– ZIA fordert konsequente Umsetzung des Bau-Turbos in Kommunen
– Gesetz enthält Maßnahmen wie Sonderregelungen für Wohnungsbau
– Notwendige flankierende Reformen und steuerliche Entlastungen
ZIA fordert konsequente Umsetzung des Bau-Turbos
Berlin, 21. November 2025 – Anlässlich der Bauministerkonferenz am 20. und 21. November fordert der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) als Spitzenverband der Immobilienwirtschaft die Länder und Kommunen auf, den kürzlich beschlossenen „Bau-Turbo“ konsequent anzuwenden. Der Verband, der für rund 37.000 Unternehmen* der Branche spricht (Stand: 21.11.2025), drängt auf eine zügige Umsetzung der neuen Regelungen, um den Wohnungsbau zu beschleunigen.
Das Gesetzespaket enthält mehrere zentrale Instrumente: die Sonderregelung für Wohnungsbau (§ 246e BauGB), die bis 2030 befristet ist (Stand: 21.11.2025), erweiterte Befreiungs- und Abweichungsmöglichkeiten. Diese Maßnahmen sollen bisherige Hemmnisse im Wohnungsbau beseitigen und schnelleres Bauen ermöglichen.*
Einordnung: Bedarf, Produktion, Lücke
Die aktuelle Wohnungsbaudebatte lässt sich nur verstehen, wenn man die Diskrepanz zwischen tatsächlicher Bautätigkeit und dem notwendigen Bedarf betrachtet. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache und zeigen, warum politische Initiativen wie der sogenannte Bau-Turbo notwendig geworden sind.
Entwicklung: 1995 → 2024
Die Wohnungsbauleistung in Deutschland hat über die Jahrzehnte eine bemerkenswerte Entwicklung durchlaufen. 1995 wurden deutlich mehr Wohnungen fertiggestellt als heute*. Drei Jahrzehnte später zeigt sich ein ganz anderes Bild: 2024 wurden in Deutschland nur rund 250.000 Wohnungen fertiggestellt* (Stand: Oktober 2025). Diese Entwicklung markiert einen signifikanten Rückgang der Bautätigkeit – die heutige Fertigstellungsquote liegt bei weniger als der Hälfte des früheren Niveaus.
Aktueller Bedarf bis 2030
Während die Produktion zurückging, stieg der Bedarf kontinuierlich an. Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung beziffert den jährlichen Wohnungsbedarf bis 2030 auf 320.000 neue Wohnungen* (Stand: Oktober 2025). Diese Zahl basiert auf Bevölkerungsentwicklung, Haushaltsgrößen und Ersatzbedarf für abgängige Wohnungen.
Die Abweichung zwischen Bedarf und tatsächlicher Bautätigkeit wird in dieser Gegenüberstellung besonders deutlich:
| Jahr | Wert | Einheit | Quelle/Stand |
|---|---|---|---|
| 1995 | deutlich höher | fertiggestellte Wohnungen | Stand: Oktober 2025 |
| 2024 | rund 250.000 | fertiggestellte Wohnungen | Stand: Oktober 2025 |
| bis 2030 | 320.000 | benötigte Wohnungen jährlich | Stand: Oktober 2025 |
Die Lücke von etwa 70.000 Wohnungen pro Jahr zwischen Bedarf und aktueller Produktion erklärt die Dringlichkeit der politischen Initiative. Genau diese Diskrepanz adressiert der Bau-Turbo mit seinen beschleunigenden Maßnahmen. Wie Iris Schöberl, Präsidentin des Zentralen Immobilien Ausschusses, betont: „Bezahlbares Bauen braucht Tempo – gerade in einer Phase, in der in vielen Regionen viel zu wenig Wohnungen vorhanden sind.“ Die Gesetzesinitiative zielt darauf ab, die Produktion wieder in Richtung des notwendigen Niveaus zu steigern, bevor die Wohnungslücke sich weiter vergrößert.
Datenpool & Begleitmaßnahmen
Die Wirksamkeit des Bau-Turbos lässt sich anhand aktueller Zahlen und begleitender Initiativen konkret beurteilen. Der Nationale Normenkontrollrat beziffert die jährlichen Entlastungseffekte auf 1,7 Milliarden Euro für die Verwaltung, 1 Milliarde Euro für die Wirtschaft und 500 Millionen Euro für Bürgerinnen und Bürger (Stand: Oktober 2025)*. Diese Schätzungen zeigen das erhebliche Einsparpotenzial durch beschleunigte Verfahren.
Ein erster statistischer Indikator für die beschleunigte Umsetzung kommt vom Statistischen Bundesamt: Im Juli 2025 wurden 22.100 Wohnungen genehmigt – ein Plus gegenüber dem Vorjahresmonat (Stand: Juli 2025)*. Diese Entwicklung deutet auf eine initiale Dynamik im Genehmigungsbereich hin.
Gleichzeitig verdeutlicht eine weitere Zahl die strukturellen Herausforderungen: In Deutschland werden derzeit lediglich Flächen für den Wohnungsbau genutzt (Stand: September 2025)*. Diese Begrenzung unterstreicht die Notwendigkeit effizienter Flächennutzung und beschleunigter Verfahren.
Als praktische Begleitmaßnahme startete im November 2025 das Umsetzungslabor, das voraussichtlich bis Ende März 2026 läuft. Ziel ist die Erarbeitung eines Praxis-Leitfadens, der Kommunen bei der konkreten Anwendung der neuen Regelungen unterstützen soll (Stand: November 2025)*.
