– Bauhauptgewerbe H1: Auftragseingang real +7,2 %, Umsatz +2,2 %, Baseniveau niedrig
– Wohnungsbau H1: reelles Orderplus 9,5 %, jedoch 31 % unter 2021er Niveau
– Straßenbau H1: reales Orderminus 5,2 %, im Juni sogar -13,7 %
Bauhauptgewerbe 2024: Halbjahresbilanz zeigt unerwarteten Auftrags- und Umsatzanstieg – Straßenbau bleibt belastet
Die Baukonjunktur im ersten Halbjahr 2024 entwickelte sich besser als erwartet, wie der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie berichtet. Aufträge und Umsätze im Bauhauptgewerbe legten zu, wenngleich auf einem insgesamt niedrigen Niveau. Dabei weist die Bilanz deutliche Unterschiede zwischen den Wirtschaftszweigen auf – besonders der Straßenbau steckt weiter in der Krise.
„Die Halbjahresbilanz für das gesamte Bauhauptgewerbe fällt besser aus als von uns ursprünglich erwartet. Insgesamt haben Aufträge und Umsätze in den ersten sechs Monaten zugelegt. Dabei muss allerdings berücksichtigt werden, dass der Anstieg auf niedrigem Niveau erfolgt und beim Umsatz sogar nach vier Jahren im realen Minus – somit gibt es leider noch keinen Grund zum Jubeln, insbesondere da der Straßenbau regelrecht eingebrochen ist. Hier macht sich die Hängepartie des zweiten Quartals bemerkbar. Der Turnaround der bundeseigenen Autobahn GmbH, den Ausschreibungsstopp aufzuheben und die fehlenden Mittel doch zu bewilligen, ist erfreulich, wird sich aber erst im Laufe des zweiten Halbjahres positiv in der Bautätigkeit und somit in den Zahlen auswirken. Dies ist zumindest zu hoffen.“* Mit diesen Worten beschreibt der Hauptgeschäftsführer der BAUINDUSTRIE, Tim-Oliver Müller, die aktuellen Entwicklungen.
Der Auftragseingang im Bauhauptgewerbe stieg in den ersten sechs Monaten im Vergleich zum Vorjahr real um 7,2 Prozent. Im Juni lag das Plus im Vorjahresvergleich bei real 2,9 Prozent. Ein Rückgang von 2,6 Prozent zum Vormonat wirft allerdings die Frage auf, ob sich hier bereits die ersten Anzeichen einer möglichen Kehrtwende zeigen – dies bleibt abzuwarten.
Im Wohnungsbau meldet die Halbjahresbilanz ein klares reales Orderplus von 9,5 Prozent. Trotzdem liegt das Volumen weiterhin um 31 Prozent unter dem Niveau von 2021. Die Ursache dafür liegt in den anhaltend niedrigen Baugenehmigungszahlen, die das Wachstum begrenzen.
Der Straßenbau setzt seinen Trend nach unten fort: Im ersten Halbjahr verbuchte dieser Wirtschaftszweig ein reales Orderminus von 5,2 Prozent, im Juni sogar ein besonders starkes Minus von 13,7 Prozent. Müller warnt: „**Wir hoffen auf eine Belebung im zweiten Halbjahr. Ansonsten wird dieses Jahr für die Straßenbauer ein verlorenes Jahr. Wir können es in Richtung Politik nur immer wieder betonen: Personelle Kapazitäten können nicht unendlich lange vorgehalten werden.**“
Personalzahlen spiegeln diese Entwicklungen wider: Während die Straßenbauer ihre Belegschaft in den ersten fünf Monaten lediglich halten konnten, stockten andere Bereiche des Bauhauptgewerbes ihre Beschäftigten um bis zu 3,4 Prozent auf. Einzig im Wirtschaftszweig „Bau von Gebäuden“ kam es zu einem Rückgang von 2,5 Prozent.
Beim Umsatz ergibt sich ebenfalls ein differenziertes Bild: Trotz eines reale n Umsatzrückgangs von 0,5 Prozent im Juni zum Vorjahresmonat, konnte das Bauhauptgewerbe für das gesamte erste Halbjahr einen realen Umsatzanstieg von 2,2 Prozent vermelden. Der Wohnungsbau (-4,2 Prozent) und der Straßenbau (-3,7 Prozent) leiden weiterhin unter Rückgängen. Dagegen verzeichnet der Wirtschaftstiefbau – vor allem dank der starken Auftragslage bei der Bahn – ein nominales Plus von 11,4 Prozent.
