– Berlin, 15. September 2025: Verbände fordern Investitionsoffensive für marode Infrastruktur.
– Sondervermögen darf nicht zur Haushaltskonsolidierung, sondern für verlässliche Planungssicherheit genutzt werden.
– Rohstoffgewinnung beschleunigen, Daseinsvorsorge anerkennen und faire Arbeitsbedingungen sichern.
Deutschlands Investitionsbedarf im Fokus: Rohstoffe, Bau und Beschäftigte unter Druck
Deutschland steht vor einer gewaltigen Herausforderung: Der größte Sanierungsstau seiner Geschichte belastet Infrastruktur, Verkehr und soziale Einrichtungen zugleich. Marode Brücken, veraltete Schienennetze, überlastete Straßen sowie baufällige Schulen und Kitas zeigen, wie dringend Investitionen nötig sind. Doch die Mittel des Sondervermögens, die dafür vorgesehen sind, geraten zunehmend in Gefahr, nicht für diesen Zweck eingelöst zu werden. Drei führende Verbände der Bau- und Rohstoffwirtschaft – IG BAU, MIRO und die Bauindustrie – schlagen Alarm und verlangen klare Schritte für eine funktionierende Investitionsoffensive.
Christian Strunk, Präsident des Bundesverbands Mineralische Rohstoffe (MIRO), bringt die Herausforderung der Rohstoffversorgung auf den Punkt: Deutschland braucht jedes Jahr über 500 Millionen Tonnen Gesteinskörnungen – Kies, Sand, Splitte und Schotter. Das ist nach Trinkwasser der zweitgrößte Stoffstrom des Landes. Wir können uns derzeit noch vollständig selbst versorgen. Aber immer mehr Gewinnungsbetriebe müssen schließen, weil Gewinnungsgenehmigungen fehlen. Schon heute drohen regionale Engpässe. Für Strunk ist deshalb klar: Die Gewinnung der Gesteinsrohstoffe ist Daseinsvorsorge. Sie muss – wie die Energieversorgung – ins überragende öffentliche Interesse aufgenommen werden. Sonst bleibt der Widerspruch: Milliarden für Bauprojekte, aber keine Steine zum Bauen. Was nützen Scheine ohne Steine? Eine sichere Rohstoffbasis ist somit eine Voraussetzung für jede Investition in die Infrastruktur.
Nicht minder deutlich kritisiert Peter Hübner, Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, den Umgang mit den Haushaltsmitteln. Er stellt fest: Ich sag es deutlich: Es gibt die versprochene Zusätzlichkeit des Sondervermögens nicht. Stattdessen sehen wir einen Verschiebe-Bahnhof von Investitionsmitteln aus dem Kernhaushalt in andere Bereiche. Der normale Etat schrumpft, die Lücke wird mit dem Sondervermögen aufgefüllt. Die Kassen der Kommunen bleiben klamm, es wird weiterhin zu wenig gebaut, auch um Daseinsvorsorge vor Ort zu gewährleisten. Die Verantwortlichen haben aus dem Dresdner Brückeneinsturz offensichtlich nichts gelernt. Das war anders besprochen, liebe Bundesregierung. Hübner macht zugleich einen strukturellen Missstand deutlich: Wir bauen in Deutschland zu kompliziert, wir bauen zu langsam, wir bauen zu ineffizient. Öffentliche Auftraggeber brauchen deshalb mehr Flexibilität in der Auftragsvergabe, um der Vielfalt an unterschiedlichen Bauvorhaben gerecht zu werden. Und nur so können die Mittel des Sondervermögens sowie alle öffentlichen Investitionen effizient eingesetzt werden. Mit weniger Aufwand, weniger Bürokratie und höherer Kostengenauigkeit.
Die Kritik richtet sich also nicht nur gegen die Finanzierung, sondern auch gegen zu starre Strukturen, die Investitionen ausbremsen. Effizienz und pragmatische Abläufe sind Voraussetzung, damit der Investitionsdruck in konkrete Projekte mündet. Besonders wichtig ist auch, dass Genehmigungsverfahren in der Rohstoffgewinnung deutlich beschleunigt werden, um die Versorgung mit heimischen Materialien sicherzustellen.
