließen die zwölf Bezirksverordnetenversammlungen ihre eigenen Haushalte, die auf dieser Grundlage fußen. Diese Abfolge birgt Konfliktpotenzial:

  • Träger der Freien Wohlfahrtspflege beantragen Fördermittel meist bei den für sie zuständigen Bezirksämtern.
  • Die Bezirke sind in ihren Entscheidungen jedoch von den vom Land bereitgestellten Globalmitteln abhängig.
  • Verspätete oder unklare Vorgaben des Senats führen zu einem Dominoeffekt: Die Bezirke können keine verbindlichen Zusagen machen, und die Träger stehen im Ungewissen.

Oliver Bürgel, Federführer der LIGA Berlin, bringt die Folge auf den Punkt: "In den zuständigen Verwaltungen fehlt aber oft das Personal, um Bescheide auszustellen." Das Ergebnis ist ein Teufelskreis aus Warten, Nachfragen und kurzfristigen Entscheidungen, der Ressourcen bindet und Vertrauen zerstört.

Unterschiede zwischen Bezirken

Nicht alle Bezirke reagieren gleich auf die schwierige Haushaltslage. Während viele mit pauschalen Streichungslisten oder Einfrieren von Mitteln reagieren, setzen andere lokale Prioritäten. Diese Unterschiede zeigen, dass der Spielraum der Bezirke durchaus genutzt wird.

Ein Gegenbeispiel findet sich im Bezirk Pankow. Dort wurden im Doppelhaushalt 2026/2027 die Mittel für die Förderung der freien Wohlfahrtspflege um knapp 700.000 Euro erhöht (Stand: Oktober 2025). Zusätzlich stockte die Bezirksverordnetenversammlung die Zuschüsse für Schulsozialarbeit und Jugendberufshilfe um 140.000 Euro auf (Stand: Oktober 2025). Diese Entscheidung steht im Kontrast zu Entwicklungen auf Landesebene.

Denn gleichzeitig kürzt der Senat im Landesprogramm „Mobile Stadtteilarbeit“ drastisch: Die Fördermittel sinken von 3.000.000 Euro im Jahr 2025 auf 706.000 Euro ab 2026 (Stand: 2025)*. Diese Gegenüberstellung macht deutlich: Die Haushaltspolitik des Landes und die Handlungsspielräume der Bezirke erzeugen ein uneinheitliches Bild der sozialen Infrastruktur in Berlin. Während einige Bezirke gegensteuern, führen landesseitige Kürzungen direkt zum Abbau von Angeboten.

Zahlen und Quellen zur Berliner Haushaltslage

Die Debatte um den Berliner Doppelhaushalt 2026/2027 wird durch konkrete Zahlen und Entwicklungen auf verschiedenen Verwaltungsebenen geprägt. Während auf Bezirksebene teilweise Aufstockungen geplant sind, zeigen Landesprogramme gegenteilige Tendenzen.

Im Bezirk Pankow werden im Doppelhaushalt 2026/2027 die Förderung der freien Wohlfahrtspflege um knapp 700.000 Euro erhöht und Zuschüsse für Schulsozialarbeit und Jugendberufshilfe um 140.000 Euro aufgestockt (Quelle: Grüne Fraktion Pankow, Stand: Oktober 2025)*.

Dem steht eine deutliche Mittelkürzung auf Landesebene gegenüber. Im Landesprogramm „Mobile Stadtteilarbeit“ sinken die Fördermittel von 3.000.000 Euro im Jahr 2025 auf 706.000 Euro ab 2026 (Quelle: Stadtteilzentren mobil, Stand: 2025)*. Diese Reduzierung führt dazu, dass 18 Projekte zum 1. Januar 2026 ihre Arbeit einstellen müssen.

Diese gegenläufigen Entwicklungen verdeutlichen die komplexe und uneinheitliche Finanzierungslage der sozialen Infrastruktur in Berlin.

