Ausbildungskrise verschärft sich: Weniger Betriebe bilden aus – 40.000 Jugendliche ohne Platz

Der vom Bundeskabinett verabschiedete Berufsbildungsbericht zeichnet laut DGB ein alarmierendes Bild: Das Ausbildungsangebot sinkt, während die Nachfrage steigt. Knapp 40.000 junge Menschen blieben im letzten Ausbildungsjahr komplett unversorgt – so viele wie seit 2009 nicht mehr. Zudem bilden nur noch 18,7 Prozent der Betriebe aus, während 2,7 Millionen junge Erwachsene zwischen 20 und 34 Jahren ohne Berufsabschluss sind.

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– Weniger Betriebe bilden aus: nur noch 18,7 Prozent bieten Ausbildung an.
– Knapp 40.000 Jugendliche blieben 2025 komplett unversorgt – Höchststand seit 2009.
– DGB fordert bundesweite Ausbildungsgarantie plus Umlagefinanzierung.

DGB warnt vor Zuspitzung der Ausbildungskrise in Deutschland

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) sieht den aktuellen Berufsbildungsbericht als deutliches Warnsignal für den Ausbildungsmarkt in Deutschland. Nach Einschätzung des Gewerkschaftsbunds verschlechtern sich die Chancen auf einen Ausbildungsplatz weiter, während das Angebot an dualer Ausbildung sinkt und die Nachfrage steigt.

Aus Sicht des DGB steht damit nicht nur die berufliche Perspektive vieler junger Menschen auf dem Spiel. Die Entwicklung berührt nach Angaben des Verbands auch die Fachkräftesicherung, die wirtschaftliche Entwicklung und den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack erklärt: „Die Chancen auf einen Ausbildungsplatz für junge Menschen haben sich weiter verschlechtert. Der Berufsbildungsbericht zeigt weniger Ausbildungsangebot und eine steigende Nachfrage: Trotz aller Klagen über einen vermeintlichen Fachkräftemangel bilden immer weniger Arbeitgeber aus. Die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge sinkt weiter, während knapp 40.000 junge Menschen komplett unversorgt geblieben sind so viele wie seit 2009 nicht mehr. Die Versäumnisse sind unübersehbar und gefährden die wirtschaftliche Entwicklung und den gesellschaftlichen Zusammenhalt.“

Weniger Ausbildungsplätze, weniger Verträge

Nach Angaben des DGB vom 6. Mai 2026 bilden nur noch 18,7 Prozent der Betriebe junge Menschen aus. Vor allem kleinere Betriebe ziehen sich demnach häufig ganz aus der Ausbildung zurück. Größere Unternehmen reduzieren Ausbildungsplätze laut DGB wegen der wirtschaftlichen Entwicklung.

Auch die Zahl der abgeschlossenen dualen Ausbildungsverträge geht zurück. Nach Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung wurden 2025 bundesweit rund 476.000 duale Ausbildungsverträge abgeschlossen. Das waren 10.300 weniger als im Vorjahr, ein Rückgang um 2,1 Prozent. Gleichzeitig sank das Angebot an Ausbildungsplätzen auf 530.300 Stellen und damit um 25.300 beziehungsweise 4,6 Prozent. Das betriebliche Angebot ging dabei sogar um 5 Prozent zurück.

Auch vorläufige Zahlen des Statistischen Bundesamts weisen in dieselbe Richtung. Demnach wurden 2025 rund 461.800 neue duale Ausbildungsverträge registriert. Das waren 13.300 weniger als 2024 und ein Minus von 2,8 Prozent.

Steigende Nachfrage trifft auf schrumpfendes Angebot

Während das Angebot sinkt, nimmt die Nachfrage nach dualer Ausbildung weiter zu. Nach Angaben der IG Metall stieg die Nachfrage im Jahr 2025 um 0,7 Prozent, während das Ausbildungsangebot im selben Zeitraum um 4,6 Prozent zurückging.

Für den DGB verschärft sich dadurch der Druck auf Jugendliche, die einen Ausbildungsplatz suchen. Zugleich verweist der Verband darauf, dass weiterhin 2,7 Millionen junge Menschen zwischen 20 und 34 Jahren ohne Berufsabschluss sind. Aus seiner Sicht zeigt sich darin ein grundlegendes Problem des Ausbildungsmarktes: Trotz anhaltender Debatten über fehlende Fachkräfte gelingt vielen jungen Menschen der Einstieg in eine berufliche Qualifizierung nicht.

