Bauhauptgewerbe Februar 2026: Auftragsplus von 9,8 Prozent, aber Wohnungsbau und Straßenbau bleiben schwach – steigende Ölpreise treiben Kostendruck

Die Auftragseingänge im deutschen Bauhauptgewerbe sind im Februar 2026 real um 9,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen. Der Wohnungsbau bleibt jedoch das Sorgenkind, mit einem Minus von knapp fünf Prozent im Februar, während auch der Straßenbau nur knapp über dem niedrigen Vorjahresniveau lag. Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie warnt zudem vor steigenden Energie- und Materialkosten, die die ohnehin unsichere Kalkulation von Bauprojekten weiter erschweren.

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– Reale Bauaufträge im Februar 2026 um 9,8 Prozent gestiegen.
– Wohnungsbauaufträge im Februar real um knapp 5 Prozent gesunken.
– 86 Prozent der Bauunternehmen klagen über gestiegene Energiekosten.

Bauindustrie sieht Stabilisierung bei Aufträgen, warnt aber vor Risiken für Wohnungsbau und Infrastruktur

Die Baunachfrage in Deutschland hat im Februar 2026 wieder zugelegt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts stiegen die Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe real um 9,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat und um 7,6 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Für die ersten beiden Monate des Jahres ergibt sich damit ein reales Plus von 2,7 Prozent.

Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie wertet diese Entwicklung als Zeichen einer vorsichtigen Stabilisierung. Zugleich macht der Verband deutlich, dass von einer breiten Erholung der Bauwirtschaft noch keine Rede sein kann. Vor allem im Wohnungsbau und im Straßenbau sieht die Branche weiterhin deutliche Schwächen.

Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Verbands, erklärt: „Der Rückgang im Januar war demnach nur ein kleiner Rückschlag, die vorsichtigen Wachstumssignale des vergangenen Jahres haben sich im Februar fortgesetzt. Wenn auch nicht in allen Sparten und Regionen, so hat der Wohnungsbau von den gestiegenen Baugenehmigungen noch nicht profitiert. Auch der Straßenbau ist trotz mehrmaliger Beteuerung der Politik, dass Projekte angestoßen wurden, nicht aus dem Tritt gekommen.“

Wohnungsbau und Straßenbau bleiben unter Druck

Trotz des Gesamtanstiegs bei den Aufträgen zeigt sich laut Verband kein gleichmäßiger Aufschwung in allen Bereichen. Besonders der Wohnungsbau blieb im Februar schwach. Dort gingen die Auftragseingänge real um knapp 5 Prozent zurück. Für Januar und Februar zusammen ergibt sich ein Minus von 10 Prozent.

Auch der Straßenbau konnte sich bislang nicht spürbar beleben. Im Februar lag er nur unwesentlich über dem niedrigen Vorjahresniveau. Wegen des starken Rückgangs im Januar steht für die ersten beiden Monate 2026 ein kumuliertes Minus von 8 Prozent.

Aus Sicht des Verbands trügt damit die positive Entwicklung bei den Gesamtaufträgen. Die besseren Zahlen verdecken, dass zentrale Bereiche für Wohnungen und Infrastruktur weiter unter Druck stehen.

Auftragsplus und schwache Bautätigkeit ergeben ein gemischtes Bild

Weitere Konjunkturindikatoren stützen nach Verbandsangaben dieses differenzierte Bild. So hellte sich das Geschäftsklima im Bauhauptgewerbe im Februar leicht auf. Der ifo-Geschäftsklimaindex stieg von 87,6 Punkten im Januar auf 88,6 Punkte im Februar.

Gleichzeitig blieb die tatsächliche Bauaktivität schwach. Der HCOB Deutschland Bau-PMI sank im Februar von 44,7 auf 43,7 Punkte und erreichte damit den niedrigsten Wert seit Oktober 2025. Besonders der Wohnungsbau verzeichnete demnach einen starken Einbruch, während der Tiefbau moderat wuchs.

Der Verband verweist darauf, dass diese Entwicklung keinen Widerspruch darstellt: Auftragseingänge messen die Nachfrage und mögliche künftige Auslastung, während Stimmungs- und Aktivitätsindikatoren stärker die aktuelle Lage und die reale Leistung auf den Baustellen abbilden. Gerade deshalb sieht die Bauindustrie hinter den besseren Gesamtzahlen noch keinen flächendeckenden Aufschwung.