Carsten Burckhardt, stellvertretender Bundesvorsitzender der IG BAU, lenkt den Blick auf die Menschen hinter der Bauwirtschaft: Es reicht nicht, Milliarden zu beschließen, wenn gleichzeitig die Akzeptanz von Industrie vor Ort fehlt und die notwendigen Rohstoffe nicht genehmigt werden. Corona hat gezeigt: Deutschland ist zu sehr auf Importe angewiesen. Bei Gesteinsrohstoffen sind wir aber resilient aufgestellt. Deutschland kann sich mit Kies, Schotter und Splitt selbst versorgen – wenn die Genehmigungen für die Rohstoffgewinnung umweltgerecht erteilt werden. Für Burckhardt ist die Frage der Arbeitsbedingungen ein entscheidender Faktor für eine nachhaltige Investitionsstrategie: Wichtig ist zudem, dass die Beschäftigten ordentlich bezahlt werden, deshalb unterstützen wir das Vorhaben der Bundesregierung, ein Bundestariftreuegesetz einzuführen. Dies sollte ohne Wenn und Aber von statten gehen. Für Fachkräfte, die aus dem Ausland gewonnen werden, muss der Gesetzgeber sicherstellen, dass sie in tarifgebundenen Betrieben angestellt werden. Und die Beschäftigten brauchen faire Arbeitsbedingungen, das heißt, verträgliche Arbeitszeiten mit ausreichenden Ruhepausen. Eine Win-Win-Situation für Arbeitgeber wie Arbeitnehmer würde schließlich auch die flächendeckende Einführung eines digitalen Zeiterfassungssystems schaffen. Unternehmer wie Beschäftigte hätten optimale Kontrolle über die geleisteten Arbeitsstunden.
Die gemeinsamen Forderungen der Verbände sind eindeutig: Es braucht eine überjährige und verlässliche Finanzierung der öffentlichen Infrastruktur. Die angekündigte Zusätzlichkeit des Sondervermögens muss gesetzlich verankert und für alle Ebenen – Bund, Länder, Kommunen – gesichert werden. Eine regionale Versorgungssicherheit mit heimischen Baurohstoffen gilt es als Daseinsvorsorge zu schützen und durch rasche Genehmigungsverfahren zu garantieren. Zudem sollen faire, tarifvertraglich abgesicherte Arbeitsbedingungen mehr zum Standard werden, damit Fachkräfte gewonnen und gehalten werden können.
Nur mit einer abgestimmten und konsequenten Infrastrukturstrategie, die die gesamte Wertschöpfungskette vom Rohstoff bis zum Fachkräftebedarf abdeckt, kann Deutschland den Sanierungs- und Modernisierungsstau überwinden und die Investitionsoffensive erfolgreich gestalten. Die gemeinsamen Signale von IG BAU, MIRO und Bauindustrie setzen einen klaren Fokus auf die drängenden Themen – Rohstoffversorgung, Bürokratieabbau, Finanzierungsstrukturen und fairer Arbeitsmarkt – die jetzt auf der öffentlichen Agenda stehen müssen.
Infrastruktur am Scheideweg: Ursachen, Herausforderungen und Perspektiven
Deutschland steht vor einer grundlegenden Aufgabe: die dringend notwendige Modernisierung seiner maroden Infrastruktur. Brücken, Straßen, Schienennetze, Schulen und Kitas leiden unter jahrelangem Investitionsstau. Trotz großer finanzieller Mittel reichen der Ausbau und die Sanierung nicht aus, um den Alltag der Bevölkerung, die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft und die Stabilität der sozialen Teilhabe zu sichern. Hinter dieser drängenden Herausforderung stecken komplexe Probleme – von fehlender Planungssicherheit und Rohstoffengpässen über ineffiziente Bauverfahren bis hin zu prekären Arbeitsbedingungen.
Warum ein Investitionsstau zum Problem wird: Fehlende oder verspätete Investitionen haben längst Folgen über den rein baulichen Zustand hinaus. Der Sanierungsstau sorgt für wachsende Verkehrsstaus, erhöhtes Unfallrisiko und Einschränkungen bei öffentlichen Dienstleistungen. Der wirtschaftliche Schaden durch Verzögerungen und Engpässe zieht sich durch alle Branchen, die von funktionierender Infrastruktur abhängen. Gleichzeitig läuft die Daseinsvorsorge Gefahr, nicht flächendeckend und zeitgerecht gewährleistet zu sein.
Der Bundesverband Mineralische Rohstoffe (MIRO) warnt eindringlich vor Rohstoffengpässen, die das Baugeschehen stark einschränken können. Deutschland benötigt jährlich mehr als 500 Millionen Tonnen Gesteinskörnungen wie Kies, Sand und Schotter – nach Trinkwasser der zweitgrößte Stoffstrom im Land. Trotz bisher noch vollständiger Selbstversorgung müssen immer mehr Gewinnungsbetriebe schließen, weil es an Genehmigungen fehlt. Das führt bereits heute zu regionalen Engpässen bei Baurohstoffen.
