AWO-Bundeskonferenz 2025: Kampf gegen Sozialkürzungen, kostenloses Mittagessen und Resolution gegen Rassismus

Bei ihrer Bundeskonferenz in Erfurt hat die Arbeiterwohlfahrt (AWO) klare Position gegen geplante Sozialkürzungen der Bundesregierung bezogen. Der Verband lehnt Leistungskürzungen und härtere Sanktionen im Bürgergeld entschieden ab. Zudem fordert die AWO kostenloses Mittagessen in allen Kitas, Schulen und Ausbildungsstätten.
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Inhaltsübersicht

– AWO-Bundeskonferenz tagte vom 14. bis 16. November 2025 in Erfurt.
– Verband beschloss Einsatz gegen Sozialkürzungen und für kostenloses Kita- und Schulessen.
– Positionierung gegen Rassismus, Antisemitismus und für einen starken Sozialstaat.

AWO-Bundeskonferenz: Klare Kante gegen Sozialabbau

Vom 14. bis 16. November 2025 tagte die Bundeskonferenz der Arbeiterwohlfahrt in Erfurt und setzte mit deutlichen Positionen politische Akzente für die kommenden vier Jahre. Die Delegierten berieten zahlreiche Anträge und verabschiedeten zentrale Beschlüsse gegen Sozialabbau sowie für Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Im Mittelpunkt stand die entschiedene Ablehnung geplanter Sozialkürzungen der Bundesregierung. AWO-Präsident Michael Groß betonte in seiner Rede: „Der Herbst der Reformen darf kein Herbst des sozialen Rückschritts werden“ und führte aus: „Für uns ist klar: Wir werden uns der Agenda der Sozialkürzungen und des Rückbaus der sozialen Sicherheit, die die Bundesregierung verfolgt, entschieden widersetzen.“

Die Delegierten sprachen sich einstimmig gegen Leistungskürzungen und härtere Sanktionen im Bürgergeld aus. Statt Einsparungen auf Kosten sozial Schwacher forderte Groß konkrete Maßnahmen gegen Ungleichheit: „Unsere Vorschläge orientieren sich nicht an vermeintlichen Einsparzielen auf dem Rücken der Ärmsten, sondern daran, Ungleichheit zu beenden und sozialen Aufstieg zu ermöglichen.“ Als unmittelbare Konsequenz beschloss die AWO die Forderung nach kostenlosem Mittagessen in allen Kindertagesstätten, Schulen und Ausbildungsstätten.

Bundessozialministerin Bärbel Bas unterstützte in ihrem Redebeitrag die Position der AWO nachdrücklich: „Wer den Sozialstaat rasieren will, hat mich zur Gegnerin! Unser Sozialstaat ist nicht nur ein Sicherheitsnetz – er ist das Rückgrat unserer Demokratie.“ Sie würdigte den Zusammenhang von Sozial- und Demokratiepolitik: „Sozialpolitik ist also immer auch Demokratiepolitik – das habt Ihr besser verstanden als viele andere im Land!“

Ebenfalls zentral behandelte die Konferenz den Kampf gegen Antisemitismus und Rassismus. AWO-Präsidentin Kathrin Sonnenholzner erklärte hierzu: „Antisemitismus und Rassismus haben keinen Platz in unserer freien, demokratischen Gesellschaft. Mit großer Sorge müssen wir beobachten, wie menschenfeindliche Rhetorik und Gewalt von Jahr zu Jahr zunehmen – und immer salonfähiger werden. Wir stehen geschlossen zur Brandmauer und gegen alle, die sie angreifen.“

Die Bedeutung der Arbeiterwohlfahrt als gesellschaftlicher Akteur wurde auch in den Grußworten von Bundeskanzler Friedrich Merz und Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt hervorgehoben. Merz bezeichnete die AWO als „konstruktiv-kritischen Partner der Politik“, während Voigt das Konferenzmotto „Demokratie.Macht.Zukunft“ als treffenden Zeitbezug wertete.

Getragen wird die Arbeiterwohlfahrt bundesweit von über 300.000 Mitgliedern, mehr als 72.000 ehrenamtlich engagierten Helferinnen und rund 242.000 hauptamtlichen Mitarbeiterinnen (Stand: 16. November 2025)*.

