– Mai 2025: 16 800 Wohnungen genehmigt, 5,3 % weniger als im Mai 2024.
– Mehrfamilienhaus-Bau verzeichnet 1,6 % Rückgang Januar–Mai 2025, Alarmsignal Wohnungsnot.
– GdW fordert Fast Lane fürs Bauen und Aktivierung genehmigter Projekte inklusive EH55-Förderung.
Baugenehmigungen stagnieren: Wohnungsbau bleibt hinter den Erwartungen zurück
Im Mai 2025 wurden in Deutschland 16.800 Wohnungsbaugenehmigungen erteilt – das sind 5,3 Prozent oder 900 weniger als im Mai 2024. Diese Zahlen des Statistischen Bundesamts verdeutlichen eindrücklich, dass der Wohnungsbau weiterhin ins Stocken gerät. Besonders alarmierend ist die Entwicklung bei den Mehrfamilienhäusern, die für bezahlbaren Wohnraum von zentraler Bedeutung sind: Von Januar bis Mai 2025 sank die Genehmigungszahl in diesem Segment um 1,6 Prozent. Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW, warnt: „Das ist kein Trendwechsel, das ist ein Alarmsignal.“
Die Wohnungsnot in Deutschland verschärft sich weiter, während die Genehmigungen nicht im nötigen Maße steigen. Die Kritik der Wohnungswirtschaft richtet sich deutlich an Politik und Verwaltung: „Dem Wohnungsbau muss endlich ein echter Abwägungsvorrang gegenüber anderen Interessen eingeräumt werden – nur so wird neuer Wohnraum überhaupt möglich. Wir brauchen eine Fast Lane fürs Bauen.“
Ein zentraler Forderungspunkt ist die Aktivierung bereits genehmigter Bauvorhaben. Laut GdW könnte eine temporäre Wiederaufnahme der EH55-Förderung kurzfristig rund 120.000 Wohnungen ermöglichen, was bei einem Mitteleinsatz von lediglich drei Milliarden Euro einen sofort wirksamen Impuls setzen würde: „Die Bundesregierung muss jetzt, wie im Koalitionsvertrag vereinbart, bereits genehmigte Bauvorhaben aktivieren.“
Ebenso entscheidend für eine Beschleunigung des Wohnungsbaus ist die Rolle der Kommunen. Bauämter haben dabei den Hebel, den notwendigen „Bau-Turbo“ zu zünden. Gedaschko betont: „Wir brauchen eine koordinierte Kraftanstrengung auf allen Ebenen – insbesondere aber bei den Kommunen, die über ihre Bauämter den entscheidenden Hebel in der Hand halten. Der Bau-Turbo kann nur zünden, wenn vor Ort Genehmigungen nicht verschleppt, sondern beschleunigt werden.“ Fehle es an Entschlossenheit bei Stadt- und Gemeinderäten, Bürgermeistern sowie Bauverwaltungen, werde aus der politischen Beschleunigungsrhetorik ein „Papiertiger“. Jedes Nicht-Genehmigen eines Bauantrags bedeute eine verpasste Chance für Menschen, die dringend eine Wohnung suchen.
Vor diesem Hintergrund fordert der GdW ein Umdenken in den kommunalen Verwaltungen: „Bauämter müssen zu aktiven Möglichmachern werden – ausgestattet mit klaren Verfahren, festen Zeitvorgaben und spürbarer Unterstützung durch Politik und Verwaltungsführung. Nur so kommt der Bau-Turbo auf die Straße.“
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Entwicklung der Baukosten. Selbst bei verfügbaren Grundstücken bleibe der Wohnungsbau stockend, wenn die Kosten zu hoch sind. Gedaschko macht deutlich: „Der Bau-Turbo kann nur dann wirklich zünden, wenn auch die Baukosten sinken. Denn verfügbare Grundstücke nützen nichts, wenn niemand mehr bereit ist zu bauen.“
Diese Fakten und Forderungen zeigen, wie dringend eine politische und administrative Kurskorrektur notwendig ist, um die Bauaktivitäten wieder zu beleben und den anhaltenden Druck auf den Wohnungsmarkt zu mindern.
Hintergründe und Folgen der aktuellen Baukrise in Deutschland
Die Baukrise in Deutschland zeigt sich deutlich am anhaltenden Rückgang bei den Baugenehmigungen. Im Mai 2025 wurden bundesweit nur 16.800 Wohnungen genehmigt, das sind 5,3 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Besonders problematisch ist dabei die Entwicklung im Bereich der Mehrfamilienhäuser, einem entscheidenden Segment für bezahlbaren Wohnraum: Hier liegt das Minus von Januar bis Mai 2025 bei 1,6 Prozent. Dieser Rückgang hat weitreichende gesellschaftliche Konsequenzen, denn die Wohnungsnot verschärft sich weiter – vor allem Familien, Alleinerziehende und städtische Regionen spüren die Folgen unmittelbar.
