– Koalitionsausschuss sendet wichtiges Signal für Energiewende und Wettbewerbsfähigkeit
– BEE begrüßt unveränderte Ausschreibungsmengen für Erneuerbare Energien
– Skepsis bei Kraftwerksstrategie trotz Zustimmung zu H₂-ready-Kraftwerken
BEE begrüßt Koalitionsbeschlüsse mit klaren Forderungen
Der Bundesverband Erneuerbare Energie e.V. (BEE) hat am 14. November 2025 die Beschlüsse des Koalitionsausschusses grundsätzlich positiv bewertet, gleichzeitig aber konkrete Nachbesserungen bei der Kraftwerksstrategie angemahnt. Während die unverändert ambitionierten Ausschreibungsmengen für Erneuerbare Energien als starkes Signal gelobt werden, fordert der Verband zur Sicherstellung der Versorgungssicherheit bis 2032 die sofortige Ausschreibung zusätzlicher 2 GW steuerbarer Leistung*.
Kritisch sieht der BEE die zeitliche Umsetzbarkeit der Kraftwerksstrategie. Zur Deckung des Bedarfs an steuerbarer Leistung schlägt der Verband technologieoffene Lösungen vor und betont, dass dezentrale Erneuerbare-Technologien 2 GW bereitstellen könnten (Stand: 14. November 2025)*. Die sofortige Ausschreibung zusätzlicher Kapazitäten wird als dringend notwendig erachtet.
"Der Kurs ist gesetzt. Jetzt kommt es darauf an, die Beschlüsse schnell umzusetzen. Ein lösungsorientierter Austausch mit dem Bundeswirtschaftsministerium ist dafür zentral – und wir stehen als Branche der Erneuerbaren Energien bereit, diesen Prozess aktiv zu mitzugestalten", erklärt BEE-Präsidentin Ursula Heinen-Esser.
Kraftwerksstrategie: Zwischen Gas und dezentralen Alternativen
Die Debatte um Deutschlands künftige Energieversorgung konzentriert sich zunehmend auf die Frage, wie steuerbare Kapazitäten beschafft werden sollen. Während die Bundesregierung auf einen massiven Zubau von Gaskraftwerken setzt, plädiert die Erneuerbare-Energien-Branche für technologieoffenere Lösungen. Die Entwicklung der Kraftwerksstrategie zeigt dabei eine deutliche Dynamik: Vom ursprünglichen Konzept mit Wasserstoff-fähigen Anlagen hin zu deutlich erweiterten Kapazitätszielen.
Kraftwerksstrategie im Überblick
Die Grundzüge der aktuellen Kraftwerksstrategie wurden am 5. Februar 2024 vorgestellt, als das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz Eckpfeiler mit einem Ziel von 12,5 GW neuer Kapazität präsentierte, darunter 5 GW H2-ready-Gaskraftwerke und Speicherkomponenten (Stand: 5. Februar 2024). Bis Februar 2025 konkretisierte sich das Vorhaben: Die Strategie umfasste neben 12,5 GW H2-ready Gaskraftwerken auch 500 MW Sprinteranlagen und 500 MW Langzeitspeicher, wobei das BMWK die Kosten auf 15–20 Mrd. Euro schätzte (Stand: Februar 2025).
Die Zielmarken wurden im weiteren Verlauf deutlich nach oben korrigiert. Der Koalitionsvertrag 2025 hielt eine Überarbeitung der Kraftwerksstrategie mit einem Ziel von bis zu 20 GW neuer Gaskraftwerksleistung bis 2030 fest; H2-ready war dabei nicht mehr zwingende Voraussetzung (Stand: 2025). Den vorläufigen Abschluss dieser Entwicklung markierte der Beschluss vom 14. November 2025, als die Bundesregierung für 2026 die Ausschreibung von insgesamt 10 GW neuer steuerbarer Kapazitäten festlegte, davon 8 GW mit mindestens zehn Stunden Bereitstellungsdauer, mit klarem Fokus auf Gaskraftwerke (Stand: 14. November 2025).
Warum dezentrale Erneuerbare jetzt relevant sind
Der Bundesverband Erneuerbare Energie e.V. (BEE) äußert deutliche Skepsis gegenüber diesem Ansatz. Aus Sicht des Verbands können dezentrale Technologien wie Bioenergie, Wasserkraft, Geothermie, KWK-Anlagen und Batteriespeicher nicht nur zeitnah und kosteneffizient Energie liefern, sondern auch deutlich mehr als die geplanten 2 GW zusätzliche steuerbare Leistung bereitstellen.
