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Bekämpfung von Diabetes und Adipositas

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BVMed unterstützt DDG-Forderung: Bekämpfung von Diabetes und Adipositas als ein vorrangiges Politikziel

Berlin | Der Bundesverband Medizintechnologie, BVMed, unterstützt die Forderung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), dass die Bekämpfung von Diabetes und Adipositas ein vorrangiges Politikziel in der neuen Legislaturperiode werden müsse. In seinem kürzlich vorgelegten 12-Punkte-Plan zur Umsetzung der Nationalen Diabetesstrategie hatte der BVMed ebenfalls die enge Verknüpfung von Diabetes und Adipositas betont und ganzheitliche Behandlungsansätze gefordert. „Eine Grundlage ist die Verankerung regelhafter Adipositastherapien im gesetzlichen Leistungskatalog und der Aufbau ausreichender Fort- und Weiterbildungskapazitäten in diesem Bereich“, so BVMed-Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll.

Laut Daten des Robert-Koch-Insituts (RKI) sind etwa ein Viertel der rund 66 Millionen erwachsenen Bundesbürger:innen an Adipositas erkrankt. Adipositas und Diabetes sind dabei eng miteinander verknüpft. „Ähnlich der erfolgreichen Behandlung des Diabetes erfordert die Versorgung von Menschen mit Adipositas eine multimodale Therapie und eine Lebensstilveränderung der Patient:innen. Auch hier ist ein ganzheitlicher Behandlungsansatz demnach essentiell zur Sicherung des individuellen Therapieerfolgs“, heißt es in dem BVMed-Positionspapier, das unter www.bvmed.de/12gegenDiabetes abgerufen werden kann.

Die vorgesehene Einführung eines Disease-Management-Programms (DMP) Adipositas ist dabei aus BVMed-Sicht ein wichtiger Schritt. „Allein die Schaffung eines DMP mit einer Neustrukturierung der wenigen vorhandenen Leistungen wird das existierende Versorgungsdefizit jedoch nicht lösen. Vielmehr ist es für eine regelhafte Adipositastherapie – analog zur Diabetestherapie − zugleich notwendig, die Kernelemente einer leitlinienkonformen Therapie im gesetzlichen Leistungskatalog zu verankern“, so der BVMed. Damit einher müsse eine Verbesserung der Fort- und Weiterbildung gehen. „Die Landesärztekammern müssen ausreichend Fort- und Weiterbildungskapazitäten im Bereich der Adipositastherapie aufbauen“, lautet die BVMed-Forderung.

Der deutsche Medizintechnik-Verband fordert in seinem Positionspapier zudem die Einführung eines nationalen Diabetes-Registers, ein Diabetes-Screening bei Vorsorgeuntersuchungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene sowie die Einrichtung von Lehrstühlen für Diabetes zur Stärkung der technologiebasierten Diabetestherapie. Der BVMed spricht sich zudem für die Aufnahme von telemedizinischen Diabetes-Behandlungen in den EBM-Katalog und die DMP-Programme aus.

„In der kommenden Legislaturperiode muss die 2020 beschlossene Nationale Diabetesstrategie mit Leben gefüllt und konsequent umgesetzt werden. Dabei müssen die bisherigen Anstrengungen mit dem Fokus auf einen ganzheitlichen Lösungsansatz weiterentwickelt und miteinander vernetzt werden. Schließlich hat Diabetes Berührungspunkte zu allen Lebenswelten. Deshalb müssen in der Gesundheitsversorgung eine Vielzahl von Leistungserbringern beteiligt werden“, kommentiert BVMed-Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll.

Der BVMed vertritt als Wirtschaftsverband rund 230 Hersteller und Zulieferer der Medizintechnik-Branche sowie Hilfsmittel-Leistungserbringer und Homecare-Versorger. Die Medizinprodukteindustrie beschäftigt in Deutschland über 235.000 Menschen und investiert rund 9 Prozent ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung. Der Gesamtumsatz der Branche liegt bei über 34 Milliarden Euro, die Exportquote bei 66 Prozent. Dabei sind 93 Prozent der MedTech-Unternehmen KMUs. Der BVMed ist die Stimme der deutschen MedTech-Industrie und vor allem des MedTech-Mittelstandes.

Download des 12-Punkte-Plans in Kurz- und Langfassung

12-Punkte-Plan des BVMed Umsetzung der Nationalen Diabetesstrategie

Der BVMed vertritt die maßgeblichen Hersteller und Händler im Diabetesbereich und verfügt daher über einen besonderen Einblick in die Herausforderungen und Chancen der Diabetestherapie in Deutschland. Für die Aus-gestaltung der Nationalen Diabetesstrategie fordert der BVMed:

