Baugenehmigungen steigen: Warum Experten noch keine Wende am Wohnungsmarkt sehen

Die Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen ist zuletzt gestiegen. Laut dem Statistischen Bundesamt wurden im Januar 2026 19.500 Wohnungen genehmigt, ein Plus von 8,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Der Zentralverband der Immobilienwirtschaft (ZIA) warnt jedoch vor voreiliger Euphorie und betont, dass steigende Genehmigungen allein noch keine Entspannung auf dem angespannten Wohnungsmarkt bringen. Entscheidend seien nun mehr tatsächliche Fertigstellungen.
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* Baugenehmigungen stiegen im Januar 2026 um 8,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.
* Der ZIA warnt vor Euphorie und fordert mehr Fertigstellungen statt nur Genehmigungen.
* Geforderte Maßnahmen sind Baukostensenkung, niedrigere Staatsquote und Staatsbürgschaften.

Wohnungsbau: Mehr Genehmigungen, aber keine Wende

Die neuen Zahlen zu den Baugenehmigungen senden ein positives Signal für den Wohnungsbau. Wie der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) am 18.3.2025 in Berlin unter Verweis auf die heute vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Daten mitteilte, stiegen die Genehmigungen sowohl bei Ein- und Zweifamilienhäusern als auch bei Mehrfamilienhäusern. Im Januar 2026 wurden 19.500 Wohnungen genehmigt. Das entspricht einem Anstieg von 8,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Bei Mehrfamilienhäusern lag das Plus bei 7,1 Prozent, was laut Mitteilung 10.500 genehmigten Neubauwohnungen entspricht.

Der Branchenverband bremst dennoch die Erwartungen. „Für Euphorie ist es deutlich zu früh. Entscheidend für eine echte Entspannung am Wohnungsmarkt sind nicht allein steigende Genehmigungszahlen, sondern vor allem mehr Fertigstellungen”, so ZIA-Hauptgeschäftsführerin Aygül Özkan. Genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich die aktuelle Debatte: Die Statistik zeigt eine Belebung, doch ob daraus tatsächlich mehr Wohnraum entsteht, ist damit noch nicht entschieden.

Warum mehr Genehmigungen noch keinen Wohnraum schaffen

Baugenehmigungen gelten als wichtiger Frühindikator für die Bautätigkeit. Sie zeigen, ob Projekte planerisch und behördlich vorankommen. Für Haushalte, die eine Wohnung suchen, ändert sich dadurch aber zunächst wenig. Denn genehmigt ist noch nicht gebaut, und gebaut ist noch nicht bezugsfertig.

Der ZIA verweist in diesem Zusammenhang auf die strukturellen Belastungen der Branche. Laut Pressemitteilung sind die Baukosten zwischen 2015 und Ende 2023 um rund 60 Prozent gestiegen. Aus Sicht des Verbands erklärt das, warum selbst bessere Genehmigungszahlen noch keine unmittelbare Entlastung auf dem Wohnungsmarkt bedeuten. Özkan formuliert es so: „Erst wenn wir diese strukturellen Hebel entschlossen bewegen, entsteht aus steigenden Genehmigungszahlen tatsächlich neuer Wohnraum.”

Damit ist die Aussage des Verbands zwar klar, sie lässt sich aber auch nüchtern einordnen: Mehr Genehmigungen sind ein Signal für mögliche künftige Bautätigkeit. Ob daraus in größerem Umfang zusätzliche Wohnungen werden, hängt davon ab, ob Projekte trotz hoher Kosten und schwieriger Rahmenbedingungen tatsächlich umgesetzt werden.

Die Entwicklung der Baugenehmigungen im längeren Verlauf

Ein Blick auf die vergangenen Jahre zeigt, warum die aktuellen Zuwächse noch nicht automatisch als Trendwende gelten. Laut Statista wurde im Jahr 2024 der Neubau von rund 215.900 Wohnungen genehmigt. Die Baugenehmigungen für Wohnungen sanken damit das dritte Jahr in Folge um etwa 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Für 2025 meldete das Statistische Bundesamt dann wieder eine Erholung: Die Zahl der genehmigten Wohnungen im Neubau stieg um 12,6 Prozent oder 22.100 gegenüber dem Vorjahr auf 198.100. Im Zeitraum von Januar bis November 2025 wurden laut Destatis 175.200 Neubauwohnungen genehmigt, ein Plus von 13,9 Prozent. Bereits im November 2025 wurde in Deutschland der Bau von 20.100 Wohnungen genehmigt, das waren 12,5 Prozent oder 2.200 Baugenehmigungen mehr als im November 2024.