Der BEE argumentiert, dass ein Zubau bei Gaskraftwerken im erforderlichen kurzen Zeitraum bis 2032 kaum realisierbar sei. Dezentrale erneuerbare Alternativen hingegen böten den Vorteil schnellerer Realisierungszeiten und könnten das Energiesystem unmittelbar absichern. Zudem betont der Verband die Bedeutung technologieoffener Investitionen: Während die H₂-ready-Vorgabe grundsätzlich begrüßt wird, stehe mit den steuerbaren Erneuerbaren bereits heute eine praxistaugliche Alternative zur Verfügung, die Versorgungssicherheit gewährleisten könne, ohne auf fossile Brückentechnologien angewiesen zu sein.
Zahlen und Fakten zur Kraftwerksstrategie
Die Entwicklung der deutschen Kraftwerksstrategie zeigt eine deutliche Ausweitung der geplanten Kapazitäten und eine Anpassung der Rahmenbedingungen. Die folgenden Kernzahlen dokumentieren die wichtigsten Beschlüsse und Schätzungen der vergangenen zwei Jahre im Überblick.
| Jahr | Maßnahme/Ziel | Wert | Einheit | Quelle/Stand |
|---|---|---|---|---|
| 2024 | Kapazitätsziel Kraftwerksstrategie | 12,5 | GW | BMWK, 5. Februar 2024 |
| 2025 | Geschätzte Gesamtkosten | 15–20 | Mrd. Euro | BMWK, Februar 2025 |
| 2025 | Überarbeitetes Kapazitätsziel | bis zu 20 | GW | Koalitionsvertrag 2025 |
| 2025 | Ausschreibungsvolumen für 2026 | 10 | GW | Koalitionsausschuss, 14. November 2025 |
Weitere zentrale Beschlüsse und Rahmenbedingungen:
- Die Ausschreibungen für 2026 fokussieren auf Gaskraftwerke; 8 GW der ausgeschriebenen Kapazität müssen eine Bereitstellungsdauer von mindestens zehn Stunden aufweisen.*
- Der Industriestrompreis für energieintensive Unternehmen wurde auf 5 Cent pro Kilowattstunde festgelegt.*
Versorgungssicherheit versus Wettbewerbsfähigkeit: Die Kontroverse um die Kraftwerksstrategie
Die aktuelle energiepolitische Debatte zeigt deutliche Konfliktlinien zwischen verschiedenen Ansätzen zur Sicherung der Stromversorgung. Vertreter erneuerbarer Energien betonen das Potenzial dezentraler Lösungen. Der Bundesverband Erneuerbare Energie e.V. (BEE) äußert sich skeptisch zur kurzfristigen Umsetzbarkeit der geplanten Gaskraftwerke und verweist auf alternative Optionen: "Dezentrale Technologien wie Bioenergie, Wasserkraft, Geothermie, KWK und Batteriespeicher können deutlich mehr als nur 2 GW steuerbare Leistung bereitstellen."
Aus Sicht der Industrie steht die Wettbewerbsfähigkeit im Vordergrund. Der geplante Industriestrompreis von 5 Cent pro Kilowattstunde (Stand: November 2025) soll energieintensive Unternehmen entlasten und Standortnachteile ausgleichen. Parallel plant die Bundesregierung umfangreiche Kraftwerksausschreibungen: Für 2026 sind 10 Gigawatt vorgesehen, davon 8 Gigawatt mit mindestens zehn Stunden Bereitstellungsdauer (Stand: 14. November 2025). Der finanzielle Rahmen dieser Kraftwerksstrategie bewegt sich nach aktuellen Schätzungen zwischen 15–20 Mrd. Euro (Stand: Februar 2025).
Kritische Stimmen hinterfragen die Geschwindigkeit, mit der dezentrale erneuerbare Technologien tatsächlich 2 GW steuerbare Leistung bereitstellen können. Gleichzeitig wirft die Diskussion um einen möglichen Kapazitätsmarkt grundsätzliche Fragen auf.
Die weitere Debatte wird maßgeblich vom Umsetzungstempo und der konkreten Ausgestaltung der Kraftwerksstrategie bestimmt – insbesondere bei den H₂-ready-Vorgaben und der Entscheidung zwischen Kapazitätsmarkt oder Absicherungspflicht.
Die nachfolgenden Informationen und Zitate stammen aus einer Pressemitteilung des Bundesverbands Erneuerbare Energie e.V. (BEE).