Mögliche Tabelle: Entwicklung Fördermittel Mobile Stadtteilarbeit

Jahr Fördermittel Einheit Quelle/Stand
2025 3.000.000 Euro Stadtteilzentren mobil, 2025*
ab 2026 706.000 Euro Stadtteilzentren mobil, 2025*

Wenn Planung unmöglich wird: Wie Haushaltschaos den sozialen Alltag trifft

Die abstrakten Diskussionen um Haushaltsberatungen und Förderkürzungen entfalten ihre wirkliche Tragweite erst im Alltag der Menschen. Für diejenigen, die auf soziale Angebote angewiesen sind, und für diejenigen, die sie bereitstellen, bedeutet die beschriebene Unsicherheit konkrete Einschnitte. Die Folgen reichen von persönlichen Existenzängsten bis zu spürbaren Lücken in der Versorgung.

Für die Mitarbeitenden in den Einrichtungen der Freien Wohlfahrtspflege verwandelt sich die Haushaltsunsicherheit in eine permanente berufliche Bedrohung. Sie können nicht wissen, ob ihr Arbeitsplatz über das laufende Jahr hinaus gesichert ist. Diese Situation lähmt nicht nur die Motivation, sondern macht auch jede mittelfristige Personalplanung unmöglich. Neue, dringend benötigte Fachkräfte einzustellen, wird zum unkalkulierbaren Risiko, wenn die Finanzierung der eigenen Stelle selbst auf wackeligen Füßen steht. Die Folge sind häufig Einstellungsstopps oder befristete Verträge, die keine Perspektive bieten.

Diese Unsicherheit überträgt sich direkt auf die Nutzerinnen und Nutzer sozialer Dienste. Wenn Projekte gestrichen oder erst in letzter Minute gerettet werden, entstehen Versorgungslücken. Eine Beratungsstelle für Familien in Krisen muss vielleicht ihre Öffnungszeiten reduzieren, ein mobiler Dienst für ältere Menschen kann nicht expandieren, obwohl die Nachfrage steigt. Besonders prekär wird es bei Angeboten, die eine verlässliche, langfristige Begleitung erfordern. Ein Abbruch oder eine Unterbrechung kann hier bereits erreichte Fortschritte zunichtemachen.

Auch das Ehrenamt, eine tragende Säule des sozialen Berlins, leidet unter dem administrativen Chaos. Ehrenamtliche Koordinatorinnen und Koordinatoren verbringen einen wachsenden Anteil ihrer Zeit damit, die Finanzierung von Fahrtkostenerstattungen oder Material für Gruppenstunden zu sichern, anstatt sich inhaltlich um die Projekte zu kümmern. Die von der LIGA Berlin kritisierte Personalknappheit in den zuständigen Verwaltungen führt dazu, dass Anträge monatelang unbearbeitet liegen. Diese Verzögerungen demotivieren freiwillig Engagierte und gefährden das Fortbestehen vieler Initiativen.

Letztlich untergräbt die mangelnde Planbarkeit das Fundament der sozialen Daseinsvorsorge. Sie verwandelt eine notwendige Infrastruktur in ein Flickwerk, das von kurzfristigen Haushaltsentscheidungen abhängt. Die eigentliche Arbeit – die Unterstützung von Menschen in schwierigen Lebenslagen – tritt in den Hintergrund, während der Kampf um die eigene Existenzgrundlage in den Vordergrund rückt. Die sozialen Folgen dieses Zustands sind weniger laut, aber nicht weniger gravierend als die diskutierten Haushaltszahlen.

Wie Planungssicherheit für Berlins Sozialsystem gelingen kann

Die Debatte um den Berliner Doppelhaushalt hat ein zentrales Problem offengelegt: Die aktuelle Haushalts- und Verwaltungspraxis gefährdet die Stabilität der sozialen Infrastruktur. Die Unsicherheit über Finanzzusagen und das langwierige Bewilligungsverfahren binden wertvolle Ressourcen, die in der eigentlichen sozialen Arbeit fehlen. Für eine zukunftsfeste soziale Landschaft sind daher konkrete strukturelle Verbesserungen nötig.