Diese Halbjahresbilanz verdeutlicht deutlich die derzeitigen Spannungen in der Baukonjunktur: Trotz positiver Signale bleibt die Lage angespannt, vor allem im Straßenbau. Die erhoffte Entspannung durch politische Maßnahmen und die Aufhebung des Ausschreibungsstopps bei der Autobahn GmbH dürfte sich erst im weiteren Jahresverlauf abzeichnen.
Wieso das Bauhauptgewerbe trotz leichter Erholung weiter unter Druck steht
Die Halbjahresbilanz 2024 des Bauhauptgewerbes zeigt gemischte Signale: Zwar sind Auftragseingang und Umsatz im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen, doch bleibt die Branche insgesamt auf einem niedrigen Niveau. Vor allem der Straßenbau erlebt einen deutlichen Einbruch, der die wirtschaftliche Lage des Sektors belastet. Diese Entwicklung hat weitreichende Folgen für die Bauwirtschaft, die Verbraucher sowie die öffentliche Infrastrukturentwicklung. Sie steht in engem Zusammenhang mit langanhaltenden strukturellen Herausforderungen wie Arbeitskräftemangel, Genehmigungsverzögerungen und Investitionsstaus, die sowohl aktuelle Projekte als auch die Zukunft der Branche prägen.
Der Auftragseingang legte im ersten Halbjahr real um 7,2 Prozent zu, beim Wohnungsbau erreichte das reale Orderplus sogar 9,5 Prozent. Dennoch liegt das Auftragsvolumen im Wohnungsbau noch immer rund 31 Prozent unter dem Niveau von 2021. Dies ist maßgeblich auf die anhaltend niedrigen Baugenehmigungen zurückzuführen, die den Marktwachstum drosseln. Im Straßenbau dagegen sanken die Auftragseingänge erheblich, mit einem realen Rückgang von 5,2 Prozent im ersten Halbjahr und im Juni sogar um 13,7 Prozent. Dieser Einbruch resultiert aus einer Hängepartie beim Ausbau der bundeseigenen Autobahn GmbH, deren Ausschreibungsstopp erst im zweiten Quartal aufgehoben wurde. Die Belebung in diesem Bereich wird frühestens im zweiten Halbjahr sichtbar sein – andernfalls droht ein verlorenes Jahr für Straßenbauer.
Diese Entwicklung wirkt sich unmittelbar auf die Beschäftigungssituation in der Bauwirtschaft aus. Während die Arbeitnehmerzahlen in einigen Bauwirtschaftszweigen um bis zu 3,4 Prozent stiegen, stehen dem im Wohnungsbau ein Rückgang von 2,5 Prozent gegenüber. Der Straßenbau konnte seine Personalkapazitäten bisher nur halten, was angesichts des Auftragsrückgangs die Gefahr birgt, dass Fachkräfte abwandern oder in andere Branchen wechseln. Die eingeschränkte Verfügbarkeit von Fachpersonal verkompliziert sowohl die Durchführung von Projekten als auch die langfristige Infrastrukturentwicklung.
Wohnungsbau und Infrastruktur: Wo klemmt es wirklich?
Die anhaltend niedrigen Baugenehmigungen im Wohnungsbau sind eine wesentliche Ursache für das stockende Wachstum. Dies führt zu einer Verschärfung der Wohnungsnot, insbesondere in Ballungsgebieten, und dämpft zugleich die Nachfrage nach Bauleistungen. Genehmigungsprozesse dauern häufig zu lange, bürokratische Hürden und steigende Baukosten erschweren Investitionen für private Bauherren und Unternehmen gleichermaßen. Die Folge sind Verzögerungen beim Wohnungsbau, die auch den Druck auf entsprechende kommunale und private Investitionen erhöhen.
