Bauwirtschaft 2025: Investitionsimpulse dringend nötig – Unsicherheit gefährdet Wohnungsbau und Wachstum

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Die Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe legten im April und Mai 2025 im Vorjahresvergleich noch um rund 8 % zu (nach 12 % im ersten Quartal), doch die Volatilität im Hoch- und Tiefbau sowie die anhaltende Schwäche im Wohnungsbau dämpfen das Wachstum spürbar. Im Wohnungsbau liegt das reale Niveau weiterhin 20–35 Prozentpunkte unter den Werten von 2022 und 2021, im Straßenbau sorgt ein Ausschreibungsstopp bei der Autobahn GmbH für ein Minus von gut 3 %. Der Verband fordert deshalb rasche Investitionsimpulse, etwa ein EH 55-Förderprogramm und verbindliche Mittelbereitstellung, um den dringend benötigten Aufschwung bei Infrastruktur und Wohnraum wieder anzustoßen.

Inhaltsverzeichnis

– Gesamtauftragseingänge im Bauhauptgewerbe April/Mai 2025 um 8 % gesteigert, Wachstum verlangsamt
– Wohnungsbau nominal +7 %, real rund 20 % unter 2022er Niveau, dringender Förderbedarf
– Straßenbau-Auftragseingänge Q2 um gut 3 % rückläufig, Ausschreibungsstopp kritisiert

Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe im Mai 2025: Aktuelle Zahlen und Bedeutung

Im Mai 2025 bleiben die Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe weiterhin aufwärtsgerichtet, jedoch mit etwas langsameren Zuwachsraten als im Quartalsbeginn. Während im ersten Quartal die Order noch um gut 12 Prozent stiegen, verzeichneten April und Mai zusammengenommen ein Plus von etwa 8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dabei zeigt sich eine differenzierte Entwicklung zwischen den einzelnen Bau-Sparten.

Im Wohnungsbau zeichnet sich zwar eine Stabilisierung ab, diese findet jedoch weiterhin auf einem niedrigen Niveau statt. So bedeutet das nominale Plus von gut 7 Prozent im April und Mai gegenüber 2024 unter Berücksichtigung der Preisentwicklung einen realen Rückstand von rund 20 Prozentpunkten gegenüber 2022 und sogar etwa 35 Prozentpunkten gegenüber 2021. Die aktuell weiterhin schwache Entwicklung bei den Baugenehmigungen lässt keine Trendwende erwarten. Deshalb mahnt Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe: „Es bedarf dringend der im Koalitionsvertrag zugesagten Impulse zur Förderung des Wohnungsbaus. Wir plädieren für ein EH 55-Programm, das den Effizienzhausstandard 55 mit einer 100-prozentig regenerativen Heizung kombiniert, etwa über Wärmepumpe, Pelletheizung oder Fernwärmeanschluss. Dies würde eine breitere Schicht an Häuslebauern ansprechen.“

Im Wirtschaftsbau und im öffentlichen Bau bleibt die Entwicklung volatil, geprägt von Großprojekten im Hoch- und Tiefbau. So folgte auf ein 22-prozentiges Plus im April im gewerblichen Hochbau im Mai ein Rückgang um etwa 18 Prozent im Vorjahresvergleich. Der gewerbliche Tiefbau hingegen erlebt nach einem Minus von 5 Prozent im April im Mai einen deutlichen Anstieg um 62 Prozent. Insgesamt weist der Tiefbau, gestützt durch Infrastruktur- und Netzausbau, bis Mai ein signifikanteres Orderplus von circa 29 Prozent auf, während der Hochbau nur knapp 3 Prozent zulegte. Die Industrie liefert aktuell weiterhin keine kräftigen Investitionsimpulse, weshalb der von der Bundesregierung initiierte Investitionsbooster von Seiten des Verbandes begrüßt wird.

Besorgnis erregt die Entwicklung im Straßenbau, wo im zweiten Quartal die Auftragseingänge um gut 3 Prozent unter dem Vorjahresniveau bleiben. Ursache dafür ist offenbar der gegenwärtige Ausschreibungsstopp bei der Autobahn GmbH. Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe fordert daher: „Wir erwarten von der Bundesregierung, dass dieser schnell aufgehoben wird und eine verbindliche Finanzierung sichergestellt wird.“

Der Umsatz in den Betrieben mit mindestens 20 Beschäftigten erreicht bis Mai knapp 41 Milliarden Euro, was einem nominalen Plus von etwa 5 Prozent entspricht. Dabei ist der Tiefbau mit einem Zuwachs von gut 8 Prozent der Haupttreiber, während der Hochbau lediglich um gut 2 Prozent zunahm. Die anhaltend schwache Nachfrage im Wohnungsbau beeinflusst die Umsatzentwicklung hier weiterhin, mit einem Umsatz von rund 8,5 Milliarden Euro bis Mai, was unter dem Vorjahresniveau liegt (-1,7 Prozent).