Steigende Energie- und Materialkosten verschärfen den Kostendruck

Nach Einschätzung des Verbands kommt zu den strukturellen Schwächen ein neues Risiko hinzu: steigende Energiepreise, höhere Materialkosten und wachsende Unsicherheit bei den Unternehmen. Die Februar-Zahlen spiegelten noch ein früheres Marktumfeld wider und seien daher nur eingeschränkt belastbar für die nächsten Monate.

Müller sagt dazu: „Hierbei muss allerdings berücksichtigt werden, dass die Auftragseingänge den Trend aus der Zeit vor Beginn des Irankriegs widerspiegeln. Die gestiegenen Öl- und Gaspreise, deren Konsequenzen auf die Baumaterialkosten, die leicht gestiegenen Zinsen sowie die Verunsicherung bei den Unternehmen haben sich noch nicht ausgewirkt. Dies kann aber noch kommen.“

Wie stark der Kostenschub bereits in der Branche angekommen ist, zeigt aus Sicht des Verbands die zitierte DIHK-Blitzumfrage zu den wirtschaftlichen Folgen des Nahost-Konflikts. Demnach berichten 86 Prozent der befragten Bauunternehmen von gestiegenen Energiekosten, drei Viertel von höheren Rohstoff- und Materialkosten. 57 Prozent gaben an, ihre Preise bereits angepasst zu haben.

Preissteigerungen bei Diesel und Bitumen belasten Bauunternehmen

Der Verband sieht die Entwicklung auch durch die Preisbewegungen bei zentralen Baustellenfaktoren bestätigt. Müller erklärt: „Dies ist auch kein Wunder, schließlich hat die Ölpreissteigerung schon auf die Preise für Dieselkraftstoff und Bitumen durchgeschlagen.“

Nach Angaben der Mitteilung meldeten Unternehmen im März 2026 binnen Monatsfrist Preissteigerungen von 25,3 Prozent bei Dieselkraftstoff und von 36,4 Prozent bei Bitumen. Damit wurden die starken Preisschübe aus dem März 2022 fast erreicht oder sogar übertroffen. Zugleich weist der Verband darauf hin, dass die Ölpreissprünge von Ende März in diesen Daten noch nicht vollständig enthalten seien.

Für die Unternehmen hat das unmittelbare Folgen für Kalkulation, Angebotsabgabe und Investitionsentscheidungen. Wenn Energie, Transport und wichtige Baustoffe kurzfristig teurer werden, steigen nach Einschätzung der Branche die Unsicherheiten bei laufenden und geplanten Bauvorhaben. Laut der zitierten Mittelstands-Umfrage der Creditreform planen 56 Prozent der befragten Bauunternehmen, ihre Angebotspreise in naher Zukunft weiter zu erhöhen. Nur 3 Prozent rechnen mit sinkenden Preisen.

Verband fordert rückwirkende Preisgleitungen bei öffentlichen Aufträgen

Aus Sicht des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie bleiben die Folgen nicht auf die Unternehmen beschränkt. Höhere Angebotspreise und verzögerte Projektstarts träfen auch Bauherren, Kommunen und öffentliche Auftraggeber. Deshalb fordert der Verband eine andere Verteilung der Preisrisiken.

Müller formuliert die Position so: „Derzeit ist eine seriöse Kalkulation von Bauleistungen kaum möglich. Aufgrund der volatilen Situation und der weiterhin hohen Unsicherheit sind die Unternehmen gezwungen, sofern keine Preisgleitungen vereinbart wurden, Risikoaufschläge in ihre Angebote einzupreisen, was zu deutlich höheren Angebotspreisen sowie Verzögerungen bei den dringend notwendigen Investitionen in den Wohnungsbau und unsere Infrastruktur führen kann. Dass dies schon Realität ist, belegen die Umfrageergebnisse. Dies kann nicht im Interesse der Politik sein. Wir appellieren deshalb an die öffentlichen Auftraggeber, rückwirkende Preisgleitungen einzuführen. Die Bauunternehmen können nicht allein die Preisrisiken internationaler Krisen tragen, die Risiken müssen fair verteilt werden. Schließlich muss die Branche auch morgen noch in der Lage sein, Deutschlands Wohnungen und Infrastruktur bauen zu können.“

Der Verband verbindet damit eine klare Warnung: Wenn Preisrisiken einseitig bei den Bauunternehmen verbleiben, geraten wichtige Investitionen in Wohnungsbau und Infrastruktur zusätzlich unter Druck.

