Wohnungsbaukrise 2025: Baugenehmigungen für Mehrfamilienhäuser stagnieren – Ursachen, Folgen und Chancen für den Wohnungsmarkt

Die Baugenehmigungen für Mehrfamilienhäuser in Deutschland verharren 2025 auf dem tiefsten Stand seit über zehn Jahren, während Einfamilienhäuser erstmals wieder deutlich zulegen. Zwar ist die Gesamtzahl der Genehmigungen leicht gestiegen, doch die Wohnungsbaukrise bleibt ungelöst. Die Bauindustrie drängt daher auf die schnelle Einführung des „Bau-Turbo“ und eine deutliche Vereinfachung der Förderprogramme. Ein positives Signal setzen die deutlich aufgestockten Mittel für den sozialen Wohnungsbau.
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– Mai 2025: 16.800 genehmigte Wohnungen, −5,3% vs. Mai 2024, Tiefststand seit 2012
– Einfamilienhäuser +14,3%, Zweifamilienhäuser −7,9% und Mehrfamilienhäuser −1,6% genehmigt
– KfW-Förderprogramme sollen auf zwei zentrale Programme für Neubau und Sanierung reduziert werden

Baugenehmigungen in Deutschland 2025: Leichtes Plus, aber weiterhin auf niedrigem Niveau

Im Mai 2025 wurden in Deutschland 16.800 Wohnungen in Wohn- und Nichtwohngebäuden (Neu- und Umbau) genehmigt – das sind 5,3 Prozent weniger als im Mai 2024. Dieses Niveau ist vergleichbar mit den zuletzt Anfang 2010er Jahren verzeichneten Tiefständen. Für den Zeitraum von Januar bis Mai 2025 zeigt sich jedoch ein kleiner Aufwärtstrend: Insgesamt wurden 90.700 Wohnungen genehmigt, das sind 1.700 oder 1,9 Prozent mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum. „Damit scheint auf den ersten Blick der Tiefpunkt der Baugenehmigungszahlen von 2024 zwar langsam überschritten zu sein, aber eine heute genehmigte Wohnung ist noch lange nicht gebaut.“

Die Entwicklung der Baugenehmigungen fällt je nach Haustyp sehr unterschiedlich aus: Während die Genehmigungen für Einfamilienhäuser im bisherigen Jahresverlauf um 14,3 Prozent zulegten, gingen sie für Zweifamilienhäuser um 7,9 Prozent zurück. Besonders kritisch ist die Lage bei den Mehrfamilienhäusern, die zahlenmäßig den größten Anteil stellen: Ihre Genehmigungen verringerten sich um 1,6 Prozent im Vergleich zum ohnehin schon niedrigen Vorjahresniveau.

Vor diesem Hintergrund richtet die Bauindustrie den Blick auf politische Signale und Fördermaßnahmen, die den Wohnungsbau künftig ankurbeln sollen. Der geplante sogenannte „Bau-Turbo“, voraussichtlich im Herbst verabschiedet, könnte ab 2026 eine wesentliche Rolle spielen, wobei vor allem die Kommunen gefordert seien, dieses Instrument auch zu nutzen: „Um das Ruder endlich herumzureißen und den Neustart im Wohnungsbau zu zünden, kann der voraussichtlich im Herbst verabschiedete ‚Bau-Turbo‘ möglicherweise ab 2026 einen spürbar positiven Beitrag leisten. Hier sind dann aber vorrangig die Kommunen gefragt, das Instrument auch entsprechend zu nutzen.“

Darüber hinaus betont die Bauindustrie die Notwendigkeit, vorhandene Förderprogramme zu verschlanken. Im Koalitionsvertrag wurde vereinbart, die KfW-Förderprogramme, die nun aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaschutz finanziert werden, zu vereinfachen und auf zwei zentrale Programme für Neubau und Sanierung zu reduzieren. Diese Umsetzung sei im Bundeshaushaltsentwurf für 2025 jedoch noch nicht erkennbar: „Im Koalitionsvertrag wurde zudem vereinbart, die bestehenden KfW-Förderprogramme, die nun aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaschutz finanziert werden, zu vereinfachen und zu zwei zentralen Programmen für den Neubau und die Sanierung zusammenzufassen. Hiervon ist im neuen Regierungsentwurf des Bundeshaushaltes für 2025 allerdings noch nichts zu sehen. Im Entwurf für den Bundeshaushalt 2026 muss dies unbedingt umgesetzt werden.“