Eine zentrale Empfehlung zielt auf die Planbarkeit. Mehrjährige, verlässliche Finanzierungszusagen für etablierte und bewährte Angebote sind unerlässlich.* Nur so können Träger Personal langfristig binden, Projekte entwickeln und ihre Qualität sichern. Anstelle eines ständigen „Hin und Her“ braucht es klare Prioritäten und stabile Förderlinien, die über eine Wahlperiode hinausweisen.

Parallel dazu muss die Verwaltungspraxis effizienter werden. Die Digitalisierung von Antrags- und Bewilligungsverfahren kann Bearbeitungszeiten deutlich verkürzen. Entscheidend ist jedoch auch der Personalaufbau in den zuständigen Behörden. Ausreichend qualifizierte Mitarbeitende in den bewilligenden Stellen sind die Voraussetzung dafür, dass Mittel zeitnah fließen und Verträge rechtssicher ausgestellt werden können. Eine Vereinfachung der verwaltungstechnischen Vorgaben würde diesen Prozess zusätzlich entlasten.

Die Umsetzung dieser Verwaltungsvereinfachungen wird ein wichtiger Beobachtungspunkt für die kommenden Haushaltszyklen sein. Ihr Erfolg wird sich daran messen lassen, ob Unsicherheit und bürokratischer Aufwand für die Träger spürbar sinken und mehr Energie in die inhaltliche Arbeit fließen kann.

Die Inhalte dieses Beitrags beruhen auf einer offiziellen Pressemitteilung der LIGA der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege in Berlin.

Weiterführende Quellen:

8 Antworten

  1. „Mobile Stadtteilarbeit“ hat so wichtige Projekte verloren! Es ist bedauerlich, wie solche Kürzungen die Unterstützung von Bedürftigen untergraben können. Was könnte ein Weg sein, um diese Projekte wieder aufleben zu lassen?

    1. „Ja, ich sehe das auch so! Die Menschen müssen wissen, dass ihre Dienste nicht wegfallen werden. Vielleicht sollten wir eine Petition starten oder ähnliche Aktionen ins Leben rufen?

  2. Die Situation für Mitarbeitende in sozialen Einrichtungen ist echt schwierig! Ich hoffe, dass es bald eine Lösung gibt. Wie können wir als Gesellschaft mehr Druck auf die Politik ausüben?

  3. Das Ganze klingt wirklich nach einem Teufelskreis! Die Unsicherheit für die Träger ist nicht nur belastend, sondern auch unfair gegenüber denjenigen, die auf soziale Angebote angewiesen sind. Was denkt ihr darüber?

    1. Ich frage mich, ob die Bezirke wirklich unterschiedliche Prioritäten setzen oder ob das nur ein Eindruck ist. Könnten wir mehr Transparenz in den Entscheidungsprozessen brauchen?

    2. Das Problem mit der Personalknappheit in den Verwaltungen kann ich nur bestätigen! Wie könnte man neue Mitarbeiter gewinnen und halten? Vorschläge wären hilfreich.

  4. Es ist traurig zu sehen, wie das Haushaltschaos die soziale Infrastruktur in Berlin gefährdet. Ich stimme Oliver Bürgel zu, dass die Verwaltung einfacher werden muss. Gibt es denn schon Vorschläge für konkrete Verbesserungen?

  5. Ich finde die Kritik der Wohlfahrtsverbände sehr wichtig. Das Haushaltschaos macht es den Trägern echt schwer, ihre Arbeit zu planen. Was denkt ihr, welche Lösungen könnten helfen, um diese Unsicherheit zu verringern?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Über den Autor

Die Redaktion von Verbandsbüro besteht aus vielen unterschiedlichen Experten aus der Verbands- und Vereinswelt. Alle Beiträge beruhen auf eigene Erfahrungen. Damit wollen wir Ihnen unsere professionellen Leistungen für Ihre Organisation präsentieren. Wollen Sie mehr zu diesem Thema erfahren? Nehmen Sie doch einfach mit uns Kontakt auf.​