Batteriezertifikat für Gebrauchtwagen: Kfz-Gewerbe und ADAC fordern mehr Transparenz und Abschaffung der Blockiergebühren

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Der Markt für gebrauchte Elektroautos wächst rasant, doch viele Käufer haben Bedenken wegen der Batteriegesundheit. Der Landesverband Hessen des Kfz-Gewerbes und der ADAC Hessen-Thüringen werben daher gemeinsam für Batteriezertifikate. Diese dokumentieren den technischen Zustand der Batterie und sollen so Sicherheit beim Gebrauchtwagenkauf schaffen. Zudem fordern die Verbände die Abschaffung von Blockiergebühren an Ladesäulen in der Nacht.

Inhaltsverzeichnis

– Kfz-Gewerbe Hessen und ADAC Hessen-Thüringen werben für Batteriezertifikate bei gebrauchten E-Autos.
– Verbände fordern Abschaffung von Blockiergebühren an Ladepunkten zwischen 22 und 8 Uhr.
– Sie setzen sich für übersichtlichere Angebote der Ladenetzbetreiber ein.

Gebrauchte E-Autos: Verbände fordern Batteriezertifikate

Der Markt für Elektroautos wächst rasant – und mit ihm die Bedeutung des Gebrauchtwagenhandels. Um Käufern mehr Sicherheit zu bieten, werben das Kfz-Gewerbe Hessen und der ADAC Hessen‑Thüringen für einheitliche Batteriezertifikate*.

Die Zahlen zeigen die Dynamik: Von Januar bis September 2025 wurden bundesweit knapp 300.000 Elektro-Besitzumschreibungen registriert (Stand: Januar–September 2025). Vor drei Jahren lag diese Zahl bei rund 100.000 Fahrzeugen. Reine Elektroautos und Plug-in-Hybride machen mittlerweile rund 6 Prozent aller Besitzumschreibungen aus. „Die Bedenken der Kundinnen und Kunden, ein Elektromobil mit schwacher Batterie zu kaufen, können wir aus dem Weg räumen. Unsere hessischen Kfz-Betriebe können den aktuellen technischen Batteriezustand exakt feststellen und in einem Batteriezertifikat dokumentieren“, sagte Michael Kraft, Präsident des Hessischen Kfz-Gewerbes. Der ADAC unterstützt diesen Ansatz. „Mit einer zertifizierten Batteriediagnose ist der Kunde auf der sicheren Seite. Dann kann er entscheiden, ob er das gebrauchte Elektroauto kaufen möchte, und es ergeben sich im Nachhinein keine bösen Überraschungen“, erklärte Wolfgang Wagner, Vorsitzender des ADAC Hessen-Thüringen.

Neben der Transparenz beim Fahrzeugkauf sehen die Verbände Handlungsbedarf bei der Ladeinfrastruktur. Sie fordern die Abschaffung von Blockiergebühren an Normalladepunkten zwischen 22 und 8 Uhr, insbesondere wenn diese während noch laufender Ladevorgänge erhoben werden. Diese Praxis bewerten sie als unverhältnismäßig. Zudem müssten die Angebote der Ladenetzbetreiber übersichtlicher werden, um für Autofahrende transparent zu sein. Das Kfz-Gewerbe Hessen, das die Interessen von rund 4.300 Betrieben mit etwa 51.600 Mitarbeitenden vertritt (Stand: Pressemitteilung, 11.12.2025), erzielte im Jahr 2023 einen Umsatz von 29,3 Milliarden Euro* (Stand: 2023).

Batteriezertifikate: So funktionieren sie und wer sie anbietet

Der Wunsch nach Transparenz beim Gebrauchtwagenkauf ist nicht neu. Bei Elektroautos konzentriert er sich auf ein zentrales Bauteil: die Hochvoltbatterie. Ihr Zustand entscheidet maßgeblich über Reichweite, Leistung und Restwert. Batteriezertifikate sollen hier Klarheit schaffen. Sie dokumentieren den sogenannten State of Health (SoH) – den Gesundheitszustand der Batterie. Dieser Wert, meist in Prozent angegeben, beschreibt die verbleibende Kapazität im Vergleich zum Neuzustand. Die Kosten für eine solche Prüfung bewegen sich im niedrigen bis mittleren dreistelligen Eurobereich (Stand: 2024)*.