Passungsprobleme verschärfen die Lage

Der Berufsbildungsbericht 2025 macht nach Darstellung des DGB auch deutlich, dass es nicht allein an der Zahl der Plätze liegt. Hinzu kommen strukturelle Passungsprobleme. So blieben 31.200 Bewerberinnen und Bewerber unversorgt, weitere 39.200 suchten weiter, obwohl sie bereits eine Alternative gefunden hatten. Gleichzeitig blieben 69.400 Ausbildungsstellen unbesetzt.

Diese widersprüchliche Lage zeigt aus Sicht des Verbands, dass Angebot und Nachfrage oft nicht zusammenfinden. Besonders deutlich wird das laut Bericht bei kleinen Betrieben: Nur jedem dritten Kleinbetrieb gelang es demnach, seine Ausbildungsstellen zu besetzen, während Großbetriebe fast alle Plätze vergeben konnten. Auch regionale Unterschiede spielen eine Rolle. Als besonders schwierig gelten Berlin, Hessen und Nordrhein-Westfalen.

Industriebranchen besonders betroffen

Besonders kritisch bewertet der DGB die Entwicklung in klassischen Industrieberufen. In den Metall- und Elektroberufen wurden laut IG Metall im Jahr 2025 nur noch 25.800 Ausbildungsverträge abgeschlossen. Das waren 9,1 Prozent weniger als 2024.

Aus Sicht der Gewerkschaften ist das ein besonders problematisches Signal, weil diese Berufe in vielen Regionen eine wichtige Rolle für die Fachkräftegewinnung spielen. Wenn gerade in technisch und industriell geprägten Bereichen weniger ausgebildet wird, betrifft das aus ihrer Sicht nicht nur Jugendliche bei der Berufswahl, sondern auch die zukünftige personelle Basis großer Teile der Wirtschaft.

DGB fordert Aktionsprogramm und bundesweites Recht auf Ausbildung

Der DGB verbindet seine Kritik mit konkreten politischen Forderungen. Elke Hannack erklärt: „Wir brauchen dringend ein Aktionsprogramm für mehr Ausbildungsplätze – dazu gehört unbedingt, die Ausbildungsgarantie auszuweiten und durch eine Umlage wie in den Bundesländern Berlin und Bremen zu ergänzen. Das Recht auf eine Ausbildung brauchen wir nicht nur in bestimmten unterversorgten Regionen, es muss bundesweit gelten.

Nach wie vor ist der Übergang zwischen Schule und Beruf für viele junge Menschen frustrierend und bietet nicht die Hilfe, die nötig wäre. Angebote von Jugendberufsagenturen sind immer noch nicht in der erforderlichen Qualität vorhanden. Wir erwarten von Bund, Ländern und Kommunen eine Qualitätsoffensive für Jugendberufsagenturen und Programme wie Assistierte Ausbildung.“

Damit richtet sich der Blick des DGB auf zwei zentrale Punkte: mehr Ausbildungsplätze und bessere Unterstützung beim Übergang von der Schule in den Beruf. Für den Gewerkschaftsbund zeigt der aktuelle Berufsbildungsbericht, dass die Ausbildungskrise nicht auf einzelne Regionen oder Branchen begrenzt ist. Aus seiner Sicht sind nun Bund, Länder und Kommunen gefordert, daraus konkrete Konsequenzen zu ziehen.

Was Betroffene jetzt konkret tun können

Wenn der Ausbildungsmarkt enger wird, zählt oft nicht nur der Notenschnitt, sondern auch ein kluger Plan B. Wer auf eine Zusage wartet oder schon Absagen gesammelt hat, sollte Unterlagen, Suchradius und Wunschberufe noch einmal nüchtern prüfen. Gerade bei den beschriebenen Passungsproblemen lohnt es sich, ähnliche Berufe mitzudenken, Nachbarregionen einzubeziehen und Beratungsangebote vor Ort früh zu nutzen, statt erst kurz vor Fristende hektisch zu reagieren.