Kommunale Praxis: Beispiele, Chancen, Bedenken
Die Umsetzung des Bau-Turbos in Kommunen wird unterschiedlich bewertet. Die Anliegen reichen von positiven Erfahrungen bis zu grundsätzlichen Bedenken zu Planungssicherheit.
- Praxisbeispiel (Töging) – Erleichterte Bauvorhaben durch entfallende Bebauungsplanänderungen*
- Kritik/Pflicht zur Beteiligung (Dienberg) – Bedenken zu Planungsklarheit*
Ausblick: Was folgt — und worauf es ankommt
Für alle Beteiligten ergeben sich daraus konkrete Handlungsempfehlungen: Kommunalpolitiker sollten die Entwicklung praxistauglicher Leitfäden aktiv begleiten und transparente Bürgerbeteiligungsverfahren sicherstellen. Bauakteure müssen frühzeitig klare Evaluationskriterien für ihre Projekte definieren und Fristen im Blick behalten. Bürgerinnen und Bürger können den Prozess konstruktiv begleiten, indem sie sich in Beteiligungsformulen einbringen und die praktische Umsetzung vor Ort kritisch verfolgen.
Die Uhr tickt – zentrale Regelungen wie § 246e BauGB sind bis 2030 befristet.*
Die nachfolgenden Informationen und Zitate basieren auf einer Pressemitteilung des Zentralen Immobilien Ausschuss (ZIA) e.V., dem Spitzenverband der Immobilienwirtschaft.
Weiterführende Quellen:
- „2024 wurden in Deutschland nur rund 250.000 Wohnungen fertiggestellt, während 1995 noch 600.000 Wohnungen entstanden“ – Quelle: https://kommunal.de/bauturbo-kommunen-kritik
- „Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung beziffert den Wohnungsbedarf bis 2030 auf jährlich 320.000 neue Wohnungen“ – Quelle: https://kommunal.de/bauturbo-kommunen-kritik
- „Der Nationale Normenkontrollrat schätzt die jährliche Entlastung durch den Bau-Turbo auf 1,7 Milliarden Euro für die Verwaltung, 1 Milliarde Euro für die Wirtschaft und 500 Millionen Euro für Bürgerinnen und Bürger“ – Quelle: https://kommunal.de/bauturbo-kommunen-kritik
- „Für Juli 2025 meldet das Statistische Bundesamt 22.100 genehmigte Wohnungen, was einem Plus von 30 % gegenüber dem Vorjahr entspricht“ – Quelle: https://kommunal.de/bauturbo-kommunen-kritik
- „Derzeit werden in Deutschland lediglich 4 % der Flächen für den Wohnungsbau genutzt, was die Notwendigkeit für deregulierte Maßnahmen wie § 246e BauGB unterstreicht“ – Quelle: https://www.gdw.de/media/2025/09/2025-09-03_gdw-stn-refe-bau-turbo-1.pdf
- „Das Umsetzungslabor zur Begleitung der kommunalen Bau-Turbo-Umsetzung begann im November 2025 und wird voraussichtlich bis Ende März 2026 dauern, mit dem Ziel, einen Praxis-Leitfaden zu erstellen“ – Quelle: https://www.staedtetag.de/themen/austausch-gesetz-beschleunigung-wohnungsbaus-wohnraumsicherung
- „Die Stadt Töging am Inn berichtet von mehreren Bauvorhaben, die durch den Bau-Turbo leichter umgesetzt werden können, da bisher erforderliche Bebauungsplanänderungen entfallen“ – Quelle: https://kommunal.de/bauturbo-kommunen-kritik
- „Baubürgermeister Thomas Dienberg aus Leipzig äußert Bedenken, dass Bau-Turbo-Maßnahmen nicht unbedingt für mehr Planungsklarheit sorgen könnten, und weist auf Herausforderungen bei Politik und Bürgerbeteiligung hin“ – Quelle: https://kommunal.de/bauturbo-kommunen-kritik
- „Bundesbauministerin Verena Hubertz sieht rechtliche Bedenken als Hürde für Kommunen bei der Bau-Turbo-Umsetzung und reagiert mit Workshops zur Unterstützung“ – Quelle: https://kommunal.de/bauturbo-kommunen-kritik
6 Antworten
Ich stimme zu, dass wir mehr Wohnraum brauchen. Aber was ist mit den sozialen Aspekten? Werden die neuen Wohnungen auch für Familien mit niedrigem Einkommen erschwinglich sein?
Die Zahlen im Artikel sind erschreckend und zeigen wirklich einen Bedarf auf! Ich hoffe nur, dass die kommunalen Politiker nicht nur schnelle Lösungen suchen, sondern auch langfristige.
Es ist erstaunlich zu lesen, wie viel wir bis 2030 brauchen! Aber ich mache mir Sorgen um den Umweltschutz. Wie wird das berücksichtigt bei all dem schnellen Bauen?
Das ist ein guter Punkt! Vielleicht könnten wir mehr über nachhaltige Bauweisen reden? Ich denke, das könnte helfen, sowohl schnell zu bauen als auch die Umwelt zu schützen.
Der Artikel spricht wichtige Punkte an, aber ich frage mich, wie die Qualität der neuen Wohnungen gewährleistet wird. Wird es genug Zeit für Bürgerbeteiligung geben oder geht es nur um Schnelligkeit?
Ich finde es wichtig, dass der Bau-Turbo schnell umgesetzt wird. Es gibt wirklich einen Mangel an Wohnungen. Aber wie werden die Kommunen sicherstellen, dass alle Bürger an den Entscheidungen beteiligt werden?