  1. Diabetes ganzheitlich denken | Interprofessionell versorgen und Netzwerke stärken
    Die interprofessionelle Kommunikation und Zusammenarbeit aus ärztlichen und zu stärkenden nicht-ärztlichen Leistungserbringern in der Diabetestherapie muss weiterentwickelt werden. Zentral hierfür sind funktionierende Netzwerkstrukturen, die flächendeckend benötigt werden und Versorgung ganz-heitlich denken. Dabei ist auch die Rolle der nicht-ärztlichen Leistungserbringer zu stärken und das Poten-zial der ärztlich delegierbaren Leistungen auszubauen.
  2. Diabetesversorgung | Auch stationär stärken
    Zur Stärkung der Diabetesdiagnostik und -therapie im stationären Setting, müssen angemessene struk-turelle Anpassungen vorgenommen werden. Voraussetzung hierfür sind eine adäquate Qualifikation in der Diabetestherapie, die Intensivierung innerklinischer Vernetzung der versorgenden Akteur:innen mit-einander bzw. mit den Diabetologie-Expert:innen und ein geeignetes Entlassmanagement für den Über-gang in die ambulante Diabetesstrategie.
  3. Qualifikation | Durch adäquate Grund- und Fachausbildung stärken
    Die Stärkung der Diabetes-Versorgung setzt die Weiterentwicklung der Qualifikation voraus: Die Intensi-vierung der Diabetestherapie in der Grund- sowie Fachausbildung des ärztlichen und nicht-ärztlichen Personals ist hierfür ebenso unabdingbar wie die Stärkung der Kompetenzen in der technologiebasierten Diabetestherapie. Dies könnte durch den Aufbau entsprechender Lehrstühle für Diabetes und die Weiter-entwicklung der Curricula der Fachärzt:innenausbildung erfolgen.
  4. Disease-Management-Programme (DMP) Diabetes | Versorgungsnetzwerke flächendeckend etablieren
    Zugang und Vergütung der wesentlichen Diabetestherapieformen im Rahmen der DMP-Verträge müssen unter Einbindung neuer und wissenschaftlich anerkannter Therapieformen (bspw. auch mit digitalen Ele-menten) vereinheitlicht werden.
  5. Frühe Diabetes-Screenings und regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen | Prävention stärken
    Zur Feststellung eines individuellen Diabetesrisikos sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen per Dia-betes-Screening für Kinder im Rahmen der U-Untersuchungen, Kinder und Jugendliche in der Transition und Erwachsene durch Analyse des Risikoprofils sowie abgestimmte Frequenzen der Vorsorgeuntersu-chungen unabdingbar.
  6. Adipositas | Therapieangebot auf- und ausbauen
    Zur Sicherung des individuellen Therapieerfolgs ist ein ganzheitlicher Behandlungsansatz erforderlich, dem die Verankerung regelhafter Adipositastherapien im gesetzlichen Leistungskatalog und der Aufbau ausreichender Fort- und Weiterbildungskapazitäten in diesem Bereich zugrunde liegen.
  7. Zeitgemäße Diabetestechnologien | Diabetes (Selbst-)Management stärken
    Zur Stärkung der eigenen Gesundheitskompetenz und Optimierung der Fähigkeit des Selbstmanagements muss der Zugang zu modernen Diabetestechnologien durch den Einsatz u.a. sensorbasierter kontinuierli-cher Glukosemesssysteme gewährleistet sein. Die hierbei verfügbar gemachten Gesundheitsdaten müs-sen auch in die elektronische Patientenakte übertragen werden können.
  8. Innovationen | Zeitnahen Zugang ermöglichen
    Um den zeitnahen Zugang zu modernen Diabetestechnologien zu gewähren, müssen neuartige Produkte oder Produkte mit Softwarekomponenten plausibel in die Struktur des Hilfsmittelverzeichnisses einge-ordnet werden können. In der Praxis zeigt sich, dass die aktuellen Prozesse hierfür nicht geeignet sind. Um verlässliche, verbindliche und transparente Verfahren bei der Aufnahme von Produkten in den Erstat-tungskatalog zu schaffen, sind Konkretisierungen im Antragsverfahren sowie im NUB-Kontext und ent-sprechende Anpassungen der Verfahrensordnung zum Hilfsmittelverzeichnis erforderlich.
  9. Telemedizin | Vernetzung und Therapieverbesserung ermöglichen
    Telemedizinischen Behandlungen sind als elementarer Bestandteil der Diabetestherapie künftig unab-dingbar, erfordern jedoch die Anerkennung dieser Behandlung im EBM-Katalog sowie in den DMP-Pro-grammen und einheitliche, klare Datenschutzregelungen.
  10. Begutachtung durch Medizinische Dienste | Harmonisierte Regelungen und Stärkung der Diabeteskompetenz
    Neben der Definition bundesweit einheitlicher und zeitgemäßer Prüfkriterien für die Medizinischen Dienste zur Begutachtung der individuellen Versorgungsbedarfe, muss ein Rahmen für den regionsüber-greifenden bundesweiten Einsatz fachspezifischer Ressourcen (Wechsel von regionalem zu disziplinärem Bezug) geschaffen werden. Zur Weiterentwicklung der Fachexpertise sind Fortbildungsverpflichtungen zu definieren; bei der Erarbeitung von Begutachtungsrichtlinien und Grundsatzgutachten sind die relevan-ten Fachgesellschaften und betroffenen Medizinprodukteunternehmen einzubinden.
  11. Diabetesregister | Versorgungsforschung stärken
    Zur Stärkung der Versorgungsforschung sind durch standardisierte Erhebungskriterien und -methodik erhobene Daten erforderlich, die in einem nationalen Diabetesregister zusammenzuführen sind. Regio-nale Register sind hierfür nicht geeignet.
  12. Versorgungsforschung | Daten nutzbar machen
    Die Weiterentwicklung der Bewertungsverfahren von Medizinprodukten erfordert die Erhebung relevan-ter Versorgungsdaten, welche nur innerhalb eines adäquaten Regelungsrahmens mit einer Datenstrate-gie zur Definition eines Zugangs zu versorgungsrelevanten, medizinischen und sonstigen Daten durchzu-führen ist – diese Real-World-Data sollten im Zuge der Methodenbewertung anerkannt werden.

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