Hilfreich ist auch, Bewerbungen wie ein kleines Projekt zu behandeln: feste Zeiten für Recherche, eine saubere Ablage für Anschreiben und Rückmeldungen, dazu eine Liste mit Ansprechpartnern und Terminen. Das klingt simpel, macht aber im Alltag oft den Unterschied zwischen Dauerstress und echter Organisation. Wer zusätzlich Praktika, Einstiegsqualifizierungen oder vorbereitende Kurse in den Blick nimmt, verbessert nicht nur die Chancen auf einen Einstieg, sondern gewinnt auch Orientierung für die eigene Berufswahl.

Und weil berufliche Wege heute selten schnurgerade verlaufen, kann es sinnvoll sein, den eigenen Werkzeugkasten zu erweitern – mit Kursen, Beratung oder kompaktem Fachwissen. Einen nützlichen Überblick über hilfreiche Angebote für Weiterbildung und Beratung finden Leserinnen und Leser in der Vorteilswelt. Das passt besonders dann, wenn kurzfristig Weiterbildung gefragt ist oder vor wichtigen Entscheidungen ein zweiter, fachkundiger Blick helfen kann.

Die nachfolgenden Informationen und Zitate stammen aus einer Pressemitteilung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB).

Weiterführende Quellen:

Update: Warum das Thema wichtig bleibt

Die Ausbildungsplatzkrise ist mehr als ein Engpass am Arbeitsmarkt: Der Beitrag zeigt, dass weniger Betriebe ausbilden, während gleichzeitig die Nachfrage steigt. Daraus folgt ein Risiko für die Fachkräftesicherung sowie für die berufliche Perspektive vieler junger Menschen – und damit für wirtschaftliche Entwicklung und gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Für Betroffene wird wichtig, dass Angebot und Nachfrage nicht einfach „schon irgendwie“ zusammenfinden. Der Beitrag nennt Passungsprobleme, regionale Unterschiede und besondere Schwierigkeiten in kleinen Betrieben. Politisch und für Verwaltung heißt das: Übergang von Schule zu Beruf und Qualität von Unterstützungsangeboten wie Jugendberufsagenturen müssen stärker in den Blick. Unternehmen und Verbände stehen zugleich vor der Frage, wie Ausbildung auch in wirtschaftlich schwieriger Lage verlässlich gestaltet werden kann.

Was Leserinnen und Leser jetzt wissen sollten

Warum bleiben trotz Suche viele Stellen unbesetzt?
Weil Angebot und Nachfrage oft nicht zusammenpassen. Der Beitrag nennt Passungsprobleme sowie Unterschiede zwischen Betriebsgrößen.

Was bedeutet „unversorgt“ im Beitrag konkret?
Im Text geht es um Bewerberinnen und Bewerber, die keinen Ausbildungsplatz bekommen haben (genannt werden 31.200 unversorgte).

Worauf sollten Jugendliche bei der Berufswahl und Planung achten?
Der Beitrag empfiehlt, Wunschberufe und Unterlagen zu prüfen, Alternativen mitzudenken und auch Nachbarregionen einzubeziehen.

Welche Unterstützung wird im Beitrag als Qualitätsproblem beschrieben?
Genannt werden Jugendberufsagenturen, die aus Sicht des DGB noch nicht die nötige Qualität erreichen. Eine passende Anlaufstelle können Fachstellen, Beratungsstellen oder zuständige Behörden sein.

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12 Kommentare

  1. Sachlich gesehen is das Problem mehrschichtig: weniger Ausbildungsangebote, steigende Nachfrage, Passung fehlt. Ich find die Vorschläge vom DGB sinnvoll (Ausbildungsgarantie, Umlage), aber unklar bleibt wie Finanzierung durch Umlage genau wirkt und ob das kleine Betriebe überfordert. Mehr Transparenz und regionale Lösungen verlang ich, siehe /berufsbildungsbericht-2025 und /vorteilswelt

    1. Jochen, deine Fragen sind wichtig. Ich hab gelesen das Berlin/Bremen Modelle nutzen, aber net alles übertragbar ist, kleine Betriebe haben oft kein Personal für Ausbildung, da braucht es Praxishilfe und Beratung. Kann jemand regionale Förderprogramme nennen? Link /aktionsprogramm-ausbildung könnte Startpunkt sein, wer kennt lokale Angebote?

