– Haushaltsdebatte: Bau- und Wohnungsbudget steigt auf 7,4 Mrd. Euro, Verkehrsetat gesenkt
– VdK fordert dauerhafte Finanzierung altersgerechter Umbauten für barrierefreies Wohnen
– Bentele mahnt, Mittel nutzen nichts ohne gesellschaftlichen und politischen Veränderungswillen
Barrierefreiheit bleibt trotz hoher Investitionen auf der Strecke
Der Deutsche Bundestag diskutiert aktuell die Haushaltspläne für Verkehr sowie für Bauen und Wohnen. Dabei steigen die Mittel im Bereich Bauen und Wohnen von 6,7 Milliarden Euro im Jahr 2024 auf 7,4 Milliarden Euro an. Im Verkehrsbereich hingegen wurden die Ausgaben um knapp 6 Milliarden Euro gekürzt, sie belaufen sich nun auf 38,26 Milliarden Euro. Dennoch bleibt der Verkehrshaushalt mit insgesamt über 75 Milliarden Euro – inklusive einem Sondervermögen von 37,24 Milliarden Euro für Verkehrsinvestitionen – der größte Investitionshaushalt. Trotz dieser großzügigen Ausstattung sieht der Sozialverband VdK Deutschland die Fortschritte bei der Barrierefreiheit in Deutschland kritisch.
VdK-Präsidentin Verena Bentele macht deutlich: „Obwohl beide Etats großzügig ausgestattet sind und massive Investitionen in den Bereichen Bauen und Verkehr geplant sind, geht es mit der Barrierefreiheit in Deutschland nicht schnell genug voran. Viele Entscheidungsträger sehen einfach immer noch nicht die Herausforderungen einer inklusiven und alternden Gesellschaft.“ Besonders problematisch sei der öffentliche Verkehr: Ein barrierefreier Nahverkehr sei entscheidend für ein selbstbestimmtes Leben – für Menschen jeden Alters und mit unterschiedlichsten Bedürfnissen. Doch gerade im ländlichen Raum würden viele Bahnhöfe systematisch ausgegrenzt, da nur große Bahnhöfe barrierefrei umgebaut werden sollen.
Ein weiteres Problem: Selbst bei größeren Bahnhöfen komme der Umbau nicht voran. Verena Bentele kritisiert, dass viel Geld, das eigentlich für barrierefreie Bahnhöfe bereitgestellt wurde, in den vergangenen Jahren nicht umfassend investiert worden sei: „Das Geld nutzt nichts, wenn der Wille zur Veränderung fehlt.“
Auch beim barrierefreien Wohnraum zeigt sich eine Lücke im Haushalt: Das bewährte Förderprogramm der KfW zum altersgerechten Umbau von Wohnungen wird nicht weiter finanziert. Dabei beträgt der Bedarf schon heute über zwei Millionen barrierefreie Wohnungen – Tendenz steigend. Der Zuschuss hat bislang vielen Seniorinnen und Senioren ermöglicht, selbstbestimmt in ihrem Zuhause zu leben und einen Umzug in ein Pflegeheim hinauszuzögern oder sogar zu vermeiden. Für den VdK ist unverständlich, warum dieses Programm auslaufen soll.
Das klare Fazit des Verbands lautet: Das Programm „Altersgerecht umbauen“ muss nicht nur fortgeführt, sondern mit 500 Millionen Euro ausreichend ausgestattet werden, um Betroffenen Planungssicherheit zu geben. Zudem schlagen die VdK-Expert:innen vor, den Fördersatz von aktuell zehn auf 30 Prozent anzuheben, um die tatsächlichen Kosten besser abzudecken und mehr Menschen zu unterstützen.
Diese Forderungen bringen die Herausforderungen einer alternden und vielfältigeren Gesellschaft auf den Punkt und verdeutlichen, dass großzügige Haushaltszahlen allein nicht ausreichen, wenn der politische Wille zur inklusiven Gestaltung fehlt.
Barrierefreiheit: Warum Inklusion im Alltag unverzichtbar ist
Barrierefreiheit ist mehr als ein technisches oder architektonisches Thema. Sie bestimmt maßgeblich, wie Menschen am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Betroffen sind nicht nur Menschen mit Behinderungen, sondern auch Seniorinnen und Senioren, Familien mit Kindern, Reisende mit Gepäck oder Menschen im ländlichen Raum. Ohne barrierefreie Zugänge, Wohnräume und Verkehrsmittel entstehen erhebliche Hürden, die ein selbstbestimmtes Leben erschweren oder verhindern.
Gesellschaftlich ermöglicht Barrierefreiheit Teilhabe und Gleichberechtigung. Ohne sie bleiben viele Menschen ausgeschlossen oder sind auf fremde Hilfe angewiesen. Wirtschaftlich betrachtet wird Barrierefreiheit oft noch als Kostenfaktor gesehen, doch der Nutzen ist immens: Wer barrierefrei lebt und arbeitet, kann länger und produktiver teilhaben. Politisch steht Barrierefreiheit für eine inklusive Gesellschaft, die auf Vielfalt und Respekt setzt.