Diese Zahlen verdeutlichen, dass trotz positiver Gesamtentwicklung in der Bauwirtschaft die Risiken und strukturellen Herausforderungen in einzelnen Segmenten wie Wohnungsbau und Straßenbau bestehen bleiben und gezielte Investitionsanreize erforderlich sind.

Wirtschaftsabschwung, Investitionslücken und Wohnraummangel – was der Bauwirtschaftsmotor jetzt braucht

Die Bauwirtschaft steht aktuell vor einem komplexen Spannungsfeld: Während wichtige Infrastrukturprojekte und der Tiefbau trotz einiger Auftragszuwächse weiter getragen werden, zeigen sich im Wohnungsbau nach wie vor erhebliche Herausforderungen. Die konjunkturellen Unsicherheiten und finanzielle Zurückhaltung bei Investitionen bremsen eine dringend notwendige Belebung des Sektors. Vor allem der Mangel an bezahlbarem Wohnraum und die schleppende Vergabe öffentlicher Mittel verstärken den Handlungsdruck für Politik und Bauwirtschaft gleichermaßen. Um die Wachstumsdynamik im Baugewerbe zu stabilisieren und einen Ausgleich beim Wohnraummangel zu schaffen, sind verlässliche Investitionsimpulse und ein klarer politischer Kurswechsel unerlässlich.

Was bremst den Wohnungsbau?

Der Wohnungsbau hat sich nach einer langen Phase rückläufiger Aktivitäten auf einem niedrigen Niveau stabilisiert, was angesichts steigender Nachfrage und wachsender Bevölkerung in vielen Regionen keine Entspannung bringt. Trotz nominal steigender Auftragseingänge im Frühling 2025 ist das reale Bauvolumen im Vergleich zu den Vorjahren bedeutsam gefallen. Ein großer Teil dieser Entwicklung ist auf hohe Baukosten, komplizierte Genehmigungsverfahren und fehlende politische Förderprogramme zurückzuführen. So fehlt es an breit angelegten und zugleich zielgerichteten Fördermaßnahmen, die den Bau energieeffizienter und gleichzeitig wirtschaftlich attraktiver Wohngebäude ermöglichen.

Ein Beispiel für einen möglichen Impuls ist das vorgeschlagene EH55-Förderprogramm, das Neubauten mit dem Effizienzhausstandard 55 unterstützt und gleichzeitig vollständig auf regenerative Heizungen setzt. Ein solches Programm könnte eine größere Käuferschicht ansprechen und gleichzeitig klimapolitische Ziele fördern. Ohne rasche Einführung solcher Programme und eine unkomplizierte Bereitstellung öffentlicher Mittel droht die Wohnraumknappheit weiter zuzunehmen, da viele Bauunternehmen und private Bauherren auf Investitionssicherheit und verlässliche Rahmenbedingungen angewiesen sind.

Welche Folgen hat die Investitionszurückhaltung?

Die Investitionszurückhaltung wirkt sich nicht nur auf den Wohnungsbau aus, sondern auch auf den Wirtschaftsbau und die öffentliche Infrastruktur. Unsicherheiten in der Finanzierung, bürokratische Hemmnisse und temporäre Ausschreibungsstopps führen dazu, dass dringend benötigte Projekte verzögert oder ganz verschoben werden. Dies betrifft etwa den dringend notwendigen Ausbau von Verkehrswegen, Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen sowie Energieinfrastruktur.

Ein weiterer Effekt zeigt sich in der Beschäftigungslage und im Umsatz der Bauunternehmen: Während der Tiefbau durch öffentliche Infrastrukturprogramme einen gewissen Aufschwung erfährt, bleiben der Hochbau und vor allem der Wohnungsbau hinter den früheren Umsatzzahlen zurück. Die daraus resultierende geringere Kapazitätsbindung bremst die gesamte Branche und schwächt ihre konjunkturelle Rolle. Investitionsimpulse sind daher nicht nur für den Erhalt der Bautätigkeit, sondern auch für die Stabilität der deutschen Wirtschaft insgesamt entscheidend.

Eine dauerhafte Investitionslücke könnte zudem die Preise weiter in die Höhe treiben, was den Zugang zu bezahlbarem Wohnraum zusätzlich erschwert und soziale Spannungen verstärkt. Außerdem gefährden fehlende Mittel den Fortschritt bei zahlreichen Klimaschutzmaßnahmen, da insbesondere energieeffiziente Neubauten und Sanierungen oft auf öffentliche Zuschüsse angewiesen sind.

In den kommenden Monaten wird es darauf ankommen, dass Bund und Länder die zugesagten Förderprogramme zügig umsetzen und die Verfügbarkeit öffentlicher Mittel sicherstellen. Nur so können die Bauunternehmen Planungssicherheit erhalten und den dringenden Handlungsbedarf bei Wohnraum und Infrastruktur angehen. Die Bauwirtschaft erwartet klare Signale sowie einen Politikwechsel, der die Verbindung von nachhaltigem Bauen und wirtschaftlichem Wachstum gezielt fördert.

Die Informationen und Zitate in diesem Beitrag basieren auf einer Pressemitteilung von Zentralverband Deutsches Baugewerbe.

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