Wie ein SoH-Zertifikat entsteht

Die Erstellung eines Zertifikats folgt einem standardisierten Prozess. Ein zertifizierter Prüfer analysiert die Batterie mit spezieller Diagnosesoftware (Stand: 2024)*. Dabei werden Ladehistorie, Zellspannungen, Innenwiderstände und die tatsächliche Kapazität unter Last gemessen. Die Ergebnisse fließen in einen herstellerunabhängigen Bericht ein, der den aktuellen SoH festhält und oft eine Prognose zum weiteren Kapazitätsverlust enthält. Diese Dokumentation schafft eine verlässliche Grundlage für Verkäufer und Käufer.

Wer Batteriezertifikate anbietet

Der Markt für Batteriediagnosen und -zertifikate hat sich in den letzten Jahren dynamisch entwickelt. Verschiedene Initiativen und Anbieter haben Lösungen etabliert:

  • mobile.de führte bereits 2023 einen speziellen Suchfilter „Mit Batterie-Zertifikat“ ein. Eine begleitende Nutzerumfrage ergab, dass 92 Prozent der Nutzer dieses Feature als sehr hilfreich einstuften (Stand: 2023)*.
  • Der ZDK (Zentralverband Deutsches Kfz-Gewerbe) und das Unternehmen AVILOO starteten am 23. Juni 2024 ein gemeinsames, herstellerunabhängiges Batteriezertifikat (Stand: 2024)*.
  • Der ADAC empfiehlt eine Batteriediagnose ausdrücklich und bietet über Kooperationspartner einen unabhängigen Batteriecheck an (Stand: 2024)*.
  • Prüforganisationen wie Dekra haben einen herstellerunabhängigen Batterietest für Gebrauchtfahrzeuge im Programm (Stand: 2024)*.
  • Anbieter wie CertifyCar setzen auf fernabfragebasierte Zertifikate (Stand: 2024)*.
  • Der Fuhrparkdienstleister Ayvens ging einen Schritt weiter und führte am 26. September 2025 eigene SoH-Zertifikate für seine gebrauchten Elektrofahrzeuge ein, die in mehreren EU-Ländern verfügbar sind. Das Unternehmen lässt seine Batterieprüfungen dafür akkreditieren (Stand: 09/2025)*.

Diese Angebote unterscheiden sich teils in Messmethodik, Umfang und Transparenz. Gemeinsam ist ihnen das Ziel, Vertrauen in den Gebrauchtmarkt für Elektrofahrzeuge zu schaffen. Diese Einschätzung teilt der ADAC. Dessen Regionalvorsitzender Wolfgang Wagner erklärt: "Mit einer zertifizierten Batteriediagnose ist der Kunde auf der sicheren Seite. Dann kann er entscheiden, ob er das gebrauchte Elektroauto kaufen möchte, und es ergeben sich im Nachhinein keine bösen Überraschungen."

Blockiergebühren an Ladesäulen: Was Fahrende zahlen

Wer sein Elektroauto an einer öffentlichen Ladesäule parkt, nachdem der Akku voll ist, riskiert zusätzliche Kosten. Diese sogenannten Blockiergebühren sollen verhindern, dass belegte Ladepunkte für andere Nutzer unbrauchbar bleiben. Die Praxis und die konkreten Gebühren unterscheiden sich jedoch deutlich zwischen den Anbietern. Für Verbraucher ist es wichtig, die jeweiligen Regeln zu kennen, um unerwartete Rechnungen zu vermeiden.