Umsätze sinken trotz höherer Aufträge

Dass sich die Auftragseingänge bislang nicht in besseren Geschäftszahlen niederschlagen, zeigt nach Verbandsangaben der Blick auf die Umsatzentwicklung. Im Februar 2026 sank der baugewerbliche Umsatz im gesamten Bauhauptgewerbe real um 13,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Für Januar und Februar zusammen ergibt sich ein Minus von 10,6 Prozent.

Als wichtigen Grund nennt der Verband die Witterung zu Jahresbeginn. Im Durchschnitt der ersten beiden Monate 2026 berichteten im ifo-Konjunkturtest 56 Prozent der befragten Bauunternehmen von witterungsbedingten Beeinträchtigungen ihrer Bautätigkeit. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum waren es 44 Prozent.

Genehmigungen und Prognosen sind noch keine Trendwende

Zwar gibt es aus Sicht der Branche Hinweise auf mögliches Aufholpotenzial im weiteren Jahresverlauf. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hatte bereits am 30.01.2026 für das Gesamtjahr ein reales Bauvolumenwachstum von 1,7 Prozent gegenüber 2025 prognostiziert. Getragen werden soll dies demnach von öffentlichen Bauinvestitionen sowie einem Zuwachs im Wohnungsneubau.

Auch die Baugenehmigungen deuten auf einen möglichen Vorlauf hin. Nach Destatis-Daten wurden im Februar 2026 in Deutschland 22.200 Wohnungen genehmigt. Der Verband macht jedoch deutlich, dass Genehmigungen noch keine kurzfristige Belebung auf den Baustellen garantieren.

Damit bleibt die Lage in der deutschen Bauindustrie im Frühjahr 2026 widersprüchlich. Die Nachfrage hat sich in der Gesamtbetrachtung verbessert, doch Wohnungsbau, Straßenbau, hohe Kosten und unsichere Preisentwicklungen bremsen weiterhin. Aus Sicht des Verbands wird entscheidend sein, ob sich die Aufträge verstetigen und ob die Unternehmen bei den Preisrisiken spürbar entlastet werden.

Alle in diesem Beitrag verwendeten Informationen und Zitate stammen aus einer Pressemitteilung des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie e.V.

Weiterführende Quellen:

Update: Warum das Thema wichtig bleibt

Die gemischte Lage in der Bauwirtschaft zeigt, dass „mehr Aufträge“ nicht automatisch „mehr Baustellen“ bedeutet. Zwar steigen die Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe real, gleichzeitig bleibt die reale Bauaktivität schwach – besonders im Wohnungsbau. Dazu kommen steigende Energie- und Materialkosten, die den Kostendruck weiter verschärfen und nach Aussage des Verbands bereits zu höheren Angebotspreisen führen.

Für betroffene Akteure wird daraus vor allem eine Frage: Wie werden Preisrisiken zwischen Unternehmen und öffentlichen Auftraggebern fair verteilt, damit Wohnungsbau und Infrastruktur verlässlich vorankommen. Wenn Unternehmen Risikoaufschläge einpreisen müssen, kann das zu Verzögerungen und höheren Preisen beitragen. In der Folge geraten dringend notwendige Investitionen zusätzlich unter Druck – trotz positiver Gesamtzahlen.

Was Leserinnen und Leser jetzt wissen sollten

Warum steigen die Auftragseingänge, aber der Umsatz im Bauhauptgewerbe sinkt?
Der Beitrag erklärt, dass Auftragseingänge die künftige Nachfrage abbilden, während Umsatz und Bautätigkeit die aktuelle Lage zeigen. Zusätzlich wird die Witterung zu Jahresbeginn als Faktor genannt.

Was bedeutet die Schwäche im Wohnungsbau konkret für die nächsten Monate?
Wohnungsbau bleibt laut Beitrag klar unter Druck: Auftragseingänge gingen zurück und auch der Business-PMI deutet auf einen starken Einbruch hin. Genehmigungen allein garantieren keine kurzfristige Belebung.

Wie wirken sich steigende Energie- und Materialkosten auf Bauprojekte aus?
Viele Unternehmen berichten von höheren Energiekosten und Materialkosten und passen Preise an. Der Beitrag nennt außerdem Volatilität bei zentralen Baustellenfaktoren wie Dieselkraftstoff und Bitumen, was die Kalkulation erschwert.

Warum fordert der Verband rückwirkende Preisgleitungen bei öffentlichen Aufträgen?
Wenn keine Preisgleitungen vereinbart sind, müssen Unternehmen Risikoaufschläge in Angebote einpreisen. Das kann zu höheren Angebotspreisen und Verzögerungen führen. Eine passende Anlaufstelle können Fachstellen, Beratungsstellen oder zuständige Behörden sein.

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