Baugenehmigungen 2026: Mehr Genehmigungen, aber noch keine Entwarnung

20.200 genehmigte Wohnungen im April 2026 wirken wie ein Signal der Erholung. Doch zwischen Bescheid, Baustart und Fertigstellung wird die Lücke im Wohnungsbau eher größer als kleiner.

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Mehrstöckiges Gebäude im Bau, mit Kran auf dem Dach, Baugerüste umgeben, Betonstruktur sichtbar.
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Das Wichtigste in Kürze

  • Im April 2026 wurden 20.200 Wohnungen genehmigt, 9,2 % mehr als im Vorjahr, aber unter dem Bedarf von 26.700 monatlich.
  • Die Umsetzung stockt: 2025 gab es 760.700 genehmigte, aber nicht fertiggestellte Wohnungen und 35.700 erloschene Genehmigungen.
  • Hohe Finanzierungskosten verzögern oder verhindern Baustarts trotz vorhandener Genehmigungen.
  • Politische Maßnahmen zielen auf schnellere Genehmigungsverfahren und Förderungen wie EH55-Plus ab, lösen aber nicht alle Probleme.
  • Die Wohnungskrise bleibt bestehen, da Fertigstellungen deutlich unter dem Bedarf von 320.000 Wohnungen pro Jahr liegen.

20.200 genehmigte Wohnungen im April 2026, ein Plus von 9,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat: Das klingt zunächst nach einer spürbaren Belebung im Wohnungsbau. Auch der Zentralverband Deutsches Baugewerbe verweist auf einen Aufwärtstrend, der die Branche seit mehr als einem Jahr begleitet. Wer aus dieser Monatszahl aber schon eine Entspannung auf dem Wohnungsmarkt ableitet, sieht vor allem die freundlichste Seite der Statistik.

Denn die Wohnungskrise entscheidet sich nicht daran, wie viele Projekte auf dem Papier genehmigt werden. Ausschlaggebend ist, wie viele Vorhaben tatsächlich begonnen, finanziert, umgesetzt und am Ende als bezugsfertige Wohnungen übergeben werden. Genau dort bleibt die Lage angespannt.

Warum das Genehmigungsplus noch nicht reicht

Der April-Wert liegt zwar über dem Niveau des Vorjahres, aber weiterhin deutlich unter dem, was aus Sicht der Branche notwendig wäre. Der ZDB legt einen Jahresbedarf von 320.000 Wohnungen zugrunde. Um dieses Ziel zu erreichen, müssten demnach monatlich mindestens 26.700 Wohnungen genehmigt werden. Mit 20.200 Genehmigungen fehlten im April also rund 6.500 Wohnungen auf diese Marke, das entspricht etwa 24 Prozent.

Dazu kommt, dass der aktuelle Anstieg von einem sehr niedrigen Ausgangsniveau ausgeht. Ein Plus auf historischem Tiefstand ist noch keine Trendwende mit spürbarer Wirkung. Vor allem in den Großstädten, wo der Druck auf dem Wohnungsmarkt besonders hoch ist, kommt der Neubau nach Einschätzung des Verbands weiterhin zu langsam voran.

Das Nadelöhr liegt zwischen Genehmigung und Fertigstellung

Die eigentliche Schwachstelle im Wohnungsbau liegt derzeit nicht nur in der Zahl neuer Genehmigungen, sondern in der Umsetzung längst geplanter Projekte. Das zeigen auch die aktuellen Daten des Statistischen Bundesamts. Im Jahr 2025 wurden in Deutschland 206.586 Wohnungen fertiggestellt. Gleichzeitig lag der Bauüberhang bei 760.700 Wohnungen, also bei genehmigten, aber noch nicht fertiggestellten Einheiten.

Dieser Überhang ist mehr als eine abstrakte Kennziffer. Er beschreibt die Lücke zwischen behördlicher Zustimmung und realem Wohnraum. Besonders deutlich wird das an einer weiteren Zahl: 2025 erloschen 35.700 Baugenehmigungen. So viele gescheiterte oder nicht umgesetzte Vorhaben gab es laut ZDB und Destatis seit 2002 nicht mehr. Im Durchschnitt vergehen zudem 27 Monate zwischen Genehmigung und Fertigstellung. Selbst dort, wo neue Projekte bewilligt werden, erreicht zusätzlicher Wohnraum den Markt also oft erst mit erheblicher Verzögerung oder gar nicht.