Bürgergeld-Debatte: Reformdruck und Kritik

Die Diskussion um das Bürgergeld hat sich im Laufe des Jahres 2025 deutlich verschärft. Was mit Warnungen vor einer Nullrunde bei den Regelsätzen begann, entwickelte sich zu einer grundsätzlichen Auseinandersetzung über die Zukunft der sozialen Sicherung in Deutschland. Verschiedene Akteure aus Verbänden, Wissenschaft und Praxis meldeten sich mit kritischen Stimmen zu Wort, während gleichzeitig politische Initiativen für eine Verschärfung der Regelungen auf den Weg gebracht wurden.

Chronologie: Warnungen und Initiativen (alt → neu)

Bereits im Juni 2024 warnten Verbände und Gewerkschaften vor einer sogenannten "Nullrunde" beim Bürgergeld* . Sie befürchteten, dass ohne ausreichende Anpassung der Regelsätze die Kaufkraft der Leistungsbeziehenden weiter sinken würde.

Im Jahr 2025 verschärfte sich die Debatte deutlich. Der Paritätische Wohlfahrtsverband wies darauf hin, dass rund eine Million Menschen mit Erwerbstätigkeit und geringem Einkommen 2025 auf Bürgergeld angewiesen sein werden* . Diese Zahl unterstreicht die wachsende Bedeutung des Systems nicht nur für Arbeitslose, sondern auch für working poor.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW) forderte im selben Jahr eine stärkere Einbindung von Praxisexpertise in die Sozialstaatskommission sowie eine spürbare Entbürokratisierung des Verfahrens*. Aus Sicht der Wohlfahrtsverbände sollten praktische Erfahrungen aus der Beratungsarbeit stärker in die politischen Entscheidungen einfließen.

Die Landesarmutskonferenz Sachsen-Anhalt kritisierte die geplante Bürgergeld-Reform scharf und verwies auf die drohenden sozialen Einschnitte für Menschen mit geringem Einkommen*. Die Kritik richtete sich insbesondere gegen geplante Verschärfungen bei Ersparnissen und den damit verbundenen Härten für Betroffene.

Im Sommer 2025 erreichte die politische Debatte schließlich den Deutschen Bundestag, wo eine Gesetzesinitiative zur Verschärfung von Sanktionen und zur Deckelung der Unterkunftskosten eingebracht wurde*. Diese parlamentarische Initiative markierte den vorläufigen Höhepunkt der Reformbemühungen.

Positionen von Verbänden und Praxisexpert:innen

Die Kritik der sozialen Verbände an den Reformplänen konzentriert sich auf mehrere zentrale Punkte:

  • Fehlende Praxiseinbindung: Die Expertise aus der täglichen Beratungsarbeit wird nach Ansicht der Verbände nicht ausreichend berücksichtigt
  • Bürokratische Hürden: Statt Vereinfachungen würden zusätzliche Verwaltungsaufgaben geschaffen
  • Soziale Verwerfungen: Die geplanten Einschnitte treffen besonders Menschen mit geringem Einkommen
  • Mangelnde Wirksamkeit: Die Maßnahmen würden nicht zu mehr Beschäftigung, sondern zu größerer Armut führen

Die Verbände betonen, dass Reformen am Bürgergeld nicht an vermeintlichen Einsparzielen orientiert sein dürfen, sondern daran, soziale Ungleichheit tatsächlich zu verringern und Aufstiegschancen zu ermöglichen. Die Debatte zeigt deutlich, wie unterschiedlich die Vorstellungen von einer zukunftsfähigen sozialen Sicherung ausfallen – zwischen dem Ziel der Kostenbegrenzung auf der einen und dem Anspruch auf armutsfeste Absicherung auf der anderen Seite.

Kostenloses Mittagessen: Verbreitung und Wirksamkeit

Der Anteil der Bildungseinrichtungen mit kostenloser Mittagsverpflegung liegt deutschlandweit bei 38 Prozent (Stand: 2024, Quelle: DJI-Studie)*. Diese Zahl verdeutlicht die bestehende Lücke zwischen Anspruch und Realität, obwohl Forschungsergebnisse die positiven Effekte regelmäßiger Mittagsmahlzeiten belegen.

Verbreitung nach Bundesländern

Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind erheblich: Während in Bremen 95 Prozent der Einrichtungen kostenloses Mittagessen anbieten, erreicht Bayern lediglich 17 Prozent (Stand: 2024, Quelle: DJI-Studie)*. Diese Diskrepanz zeigt die regional sehr unterschiedliche Umsetzung des Themas in der Bildungspolitik.