Weiterführende Quellen:
- „Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) stellte am 5. Februar 2024 die Eckpfeiler der Kraftwerksstrategie vor, mit Ziel von 12,5 GW neuer Kapazität, darunter 5 GW H2-ready-Gaskraftwerke und Speicherkomponenten.“ – Quelle: https://www.erneuerbare-energien-hamburg.de/de/blog/details/kraftwerksstrategie-und-kapazitätsmechanismus.html
- „Im Koalitionsvertrag 2025 ist eine Überarbeitung der Kraftwerksstrategie mit einem Ziel von bis zu 20 GW neuer Gaskraftwerksleistung bis 2030 festgehalten; H2-ready ist dabei nicht mehr zwingende Voraussetzung.“ – Quelle: https://kpmg-law.de/energie-im-koalitionsvertrag-2025-das-plant-die-kuenftige-regierung/
- „Die Bundesregierung beschloss 2025, für 2026 die Ausschreibung von insgesamt 10 GW neuer steuerbarer Kapazitäten, davon 8 GW mit mindestens zehn Stunden Bereitstellungsdauer, mit klarem Fokus auf Gaskraftwerke.“ – Quelle: https://www.pv-magazine.de/2025/11/14/einigung-im-koalitionssauschuss-ausschreibungsmengen-bleiben-unveraendert-acht-gigawatt-gaskraftwerke/
- „Die Kraftwerksstrategie umfasst neben 12,5 GW H2-ready Gaskraftwerken auch 500 MW Sprinteranlagen und 500 MW Langzeitspeicher; die BMWK schätzte die Kosten im Februar 2025 auf 15–20 Mrd. Euro.“ – Quelle: https://www.energie-klimaschutz.de/eine-kraftwerksstrategie-mit-ueberforderungspotenzial-fuer-den-mittelstand/
- „Die Bundesregierung plant die Einführung eines zentralen Kapazitätsmarkts zur Refinanzierung neuer steuerbarer Kraftwerke, mit Fokus auf den süddeutschen Raum zur Förderung der Netzstabilität.“ – Quelle: https://www.transnetbw.de/de/unternehmen/politik-und-regulierung/strommarkt-und-flexibilitaeten/zentraler-kapazitaetsmarkt
- „Laut Koalitionsausschuss-Beschluss (Stand November 2025) bleibt der Industriestrompreis für energieintensive Unternehmen bei 5 Cent/kWh zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit.“ – Quelle: https://taz.de/Treffen-des-Koalitionsausschusses/
8 Antworten
‚Technologieoffenheit‘ klingt gut! Aber ich frage mich oft: Sind wir wirklich bereit für den Wandel? Wie sieht es mit den finanziellen Mitteln aus? Gibt es Förderungen oder Unterstützung für Unternehmen, die in erneuerbare Technologien investieren wollen?
‚Finanzielle Unterstützung‘ wäre echt hilfreich! Wenn mehr Unternehmen sich beteiligen könnten, wären wir schneller beim Ziel der Energiewende. Wo kann man Informationen über solche Förderprogramme finden?
Ich bin gespannt auf die Diskussionen über die Kraftwerksstrategie und wie Gaskraftwerke darin integriert werden sollen. Es ist wichtig, dass wir einen nachhaltigen Ansatz finden. Wie könnte eine Balance zwischen Erneuerbaren und fossilen Brennstoffen aussehen?
Das ist ein sehr relevantes Thema! Ich hoffe, dass die Bundesregierung auch auf Stimmen aus der Bevölkerung hört. Welche Möglichkeiten haben Bürgerinnen und Bürger, sich aktiv an diesem Prozess zu beteiligen?
Ich finde es wichtig, dass bei der Planung auch Umweltaspekte berücksichtigt werden. Wir dürfen nicht vergessen, welche Auswirkungen Kraftwerke auf unsere Natur haben können. Gibt es schon Studien dazu?
Die BEE hat gute Punkte angesprochen, besonders was die Notwendigkeit von dezentralen Technologien angeht. Ich frage mich aber, ob wir genug Ressourcen haben, um das alles zu realisieren. Welche Maßnahmen sind geplant, um mögliche Hindernisse zu überwinden?
Das ist ein guter Punkt! Ich denke auch, dass wir mehr über die Technologie und die Investitionen nachdenken müssen. Wo können wir mehr Informationen finden? Ich habe gehört, dass es auch viele spannende Entwicklungen in der Bioenergie gibt.
Ich finde die Entscheidung des Koalitionsausschusses wirklich wichtig für die Energiewende. Die Ausschreibungsmengen für Erneuerbare Energien sind ein Schritt in die richtige Richtung, aber wie sieht es mit der Umsetzung aus? Können wir wirklich so schnell zusätzliche Kapazitäten schaffen?