    2. Ich geb konstruktiv zu bedenken: statt nur mehr Plätze zu fordern sollte man auch Ausbildung attraktiver machen, bessere Bezahlung, mehr Betreuung, und Praxisnähe. Sonst füllen sich Stellen nicht. Gute Idee im Text: Qualitätsoffensive für Jugendberufsagenturen, mehr Beratung wäre wichtig, siehe /jugendberufsagenturen und /vorteilswelt für info

  2. Ich les das mit Sorge, 31.200 unversorgte Bewerber und 69.400 unbesetzte Stellen klingt widersprüchlich, passt nicht zusammen. Vielleicht sind Passungsprobleme schuld: Regionen, Berufsbild, Anforderungen. Lob an DGB das Problem zu benennen, aber Kritik: mehr Konkretes bei Übergangsprogramme fehlt. Empfehl: mehr Beratung frühe, siehe /jugendberufsagenturen und /vorteilswelt für Kurse

    1. Marliese hat recht, die Zahlen sagen viel aber nicht genug lösungen. Ich würd gern mehr über Assistierte Ausbildung lesen, wer hat erfahrung? Könnte das Jugendlichen helfen die sonst unversorgt bleibn? Bitte mehr Praxisbeispiele und Links zu lokalen Angeboten, zB /assistierte-ausbildung oder /jugendberufsagenturen

    2. Kurz: das system hinkt, Betriebe klein vermeiden ausbilung oft, Großbetriebe füllen Plätze, das schafft Ungleichheit. Neutral gefragt: wie motiviert man Kleinfirmen besser? Steueranreiz oder Umlage? Die Wort Umlagefinanzierung hört sich kompliziert an, ein einfacher Leitfaden auf /aktionsprogramm-ausbildung wär gut, kann das jemand posten?

  3. Das mit den Branchenfind ich wichtig, Metall und Elektro verlieren Nachwuchs, das ist schlecht für Regions die industrie brauchen. DGB fordert Ausbildungsgarantie, aber wie setzt man das praktisch um? Die Zahlen 476000 Verträge und 530300 Stellen sind verwirrend weil Angebot/ Nachfrage nicht matchen, mehr erklärungen auf /berufsbildungsbericht-2025 wären nützlich, jemand erfahrungen?

    1. Rjost hat recht das ist kompliziert, in meiner Gegend sind kleine Betriebe zurückhaltend, viele sagen wirtschaftskrise und reduzieren Ausbildungen. Wär gut wenn Kommunen mehr Förderung machen oder Umlagewie in Berlin/Bremen anwendn. Ist das realistisch bundesweit? Link /jugendberufsagenturen zeigt Anlaufstellen, wer hat dort geholfen?

  4. Neutral gesagt, der Berufbildungsbericht zeigt Lücken, weniger Dualausbildung, mehr Suchende. Ich lob das Problem benannt wird, aber es fehlen konkrete Zahlen erklärung für Eltern und Schüler, zB was tun wenn man keine Stelle findet? Vorschläg: mehr Praktika, Einstiegsqualifizierungen, siehe /assistierte-ausbildung und /vorteilswelt für kurs tipps, hilft evtl bei Übergang Schule-Beruf

  5. Das thema Ausbildung ist wichtig, das seh ich auch, aber ich versteh nich alles im Text. DGB sagt fewer Ausbildungsplätze und Umlagefinanzierung soll helfen, stimmt das? Irgendwie klingt das logisch, aber wie funzt die Umlagegenau?, mehr Infos auf /aktionsprogramm-ausbildung oder /vorteilswelt wär gut, und was meinet ihr zur Qualität der Jugendberufsagenturen?

    1. Gute Punkte von Reinhild, ich denk auch das Problem is groß: weniger Betriebe bilden aus, Lehreplatz fehlt, Fachkräftesicherung warnt man. Aber wie genau funktioniert die Ausbildungsgarantie bundesweit? Link /berufsbildungsbericht-2025 hilft vielleicht, kann aber verwirrend sein, kann jemand das einfacher erklärn?

    2. Ich find die Idee mit Umlagefinazierung prinzipiell ok, aber wer soll zahlen und wie, und was macht das mit kleinen Betriebe die schon klamm sind? Die Berichte sagen 18,7% bilden noch aus und knapp 40000 junge unversorgt, steht auch auf /berufsbildungsbericht-2025, kann das jemand kurz zusammenfassen,bitte?

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