Rohstoffengpässe und Arbeitsbedingungen: Was droht? Neben der Versorgungssicherheit ist auch die soziale Seite entscheidend. Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) macht deutlich, dass faire Arbeitsbedingungen und tarifvertragliche Absicherung der Beschäftigten unverzichtbar sind. Fachkräftemangel, lange Arbeitszeiten und fehlende tarifliche Standards gefährden nicht nur die Attraktivität der Branche, sondern verschlechtern auch die Qualität der Arbeit und die Planbarkeit von Bauvorhaben. Die geplante Einführung eines Bundestariftreuegesetzes und eine flächendeckende digitale Zeiterfassung könnten hier wichtige Impulse setzen.
Die Kombination aus Rohstoffmangel, fehlenden Genehmigungen, komplexen Bauprozessen und unzureichenden Rahmenbedingungen schafft eine Spirale, die den Ausbau der Infrastruktur weiterhin erschwert. Der Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Peter Hübner, kritisiert: „Wir bauen in Deutschland zu kompliziert, wir bauen zu langsam, wir bauen zu ineffizient.“ Effizienzverluste entstehen durch lange Planungsverfahren, hohe bürokratische Auflagen und starre Regeln, die dringend reformiert werden müssen. Schnelle und flexible Verfahren sind essenziell, damit das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaschutz seine volle Wirkung entfalten kann.
Aktuelle Herausforderungen auf einen Blick:
- Investitionsstau in maroder öffentlicher Infrastruktur mit Folgen für Verkehr, Bildung und Soziales
- Fehlende Planungssicherheit erschwert Rohstoffgewinnung und Bauvorhaben
- Regionale Rohstoffengpässe durch ausbleibende Genehmigungen und Betriebsschließungen
- Komplexe und langsame Genehmigungsverfahren behindern zügige Umsetzung
- Mangel an Fachkräften bei gleichzeitig schlechten Arbeitsbedingungen
- Hohe Bürokratie und ineffiziente Bauprozesse verlangsamen Investitionen
- Gefährdung der Daseinsvorsorge in Kommunen durch knappe Haushalte
International betrachtet steht Deutschland mit seinem ambitionierten Infrastrukturbedarf nicht allein da. Vergleichbare Industrienationen investieren ebenfalls in den Erhalt und Ausbau ihrer Verkehrswege und Versorgungssysteme, erkennen aber zunehmend, wie wichtig Bestandsschutz, Planungssicherheit und nachhaltige Rohstoffversorgung sind. Historische Beispiele zeigen: Fehlende Reformen und Investitionszurückhaltung führen zu teuren Reparaturen später – und zu sozialen Verwerfungen.
Blickt man in die Zukunft, so bietet gerade die aktuelle Diskussion um ein nachhaltiges Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaschutz eine Chance. Mit klaren gesetzlichen Vorgaben zur Zusätzlichkeit der Mittel, beschleunigten Genehmigungsverfahren und einer konsequenten Ausrichtung auf fair bezahlte, gut ausgebildete Fachkräfte könnten bisherige Systemdefizite überwunden werden.
Erfolgreiche Reformen könnten Deutschland nicht nur helfen, den Sanierungsstau abzubauen, sondern auch die Versorgungssicherheit mit heimischen Rohstoffen als Teil der Daseinsvorsorge zu stärken. Zudem würde ein effizienteres Bauen und Planen die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Bauwirtschaft erhöhen und soziale Teilhabe sichern.
Die Weichen für eine moderne Infrastruktur stehen an einem entscheidenden Punkt: Wird die Politik die notwendigen Weichen rechtzeitig stellen und den Investitionsstau entschlossen beheben, können langfristig positive Effekte für Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt entstehen – ein infrastruktureller Aufbruch, der Deutschland fit für die Zukunft macht.
Die Inhalte dieses Beitrags stützen sich auf eine gemeinsame Pressemitteilung von MIRO – Bundesverband Mineralische Rohstoffe, Hauptverband der Deutschen Bauindustrie und IG BAU – Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt.
2 Kommentare
Ich finde die Idee von mehr Investitionen in unsere Infrastruktur echt wichtig. Wenn wir so viele Probleme mit Straßen und Schulen haben, dann sollten wir da wirklich was machen. Was denkt ihr über die Vorschläge, die gemacht wurden?
Ja, ich stimme zu! Die Straßen sind echt schlimm hier in der Stadt. Glaubt ihr, dass wir bald bessere Genehmigungen für Rohstoffe bekommen können? Das wäre wichtig.