An diese Entwicklung knüpft nun der vom ZIA hervorgehobene Januarwert für 2026 an. Die Monatsdaten fügen sich damit in eine Entwicklung ein, in der auf den Rückgang im Jahr 2024 im Jahr 2025 wieder ein Anstieg der Genehmigungen folgte. Gerade deshalb ist Vorsicht angebracht, wenn aus einzelnen Pluswerten bereits eine belastbare Wende abgeleitet werden soll.

Wo der Aufschwung sichtbar ist – und wo nicht

Die Erholung verteilt sich nicht gleichmäßig auf alle Segmente. Laut Statistischem Bundesamt stieg die Zahl der Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser im Jahr 2025 um 17,2 Prozent beziehungsweise 6.500 auf 44.500. Bei Zweifamilienhäusern blieb die Zahl mit 12.600 Genehmigungen und einem Minus von 1,1 Prozent dagegen auf niedrigem Niveau.

Besonders deutlich zeigt sich die Belebung bei Mehrfamilienhäusern. In neuen Mehrfamilienhäusern genehmigten die Bauaufsichtsbehörden 128.100 Wohnungen im Jahr 2025. Das waren 12,1 Prozent oder 13.900 mehr als im Vorjahr. Ihr Anteil an allen genehmigten Neubauwohnungen lag damit bei 64,6 Prozent. Nach Angaben von Destatis zeigte sich dieser Anstieg ab der zweiten Jahreshälfte.

Auch bei den Bauherren gibt es klare Unterschiede. Unternehmen traten bei 108.800 Baugenehmigungen für Neubauwohnungen als Bauherren auf, das waren 14,6 Prozent oder 13.900 mehr neue Wohnungen als im Vorjahr. Auf Privatpersonen entfielen 79.200 Genehmigungen, ein Plus von 14,9 Prozent. Die öffentliche Hand verzeichnete dagegen einen Rückgang um 23,2 Prozent oder -2.100 auf 6.900 Genehmigungen.

Damit wird sichtbar, wer die jüngste Erholung trägt: vor allem Mehrfamilienhäuser sowie unternehmerische und private Bauherren. Gleichzeitig bleibt der Rückgang bei der öffentlichen Hand ein gegenläufiges Signal.

Die politischen Forderungen des ZIA und die Debatte dahinter

Aus den aktuellen Zahlen leitet der ZIA vor allem politischen Handlungsbedarf ab. Der Verband fordert:

  • Bauen erleichtern und damit Baukosten senken, insbesondere durch einen neuen Basisstandard Wohnen.
  • die Staatsquote von ca. 37 Prozent senken, zum Beispiel durch den Erlass der Grunderwerbssteuer für den Erwerb der ersten Wohnimmobilie.
  • Einführung von eigenkapitalersetzenden Maßnahmen, wie Staatsbürgschaften. Der geplante Deutschlandfonds sei ein richtiger Ansatz, entscheidend sei aber, dass er auch konsequent für den Wohnungsbau geöffnet werde.

Damit verbindet der Verband auch eine klare Warnung vor politischen Debatten, die aus seiner Sicht Investitionen zusätzlich erschweren könnten. „Kontraproduktiv in dieser Situation sind dagegen zusätzliche Debatten über Verschärfungen im Mietrecht oder gar Vergesellschaftung. Sie verunsichern Investoren und bremsen genau die privaten Mittel aus, die wir für den Wohnungsbau dringend benötigen“, so Özkan weiter.

Die Konfliktlinie ist damit klar benannt: Auf der einen Seite steht die Forderung nach niedrigeren Kosten, steuerlicher Entlastung und staatlichen Garantien für Investitionen. Auf der anderen Seite stehen wohnungspolitische Debatten über Mietrecht und Eingriffe in den Markt, die der ZIA ausdrücklich ablehnt. Ob aus dem jüngsten Anstieg bei den Genehmigungen tatsächlich mehr Wohnraum wird, dürfte sich deshalb nicht allein an den nächsten Monatszahlen entscheiden, sondern auch an den politischen Rahmenbedingungen für das Bauen.

Dieser Beitrag enthält Informationen und Zitate, die aus einer Pressemitteilung des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA) e.V. stammen.

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