Als positives Signal wird die Aufstockung der finanziellen Mittel für den sozialen Wohnungsbau gewertet: „Die Aufstockung der finanziellen Mittel für den sozialen Wohnungsbau bewerten wir als positives Signal dafür, dass die Bundesregierung die Prioritäten richtig gesetzt hat.“ Trotz dieser Ansätze bleibt die Entwicklung der Baugenehmigungen insgesamt auf einem niedrigen Niveau, das weiter politisches Handeln und eine kluge Nutzung der Förderinstrumente erfordert.

Stillstand beim Wohnungsbau: Welche Folgen hat das für Deutschland?

Die Zahl der Baugenehmigungen für neue Wohnungen in Deutschland stagniert auf niedrigem Niveau – besonders bei Mehrfamilienhäusern bleibt die Entwicklung schleppend. Das hat weitreichende Konsequenzen für die Gesellschaft: Es geht nicht nur um Baustellen, sondern um bezahlbaren Wohnraum, soziale Stabilität und die Zukunft der Städte. Wenn weniger Wohnungen neu gebaut werden, steigt die Nachfrage bei gleichzeitigem knappen Angebot, was vor allem bei den Mieten spürbar wird. Für viele Menschen bedeutet das höhere Kosten, vermehrten Druck auf den Wohnungsmarkt und oft auch weniger Lebensqualität in den Städten.

Das Warum der Stagnation ist vielschichtig. Hohe Baukosten, komplizierte Genehmigungsverfahren und mangelnde Förderungsanreize bremsen Investitionen – gerade beim Bau von Mehrfamilienhäusern, die den Großteil des dringend benötigten Wohnraums ausmachen. Ein genehmigtes Projekt ist längst noch nicht gebaut, und die Verzögerungen wirken wie eine Bremse für eine dringend nötige Entspannung am Wohnungsmarkt. Ohne ausreichenden Neubau drohen soziale Verwerfungen: Mieten steigen weiter, Pendlerwege verlängern sich, und die Segregation in den Städten könnte zunehmen, da bezahlbarer Wohnraum knapp bleibt.

Wie sich die Wohnungsbaukrise auf Mieten und Städte auswirkt

Die stagnierenden Baugenehmigungen wirken sich direkt auf die Mietpreisentwicklung aus. Nur wenn genügend neue Wohnungen entstehen, kann der Druck vom Markt genommen werden. Fehlender Neubau bedeutet also steigende Mieten, vor allem in wachsenden Städten. Das trifft Haushalte mit geringem oder mittlerem Einkommen besonders hart. Die Folge: Die soziale Durchmischung in den Stadtvierteln leidet, und viele zieht es an den Stadtrand oder in ländliche Regionen. Dort allerdings stehen oft nicht die gleichen Arbeits- und Infrastrukturangebote zur Verfügung.

Die Stadtentwicklung gerät dadurch ins Ungleichgewicht. Wichtige Quartiere können nicht nachhaltig und sozial ausgewogen wachsen. Diese Dynamik macht deutlich, wie eng Wohnungsbau, soziale Versorgung und wirtschaftliche Entwicklung miteinander verbunden sind. Die Balance zwischen Bedarf und Angebot wiederherzustellen, ist zentral für eine lebendige und solidarische Gesellschaft.

