Barrierefrei reisen: Warum fehlende Inklusion Millionen Menschen vom Urlaub ausschließt

Obwohl in Deutschland rund 7,9 Millionen Menschen mit Schwerbehinderung leben, fehlt es im Tourismus nach wie vor an verlässlichen barrierefreien Angeboten und Informationen – von unzugänglichen Hotels bis zu fehlenden Flugzeugtoiletten in Europa. Der Sozialverband VdK kritisiert diese Lücken und fordert einheitliche EU-Standards sowie gesetzlich verbindliche Vorgaben, die Barrierefreiheit von der Buchung bis zur Freizeitgestaltung sicherstellen. Für VdK-Präsidentin Verena Bentele darf Barrierefreiheit im Urlaub kein Extra sein, sondern muss für alle selbstverständlich gelten.
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– Mangelnde Barrierefreiheit schränkt Reisefreiheit von rund 7,9 Millionen Menschen mit Schwerbehinderung ein.
– VdK fordert EU-weit verbindliche Standards für Barrierefreiheit im Flugverkehr und touristischer Infrastruktur.
– Staatliche Plattform „Reisen für alle“ bietet zertifizierte barrierefreie Unterkünfte seit 2011.

Barrierefreies Reisen: Herausforderungen und Forderungen im Fokus

Während viele Deutsche während der Schulferien aufs Reisen setzen, bleibt die Reisefreiheit für Menschen mit Behinderung stark eingeschränkt. Der Sozialverband VdK weist darauf hin, dass bereits die Planung eine erhebliche Hürde darstellt – egal, ob die Reise ins Inland oder ins Ausland führt. Rund 7,9 Millionen Menschen in Deutschland leben mit einer Schwerbehinderung, was über neun Prozent der Bevölkerung entspricht. Hinzu kommen viele ältere Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Für diese Gruppen mangelt es vielerorts an barrierefreien Angeboten und umfassenden Informationen über geeignete Unterkünfte und Reiseziele.

Kritisch ist dabei, dass Barrierefreiheit oft mit Rollstuhlgerechtigkeit verwechselt wird. Das greife zu kurz, denn „eine rollstuhlgerechte Gestaltung bringt blinden oder gehörlosen Menschen und Menschen mit Lernschwierigkeiten jedoch überhaupt nichts, da sie völlig andere Bedarfe haben.“ Melanie Tietze-Ihle, Referentin für Barrierefreiheit beim VdK, betont: „Spontaneität ist für viele Menschen mit Schwerbehinderung kaum möglich. Wer nicht akribisch plant, den erwarten oft böse Überraschungen.“ Selbst wenn ein Hotel barrierefreie Zimmer anbietet, sei das nicht zwangsläufig mit einem vollständig zugänglichen Gebäude gleichzusetzen.

Ein weiteres Problemfeld sind fehlende verbindliche Vorgaben in Europa, etwa bei barrierefreien Toiletten an Bord von Flugzeugen. Im Gegensatz zu den USA, wo solche Toiletten ab einer bestimmten Flugzeuggröße vorgeschrieben sind, fehlen hier einheitliche Standards. Für Menschen mit Sehbeeinträchtigungen ergeben sich oft weitere Hürden, etwa durch unzureichend gestaltete Touch-Bedienungen in Aufzügen oder Alarmsysteme, die nicht das „Zwei-Sinne-Prinzip“ berücksichtigen – dieses fordert, dass mindestens zwei der Sinne Hören, Sehen oder Tasten angesprochen werden müssen.

Trotz solcher Herausforderungen zeigt sich auch Licht: Die staatlich geförderte Plattform „Reisen für alle“ stellt seit 2011 geprüfte und zertifizierte Barrierefrei-Angebote in Deutschland zusammen. Darüber hinaus bieten spezialisierte Reisebüros und soziale Verbände wie Caritas und Diakonie spezielle Reisen an. Wie Tietze-Ihle hervorhebt, ist „die Erlebbarkeit touristischer Angebote eine wesentliche Grundlage für eine Reiseentscheidung.“

VdK-Präsidentin Verena Bentele fordert eine umfassende Neuausrichtung: „Barrierefreiheit darf kein Extra sein, sie muss für alle selbstverständlich sein, auch im Urlaub.“ Zu den wichtigsten Forderungen gehören einheitliche EU-Standards im Flugverkehr, verbindliche Vorgaben für barrierefreie Flugzeugtoiletten und die verpflichtende barrierefreie Ladeinfrastruktur für Elektroautos. Zudem sei der konsequente Ausbau von „Reisen für alle“ notwendig. Bentele unterstreicht die Notwendigkeit gesetzlicher Regelungen für Barrierefreiheit vom Buchungsprozess bis zur Freizeitgestaltung: „Eine ambitionierte Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes ist längst überfällig. Durch eine Verpflichtung der Privatwirtschaft zur Barrierefreiheit könnten alle Menschen ohne Einschränkungen reisen.“

Diese Forderungen spiegeln die wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung von Barrierefreiheit wider – sie ist nicht nur ein Gebot der Teilhabe, sondern auch Voraussetzung für eine inklusive Tourismusbranche, die den Bedürfnissen eines großen Teils der Bevölkerung gerecht wird.

Die Informationen und Zitate in diesem Beitrag basieren auf einer Pressemitteilung des Sozialverbands VdK Deutschland.

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