Baukonjunktur September 2025: Auftragseingang steigt um 20,7 Prozent – Straßenbau mit ersten positiven Signalen

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Die Bauindustrie verzeichnet im September 2025 einen deutlichen Aufschwung bei den Auftragseingängen. Mit einem realen Plus von 20,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat profitierten erstmals alle Bausparten, auch der zuvor schwächelnde Straßenbau. Trotz dieses positiven Signals fordert die Branche ein konkretes Bauprogramm des Bundesverkehrsministeriums für Schiene, Straße und Wasserstraße.

Inhaltsverzeichnis

– Auftragseingang im Bauhauptgewerbe stieg im September real um 20,7 Prozent.
– Umsatz im Bauhauptgewerbe verzeichnete im September ein reales Plus von 5,1 Prozent.
– Straßenbau erzielte im September ein reales Auftragsplus von 4,4 Prozent.

Baukonjunktur zeigt im September erste Erholungszeichen

Die Baukonjunktur hat sich im September 2025 nach einem verhaltenen August deutlich verbessert. „Nach dem eher verhaltenen Ergebnis im August, hat die Baukonjunktur im September im Vorjahresvergleich angezogen. Von dem Auftragsplus haben diesmal alle Bausparten profitiert – selbst der Straßenbau. Auch wenn der Anstieg zum Teil auf das schlechte Ergebnis im Vorjahresmonat zurückzuführen ist, sind das nach Monaten des Abwärtstrends endlich erste positive Nachrichten.“ Mit diesen Worten kommentiert Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer der BAUINDUSTRIE, die aktuellen Konjunkturdaten.

Der Auftragseingang¹ im Bauhauptgewerbe lag im September mit real² 20,7 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats (Stand: September 2025). Gegenüber dem Vormonat³ verzeichnete die Branche ein Plus von 7,7 Prozent (Stand: September 2025). Dieses positive Ergebnis ist teilweise auf einen Basiseffekt zurückzuführen – im September 2024 war der Auftragseingang um real² 11,6 Prozent zurückgegangen (Stand: September 2025)*.

Für den Gesamtzeitraum Januar bis September 2025 weist das Bauhauptgewerbe¹ ein reales² Plus von 8,0 Prozent aus (Stand: Jan–Sep 2025). Allerdings zeigt sich hier ein differenziertes Bild: Während die meisten Bausparten profitieren, liegt der Straßenbau mit real minus 7,4 Prozent noch unter dem Vorjahresniveau (Stand: Jan–Sep 2025).

Erste positive Signale im Straßenbau

„Für den September allerdings gibt es erste positive Zeichen auch im Straßenbau, der Auftragseingang hat hier um real 4,4 Prozent zugelegt. Zwar auch aufgrund eines Rückgangs im Vorjahr (-9,6 Prozent), wir hoffen aber trotzdem, dass es kein Strohfeuer ist.“ (Stand: September 2025)*

Die BAUINDUSTRIE betont die Dringlichkeit konkreter Bauprojekte. Eine aktuelle Umfrage des IW Köln belegt, dass 77 Prozent aller Unternehmen in ihren betrieblichen Abläufen durch Einschränkungen im Straßenverkehr behindert werden (Stand: September 2025)*. „Das Bundesverkehrsministerium täte gut daran, ein konkretes Bauprogramm für Schiene, Straße und Wasserstraße mit baureifen Projekten vorzulegen.“

Umsatzentwicklung mit Licht und Schatten

Nach einem Minus im August verzeichnete der baugewerbliche Umsatz im gesamten Bauhauptgewerbe¹ im September ein reales Plus von 5,1 Prozent im Vorjahresvergleich (Stand: September 2025). Für die ersten neun Monate ergibt sich damit ein Anstieg von real 1,5 Prozent (Stand: Jan–Sep 2025).

Allerdings zeigen sich weiterhin Schwächen in einzelnen Bereichen: Sowohl der Straßenbau als auch der Wohnungsbau verzeichnen reale Rückgänge von -3,8 Prozent bzw. -3,9 Prozent (Stand: Sept. / Jan–Sep 2025)*. „Die positive Baugenehmigungs- und Auftragseingangsentwicklung im Wohnungsbau ist noch nicht im Umsatz angekommen.“


¹ Baubetriebe mit 20 und mehr Beschäftigten | ² kalenderbereinigt | ³ saison-, kalender- und preisbereinigt
Alle Angaben und Berechnungen beruhen auf Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis)*.

Baubranche: Warum positive Zahlen nicht den ganzen Markt zeigen

Die aktuellen Konjunkturdaten des Bauhauptgewerbes werfen Fragen auf: Wie können Auftragszahlen steigen, während viele Betriebe noch auf spürbare Umsatzverbesserungen warten? Die Antwort liegt in statistischen Besonderheiten und zeitlichen Verzögerungen zwischen Auftragseingang und tatsächlicher Abrechnung.

