– Am 05.09.2025 gelangen zwei zuvor schlecht gehaltene ukrainische Bären ins Tierschutzzentrum Weidefeld.
– Myhasyk und Luba stammen aus jahrelanger Foto- und Zirkushaltung und benötigen intensive Betreuung.
– Das naturnahe, zwei Hektar große Bärengehege ermöglicht baldige Eingewöhnung und artgerechte Haltung.
Neu im Tierschutzzentrum Weidefeld: Zwei gerettete Braunbären aus der Ukraine
Am 5. September 2025 sind zwei Braunbären nach einer riskanten Reise aus der Ukraine im Tierschutzzentrum Weidefeld in Schleswig-Holstein eingetroffen. Myhasyk und Lyubochka – genannt Luba – wurden über zwei Tage hinweg sicher transportiert und können sich nun in den Stallungen des Zentrums erholen. In wenigen Tagen steht der Umzug in den Eingewöhnungsbereich des naturnah gestalteten Bärengeheges an, das der Deutsche Tierschutzbund seit 2019 betreibt.
Die Aktion war eine komplexe logistische und bürokratische Herausforderung, da der Transport durch ein von Krieg betroffenes Land führte. „Wir sind unglaublich erleichtert und froh, dass alles geklappt hat und die Bären wohlbehalten bei uns angekommen sind“, erklärt Patrick Boncourt, Fachreferent für Bären im Tierschutzzentrum Weidefeld. „Die Fahrt durch ein von Krieg betroffenes Land ist immer mit unkalkulierbaren Risiken verbunden. Unseren Partnern in der Ukraine und unserem niederländischen Transportunternehmen sind wir für ihren mutigen Einsatz sehr dankbar – genauso wie den deutschen Veterinärbehörden, die uns bei dem großen Papieraufwand unterstützt haben. Insbesondere die bürokratischen Herausforderungen haben uns bis zum Schluss bangen lassen und der erfolgreiche Grenzübertritt stand auf Messers Schneide. Umso mehr freuen wir uns, dass Myhasyk und Luba jetzt in ihrem neuen Zuhause angekommen sind!“
Myhasyk und Luba stammen aus schlechter Haltung: Myhasyk war bis vor Kurzem ein Fotomotiv-Bär, Luba lebte als Zirkusbärin. Beide verbrachten jahrelang ihr Leben in winzigen Käfigen, was schwere Schäden an ihrer physischen und psychischen Gesundheit hinterließ. Aufgrund ihres besonderen Betreuungsbedarfs ist das Tierschutzzentrum Weidefeld eine bessere Bleibe als die ukrainische Partnerstation nahe Kyiw, wo sie zuletzt betreut wurden. Bereits 2022 hatte der Deutsche Tierschutzbund mit der Übernahme der Kragenbärin Malvina aus dem White Rock Bear Shelter eine wichtige Hilfe geleistet. Durch die aktuelle Aufnahme von Myhasyk und Luba schaffen die Tierschützer dort wieder Kapazitäten für akute Beschlagnahmungen von Wildtieren im Land.
Das weitläufige Bärengehege in Weidefeld umfasst rund zwei Hektar mit natürlichen Verstecken, Badeseen und Höhlen für die Winterruhe. Zum jetzigen Zeitpunkt leben dort insgesamt vier Braun- und drei Kragenbären, ebenfalls aus schlechter Haltung gerettet. Eine Integration von Myhasyk und Luba mit den anderen Braunbären ist für das kommende Frühjahr nach der Winterruhe geplant. Für den weiteren Ausbau dieses Bärenprojekts sind die Verantwortlichen auf Unterstützung aus der Bevölkerung angewiesen. Interessierte können das Tierschutzzentrum mit Spenden unterstützen oder eine Patenschaft übernehmen. Weitere Informationen gibt es unter www.tierschutzbund.de/patentiere-baeren.
Herausforderungen und Chancen im internationalen Tierschutz
Tiertransporte aus Krisenregionen sind ein bedeutender Teil des internationalen Tierschutzes und gewinnen gerade in Zeiten von Krieg und humanitären Katastrophen an Dringlichkeit. Sie retten Tiere aus oftmals lebensbedrohlichen Situationen, wie aktuell der Transfer des Braunbär-Paares Myhasyk und Lyubochka aus der Ukraine ins Tierschutzzentrum Weidefeld eindrucksvoll zeigt. Diese Rettungsaktionen tragen nicht nur direkt zur Verbesserung des Tierwohls bei, sondern stärken auch das globale Bewusstsein für Tierschutz und fördern die Zusammenarbeit von Organisationen über Grenzen hinweg.
Die Herausforderungen im Umgang mit Tiertransporten aus Kriegsgebieten sind vielfältig und betreffen logistische, ethische sowie politische Aspekte. Logistisch erfordert die sichere Verbringung von Wildtieren wie Bären über weite Strecken und durch teilweise unsichere Gebiete eine akribische Planung, medizinische Betreuung und eine enge Abstimmung mit verschiedenen Behörden und Partnerorganisationen. So betonte Patrick Boncourt vom Deutschen Tierschutzbund: „Die Fahrt durch ein von Krieg betroffenes Land ist immer mit unkalkulierbaren Risiken verbunden.“ Gerade die bürokratischen Hürden, wie komplexe Genehmigungsverfahren und Grenzformalitäten, stellen häufig gravierende Hindernisse dar.