Besonders sensibel sind die Bereiche Wohnen und Verkehr. Barrierefreies Wohnen hilft insbesondere älteren Menschen, länger unabhängig in den eigenen vier Wänden zu bleiben. Hier zeigt sich ein drängendes Bedürfnis: Der Bedarf an barrierefreien Wohnungen liegt bereits bei über zwei Millionen Einheiten und steigt weiter. Das Förderprogramm „Altersgerecht umbauen“, das seniorengerechte Umbauten unterstützt, wird aktuell nicht mehr finanziert – ein Schritt, der vom Sozialverband VdK massiv kritisiert wird. Dessen Präsidentin Verena Bentele mahnt: „Das Geld nutzt nichts, wenn der Wille zur Veränderung fehlt.“
Der öffentliche Verkehr ist ein weiterer Schlüsselbereich. Nur wenn Bahnhöfe, Busse und Straßenbahnen barrierefrei sind, können alle Menschen am Leben teilnehmen – unabhängig von Alter, Behinderung oder Mobilitätseinschränkungen. Der bisherige Fokus auf große Bahnhöfe lässt den ländlichen Raum und kleinere Stationen oft außen vor. Dies schränkt die Mobilität vieler Menschen erheblich ein.
Wer ist betroffen? Welche Probleme entstehen?
- Menschen mit körperlichen oder sensorischen Einschränkungen stoßen auf bauliche und kommunikative Hindernisse.
- Seniorinnen und Senioren benötigen altersgerechte Wohnungen und barrierefreie Verkehrsmittel, um selbstständig zu bleiben.
- Familien mit Kinderwagen oder Menschen mit Gepäck sind auf ebenerdige Zugänge und Hilfsmittel angewiesen.
- Menschen im ländlichen Raum leiden besonders unter fehlender Mobilität und Barrierefreiheit im öffentlichen Nahverkehr.
Die Folgen mangelnder Barrierefreiheit reichen von eingeschränkter Mobilität und Isolation bis hin zu schwierigerem Zugang zu Gesundheits- und Sozialdiensten.
Internationale Vorbilder und Entwicklungen
In anderen europäischen Ländern wie den skandinavischen Staaten ist Barrierefreiheit oft schon viel weiter entwickelt. Dort sichern klare gesetzliche Regelungen und nachhaltige Investitionsprogramme die Zugänglichkeit aller öffentlichen Räume und Verkehrsmittel. Deutschland hinkt hier teilweise hinterher, obwohl große Haushaltsmittel für Verkehrsinfrastruktur bereitstehen. Eine effektive und lückenlose Umsetzung fehlt jedoch vielfach.
Zukünftige Herausforderungen und politische Reaktionen
Mit einer alternden Gesellschaft wird der Bedarf an Barrierefreiheit weiter steigen. Die Politik muss daher Programme wie „Altersgerecht umbauen“ nicht nur wiederbeleben, sondern auch finanziell aufstocken. Nach Ansicht des Sozialverbands VdK sollte der Fördersatz von zehn auf 30 Prozent steigen, um die tatsächlichen Kosten abzudecken. Gleichzeitig sind mehr Engagement und ein deutlich sichtbarer Wille der Entscheidungsträger nötig, damit bereitgestellte Fördergelder auch tatsächlich investiert werden.
Der Umbau öffentlich zugänglicher Gebäude und Verkehrsmittel muss konsequent vorangetrieben werden – auch im ländlichen Raum. Nur so lässt sich echte Teilhabe für alle sichern.
Wichtige Fakten zur Bedeutung von Barrierefreiheit
- Über zwei Millionen Wohnungen in Deutschland benötigen barrierefreie Anpassungen.
- Der Verkehrshaushalt wurde trotz Kürzungen auf etwa 38 Milliarden Euro erhöht, davon stehen zusätzliche Mittel aus Sondervermögen bereit – doch die Barrierefreiheit lässt oft auf sich warten.
- Das Förderprogramm für altersgerechtes Umbauen läuft derzeit nicht weiter, obwohl die Nachfrage groß ist.
Barrierefreiheit ist kein reines Komfortthema, sondern eine gesellschaftliche Notwendigkeit. Sie prägt die Lebensqualität und die Selbstbestimmung von Millionen Menschen. Zukunftsfähige Politik und engagierte Gesellschaft sind gefordert, um Teilhabe für alle konsequent umzusetzen.
Die im Beitrag verwendeten Informationen und Zitate stammen aus einer Pressemitteilung des Sozialverbands VdK Deutschland.
8 Antworten
‚Geld nutzt nichts ohne Veränderungswillen‘ ist ein guter Punkt! Wenn wir nicht handeln, bleiben viele Menschen außen vor. Wie können wir alle zusammen mehr Bewusstsein dafür schaffen?
‚Wir müssen lauter werden‘, denke ich. Nur so können wir die Themen in den Vordergrund rücken!
‚Vielleicht sollten wir auch soziale Medien nutzen um mehr Leute zu erreichen und zu mobilisieren!‘
Es ist erschreckend zu sehen wie wenig getan wird für barrierefreies Wohnen. Ich frage mich echt, wo das ganze Geld hinfließt? Warum wird das Programm für altersgerechte Umbauten nicht fortgeführt?
Ja genau! Das macht keinen Sinn und zeigt wieder mal, dass unsere Regierung nicht richtig plant für die Zukunft.
Ich finde es echt schade das die Barrierefreiheit nicht so richtig voran geht. Es gibt so viele ältere Menschen die auf Hilfe angewiesen sind. Was denkt ihr, was man tun kann damit da mehr Bewegung rein kommt?
Ich stimme dir zu, Stefan! Vielleicht sollten wir mal mehr Druck auf die Politiker ausüben, damit sie verstehen wie wichtig das ist.
Das wäre eine gute Idee, aber ich glaube viele Politiker haben keine Ahnung von den Problemen die wir hier haben.