Jahr Anteil (in %) Beispiel-Bundesländer (Werte) Quelle/Stand
2024 38 Bremen: 95 %; Bayern: 17 % DJI-Studie 2024*

Wirkungen laut Forschung

Wissenschaftliche Untersuchungen belegen klare Zusammenhänge zwischen kostenloser Schulverpflegung und Bildungserfolg. Ein kostenloses Mittagessen verbessert nachweislich die Konzentrationsfähigkeit, fördert das Sozialverhalten und erhöht die Bildungschancen (Stand: 2024, Quelle: DJI-Forschung)*. Diese Effekte zeigen sich besonders bei Kindern aus einkommensschwachen Familien, für die eine regelmäßige warme Mahlzeit oft nicht selbstverständlich ist.

Die Forschungsergebnisse unterstreichen, dass es bei kostenlosem Mittagessen nicht allein um die reine Nahrungsversorgung geht, sondern um die Schaffung gleicher Voraussetzungen für erfolgreiches Lernen und gesunde Entwicklung.

Menschenfeindlichkeit: Kriminalstatistik und politische Reaktionen

Die gesellschaftliche Sicherheitslage in Deutschland steht im Fokus zahlreicher Debatten. Aktuelle Zahlen zu antisemitisch und rassistisch motivierten Straftaten liegen nicht vor*. Dennoch verdeutlichen zahlreiche Berichte die anhaltende Bedrohung durch menschenfeindliche Ideologien und unterstreichen die Dringlichkeit zivilgesellschaftlichen Engagements.

Vor diesem Hintergrund gewinnt die Resolution der Arbeiterwohlfahrt gegen Rassismus und Antisemitismus besondere Bedeutung. Wie in Kapitel 1 dargestellt, positioniert sich der Wohlfahrtsverband damit klar gegen die zunehmende Normalisierung menschenfeindlicher Rhetorik und Gewalt. Die Problematik stellt eine reale Gefahr für den gesellschaftlichen Zusammenhalt dar.

In der politischen Debatte fordern zivilgesellschaftliche Akteure verstärkte Maßnahmen gegen Hasskriminalität. Antisemitismus und Rassismus sind weiterhin tief in der Gesellschaft verwurzelt und benötigen kontinuierliche Aufklärungsarbeit. Die AWO-Resolution reiht sich in eine breite Bewegung ein, die der zunehmenden Menschenfeindlichkeit entschlossen entgegentritt und demokratische Werte verteidigt.

Gesellschaft und Politik im Fokus: Welche Weichen stellt die AWO?

Die politischen Beschlüsse der AWO-Bundeskonferenz treffen auf eine Gesellschaft mit wachsenden sozialen Herausforderungen. Die aktuelle Armutsquote in Deutschland liegt bei 16,7 Prozent (Statistisches Bundesamt). Gleichzeitig müssen laut Paritätischem Wohlfahrtsverband rund eine Million Menschen 2025 aufstocken, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Vor diesem Hintergrund gewinnen die Forderungen der Wohlfahrtsverbände zusätzliches Gewicht.

Rolle der Wohlfahrtsverbände

Als einer der sechs Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege nimmt die AWO eine zentrale Position im sozialen Gefüge Deutschlands ein. Mit über 300.000 Mitgliedern, mehr als 72.000 ehrenamtlich Engagierten und rund 242.000 hauptamtlichen Mitarbeitenden bildet sie ein bedeutendes Gegengewicht in der Soziallandschaft*. AWO-Präsident Michael Groß betont: "Unsere Vorschläge orientieren sich nicht an vermeintlichen Einsparzielen auf dem Rücken der Ärmsten, sondern daran, Ungleichheit zu beenden und sozialen Aufstieg zu ermöglichen."

Konkrete Fragen an Politik und Verwaltung

Die AWO formuliert klare Erwartungen an die politischen Entscheidungsträger. Im Zentrum stehen dabei:

  • Die Umsetzung kostenfreier Mittagsverpflegung in allen Bildungseinrichtungen
  • Der Schutz vor Leistungskürzungen und härteren Sanktionen im Bürgergeld
  • Die Sicherung sozialstaatlicher Standards gegen abbauende Tendenzen

Bundeskanzler Friedrich Merz anerkennt in seinem Grußwort die Bedeutung dieser Stimme: "Wir brauchen die Arbeiterwohlfahrt als konstruktiv-kritischen Partner der Politik."