Wie Blockiergebühren funktionieren

Das Prinzip ist einfach: Nach Ablauf einer definierten, meist mehrstündigen Lade- oder Parkzeit beginnt die Berechnung einer zusätzlichen Minute. Diese Gebühr fällt so lange an, bis das Fahrzeug von der Säule getrennt wird. Die Ausgestaltung variiert. In Deutschland werden Blockiergebühren an Normalladepunkten überwiegend mit ca. 0,10 Euro pro Minute nach Ablauf von etwa vier Stunden Ladezeit erhoben – Stand: 2024*.

Anbieter im Vergleich

Die Unterschiede zwischen den Ladekarten-Anbietern sind beträchtlich. Eine Übersicht zeigt die Bandbreite der Konditionen:

Anbieter Gebühr (€/min) Auslösezeit Deckelung/Limit Quelle / Stand
EnBW 0,10 nach 4 Stunden gedeckelt bei 12 € pro Vorgang EnBW, Stand: 2024*
ADAC e-Charge (Fremd-Ladepunkte) 0,15 AC: ab 120 Min.
DC: ab 45 Min.
nicht angegeben ADAC, Stand: 2024*
Vattenfall InCharge 0,05 – 0,15 je nach Netz/Standort nicht angegeben Vattenfall, Stand: 2024*
Aral pulse derzeit keine ADAC, Stand: 2024*
EWE Go 0,10 ab 4 Stunden nicht angegeben Veröffentlichung: 2023*

Diese Vergleichswerte machen deutlich: Während Aral pulse aktuell keine Blockiergebühr erhebt, setzt der ADAC e-Charge-Tarif mit 15 Cent pro Minute und einer Auslösezeit von bereits 45 Minuten an Schnellladepunkten vergleichsweise früh an. Die Gebühren von EnBW und EWE Go bewegen sich im häufig anzutreffenden Bereich von 0,10 Euro pro Minute ab vier Stunden.

Vor diesem Hintergrund fordern das Kfz-Gewerbe Hessen und der ADAC Hessen-Thüringen in ihrer gemeinsamen Position die Abschaffung der Blockiergebühren an Normalladepunkten zwischen 22 und 8 Uhr. Ihre Argumentation: In diesen nächtlichen Stunden mit typischerweise geringerem Verkehrsaufkommen an Ladesäulen sei die Gebühr unverhältnismäßig und nicht verbraucherfreundlich. Die Verbände sehen hier dringenden Handlungsbedarf für mehr Transparenz und Kundennutzen.

Käuferperspektive und Marktentwicklung: Was Batteriezertifikate bewirken

Für Gebrauchtwagenkäufer schaffen Batteriezertifikate vor allem eines: Transparenz. Sie bieten eine objektive Grundlage, um den Zustand des teuersten Bauteils eines Elektroautos zu bewerten. Diese Klarheit kann Kaufentscheidungen erleichtern und unangenehme Überraschungen im Nachhinein vermeiden. Doch welche konkreten Auswirkungen haben die Zertifikate auf Kosten, Recht und den Markt?

Kosten & Nutzen für Käufer

Die Investition in eine Batteriediagnose liegt beim Verkäufer. Für Käufer entstehen dadurch keine direkten Kosten. Die Prüfung selbst verursacht jedoch Aufwand. Branchenberichte unterscheiden zwischen Schnelltests über die OBD-Schnittstelle und umfangreicheren Langzeittests, die das Fahrverhalten über mehrere hundert Kilometer analysieren. Die Kosten pro Test bewegen sich im niedrigen bis mittleren dreistelligen Eurobereich (Stand: 2024)*.

Der Nutzen für Käufer ist immateriell, aber wertvoll. Ein Zertifikat dokumentiert den aktuellen State of Health (SoH) der Batterie. Das schafft Vertrauen in den angegebenen Wert und die verbleibende Reichweite. Ein Finanzdienstleister weist darauf hin, dass solche Nachweise den Wiederverkaufsprozess vereinfachen und als Argument für höhere Restwerte dienen können (Stand: 2024)*. Konkrete Euro-Aufschläge auf den Fahrzeugpreis sind derzeit aber nicht standardisiert.