Chancen und Risiken beim „Bau-Turbo“

Im Hinblick auf die notwendigen Änderungen am Wohnungsbaumarkt steht die Politik vor der Aufgabe, ein effektives und zugleich praktikables Förder- und Genehmigungssystem zu schaffen. Dafür wurde der „Bau-Turbo“ ins Spiel gebracht, ein Bündel an Maßnahmen, das ab 2026 greifen könnte und vor allem auf schnellere Verfahren und vereinfachte Abläufe setzt. „Um das Ruder endlich herumzureißen und den Neustart im Wohnungsbau zu zünden, kann der voraussichtlich im Herbst verabschiedete ‚Bau-Turbo‘ möglicherweise ab 2026 einen spürbar positiven Beitrag leisten. Hier sind dann aber vorrangig die Kommunen gefragt, das Instrument auch entsprechend zu nutzen“, sagt Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer der BAUINDUSTRIE.

Parallel dazu sollen die bestehenden Förderprogramme der KfW vereinfacht und auf zwei zentrale Programme für Neubau und Sanierung konzentriert werden. Dies soll für mehr Übersicht und weniger Bürokratie sorgen, doch der Entwurf für den Bundeshaushalt 2026 muss diese Vereinfachungen noch enthalten, damit sie Wirkung entfalten können. Die finanzielle Aufstockung des sozialen Wohnungsbaus gilt hingegen schon als positives Signal, dass die Bundesregierung die Hausaufgaben erkannt hat.

Welche Effekte sind mit dem „Bau-Turbo“ und der Förderreform möglich?

  • Schnellere Planung und Genehmigung von Bauvorhaben
  • Weniger Bürokratie und damit geringere Kosten und Risiken für Bauunternehmen
  • Stärkerer Fokus auf sozialen Wohnungsbau und bezahlbare Mieten
  • Verbesserte Zusammenarbeit auf kommunaler Ebene

Doch die Umsetzung bleibt eine Herausforderung: Nur wenn alle Akteure – von der Politik über Kommunen bis zu Investoren – gemeinsam an einem Strang ziehen, kann der Wohnungsbau tatsächlich an Fahrt gewinnen und Deutschland langfristig eine gute Wohnungsperspektive bieten.

In der Wohnungsbaukrise steht viel auf dem Spiel – bezahlbares Wohnen, funktionierende Städte, soziale Stabilität und wirtschaftliche Entwicklung. Die kommenden Jahre und die politischen Entscheidungen dazu werden entscheidend sein, ob aus dem Stillstand wieder Bewegung wird.

Die im Beitrag aufgeführten Zahlen und Zitate entstammen einer Pressemitteilung des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie e.V.

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1 Kommentar

  1. Zum Jahresende 2024 betrug der Bauüberhang 759.700 genehmigte, noch nicht fertiggestellte Wohnungen.

    Es könnte also gebaut werden aber es rechnet sich nicht.

    „Du änderst die Dinge nie, indem du gegen die bestehende Realität ankämpfst.
    Um etwas zu ändern, baue ein neues Modell, das das bestehende Modell obsolet macht.“
    (Buckminster Fuller)

    Die provokante Frage von Buckminster Fuller: „Wie viel wiegt Ihr Gebäude, Mr. Foster?“ ist nach wie vor hoch aktuell. Insbesondere zu Zeiten, wo die Ressourcen-Produktivität im Bauwesen eine zunehmende Rolle spielt.

    Die Alternative im Wohnungsbau für jedes Einkommen, wäre die Entflechtung von der Beton-Fraktion hin zu effizienteren Bauweisen.
    Ein Wohnungsbau mit Mieten für jedes Einkommen und ohne Subventionen ist nur als Lean-Construction-Paket aus Konstruktion als das Was, Technologie als das Wie und Logistik in prozessorientierter Montage möglich.
    Weniger Material, weniger Prozesse, weniger Bauzeit, weniger Kosten.

    Der eigentliche Knackpunkt ist, wie das Modul konstruiert ist und wie es zusammengebaut werden kann. Das ist weit mehr als Vorfertigung, serielles und modulares Bauen, sowie Digitalisierung.
    Das hat schon Konrad Wachsmann in seinem Buch von 1959 mit dem Titel:
    „Wendepunkt im Bauen“ sehr exakt beschrieben.

    Innovationen kann man nicht aus dem Hut zaubern.
    Aber man könnte sich mit kreativen Partnern über komplexe Systeme und Gedankenansätze austauschen.

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