Ausblick: Drei zentrale Handlungsfelder

  • Praxiseinbindung: Sozialpolitische Reformen müssen mit den Erfahrungen der praktischen Sozialarbeit entwickelt werden
  • Entbürokratisierung: Vereinfachung von Antragsverfahren für Hilfesuchende
  • Schutz vulnerabler Gruppen: Sicherung der Grundversorgung für einkommensschwache Haushalte

Dieser Beitrag enthält Informationen und Aussagen, die einer Pressemitteilung des AWO Bundesverbandes e. V. entnommen sind.

Weiterführende Quellen:

16 Antworten

  1. Ich bin skeptisch gegenüber den neuen Reformen des Bürgergeldes. Es scheint so viele Menschen negativ zu beeinflussen. Was denkt ihr über die Vorschläge zur Entbürokratisierung? Könnte das helfen oder sind wir auf dem falschen Weg?

    1. Ich denke auch Xnickel! Eine Entbürokratisierung könnte vieles einfacher machen für Hilfesuchende. Das würde auch mehr Menschen ansprechen und ihnen helfen!

  2. Die AWO hat gute Vorschläge gemacht! Ich hoffe wirklich, dass die Politiker darauf hören werden. Glaubt ihr, dass es eine Chance gibt, dass kostenlose Mittagsverpflegung bald Realität wird? Ich finde das sehr wichtig für unsere Kinder.

    1. Das wäre echt klasse, Laura! Aber ich mache mir Sorgen um die Finanzierung solcher Projekte. Gibt es Ideen oder Modelle aus anderen Ländern, die wir als Vorbild nehmen könnten?

  3. Das Engagement gegen Rassismus und Antisemitismus finde ich besonders wichtig. Wir sollten alle zusammenhalten und diese Themen nicht ignorieren. Wie können wir mehr Menschen motivieren, sich aktiv zu beteiligen?

    1. Das ist ein guter Punkt! Vielleicht könnten Informationsveranstaltungen oder Workshops helfen, Motto? Es wäre toll, mehr Austausch zu haben und gemeinsam Lösungen zu finden.

  4. Die Ablehnung von Leistungskürzungen im Bürgergeld ist ein wichtiger Schritt! Wir müssen sicherstellen, dass niemand durch das Raster fällt. Was sind eure Gedanken zur Rolle der Politik in diesem Prozess? Gibt es genug Unterstützung für diese Maßnahmen?

  5. Ich finde es super, dass die AWO sich so klar gegen Sozialkürzungen positioniert! Es ist wichtig, dass wir für sozial Schwache einstehen. Wie denkt ihr über die Idee von kostenlosem Mittagessen? Wäre das nicht eine tolle Maßnahme, um Ungleichheit zu bekämpfen?

    1. Ich stimme dir zu, Mfritz! Kostenloses Mittagessen könnte wirklich helfen. Ich frage mich, wie man das in allen Bundesländern umsetzen könnte, besonders in Bayern, wo es nur 17 % gibt.

  6. Es war sehr inspirierend zu hören, wie stark sich die AWO für soziale Gerechtigkeit einsetzt! Ich frage mich, wie wir alle dazu beitragen können? Welche Möglichkeiten seht ihr?

    1. !Echt gute Fragen! Vielleicht sollten wir uns mehr vernetzen und gemeinsam an Lösungen arbeiten. Was denkt ihr über lokale Initiativen?

  7. Die Konferenz hat viele wichtige Punkte angesprochen! Besonders die Ablehnung der Bürgergeld-Kürzungen ist gut. Aber wie können wir sicherstellen, dass diese Vorschläge auch wirklich umgesetzt werden?

    1. Ich stimme zu! Es ist wichtig, dass unsere Stimmen gehört werden. Was haltet ihr von der Idee, mehr Bürger in den Dialog einzubeziehen? Das könnte helfen.

    2. Das Thema Rassismus ist auch sehr wichtig! Ich hoffe, dass die AWO da weiterhin aktiv bleibt. Wie können wir als Gesellschaft mehr tun?

  8. Ich finde es toll, dass die AWO sich so klar gegen Sozialkürzungen positioniert. Der soziale Rückschritt ist ein großes Thema, besonders in diesen Zeiten. Wie denkt ihr über die Maßnahmen gegen Ungleichheit?

    1. Ja, ich finde auch, dass kostenlose Mittagessen wichtig sind! Kinder aus armen Familien brauchen das. Gibt es schon konkrete Pläne zur Umsetzung? Das wäre echt interessant zu wissen.

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