Baugenehmigungen: Schub im Neubau

Die Genehmigungsstatistik zeigt deutliche Bewegungen im Wohnungsbau. Von Januar bis September 2025 wurden insgesamt 175.600 Wohnungen genehmigt – ein Plus von 11,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum* . Besonders auffällig: Der Neubaubereich verzeichnete im September 2025 einen Anstieg der Genehmigungen um 80,1 Prozent* . Gleichzeitig ging die Zahl der Umbau-Genehmigungen um 4,9 Prozent zurück* .

Im Einfamilienhausbau zeigt sich eine stetige Entwicklung: Von Januar bis September 2025 stiegen die Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser um 17,4 Prozent*. Diese Zahlen deuten auf eine Belebung im privaten Wohnungsbau hin, die jedoch noch nicht bei allen Betriebsgrößen gleichermaßen ankommt.

Warum Aufträge noch nicht überall im Umsatz ankommen

Drei Hauptfaktoren erklären die Diskrepanz zwischen Auftragseingang und Umsatzentwicklung:

  • Basiseffekt: Die aktuellen Steigerungen fallen besonders stark aus, weil sie mit schwachen Vorjahreswerten verglichen werden
  • Zeitliche Verzögerung: Besonders im Mehrfamilienhausbau vergehen oft Monate zwischen Auftragserteilung und fakturierbaren Leistungen
  • Betriebsgrößen: Die offizielle Statistik erfasst nur Betriebe mit 20 und mehr Beschäftigten, während viele Einfamilienhaus-Projekte von kleineren Betrieben realisiert werden

Wie in der Pressemitteilung der Bauindustrie erläutert, arbeiten größere Betriebe überwiegend im Mehrfamilienhausbau, wo Abrechnungen mit deutlich größerem Zeitabstand zum Auftragseingang erfolgen. Diese Verzögerung führt dazu, dass positive Genehmigungs- und Auftragszahlen sich erst mit zeitlicher Verzögerung in der Umsatzstatistik niederschlagen.

Regionale Unterschiede und aktuelle Produktionsdaten

Die Baukonjunktur in Deutschland zeigt sich als Flickenteppich mit erheblichen regionalen Unterschieden. Während bundesweit eine leichte Erholung zu erkennen ist, entwickeln sich einzelne Bundesländer und Bausparten auf unterschiedlichen Pfaden. Rheinland-Pfalz liefert dafür ein anschauliches Beispiel mit gegenläufigen Trends innerhalb des Landes.

Rheinland-Pfalz: Auftragseingang und Umsatz

Im September 2025 zeigt sich die Bauwirtschaft in Rheinland-Pfalz unterschiedlich entwickelt. Das Ordervolumen im Straßenbau brach um -22,6 Prozent ein (Stand: September 2025, Quelle: Statistik Rheinland-Pfalz). Zugleich steigerten die Straßenbauunternehmen ihre Umsätze um +3 Prozent (Stand: September 2025, Quelle: Statistik Rheinland-Pfalz).

Produktion bundesweit: kurzfristige Schwankungen

Auf gesamtwirtschaftlicher Ebene zeigt die Bauproduktion in Deutschland ein differenziertes Bild. Die Produktion im Baugewerbe ging im September 2025 gegenüber dem Vormonat um -0,9 Prozent zurück, während im Vorjahresvergleich ein Plus von +2,1 Prozent zu verzeichnen war (preis-, kalender- und saisonbereinigt, Stand: September 2025, Quelle: Dashboard Deutschland)*.

Diese kurzfristigen Schwankungen verdeutlichen die Volatilität der Baukonjunktur. Die positive Entwicklung im Jahresvergleich gibt jedoch Anlass zu vorsichtigem Optimismus für die weitere Entwicklung.

Periode Region Indikator Wert Quelle / Stand
Sept. 2025 Rheinland-Pfalz Straßenbau Ordervolumen -22,6 % Statistik Rheinland-Pfalz / Sept. 2025*
Sept. 2025 Rheinland-Pfalz Straßenbau Umsatz +3 % Statistik Rheinland-Pfalz / Sept. 2025*
Sept. 2025 Deutschland Bauproduktion (zum Vormonat) -0,9 % Dashboard Deutschland / Sept. 2025*
Sept. 2025 Deutschland Bauproduktion (zum Vorjahr) +2,1 % Dashboard Deutschland / Sept. 2025*

Die regionalen Unterschiede unterstreichen, dass pauschale Aussagen zur Baukonjunktur kaum möglich sind. Während einige Regionen und Bausparten von Auftragszuwächsen profitieren, kämpfen andere weiterhin mit rückläufigen Auftragseingängen. Diese Heterogenität erfordert eine differenzierte Betrachtung der Bauwirtschaft in Deutschland.