Genau deshalb greift es zu kurz, allein auf die Monatswerte bei den Genehmigungen zu schauen. Sie sind ein Frühindikator, mehr aber noch nicht.

Warum Projekte ins Stocken geraten

Als zentrales Problem nennt der ZDB die hohen Finanzierungskosten. Sie verunsicherten Investoren und Bauwillige und führten dazu, dass genehmigte Projekte liegenblieben oder ganz aufgegeben würden. Diese Diagnose deckt sich mit externen Konjunktursignalen: Das ifo Institut berichtete bereits im Januar von einem eingetrübten Geschäftsklima im Wohnungsbau, verbunden mit mehr Stornierungen und einer schwachen Auftragslage. Auch die Bundesbank verwies Anfang Juni darauf, dass die Finanzierungskosten den Wohnungsbau weiter belasten.

Für die Praxis heißt das: Selbst wenn ein Projekt baureif ist, wird neu kalkuliert, verschoben oder gestoppt. Steigende Kosten, unsichere Absatzperspektiven und teure Kredite treffen genau die Phase, in der aus einer Genehmigung eigentlich ein Baustart werden müsste. Der Engpass liegt damit nicht nur im Planungsrecht, sondern ebenso in der wirtschaftlichen Tragfähigkeit vieler Vorhaben.

Was politisch bereits auf dem Tisch liegt

Politisch wird inzwischen an mehreren Stellschrauben gearbeitet. Der ZDB begrüßt, dass der Wohnungsbau im Zuge der Baugesetzbuch-Novelle in angespannten Wohnungsmärkten als überragendes öffentliches Interesse eingestuft werden soll. Das Bundeskabinett hat ein entsprechendes Baugesetzbuch-Upgrade Ende Mai 2026 beschlossen. Ziel ist es, Planungs- und Genehmigungsverfahren zu beschleunigen.

Das kann Verfahren verkürzen, löst aber nicht automatisch das zweite Problem: die Finanzierung. Hier verweist der Verband auf zusätzliche Anreize und fordert eine langfristig gesicherte EH-55-Förderung. Tatsächlich hat das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen die EH55-Plus-Förderung bereits mit 800 Millionen Euro gestartet. Nach zwei Monaten waren nach Ministeriumsangaben rund 17.000 Wohneinheiten gefördert; eine Verlängerung über den 30. Juni 2026 hinaus wird geprüft.

Weitere Forderungen des ZDB betreffen die steuerliche Sonderabschreibung und den sogenannten Gebäudetyp E, also einen einfacheren und kostengünstigeren Gebäudestandard. Auch dazu gibt es bereits Vorarbeiten: Für den Gebäudetyp E liegen seit Ende 2025 Eckpunkte und ein Stakeholder-Prozess vor, der einen einfachen und rechtssicheren Rahmen schaffen soll. Politisch ist also einiges angestoßen, doch die Instrumente befinden sich in unterschiedlichen Stadien und setzen an unterschiedlichen Problemen an.

Genau hier liegt die nüchterne Einordnung der aktuellen Zahlen: Mehr Genehmigungen sind ein wichtiges Signal, sie schließen die Wohnungslücke aber nicht von selbst. Das zeigen schon die Fertigstellungszahlen. Das ifo Institut rechnet für 2026 nur mit 185.000 neuen Wohnungen, für 2027 mit 205.000 und für 2028 mit 215.000. Selbst die 206.586 Fertigstellungen des Jahres 2025 lagen deutlich unter dem vom ZDB genannten Bedarf von 320.000 Wohnungen.

Am Ende wird sich die Lage deshalb nicht an Genehmigungszahlen allein entscheiden, sondern daran, wie viele Projekte den Weg vom Bescheid zur Baustelle und von der Baustelle zur Fertigstellung tatsächlich schaffen. Solange Genehmigungen verfallen, Bauüberhänge wachsen und die Fertigstellungen hinterherhinken, bleibt das Plus im April vor allem eines: ein Signal auf dem Papier, aber noch kein gebauter Ausweg aus der Wohnungskrise.

Quellen

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