Regulatorischer Status & Marktentwicklung

Rechtlich betrachtet sind Batteriezertifikate in Deutschland und der EU bislang eine freiwillige Leistung. Es existiert keine gesetzliche Pflicht, beim Verkauf eines gebrauchten Elektroautos ein standardisiertes Akkuzertifikat vorzulegen (Stand: 2024)*. Verkäufer haften natürlich weiterhin für Sachmängel im Rahmen der gesetzlichen Gewährleistung. Ein Zertifikat kann hier jedoch als Beweismittel dienen und Streitigkeiten über den Batteriezustand zum Kaufzeitpunkt vorbeugen.

Die Marktdynamik treibt die Entwicklung voran. Große Player wie der Leasing- und Mobilitätsdienstleister Ayvens planen, ab 2025 eigene SoH-Zertifikate für ihre Gebrauchtfahrzeugflotte einzuführen und diese auf weitere Märkte auszuweiten (Stand: 2025)*. Solche Initiativen setzen Standards und erhöhen den Erwartungsdruck. Wo große Flottenbetreiber Zertifikate anbieten, wird dies für private Verkäufer und Händler zunehmend zum Wettbewerbsfaktor.

Für Kaufinteressenten heißt das: Sie können und sollten Transparenz aktiv einfordern. Eine professionelle Batteriediagnose vor dem Kauf gibt Sicherheit. Wo ein Zertifikat vorliegt, lohnt der genaue Blick auf die dokumentierten Werte. Zudem bleibt es sinnvoll, neben dem Batteriezustand auch allgemeine Gebührenstrukturen – wie die umstrittenen Blockiergebühren an Ladepunkten – in die Gesamtbewertung des Fahrzeugs und seiner Nutzungskosten einzubeziehen.

Diese Informationen stammen aus einer offiziellen Pressemitteilung des Landesverbands Hessen des Kfz-Gewerbes und des ADAC Hessen-Thüringen.

Weiterführende Quellen:

9 Antworten

  1. Die steigenden Zahlen bei Elektroautos zeigen ja eindeutig einen Trend! Aber wie sieht’s mit der Infrastruktur aus? Gibt es genug Ladestationen für alle?

  2. Klarheit beim Kauf von gebrauchten E-Autos ist wichtig! Aber was passiert eigentlich mit Autos ohne Zertifikat? Sollten diese dann günstiger verkauft werden? Was denkt ihr darüber?

  3. Ich habe gehört, dass viele Leute sich Sorgen über den Zustand der Batterien machen. Das mit den Zertifikaten könnte helfen! Wie denkt ihr darüber? Glaubt ihr wirklich an mehr Sicherheit für Käufer?

  4. Die Forderung nach Abschaffung der Blockiergebühren finde ich sinnvoll. Es ist doch nicht fair, wenn man für etwas bestraft wird, was man nicht vermeiden kann. Hat jemand von euch schon Erfahrungen mit diesen Gebühren gemacht?

    1. Ich hatte einmal eine hohe Rechnung wegen Blockiergebühren und war ziemlich enttäuscht darüber. Es wäre wirklich hilfreich, wenn diese Gebühren transparenter wären.

    2. Ich stimme zu! Wenn man spät abends lädt und dann noch eine Gebühr zahlen muss, während es kaum andere Nutzer gibt, ist das einfach unverständlich.

  5. Ich finde es gut, dass die Verbände jetzt für Batteriezertifikate werben. Es gibt viele Unsicherheiten beim Kauf gebrauchter E-Autos. Wie kann man sicherstellen, dass die Zertifikate auch wirklich verlässlich sind?

    1. Ja, das ist ein wichtiger Punkt! Ich frage mich auch, wie die Prüfer sicherstellen können, dass ihre Tests objektiv sind. Vielleicht sollte es mehr unabhängige Prüfstellen geben.

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