Auswirkungen für Gesellschaft und Bauwirtschaft

Die aktuellen Entwicklungen im Baugewerbe zeigen konkrete Folgen für Bürgerinnen und Bürger sowie für die gesamte Wirtschaft. Während steigende Genehmigungszahlen Hoffnung auf Entspannung am Wohnungsmarkt machen, bleiben infrastrukturelle Herausforderungen in vielen Regionen bestehen.

Wohnraum: Was die Genehmigungszahlen bedeuten

Von Januar bis September 2025 wurden in Deutschland 175.600 Wohnungen genehmigt – ein Plus von 11,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum (Stand: Jan–Sep 2025). Besonders deutlich fällt der Anstieg im Neubaubereich aus: Hier wurden 142.600 Wohnungen genehmigt, was einer Steigerung von 14,2 Prozent entspricht (Stand: Jan–Sep 2025).

Diese Zahlen deuten auf eine mögliche Entlastung des angespannten Wohnungsmarktes hin. Mehr Baugenehmigungen bedeuten perspektivisch mehr verfügbaren Wohnraum, was langfristig zu moderateren Mietpreisen führen könnte. Für die Bauwirtschaft signalisieren die steigenden Genehmigungszahlen zudem Planungssicherheit und Beschäftigungsperspektiven.

Infrastruktur: Regionale Belastungen und Folgen

Trotz der positiven Entwicklung im Wohnungsbau zeigen sich in der Infrastruktur weiterhin erhebliche Herausforderungen. Die regionalen Folgen dieser gemischten Entwicklung sind vielfältig:

  • Verkehrsbehinderungen durch marode Brücken und Straßen
  • Lieferverzögerungen für Unternehmen und Handwerksbetriebe
  • Eingeschränkte Mobilität für Pendler und Anwohner

Diese infrastrukturellen Defizite beeinträchtigen nicht nur den Alltag der Bürger, sondern hemmen auch die wirtschaftliche Entwicklung in betroffenen Regionen. Während der Wohnungsbau Impulse erhält, bleibt die Modernisierung der Verkehrsinfrastruktur eine drängende Aufgabe für Politik und Bauwirtschaft.

Ausblick: Diese Indikatoren zeigen die Baukonjunktur an

Die Entwicklung im Bauhauptgewerbe bleibt dynamisch und erfordert kontinuierliche Beobachtung. Wer die Branchenperspektive einschätzen will, sollte mehrere Schlüsselindikatoren im Blick behalten. Der Auftragseingang gilt als Frühindikator für die künftige Beschäftigungslage und Kapazitätsauslastung. Im September 2025 lag der Auftragseingang real 20,7 % über dem Vorjahresmonat, im Vergleich zum Vormonat bestand ein Plus von 7,7 %.* Die Umsatzentwicklung zeigt dagegen, wie sich aktuelle Projekte wirtschaftlich auswirken. Im September 2025 wurde im Vergleich zum Vorjahresmonat ein realer Zuwachs von 5,1 % beim baugewerblichen Umsatz gemeldet.* Die Produktionsdaten geben Aufschluss über die reale Bautätigkeit. Im September 2025 war die Produktion im Baugewerbe um 2,1 % höher als im Vorjahr.* Die Umsetzung baureifer Projekte insbesondere im Infrastrukturbereich macht die politischen Ankündigungen messbar. Von Januar bis September 2025 wurden 175.600 Wohnungen genehmigt, ein Plus von 11,7 %.*

Aktuelle Monatswerte finden sich regelmäßig in den Pressemitteilungen des Statistischen Bundesamtes (Destatis), etwa zu Baugenehmigungen.* Regionale Statistikämter wie das Statistische Landesamt Rheinland-Pfalz liefern zusätzlich differenzierte Daten auf Länderebene.* Für eine detaillierte Aufschlüsselung nach Bausparten lohnt der Blick auf die im Beitrag bereits vorgestellte Tabelle in Kapitel 3.* Entscheidend ist, stets die aktuellsten verfügbaren Monatsdaten (Stand Monatsende) zu prüfen, um Trendwechsel frühzeitig zu erkennen.*

Die Informationen und Zitate in diesem Beitrag stammen aus einer Pressemitteilung des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie e.V.

Weiterführende Quellen:

2 Antworten

  1. Ich finde die Zahlen zum Auftragseingang im Bauhauptgewerbe echt interessant! 20,7 Prozent ist ein starkes Plus. Aber wie wird sich das langfristig auswirken? Könnte es auch wieder Rückgänge geben?

    1. Das ist echt ne gute Frage, Petra. Ich hoffe, dass der Anstieg stabil bleibt. Es wäre gut für die Branche und die Leute, die arbeiten.

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