Im Infrastrukturbereich zeigt sich die Lage besonders im Straßenbau prekär. Der personelle Kapazitätsaufwand für Baustellen kann nicht unbegrenzt vorgehalten werden, was angesichts des Auftragseinbruchs bei den kommunalen und Bundesprojekten zu Stillständen führt. Straßenbau verzögert sich, obwohl dringend notwendige Sanierungen und Neubauten die Verkehrssicherheit und Mobilität der Bevölkerung betreffen. Das drückt auch auf die wirtschaftliche Leistungskraft von Regionen, da funktionierende Infrastruktur ein entscheidender Standortfaktor ist.
Zentrale Herausforderungen auf einen Blick
- Niedrige Baugenehmigungszahlen bremsen den Wohnungsbau und verschärfen die Wohnraumknappheit.
- Personalmangel und Fachkräftesicherung belasten die Umsetzung von Bauprojekten, besonders im Straßenbau.
- Investitionsstau und politische Unsicherheiten verzögern Infrastrukturmaßnahmen, etwa beim Ausbau von Autobahnen.
- Bürokratische Hürden und langwierige Genehmigungsverfahren hemmen eine zeitnahe Projektumsetzung.
- Rohstoff- und Materialkosten bleiben volatil und beeinflussen die Wirtschaftlichkeit der Bauvorhaben.
Auf der politischen Ebene ist zunehmend Druck spürbar, diese Probleme anzugehen und den Turnaround im Straßenbau voranzutreiben. Die jüngste Entscheidung, den Ausschreibungsstopp des Bundes zu beenden und fehlende Mittel freizugeben, könnte im zweiten Halbjahr zu einer Belebung der Bautätigkeit führen. Doch die Herausforderungen bleiben groß: Die Branche muss zugleich Fachkräfte binden und neue Talente gewinnen, Genehmigungen beschleunigen sowie Investitionen besser planen und umsetzen.
Insgesamt steht das Bauhauptgewerbe vor der Aufgabe, trotz der derzeitigen Lichtblicke die strukturellen Hürden zu überwinden, um den steigenden Bedarf an Wohnraum und moderner Infrastruktur bedienen zu können. Die kommenden Monate werden zeigen, wie nachhaltig sich die aktuellen Maßnahmen auf die Baukonjunktur auswirken.
Die im Beitrag aufgeführten Daten und Zitate basieren auf einer Pressemitteilung des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie e.V.
10 Kommentare
Ich finde es gut,dass sich was tut im Bauhauptgewerbe.Wie seht ihr das mit dem Fachkräftemangel?Das könnte uns langfristig echt Probleme bereiten.Ich bin gespannt auf neue Entwicklungen.
Ja,das sehe ich genauso!Wir müssen neue Talente anwerben und gleichzeitig unsere bestehenden Mitarbeiter halten.Das ist ein echtes Dilemma.
Absolut richtig.Schließlich sind gut ausgebildete Fachkräfte entscheidend für den Erfolg in der Bauwirtschaft.Hoffen wir auf positive Veränderungen!
Die Zahlen sind interessant und zeigen Fortschritt, aber der Rückgang beim Straßenbau könnte uns alle betreffen. Wie lange kann man Personal halten ohne Aufträge? Das ist doch nicht nachhaltig.
‚Naja, ich denke mal dass wir da bald Lösungen brauchen! Die Infrastruktur ist wichtig für unsere Wirtschaft.‘
Es ist positiv zu sehen, dass es mehr Aufträge gibt, aber ich mache mir Gedanken über die Zukunft im Straßenbau. Glaubt ihr, dass die neuen Maßnahmen helfen werden?
Ich hoffe es! Aber ich hab auch Zweifel. Wenn der Straßenbau so einbricht, dann wird das langfristig ein Problem sein für alle Verkehrsteilnehmer.
Der Anstieg im Wohnungsbau klingt gut, aber wieso sind die Baugenehmigungen so niedrig? Das macht mir Sorgen, wenn wir mehr Wohnungen brauchen. Was denkt ihr darüber?
Ja, ich versteh das auch nicht. Wenn wir immer noch unter dem Niveau von 2021 sind, wie soll das dann besser werden? Das betrifft ja viele Menschen.
Ich find das interessant, aber was ist mit den Straßenbau? Warum gibt’s da so wenig Aufträge? Es ist wichtig für die Infrastruktur. Ich hoffe, die Politik macht was.