Die Ursachen für den stockenden Wohnungsbau sind vielfältig und komplex. Neben den steigenden Baukosten und dem Mangel an qualifizierten Fachkräften spielen auch gestiegene Zinsen, Materialengpässe und langwierige Genehmigungsverfahren eine zentrale Rolle. Grundstücke sind oft vorhanden, doch ohne schnellere und unkomplizierte Genehmigungen behindert die Bürokratie den Baufortschritt.
Wie entstehen Engpässe im Wohnungsbau?
Mehrere Faktoren tragen dazu bei, dass Neubauprojekte ins Stocken geraten oder gar nicht erst starten:
- Hohe Baukosten: Teure Baustoffe und steigende Löhne erhöhen die Gesamtkosten erheblich. Dadurch sinkt für viele Investoren die Attraktivität, neue Projekte zu realisieren.
- Fachkräftemangel: In der Bauwirtschaft fehlen qualifizierte Handwerker und Fachkräfte, was die Bauzeiten verlängert und Kosten hochtreibt.
- Gestiegene Zinsen: Die Finanzierung wird für Bauherren aufgrund höherer Kreditzinsen teurer und riskanter.
- Materialengpässe: Lieferkettenprobleme sorgen für Verzögerungen und Verteuerungen bei Baumaterialien.
- Komplizierte Genehmigungsprozesse: Lange Wartezeiten in Bauämtern und komplexe Vorschriften verhindern schnelle Entscheidungen und stoppen Neubauprojekte.
Diese Probleme greifen ineinander und verstärken sich gegenseitig, so dass sich der Wohnungsbau spürbar verlangsamt.
Was bedeutet das für Mieter und Städte?
Die Auswirkungen des gedrosselten Wohnungsbaus betreffen vor allem Menschen mit begrenztem Einkommen. Familien und Alleinerziehende, die dringend neue und bezahlbare Wohnungen benötigen, finden oft keine passenden Angebote mehr. Gerade in wachsenden urbanen Gebieten steigen die Mieten weiter, während gleichzeitig der Wohnraum knapp bleibt. Städte kämpfen mit den Folgen der Baukrise: fehlende neue Wohnungen vergrößern die Wohnungsnot, verschärfen soziale Herausforderungen und behindern die Entwicklung lebenswerter urbane Strukturen.
Zentrale Problemfelder der Baukrise
- Anstieg der Baukosten
- Fachkräftemangel in der Bauindustrie
- Höhere Zinsen für Baufinanzierungen
- Lieferengpässe bei Baumaterialien
- Langwierige und bürokratische Genehmigungsverfahren
Ein Blick ins europäische Ausland zeigt, dass ähnliche Herausforderungen viele Länder beschäftigen. Einige Regionen setzen auf digitale Planungs- und Genehmigungsplattformen, um Prozesse zu beschleunigen. Andere fördern den Einsatz modularer Bauweisen oder investieren verstärkt in die Aus- und Weiterbildung von Fachkräften.
Für Deutschland besteht die Hoffnung, dass politische Impulse die Situation kurzfristig verbessern können. So wird unter anderem für eine „Fast Lane fürs Bauen“ plädiert, die Bauanträge priorisiert behandelt und Genehmigungen spürbar beschleunigt. Zusätzliche Gelder, etwa durch eine zeitlich begrenzte Wiederaufnahme der EH55-Förderung, könnten binnen kurzer Zeit einen Anreiz schaffen, der den Bau von bis zu 120.000 Wohnungen anstoßen würde – bei einem Mitteleinsatz von drei Milliarden Euro.
Angesichts der aktuellen Herausforderungen sind klare und koordinierte Maßnahmen auf allen Ebenen notwendig. Besonders die Kommunen nehmen eine Schlüsselrolle ein, denn ihre Bauämter entscheiden maßgeblich über den Fortgang vieler Projekte. Die Forderung lautet, Bauverwaltungen als aktive Möglichmacher zu positionieren – mit festen Zeitplänen, definierten Verfahren und konsequenter politischer Unterstützung.
Ausblick auf die Zukunft des Wohnungsmarktes
Die derzeitige Entwicklung lässt erkennen, dass ohne ein gemeinsames Gegensteuern die Wohnungsnot weiter wachsen wird. Sinkende Baukosten, mehr Fachkräfte und schnellere Genehmigungsverfahren sind Eckpfeiler, um den Bau-Turbo wieder anzuschieben und das Angebot an Wohnraum zu erhöhen. Ohne diese Veränderungen drohen steigende Preise und eine Verschärfung der sozialen Ungleichheiten auf dem Wohnungsmarkt. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob Politik und Verwaltung den Herausforderungen gewachsen sind und ob der dringend benötigte Wohnraum endlich in ausreichendem Maß entsteht.
Dieser Artikel basiert auf einer Pressemitteilung des GdW Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V.