Auch ethische Fragen spielen eine Rolle: Die Tiere stammen oft aus misslichen Haltungen, die für sie großen physischen und psychischen Schaden bedeuten. Die Herausforderung besteht darin, ihnen nicht nur schnell zu helfen, sondern auch langfristig ein möglichst artgerechtes Umfeld zu bieten. Die Aufnahme der Bären in ein naturnah gestaltetes Gehege mit rund zwei Hektar Fläche, Badeseen und Rückzugsmöglichkeiten ist ein wichtiger Schritt, der ihnen die Chance auf Genesung und ein würdiges Leben ermöglicht.
Politisch sind Tiertransporte aus Kriegszonen ebenfalls sensibel, da sie oft auf internationaler Ebene organisiert werden müssen und von der stabilen Zusammenarbeit unterschiedlicher Staaten und Institutionen abhängen. Nur durch kooperative Tierschutzabkommen und gegenseitiges Verständnis gelingt es, Tiere sicher zu retten und aufzunehmen.
Die gesellschaftliche Relevanz solcher Rettungsaktionen ist hoch: Sie sensibilisieren die Öffentlichkeit für die Notwendigkeit des Tierschutzes, erhöhen die Spendenbereitschaft und fördern den Zusammenhalt zwischen internationalen Organisationen. Die erfolgreiche Rettung von Myhasyk und Luba illustriert, wie nachhaltige Partnerschaften im Tierschutz Leben verändern können. Bereits zuvor hatte der Deutsche Tierschutzbund mit der Übernahme der Kragenbärin Malvina aus der Ukraine wichtige Impulse gesetzt. Solche Projekte schaffen nicht nur Platz für weitere Tiere in Not, sondern stärken auch die jeweiligen lokalen Einrichtungen.
Wichtig sind insbesondere folgende Herausforderungen:
- Sichere und tiergerechte Transportbedingungen über unsichere Gebiete.
- Koordination zwischen verschiedenen Akteuren, einschließlich Behörden, Organisationen und Transportunternehmen.
- Umfassende medizinische Versorgung und spätere Wiedereingliederung der Tiere.
- Finanzielle und personelle Ressourcen, die für solche Einsätze notwendig sind.
Die Erfahrungen aus der Ukraine zeigen, dass Kooperationen in Krisenzeiten einen entscheidenden Beitrag zum Schutz von Wildtieren leisten. Langfristig könnten solche internationalen Hilfen weiter ausgebaut werden, etwa durch ein besser abgestimmtes Netzwerk von Zufluchtsorten und standardisierte Verfahren für Tiertransporte. Damit würden nicht nur einzelne Tiere gerettet, sondern auch die Kapazitäten der Tierschutzorganisationen insgesamt gestärkt.
Der Blick auf zukünftige Entwicklungen im internationalen Tierschutz deutet darauf hin, dass die Zahl von Rettungsaktionen aus Konfliktzonen weiter steigen könnte angesichts globaler Krisen. Gleichzeitig wächst das Bewusstsein für deren Bedeutung: Sie sind nicht nur humanitäre Notmaßnahmen, sondern auch Ausdruck einer solidarischen Haltung gegenüber Tieren über kulturelle und nationale Grenzen hinweg.
Tierschutzkooperationen in Krisenzeiten sind daher unverzichtbar, weil sie Tiere vor Misshandlungen bewahren, die internationale Vernetzung fördern und gesellschaftliche Akzeptanz für den Schutz schutzbedürftiger Tiere stärken. Dies eröffnet Chancen für eine noch effektivere und nachhaltigere Tierschutzarbeit weltweit.
Die Informationen und Zitate in diesem Beitrag basieren auf einer Pressemitteilung des Deutschen Tierschutzbundes e.V.
8 Kommentare
„Die Integration von Myhasyk und Luba in ihr neues Zuhause klingt vielversprechend! Ich hoffe sehr, dass sie sich schnell eingewöhnen werden. Gibt es schon Pläne zur Integration mit anderen Bären?“
„Das wäre wirklich interessant zu wissen! Es wäre schön zu sehen, wie sie sich entwickeln und vielleicht neue Freundschaften schließen.“
Es ist schrecklich zu hören, wie Myhasyk und Luba gehalten wurden. Ich bewundere die Mühe des Tierschutzzentrums Weidefeld sehr! Welche weiteren Schritte sind nötig, um solche Misshandlungen zu verhindern?
Eine gute Frage! Vielleicht könnte mehr Aufklärung über artgerechte Haltung helfen? Solche Berichte machen mich nachdenklich.
Auf jeden Fall! Ich denke auch, dass das Bewusstsein in der Gesellschaft erhöht werden muss. Wie könnten wir als Bürger dabei helfen?
Ich finde es beeindruckend, wie der Deutsche Tierschutzbund so engagiert handelt. Es ist wichtig, dass wir mehr über solche Rettungsaktionen erfahren. Wie können wir denn sicherstellen, dass solche Transporte auch in Zukunft gut organisiert sind?
Ich stimme zu! Solche Aktionen zeigen, wie wichtig internationaler Tierschutz ist. Gibt es Ideen, wie wir die Zusammenarbeit zwischen den Ländern verbessern können?
Die Herausforderungen beim Transport sind wirklich groß. Ich frage mich, ob es Schulungen für die beteiligten Personen gibt, um die Sicherheit der Tiere zu gewährleisten.